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06.10.2026 | 05:00

Kanadas Milliarden-Wettlauf um Drohnen: Wie Volatus Aerospace und Draganfly den US-Giganten AeroVironment herausfordern

  • Drohnenmarkt
  • Kanada
  • Skalierung
Bildquelle: Nano Banana KI

Um die Abhängigkeit von Rüstungsimporten zu verringern, treibt Kanadas Regierung unter Premierminister Carney den Aufbau einer eigenen Drohnenindustrie voran und setzt dabei künftig vorrangig auf heimische Anbieter statt auf Lieferungen aus den USA. Diese Neuausrichtung zwingt heimische Hersteller zum Handeln: Es geht für zivile und militärische Auftragnehmer nun darum, wer die geplante Serienfertigung verlässlich skalieren kann. Wir stellen die Entwicklung und ihre Protagonisten vor.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , DRAGANFLY INC. | CA26142Q1063 , AEROVIRONMENT DL -_0001 | US0080731088

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Inhaltsverzeichnis:


    AeroVironment: US-Marktführer lässt die Muskeln spielen

    Der US-Konzern AeroVironment zeigt mit seiner Entwicklung der vergangenen Quartale, welche enormen Dimensionen die unbemannte Luftfahrt annimmt. Im Geschäftsjahr 2026 (bis Ende April) steigerte AeroVironment den Umsatz, auch dank der BlueHalo-Übernahme, um 141 % auf knapp 1,98 Mrd. USD. Der finanzierte Auftragsbestand erreichte zuletzt 1,5 Mrd. USD. Durch gezielte Zukäufe wie BlueHalo agiert das Unternehmen nicht mehr als einfacher Hardware-Zulieferer, sondern als Systemintegrator für Raumfahrt und Cyber-Abwehr. Großaufträge wie ein Laser-Auftrag der US Army über rund 465 Mio. USD untermauern diese Position. Das Wachstum kostet allerdings Geld: Allein die Wandelanleihen summieren sich auf 747,5 Mio. USD. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stand ein Verlust von 5,1 Mio. USD, nach 67,4 Mio. USD im Vorjahr. Mit einem Börsenwert von gut 7 Mrd. USD spielt AeroVironment dennoch in einer anderen Liga als die kanadische Konkurrenz.

    Draganfly: Expansion durch namhafte Investoren aus den USA

    Auf der kanadischen Seite wählt Draganfly eine völlig andere Strategie und sucht den Kontakt zu finanzstarken Netzwerken in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen sichert sich Liquidität durch direkte Kapitalerhöhungen und holte sich Ende September 2026 eine Kapitalspritze über 10 Mio. USD. Diese Mittel flossen zu gleichen Teilen von einem ungenannten US-Fonds und der durch Donald Trump Jr. unterstützten Firma Unusual Machines. Operativ kletterte der Quartalsumsatz bei Draganfly im zweiten Quartal 2026 um 26 % auf 2,66 Mio. CAD. Gleichzeitig weitete sich der Quartalsverlust auf 11,8 Mio. CAD aus. Darin enthalten ist eine einmalige, nicht zahlungswirksame Aktienvergütung von 3,7 Mio. CAD. Dank einer großen Finanzierungsrunde im Februar verfügte Draganfly zum 30. Juni dennoch über 131,9 Mio. CAD Barmittel. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen und die Fertigung ausbauen. Technologisch setzt Draganfly auf die Schwarm-Software des Partners Palladyne AI. In den USA liefert es zudem FPV-Drohnen samt Training an Spezialkräfte der US Air Force.

    Volatus Aerospace: Serienproduktion und Innovationen in Kanada

    Volatus Aerospace richtet sich stattdessen konsequent am Heimatmarkt aus und ist gerade dabei, eine eigene Serienfertigung zu skalieren. Ende September eröffnete Volatus Aerospace im Beisein der Chefin der Business Development Bank of Canada (BDC), Isabelle Hudon, offiziell seine 53.000 Quadratfuß (rund 4.900 m²) große Fabrik in Mirabel bei Montréal, die bereits seit Juni in Betrieb ist. In der Anlage fertigt das Team automatisierte Andockstationen, die völlig selbstständig Drohnen landen, laden und deren Daten auslesen. CEO Glen Lynch macht klar: Technologie allein reicht nicht. Man muss die Systeme zwingend im eigenen Land bauen können.

