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12.03.2025 | 06:00

Nel ASA, First Hydrogen, Volkswagen – die EU und Deutschland pumpen Milliarden in Wasserstoff – wer kassiert?

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Während die Suche nach Alternativen zu Öl und Gas weltweit Fahrt aufnimmt könnte sich Wasserstoff zum heimlichen Star der Energiewende entwickeln. Nicht nur für Fabriken, auch im Verkehrssektor könnte grüner Wasserstoff zum Gamechanger werden. Die EU hat jetzt ein milliardenschweres Förderprogramm angeschoben – allein in Österreich sollen damit 112.000 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden, in Litauen immerhin 13.000 Tonnen. Klar ist: Ab 2027 wird es an der Tankstelle spürbar teurer. Experten rechnen mit Preissprüngen zwischen 38 Cent und 1 EUR pro Liter. Da schauen plötzlich viele wieder genauer auf emissionsfreie Antriebe. Innovative Unternehmen treiben diese Technologie voran und positionieren sich als Pioniere einer emissionsfreien Ära. Für Anleger eröffnen sich Chancen: Wer früh in Wasserstoff-Player investiert, könnte vom Umbruch der Energie- und Automobilbranche profitieren. Doch welche Firmen setzen die Trends?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039

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Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA - zwischen politischer Debatte und industrieller Realität

    In Deutschland entzündet sich an der Stahlindustrie gerade die Gretchenfrage der Klimapolitik. CDU-Chef Merz macht es kompliziert: Einerseits fordert er „grüner Wasserstoff muss kommen“, andererseits warnt er vor Hektik: „Wenn wir jetzt überstürzt handeln, machen wir ganze Werke platt – und damit Tausende Jobs.“ Ganz anders die Ampel-Regierung: Scholz und Habeck pochen auf Tempo beim Umbau und wollen mit Staatshilfen nachhelfen. Merz kontert kritische Nachfragen mit einem Seitenhieb: „Solange es für Rüstungsbetriebe keine Alternativen gibt, wird hier kein Werk dichtgemacht.“ Man merkt: Der Spagat zwischen Klimazielen und Wirtschaftsinteressen bleibt ein Drahtseilakt.

    Trotz schwieriger Rahmenbedingungen setzt der norwegische Wasserstoffpionier Nel ASA weiter auf Expansion. Kürzlich erhielt die US-Tochter einen Auftrag über 2 PEM-Elektrolyseure mit 5 Megawatt Kapazität im Wert von 7 Mio. USD von einen US-Stahlhersteller. Das zeigt, dass Industriekunden schrittweise auf grünen Wasserstoff umstellen wollen. Doch die Finanzzahlen für Q4 2024 verdeutlichen die Kluft zwischen Ambition und Realität. Zwar verbesserte sich das EBITDA auf -36 Mio. NOK im Vergleich zu -78 Mio. NOK im Vorjahr, doch die PEM-Sparte bleibt mit -22 Mio. NOK Verlust ein Sorgenkind. Der Auftragseingang stieg moderat um 13 %, der Bestand schrumpfte jedoch um 23 % im Jahresvergleich.

    Für 2025 plant Nel drastische Sparmaßnahmen. Die Investitionen sollen halbiert, Produktionskapazitäten angepasst werden. Das Unternehmen will von den EU- und US-Fördermitteln von über 300 Mio. USD profitieren. Das Alkaline-Segment mit einem Umsatzplus von 15 % in 2024 zeigt, dass skalierbare Technologien profitabel sein können, während PEM vorerst Nischenprojekte bedient. CEO Håkon Volldal baut auf die Zukunft, geht von einer steigenden Nachfrage aus und sieht sein Unternehmen dafür gut gerüstet. Der letzte Großauftrag datiert aber aus dem Januar. Bei einem momentanen Aktienkurs von 2,02 NOK kommt das Unternehmen immer noch auf eine hohe Marktkapitalisierung von rund 285 Mio. EUR.

    First Hydrogen - stärkt Europa-Präsenz mit deutscher Tochtergesellschaft

    Am 10. März 2025 gab First Hydrogen die Gründung seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaft First Hydrogen GmbH in Deutschland bekannt. Der Schritt unterstreicht die europäische Expansionsstrategie des Unternehmens, das bereits mit wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen in Großbritannien über 6.000 Testkilometer unter realen Bedingungen absolvierte und ausschließlich positive Resonanz erzeugte. Vor allem die Reichweite mit mehr als 630 km ist hier hervorzuheben. Deutschland dient als Schlüsselmarkt. Mit einem geplanten 19 Mrd. EUR Wasserstoffnetz bis 2032 und einem möglichen 500 Mrd. EUR Sondervermögen für Infrastruktur bietet die Region ideale Rahmenbedingungen. Für CEO Balraj Mann ist klar, dass First Hydrogen bei der Umsetzung der Wasserstoffstrategie, vor allem bei der Produktion von grünem Wasserstoff, helfen kann.

