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12.02.2021 | 04:50

Long oder Short? TUI AG, AdTiger, Grenke, AMC Entertainment

  • Investments
Bildquelle: pixabay.com

Bitcoin 48.000 USD – da fehlt nicht mehr viel bis zur nächsten Linie. Bei diesen Börsenbewegungen fragen sich viele Teilnehmer, wo denn eigentlich die faire Bewertung des Ganzen liegt. Die Frage ist legitim, aber auch schon zur Jahrtausendwende im Dot.Com-Boom hat jeder, der nachgefragt hat einfach ein nettes Lächeln empfangen. Hier wird nicht gefragt, hier wird gekauft. Bei GameStop haben die neuen Börsenanleger auch nicht gefragt, manche verdienten viel, andere besitzen heute eine Aktie, die sie zu 485 USD gekauft haben und jetzt nur noch zu 51 USD verkaufen können. 90% Verlust in gerademal 2 Wochen. Auch diese Seite gehört zur Börse – Totalverluste sind möglich!

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: KYG009701064 , DE000TUAG000 , DE000A161N30 , US00165C1045

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Inhaltsverzeichnis:


    TUI AG – Trotz Staatshilfe bleibt es schwierig

    Die TUI AG bleibt Spielball der Pandemie-Spekulanten. Mit jeder weiteren Lockdown-Verlängerung bekommt der Kurs wieder einen Hieb. Nach der staatlichen Hilfe von über 1 Mrd. EUR gelang eine Stabilisierung der Aktie Richtung 5 EUR, doch nun geht es schon wieder abwärts auf 3,67 EUR. Aus operativer Sicht kann man die Bedenken nachvollziehen, denn das Thema „Sicherheit“ spielt für bei der Buchung von Touristik-Dienstleistungen eine gehörige Rolle. Man möchte seinen Urlaub planen können und im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters sollte das bezahlte Geld in jedem Fall komplett zurückfließen.

    Vor diesem Hintergrund haben unsere Regierungsmitglieder nun beschlossen, dass es zukünftig einen millionenschweren Sicherungs-Fonds geben soll. Die Veranstalter sollen allerdings selbst in denselben einzahlen. Damit wird die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bank-Bürgschaften grundsätzlich abgelöst. Hintergrund ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weil die Haftung insgesamt auf 110 Mio. EUR im Jahr begrenzt war. Der Staat musste einspringen und zahlte bis Mitte November fast 40 Mio. EUR Euro an Thomas-Cook-Kunden aus, deren Reisen geplatzt waren.

    Und wiederum stellt sich die Frage: Kann TUI in diesem Umfeld bestehen und tatsächlich nach der Pandemie (wenn ein „nach“ auch wirklich gibt) wieder zu alten Buchungszahlen zurückkehren. Wohl kaum – denn das Reiseverhalten der Deutschen ändert sich nachhaltig. Von einem gewissen Nachholeffekt abgesehen, dürfte das Touristik-Niveau von 2017/18 nicht wieder gesehen werden. Die TUI AG bleibt daher ein Spielball der Nachrichtenlage – ob Long oder Short, entscheidet der Spekulant.

    ADTIGER – Die Musik spielt in Asien

    AdTiger bewegt sich fernab von obskuren Spekulationen. Der Werbespezialist aus China betreibt ein solides Geschäft mit Werbeinhalten auf bekannten Social Media-Plattformen. Starken Nutzen zieht man dabei aus dem Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz. Um Werbeplätze und Werbezeiten zu optimieren und eine maximale Reichweite der Anzeigen zu erlangen, setzt AdTiger seine eigens entwickelte, proprietäre Software AdTensor ein.

    Das Unternehmen ist aus China heraus vor allem auf Kunden spezialisiert, die einen internationalen Geschäftsansatz verfolgen. Damit generiert man Reichweite über die Grenzen der chinesischen Mauer hinaus und macht sich auch in den Nachbarstaaten einen Namen, was bei möglichen Expansionen helfen wird. Die Partner der Agentur lesen sich wie ein Bilderbuch der Online-Branche, Namen wie Yahoo, Facebook, Baidu und Google machen die Runde. Auch bei ganz modernen Tools wie TicToc ist man dabei, denn die junge und kaufkräftige Klientel findet man überwiegend dort. Ein Querverweis auf andere Kanäle gelingt natürlich über die Vernetzung der Plattformen untereinander. Ein schönes und rundes Geschäftsmodell!

