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10.07.2026 | 05:00

EU treibt die Silizium-Revolution: Wacker Chemie, BYD und Nischen-Player HPQ Silicon

  • Batterietechnologie
  • Chipindustrie
  • Silizium
  • Anodenmaterial
Bildquelle: KI

Lithium-Ionen-Batterien können noch viel besser werden. Da klassische Anoden auf Basis von Graphit an ihre physikalischen Grenzen stoßen, setzt die weltweite Forschung auf Silizium als aktives Anodenmaterial. Kein Wunder, schließlich bietet der Rohstoff theoretisch die Aussicht auf eine Verzehnfachung des elektrochemischen Potenzials. Doch die Ausdehnung des Materials während des Ladeprozesses gilt als großes Risiko für die Technologie, da sie das Material schwächt und die Batteriezellen schneller altern lässt. Der Markt für Siliziumanoden, der laut der Analysten von SNS Insider bis zum Jahr 2035 ein Volumen von bis zu 31,27 Mrd. USD erreichen soll, gilt als äußerst chancenreich. Wir stellen drei Akteure vor und nennen einen Geheimtipp.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , WACKER CHEMIE O.N. | DE000WCH8881

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Inhaltsverzeichnis:


    Wacker Chemie geht neue Wege

    Wacker Chemie durchläuft derzeit eine Phase der Restrukturierung: Extreme Überkapazitäten asiatischer Wettbewerber im Solarsiliziumsegment und anhaltend hohe Energiepreise in Deutschland drückten das Nettoergebnis im Jahr 2025 auf minus 805 Mio. EUR. Als Gegenmaßnahme initiierte der Vorstandsvorsitzende Christian Hartel das Effizienzprogramm „PACE“, das eine Reduktion der jährlichen Kosten um mehr als 300 Mio. EUR sowie den Abbau von über 1.500 Arbeitsplätzen vorsieht. Kernelement des Strategieschwenks ist der Fokus auf die Halbleiter- und Automobilindustrie. Hierzu nahm der Konzern im Juli 2025 am Standort Burghausen die hochmoderne automatisierte Fertigungslinie „Etching Line Next“ zur Reinigung von Polysilicium in Betrieb. Mit einem Investitionsvolumen von über 300 Mio. EUR ist das Projekt, das einen Silizium-Reinheitsgrad von über 99,99 % garantiert, die größte Einzelinvestition Wackers im vergangenen Jahrzehnt. Da bereits heute jeder zweite weltweit produzierte Mikrochip auf Polysilizium des Unternehmens basiert, sichert diese Kapazitätserweiterung um mehr als 50 % den rasant steigenden Bedarf für künstliche Intelligenz und autonomes Fahren ab. Mit einer Rohsilizium-Schmelzanlage im norwegischen Holla, einer Silica-Anlage im US-amerikanischen Charleston und einer Anlage im südkoreanischen Jincheon ist Wacker Chemie, das auch am Technologieführer Nexeon zu 25 % beteiligt ist, rund um Silizium bestens positioniert.

    BYD: Der China-Gigant und der Preiskampf

    Während reine Materiallieferanten nur Komponenten bereitstellen, setzt der chinesische Automobil- und Batteriekonzern BYD auf eine vertikale Integration, die ihresgleichen sucht. Die Chinesen kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette von der Mine über die Synthese aktiver Materialien bis hin zum Einbau der Batterien in E-Autos. Im März stellte BYD im Rahmen seines „Disruptive Technology-Events“ die zweite Generation seiner Blade-Batterie vor. Diese Batterie setzt auf eine innovative Lithium-Mangan-Eisenphosphat-Kathode in Kombination mit einer Silizium-Kohlenstoff-Anode, um eine System-Energiedichte von bis zu 200 Wh/kg zu erreichen. Um mit hohen Laderaten zurecht zu kommen, setzt das Unternehmen auf ein integriertes Ionentransfersystem und ein besonderes Kühlsystem. Das Ergebnis: Weniger Wärme während des Ladevorgangs und Schnellladungen von 10 auf 97 % in nur 9 Minuten. Doch auch bei BYD gibt es nicht nur Erfolgsmeldungen: Der Nettogewinn stürzte im ersten Quartal um 55 %. Als Grund führen Analysten den Preiskampf in China an, der selbst den unangefochtenen E-Auto-Giganten BYD trifft.

