01.05.2026 | 05:36
RE Royalties, M+G und Edel im Check: Drei Dividendenperlen abseits des Mainstreams
Die Schlagzeilen zur Rentenpolitik der deutschen Regierungskoalition machen wenig Mut: Ob das Rentenniveau nun künftig sinken oder – laut offizieller Lesart – nur langsamer steigen wird, das Vertrauen in die gesetzliche Vorsorge schwindet. In einem Umfeld, in dem die klassische Altersrente kaum noch den gewohnten Lebensstandard sichern kann, rückt eine Strategie immer stärker in den Fokus privater Anleger: der Aufbau von passivem Einkommen. Dividendenaktien haben sich hierbei als „zweites Gehalt" etabliert. Das spricht für Unternehmen wie Edel, RE Royalties und M&G. Bislang hat sie kaum jemand auf der Rechnung, doch einen Blick sind sie allemal wert.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
EDEL SE+CO.KGAA INH O.N. | DE0005649503 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , M&G PLC | GB00BKFB1C65
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Edel: The same procedure as every year
Während Sparbücher und Tagesgeldkonten durch die Inflation real meist an Wert verlieren, suchen smarte Investoren nach Wertpapieren, die regelmäßig hohe Ausschüttungen versprechen. Besonders interessant sind dabei Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und verlässlichen Cashflows. Ein nahezu vergessener Wert aus Zeiten des Neuen Markts ist die Aktie von Edel. Zum Börsengang im Jahr 1998 hieß das Unternehmen noch Edel Music, doch das Geschäftsmodell hat sich gewandelt. Aus dem Musikverlag ist ein vielseitiges Medienhaus geworden, das mit den Sparten Bücher und Entertainment zwei weitere Standbeine hat. Während Entertainment in erster Linie Kinder anspricht – zunehmend auch mit digitalen Angeboten –, bedient die Edel-Verlagsgruppe alle Altersklassen: vom Kinderbuch-Klassiker „Pettersson & Findus" über Belletristik für Erwachsene bis hin zu Ratgebern und populärwissenschaftlicher Sachliteratur. Die Druckerei-Tochter Optimal Media kümmert sich nicht nur um die Vervielfältigung der eigenen Bücher, sondern produziert auch im Kundenauftrag Magazine, Broschüren und Kataloge. Synergien mit der Musiksparte ergeben sich durch die Produktion von CDs, DVDs und Schallplatten – Edel ist deshalb auch einer der führenden Vinylproduzenten Europas. Davon profitieren die verschiedenen Musiklabels des Hauses wie Arising Empires, Brilliant Classics und Kontor Records, die von Klassik über Rock, Pop, Jazz, Techno und Punk bis hin zu Heavy Metal für jeden Geschmack etwas im Programm haben.
Edel ist kein Wachstumswunder, aber ein grundsolide aufgestelltes Unternehmen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 3,6 % auf 267,8 Mio. EUR, das Ergebnis je Aktie kletterte von 0,52 auf 0,60 EUR. Sowohl der Börsenwert von rund 100 Mio. EUR als auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,8 signalisieren Qualität zum Schnäppchenpreis. Der Konzern mit Sitz in Hamburg schüttet seit 2022 jedes Jahr eine (steuerfreie!) Dividende von 0,30 EUR aus, woraus sich beim aktuellen Kurs von 4,70 EUR eine Rendite von fast 6,4 % errechnet. Der Wermutstropfen: Die Hanseaten segeln unter dem Radar institutioneller Anleger und geben sich eher zurückhaltend, was die Investor-Relations-Arbeit angeht. Die Folge ist ein geringes Handelsvolumen in einem volatilen Seitwärtstrend. Dividendenjäger steigen jedes Jahr in den Monaten vor der Ende März anstehenden Ausschüttung ein, was den Kurs regelmäßig über die Marke von 5,00 EUR treibt. Nach der Hauptversammlung fällt die Aktie fast schon traditionsgemäß um mehr als den Dividendenabschlag, weil Anleger dann das Interesse verlieren. Üblicherweise dreht der Kurs erst an der Marke von 4,00 EUR wieder nach oben, die in diesem Jahr noch nicht erreicht wurde. Es besteht also kein Grund zum überhasteten Einstieg, zumal die Dividendenrendite auf 7,5 % steigt, falls die Aktie für 4,00 EUR eingesammelt werden kann.
RE Royalties: Tantiemen aus erneuerbaren Energien
Ein noch heftigeres Auf und Ab zeigt sich im Jahreschart von RE Royalties: Hier schwankten die Notierungen auf Sicht von zwölf Monaten zwischen 0,22 und 0,48 CAD. Aktuell liegt der Kurs mit 0,36 CAD (an deutschen Handelsplätzen 0,22 EUR) ziemlich genau in der Mitte dieser Spanne. Dass der untere Rand in absehbarer Zeit noch einmal erreicht wird, ist eher unwahrscheinlich, denn im jüngsten Strategie-Update des Managements von Ende März war auch von einem möglichen Verkauf des gesamten Unternehmens die Rede, um den Aktionärswert angesichts der erreichten Marktreife zu maximieren. Für Dividendeninvestoren wäre eine Übernahme ein herber Verlust, denn mit einer Rendite von 11 % stellt RE Royalties selbst nach Abzug der kanadischen Quellensteuer (25 %) Edel noch in den Schatten. Seit fast 30 Quartalen in Folge schüttet das 2016 in Vancouver gegründete Unternehmen eine Dividende aus. Die mag mit 0,01 CAD je Aktie mickrig aussehen, doch angesichts des niedrigen Kurses summieren sich die aufs Jahr hochgerechneten 0,04 CAD je Aktie auf eine zweistellige Rendite.