    Mit diesem strategischen Fokus und seinen Lösungen auf Höhe der Zeit ist AdTiger bestens für weiteres Wachstum aufgestellt. Die Gesellschaft arbeitete in 2020 profitabel und weist trotz hohen Wachstums keinerlei Verschuldung auf. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 77 Mio. EUR ist das Unternehmen für einen Kurs von 0,12 EUR in Frankfurt zu handeln. Hier sollten sie long sein!

    Grenke AG – Was ist dran an den Gerüchten?

    Aus dem Nichts sah sich die deutsche Leasingfirma Grenke im vergangenen September mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Betrug, Geldwäsche, Bilanzfälschung. Grenke verdient sein Geld mit dem Verleih von IT und Technologieprodukten an andere Unternehmen sowie ähnlichen Dienstleistungen bis hin zu Bankprodukten. Man wirft dem Konzern vor, dass die mit den Leistungen verbundenen Finanztransaktionen nicht transparent genug dargestellt sind. Wirtschaftsprüfer sind also wieder gefragt, Licht in den Bilanzdschungel zu bringen.

    Was nun befürchtet wird, ist ein weiterer möglicher Finanzskandal in Deutschland, quasi einer Art «Wirecard 2.0». Am Dienstag kündigte der Konzern per Ad-hoc-Mitteilung an, dass der langgediente Vorstand und Compliance-Chef, Mark Kindermann, mit sofortiger Wirkung alle Aufgaben abgibt. Der Aktienkurs des Unternehmens brach daraufhin in der Spitze um 38% auf bis zu 24 EUR ein. Damals im September machte das Investmenthaus Fraser Perring auf sich aufmerksam, sie hatten in 2020 mit massiven Short-Positionen den Stein bei Wirecard ins Rollen gebracht.

    Firmengründer, Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Grenke wies die Vorwürfe im September schon vehement zurück und beauftragte sofortige Sonderprüfungen. Folgerichtig veröffentlichte Grenke in den letzten Monaten positive Meldungen über die Prüfung durch KPMG, der plötzliche Abschied von Vorstand Kindermann wirkt nun aber als erneuter Schock für die Anleger. Vertrauen ist ein scheues Reh, vor allem nach den Vorgängen um Wirecard, dort gibt es heute eine wenig aussichtsreiche Sammelklage. Vorsicht!

    AMC Entertainment – Ein weiteres schlechtes Beispiel für die Aktienkultur

    Die Social Media-Spekulationswelle rund um Reddit fordert auch Opfer unter den Großanlegern. Speziell wenn es um langfristig orientierte Anleger geht, können erhebliche Kurschwankungen zu massiver Unsicherheit führen und den Anlegerkreis einer Aktie nachhaltig schädigen. Bei der Aktie der AMC Entertainment war es einzig allein die hohe Shortquote, die die vielen Follower in die Aktie trieb, der Kurs landete in der Spitze bei knapp 20,00 USD und steht heute bei 5,70 USD.

    Ein großer Investor von AMC Entertainment ist die Wanda Group, sie hat möglicherweise die Chance verpasst, von dem Short-Squeeze auf den Kinobetreiber zu profitieren. Da sein Besitz in AMC Klasse-B-Aktien gebunden war, für die es keinen nennenswerten Markt gab, konnte er nicht in vollem Umfang von dem 800%-igen Anstieg der Klasse-A-Aktien profitieren. Wanda versuchte die Situation durch einen Umtausch zu korrigieren, allerdings kostete dies wertvolle Zeit.

    AMC hat nicht bekannt gemacht, wie viele Aktien Wanda umgewandelt hat, allerdings wurde der Zweck des beabsichtigten Verkaufs von Wanda publiziert. Da die Umwandlung am 1. Februar stattfand, ist es möglich, dass Wanda immer noch beträchtliche Gewinne realisiert hat, vielen kleineren Anlegern wird das wohl nicht möglich gewesen sein. Ein trauriges Beispiel!


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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