    HPQ Silicon: Disruption in spannenden Nischen

    Das kanadische Unternehmen HPQ Silicon hat sich über die Jahre zu einem spezialisierten Technologieentwickler gewandelt. Um nachhaltig zu wachsen, verfolgt das Management eine Drei-Säulen-Strategie, deren zentraler Treiber die französische Tochtergesellschaft Novacium SAS ist. Die dort entwickelte Materialgeneration GEN4 ist bei Silizium-Anoden einzigartig. Die GEN4-Zellen durchbrachen in industriellen Tests unter modifizierten Prüfbedingungen bei einer Absenkung der Abschaltspannung auf 0,55 V spielend die magische Grenze von 7.000 mAh. Herkömmliche Anodenmaterialien wären bei einer solchen Tiefentladung irreversibel zerstört worden, doch das kanadische Material absolvierte diese Tests mit einer beeindruckenden Stabilität selbst nach mehreren Zyklen. Das Management meidet den umkämpften und darbenden Automobilsektor und setzt unter der Eigenmarke ENDURA+ gezielt auf Nischen. Im Frühjahr erhielt man beispielsweise einen Auftrag eines europäischen Drohnenherstellers für Batteriepacks. Diese auf Drohnensysteme optimierten Packs erreichen Energiedichten von mehr als 390 Wh/kg, was einer Leistungssteigerung von bis zu 36 % gegenüber herkömmlichen Lithium-Polymer-Zellen entspricht und die Flugzeiten verlängert. Unterstützt wird dieser Skalierungsprozess durch eine staatliche Förderung der kanadischen Bundesregierung im Rahmen des Energy Innovation Programs.

    Spannender Wert mit gleich drei spannenden Projekten: HPQ Silicon

    Weitere Projekte: Von der Industrie-Kieselsäure zum sauberen Wasserstoff

    Neben den ambitionierten Akku-Plänen haben die Kanadier weitere heiße Eisen im Feuer, die das Unternehmen breiter aufstellen und Geld in die Kasse spülen sollen. Da ist zum einen die Tochtergesellschaft HPQ Silica Polvere, die gemeinsam mit PyroGenesis an einem speziellen Plasma-Reaktor tüftelt. Dieses Verfahren verwandelt einfachen Quarzsand in einem einzigen Schritt direkt in pyrogene Kieselsäure – einen extrem wichtigen und teuren Füllstoff für Farben, Kunststoffe und Klebstoffe. Das Besondere dabei: Das Ganze funktioniert komplett ohne giftige Nebenprodukte, weshalb ein Finanzpartner im Februar eine Vorab-Finanzierungsvereinbarung über mehr als 27 Mio. CAD unterschrieben hat. Parallel dazu läuft das sogenannte METAGENE™-Programm zur dezentralen Erzeugung von Wasserstoff. Hier arbeitet die Tochter Novacium mit dem französischen Spezialisten AD-VENTA zusammen, um kompakte Reaktoren zu bauen, die direkt an Tankstellen sauberen, grünen Wasserstoff erzeugen können.

    Fazit: Regulatorischer Rückenwind

    Rückenwind bekommen Silizium-Anoden von der Europäischen Batterie Verordnung, die ab Februar 2027 den digitalen Batteriepass und damit zeitlich leicht versetzt auch Recycling- und Materialrückgewinnungsquoten für kritische Rohstoffe vorschreibt. Da das stoffliche Recycling von Lithium-basierten Altbatterien bis Ende 2027 eine Lithium-Rückgewinnung von mindestens 65 % verlangt, bietet der Übergang zu Silizium-Anoden einen enormen ökologischen Vorteil, da sich das Material deutlich einfacher aufbereiten lässt als Graphit. Der Trend hin zu Silizium scheint in vielen Bereichen nicht aufzuhalten zu sein. Während Wacker Chemie auch auf gute Geschäfte mit Chipherstellern schielt, spielt der Grundstoff in allen Produkten eine wachsende Rolle, die Batterien enthalten. Während BYD eines der größten Unternehmen der Welt ist, können Investoren bei HPQ Silicon dynamische Chancen wahrnehmen. Die Kanadier agieren in spannenden Bereichen und scheinen ihre PS innerhalb dieser Nischen auch auf die Straße zu bringen.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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