    Deutschland deckt aktuell nur einen Bruchteil seines Wasserstoffbedarfs aus heimischer Produktion. Bis 2030 wird ein Bedarf von 95–130 Terawattstunden jährlich prognostiziert, wovon 50–70 % importiert werden müssen. Die neue Importstrategie der Regierung setzt auf Partnerschaften, Pipelineausbau und derivatbasierten Transport. Gleichzeitig soll ein 9.040 Kilometer langes Kernnetz entstehen, um Industriezentren zu verbinden. Für First Hydrogen eröffnet dies Chancen, skalierbare Lieferketten aufzubauen – insbesondere durch den Einsatz modularer Technologien wie kleiner Kernreaktoren (SMR).

    Diese SMRs gelten als Gamechanger. Sie produzieren nicht nur CO2-armen Strom, sondern ermöglichen auch eine dezentrale, wetterunabhängige Wasserstofferzeugung. First Hydrogen prüft derzeit den Einsatz dieser Reaktoren, die von der EU als nachhaltig eingestuft werden. Die Vorteile liegen auf der Hand. Dabei sind die geringeren Transportkosten durch lokale Produktion, stabile Energieversorgung und Synergien mit Stromnetzen zu nennen. Für Investoren ist das Modell attraktiv, da es langfristige Energiepolitik mit kurzfristiger Skalierbarkeit verbindet, was letztlich ein Schlüssel zur Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr ist. Die Aktie notiert aktuell bei 0,375 CAD und kommt damit auf eine Marktkapitalisierung von 27,6 Mio. CAD.

    Volkswagen - Elektroambitionen und finanzielle Disziplin

    Volkswagen setzt im hart umkämpften Automarkt klare Akzente: Mit einem neuen E-Modell für 20.000 EUR, das ab 2027 verfügbar sein soll, will der Konzern die Elektromobilität massentauglich machen. Ein Demofahrzeug wurde bereits präsentiert, was auch ein Signal an die Investoren ist. Parallel treibt VW die Entwicklung der Scalable Systems Platform (SSP) voran, die künftig als technologische Basis für diverse Modelle dienen soll. Diese Schritte unterstreichen das Ziel, bis 2030 zum führenden Volumenhersteller für bezahlbare E-Autos aufzusteigen.

    Trotz eines Absatzrückgangs von 3,5 % auf 9 Mio. Fahrzeuge im Jahr 2024 blieb der Konzernumsatz mit 324,7 Mrd. EUR stabil. Der operative Gewinn sank zwar um 15 % auf 19,1 Mrd. Euro, allerdings bereinigt um Sondereffekte wie Restrukturierungskosten. Ansonsten hätte der Wert bei 21,7 Mrd. EUR gelegen. Die Nutzfahrzeugtochter TRATON glänzte mit einer operativen Marge von 9,2 % und erhöhter Dividende, während die Porsche Holding Abschreibungen verkraften musste. Die Aktie stieg daraufhin erst einmal an.

    Für 2025 plant VW ein Umsatzplus von bis zu 5 %, die operative Marge soll zwischen 5,5 % und 6,5 % pendeln. Der Konzern senkt seine Investitionsausgaben von 180 auf 165 Mrd. EUR für den Zeitraum bis 2029 und setzt auf Partnerschaften, wie beispielsweise mit Rivian in der Softwareentwicklung. Gleichzeitig wird die Belegschaft bei der Kernmarke bis 2030 um 35.000 Stellen reduziert. Die Herausforderungen bleiben: Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren und volatile Rohstoffmärkte erfordern weiterhin agiles Krisenmanagement. Gelingt die Transformation langfristig sind auch wieder höhere Aktienkurse als aktuell 112,35 EUR drin.


    Die milliardenschweren Förderungen für grünen Wasserstoff beschleunigen die Energiewende, doch die Wege der Unternehmen divergieren. Nel ASA balanciert zwischen Aufträgen wie dem 7-Mio.-USD-Elektrolyseur-Deal und finanziellen Herausforderungen, während Sparmaßnahmen die Zukunftsfähigkeit sichern sollen. First Hydrogen setzt mit deutscher Präsenz und modularer SMR-Technologie auf dezentrale Erzeugung, um Europas Importlücke zu schließen. Volkswagen kombiniert unterdessen Elektroambitionen, wie dem 20.000 EUR Modell, mit strikter Kostendisziplin, trotz Margendruck. Für Anleger bleibt der Wasserstoffmarkt ein Chancen-Risiko-Mix. Hier sollte man vor allem auf die Bewertungen der einzelnen Unternehmen achten.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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