14.08.2026 | 05:10
ERock, Zefiro Methane, Uniper – Im Zentrum des Strombooms
Der explosionsartig steigende Strombedarf von KI-Rechenzentren verändert den Energiemarkt. Weil Netzanschlüsse häufig Jahre dauern und erneuerbare Energien allein keine kontinuierliche Versorgung gewährleisten können, erlebt Erdgas als flexibel einsetzbarer Energieträger eine neue Dynamik. Milliarden fließen in dezentrale Kraftwerke und neue Infrastruktur. Gleichzeitig wächst der Druck, die Altlasten der Öl- und Gasindustrie zu beseitigen und Methanemissionen zu reduzieren. Drei Unternehmen könnten von unterschiedlichen Seiten dieses gewaltigen Investitionszyklus profitieren.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Stefan Feulner
ISIN:
ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , EROCK INC | US2960131058 | NYSE:EROC , UNIPER SE NA O.N. | DE000UNSE018
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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ERock – Auftragsbestand explodiert
Als Anbieter dezentraler Energielösungen ist ERock vor allem für seine Erdgas-Generatoren-Technologie bekannt, welche in der aktuellen Marktsituation eine hohe Nachfrage generiert. In den Zahlen des 2. Quartals wurde ein deutlicher Anstieg des Auftragsbestands registriert. Die festen Bestellungen stiegen auf rund 1,7 Mrd. USD. Das entspricht einer Verzehnfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein Großauftrag des KI-Entwicklers Anthropic über 470 MW sichert dabei die Auslastung der Produktionskapazitäten bis in das Jahr 2028.
Um dieses Volumen zu bewältigen, hat ERock die Fertigung an einem neuen Standort in Houston hochgefahren. Finanziell ist der Anbieter von Energieinfrastruktur nach dem Börsengang im Juni, der etwa 400 Mio. USD einbrachte, robust aufgestellt. Ende Juni wies die Bilanz liquide Mittel in Höhe von 626,6 Mio. USD auf. Zudem ist das Unternehmen vollständig schuldenfrei. Obwohl im zweiten Quartal bei einem Umsatz von knapp 40 Mio. USD ein Nettoverlust von 67,7 Mio. USD verbucht wurde, prognostiziert das Management für das Gesamtjahr 2026 einen deutlichen Umsatzsprung auf bis zu 465 Mio. USD.
Die Entwicklung des Unternehmens wird durch die Bewertung der Analysten bekräftigt. Barclays bewertet das ERock-Papier mit „Overweight“ und setzt ein Kursziel von 23 USD. Der Grund hierfür liegt in der strukturellen Stromknappheit der USA. Da Kunden aufgrund des KI-Ausbaus und allgemeiner Netzengpässe oft jahrelang auf reguläre Stromanschlüsse warten müssen, bieten die schnell installierbaren Systeme von ERock eine gefragte Überbrückungslösung. Diese Module behalten auch nach einem späteren Netzanschluss als Reservekapazität ihren Wert.
Die Bank of America hat die Aktie derweil von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft, belässt das Kursziel jedoch bei 16 USD. Die Analysten argumentieren, dass der vorherige Kursrückgang der Aktie das Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger deutlich attraktiver gemacht hat. Zudem sei das Unternehmen finanziell abgesichert, da es von langfristigen Serviceverträgen profitiere.
Zefiro Methane – Kleine Aktie vor dem großen Durchbruch
Zefiro Methane treibt die Expansion weiter voran. Im vergangenen Monat wurde mit der Well Done Foundation, die in 18 US-Bundesstaaten aktiv ist, eine Kooperation geschlossen. Die operative Zefiro-Tochter Plants & Goodwin setzt dabei gemeinsam mit der Stiftung die Versiegelung verwaister Öl- und Gasbohrlöcher um. Aktuell laufen unter anderem Arbeiten im Deep Fork Wildlife Refuge in Oklahoma. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein bereits saniertes Bohrloch in Pennsylvania. Die Zusammenarbeit schaffte es zuletzt auf die Titelseite der Regionalzeitung „The Bradford Era“. Für Zefiro ist die Partnerschaft vor allem strategisch interessant, da sie den Zugang zu zusätzlichen Projekten und Regionen erleichtern könnte.
Das Geschäftsmodell von Zefiro Methane trifft auf einen gewaltigen Sanierungsbedarf. Zefiro identifiziert und vermisst alte Bohrlöcher, übernimmt deren fachgerechte Versiegelung und Rekultivierung. Damit deckt das Unternehmen einen großen Teil der Wertschöpfungskette selbst ab. Zusätzlich können durch vermiedene Methanemissionen Emissionsgutschriften entstehen. Bei einem Projekt in Oklahoma wurden bereits 92.956 Tonnen CO₂-Äquivalent generiert und veräußert.