    Die Aktie von Volatus Aerospace hat sich nach den Tiefs im August zuletzt wieder gefangen.

    Parallel meldet Volatus Aerospace Durchbrüche bei der Steuerung. Das KI-Steuerungssystem V-Cortex navigierte in ersten Flugtests ohne Satellitensignale, allein mit den serienmäßigen Bordsensoren und ohne Zusatzsensorik oder Hochleistungsrechner. So soll es auch in Gebieten mit feindlichen Störsendern funktionieren. Das spart Gewicht und drückt die Kosten pro Einheit. Ebenfalls im September erhielt Volatus einen Fünfjahres-Rahmenvertrag der kanadischen Streitkräfte: Fest bestellt sind zunächst 100 taktische Aufklärungsdrohnen, Ottawa kann bis zu 4.900 weitere abrufen. Bei einem Preisdeckel von 5.000 CAD je System liegt das Maximalvolumen bei 25 Mio. CAD. Die Erstbestellung entspricht damit höchstens rund 500.000 CAD Umsatz. Anleger warten daher auf erste Abrufe als Beleg für die Skalierung.

    Volatus Aerospace: Zivile Fracht und militärische Diversifikation

    Um das Risiko einzelner Militäraufträge zu verringern, streckt Volatus Aerospace seine Fühler in die zivile Logistik aus. Über die amerikanische Tochtergesellschaft läuft aktuell ein Ausnahmeantrag bei der Luftfahrtbehörde FAA. Das Ziel: Die Schwerlastdrohne FB3 des italienischen Herstellers FlyingBasket soll künftig mit einem Betriebsgewicht von knapp 400 Pfund kommerzielle Frachtflüge absolvieren. Auf militärischer Seite stützen bestehende Vereinbarungen das Geschäft. Aktuell arbeitet Volatus Aerospace einen NATO-Vertrag über bis zu 9 Mio. CAD für Aufklärungstrainingssysteme ab. Hinzu kommen eine Absichtserklärung mit Sentinel R&D zur Entwicklung einer kanadischen Abfangdrohne und ein weiteres Ausbildungsmandat. Das Unternehmen schloss das zweite Quartal 2026 mit Barreserven in Höhe von 59,2 Mio. CAD ab. Operativ schrieb Volatus bei einem Umsatz von 8,4 Mio. CAD allerdings noch rote Zahlen: Das bereinigte EBITDA lag bei rund minus 4,4 Mio. CAD. Globale Beschaffungsprobleme bremsten zudem das Tempo. Lieferengpässe bei Batterien und Motoren verzögerten die Auslieferung eines Verteidigungsauftrags über rund 2,6 Mio. CAD. Die Umsatzerwartung für 2026 liegt nun bei rund 50,6 Mio. CAD statt zuvor 56 Mio. CAD.

    Volatus Aerospace: Rückenwind durch Kanadas Milliarden-Offensive

    Kanadas Rüstungsindustrie erhält durch die neue Industriestrategie im Bereich Verteidigung starken Rückenwind. Sie stellt heimischen Unternehmen über zehn Jahre Beschaffungsaufträge im Volumen von rund 180 Mrd. CAD in Aussicht, abgewickelt über die neue Defence Investment Agency (DIA). Die Politik von Verteidigungsminister David McGuinty zielt klar auf heimische Kapazitäten ab. Die Vergabe von Rahmenverträgen zeigt zudem, dass Ottawa auf mehrere Hersteller vertraut und Monopole vermeiden will: Neben Volatus erhielt auch Draganfly einen gleich strukturierten Rahmenvertrag, insgesamt kamen sechs Anbieter zum Zug. Der Weg der Skalierung verlangt Volatus Aerospace operativ dennoch einiges ab. Es kommt auf robuste Lieferketten und auf die Fähigkeit an, trotz zunächst noch kleiner Stückzahlen erfolgreich zu sein. Die grundlegende Dynamik im Drohnensektor bietet aber ein positives Umfeld: Liefert Volatus Aerospace die erste Tranche taktischer Aufklärungsdrohnen aus, dürfte das Tor zu weiteren staatlichen Großaufträgen offenstehen.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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