Allein in den USA sind mehr als zwei Millionen unversiegelte Öl- und Gasbohrlöcher bekannt.
Schätzungen beziffern den gesamten Sanierungsbedarf auf 400 bis 600 Mrd. USD. Hinzu kommen bislang nicht erfasste Altbohrungen. Gleichzeitig stehen über das US-Infrastrukturprogramm IIJA 4,7 Mrd. USD für entsprechende Maßnahmen bereit. Zefiro ist inzwischen in 13 Bundesstaaten aktiv und hat durch den Kauf zusätzlicher Bohranlagen seine Kapazitäten ausgebaut.
Dass die Strategie zunehmend auch in den Zahlen sichtbar wird, zeigt das laufende Geschäftsjahr. In den ersten neun Monaten kletterte der Umsatz um 36 % auf rund 33 Mio. USD, während das EBITDA von minus 5,5 Mio. auf plus 3,1 Mio. USD drehte. Zusätzliche Planungssicherheit liefert ein bis 2029 laufender Großauftrag in Ohio über 19,6 Mio. USD. Die Analysten der GBC AG sehen angesichts des Marktpotenzials noch erheblichen Spielraum und bewerten die Aktie mit „Kaufen“ sowie einem Kursziel von 2,12 CAD. Aktuell notiert die Zefiro-Aktie bei 0,61 CAD.
Uniper – Profiteur der steigenden Gasnachfrage
Im gleichen Zug profitiert der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper, welcher konventionelle Kraftwerke betreibt, stark von der Wende am Energiemarkt. Die positive Entwicklung wurde primär von einem wieder profitablen Gasgeschäft getrieben. So verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 ein operatives Ergebnis von 711 Mio. EUR, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Gleichzeitig verbesserte sich der bereinigte Nettogewinn auf 388 Mio. EUR. Ein außerplanmäßiger Stillstand eines schwedischen Kernkraftwerks bremste den Ertrag im Bereich der emissionsfreien Stromerzeugung leicht. Mit einer Netto-Liquidität von 4,5 Mrd. EUR bleibt das Unternehmen sehr robust.
Aufgrund der soliden Halbjahresergebnisse wurde die Jahresprognose angepasst. Für das Geschäftsjahr 2026 wird nun ein EBITDA zwischen 1,1 und 1,3 Mrd. EUR erwartet. Der Nettogewinn soll in einer Spanne zwischen 500 und 600 Mio. EUR liegen. Strategisch fokussiert sich das Unternehmen zunehmend auf die Bereitstellung von Infrastruktur für die Technologiebranche. Uniper plant den Aufbau von Rechenzentren an firmeneigenen Kraftwerksstandorten, um den steigenden Strombedarf von KI-Anwendungen zu decken. Der Wettbewerbsvorteil liegt in den bereits vorhandenen Hochspannungsanschlüssen, wodurch langwierige Netzanschlussverfahren entfallen. Europaweit stehen mehr als zehn Standorte zur Verfügung, wobei ein erstes Projekt in Großbritannien bereits realisiert ist. Insgesamt sieht das Investitionsprogramm bis 2030 Ausgaben von rund 5 Mrd. EUR vor.
Generell warnt das Management vor versorgungstechnischen Herausforderungen im kommenden Winter. Das aktuelle Einspeicher-Tempo für Erdgas in Deutschland verlaufe zu langsam. Ursächlich hierfür sei die fehlende Rentabilität für Gashändler. Hohe Beschaffungskosten und geringe saisonale Preisdifferenzen machen die Einlagerung derzeit unprofitabel. Aus diesem Grund hat Uniper die Schließung eines bayerischen Speichers bei der Bundesnetzagentur beantragt. Um die Speicherziele zu erreichen, plädiert das Unternehmen für staatliche Interventionsmodelle, wie beispielsweise garantierte Mindestpreise für Einspeicherer. Eine grundsätzliche Knappheit von Erdgas auf den internationalen Märkten werde hierbei allerdings ausgeschlossen.
Der KI-Boom löst einen gewaltigen Investitionszyklus aus, bei dem Energieversorgung und Infrastruktur immer wichtiger werden. ERock sitzt mit einem Auftragsbestand von 1,7 Mrd. USD direkt am Stromhunger der Rechenzentren. Uniper setzt auf Gas, Kraftwerksstandorte und neue Rechenzentren. Den spekulativ größten Hebel bietet Zefiro Methane. Gelingt die Skalierung des Geschäfts mit der Sanierung alter Bohrlöcher, könnte die niedrige Bewertung angesichts des Milliardenmarktes erhebliches Aufholpotenzial bieten.
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