Das Geschäftsmodell der Kanadier ist einzigartig: Es überträgt das Konzept von Geldgebern aus dem Bergbau in die Welt der erneuerbaren Energien. Üblicherweise stellen Royalty Companies Minengesellschaften Kapital für den Kauf von Land oder das Graben von Stollen zur Verfügung und erhalten dafür im Gegenzug das Recht auf einen prozentualen Anteil der zukünftigen Produktion: die sogenannten Royalties, am besten mit Lizenzgebühren oder Tantiemen zu übersetzen. Statt in Bergwerke fließt das Kapital von RE Royalties in Wind- und Solarparks, Wasserkraft, Batteriespeicher oder Biogasanlagen. Der Vorteil für die Projektträger ist, dass sie keine Bankkredite aufnehmen oder Firmenanteile abgeben müssen. Im Gegenzug erhält RE Royalties eine prozentuale Beteiligung am Bruttoumsatz der Anlagen über deren gesamte Laufzeit, die oft bei mehr als 20 Jahren liegt. Da meist zusätzlich noch kurzlaufende Kredite vergeben werden, kommen zu den stabilen Cashflows aus den Tantiemen noch Zinseinnahmen als weitere Einnahmequelle hinzu. Dass die Beteiligung nicht am Gewinn, sondern am Umsatz ansetzt, schützt vor steigenden Betriebskosten und sichert das Unternehmen gegen Inflation ab: Je höher die Energiepreise, desto besser.
Seit dem Börsengang im Jahr 2018 hat das Unternehmen ein Portfolio von 120 Projekten in Nord- und Südamerika, aber auch in Europa aufgebaut. Weiteres Wachstum ist programmiert: Aktuell hat die künftige Investmentpipeline nach Unternehmensangaben einen Wert von über 200 Mio. CAD. Angesichts solcher Zahlen erscheint der Börsenwert von knapp 16 Mio. CAD (rund 10 Mio. EUR) wie ein schlechter Witz. Kein Wunder, dass die Gründer Bernard Tan und Peter Leighton unzufrieden sind und die Unternehmensberatung PwC beauftragt haben, verschiedene Optionen zu prüfen – von Partnerschaften und Co-Investments bis hin zum Verkauf des Unternehmens. Auch wenn eine Übernahme und der Rückzug von der Börse für Dividendensammler fast so etwas wie das Worst-Case-Szenario wären, dürften mögliche Kursgewinne eine angemessene Entschädigung sein, denn zum aktuellen Preis ist das Duo Tan/Leighton sicher nicht verkaufsbereit. Näheres wird Peter Leighton am Mittwoch, 20. Mai, um 18.30 Uhr auf dem International Investment Forum (IIF) erläutern.
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M&G: Verlässlichkeit seit 125 Jahren
Dividendenknaller gibt es nicht nur im Nebenwertesegment. Auch gestandene Großkonzerne glänzen mitunter mit hohen Ausschüttungen. Um sich ein passives Einkommen fürs Rentenalter zu sichern, ist es jedoch wichtig, nicht auf Aktien zu setzen, die wegen einmaliger Sonderausschüttungen auf den Dividenden-Hitlisten auftauchen. Denn der Kurs fällt in der Regel am sogenannten Ex-Tag – dem Stichtag für die Dividendenzahlung – um den Ausschüttungsbetrag, bisweilen sogar stärker, wie das Beispiel Edel zeigt. Vielmehr sollten es Unternehmen mit langfristig nachvollziehbarer Dividendenhistorie sein. Merkwürdigerweise finden sich davon nur wenige in den Depots deutscher Anleger, schon gar nicht, wenn es sich um ausländische Werte handelt. Insbesondere britische Aktien sind seit dem Brexit kaum mehr gefragt. Hierzulande kaufen Anleger eher Fonds von M&G als die Aktie selbst – obwohl der Londoner Vermögensverwalter seit Jahren verlässlich liefert. Seit 2020 werden jedes Jahr mindestens 0,18 GBP ausgeschüttet, zuletzt sogar 0,205 GBP. Beim aktuellen Kurs von 3,00 GBP (3,42 EUR) entspricht das einer Rendite von mehr als 6,8 %. Das Management hat eine „progressive Dividendenpolitik“ ausgerufen, was bedeutet, dass die Ausschüttung weiterhin stabil gehalten werden und nach Möglichkeit sogar leicht steigen soll. Der Analystenkonsens geht deshalb davon aus, dass die Dividende in den kommenden beiden Jahren in Richtung 0,22 GBP steigen wird. Die Zahlungen an die Aktionäre fließen halbjährlich: etwa ein Drittel als Interimsdividende im Oktober, zwei Drittel als Schlussdividende Ende April. Da Großbritannien keine Quellensteuer erhebt, ergeben sich keinerlei Nachteile gegenüber deutschen Dividendentiteln wie Allianz oder DWS. Die sind hierzulande populärer, aber die Renditen liegen unter 5 %. Zumindest auf der Insel ist die M&G-Aktie seit Mai 2025 wieder gefragt, nachdem sie zuvor jahrelang in einem Seitwärtskorridor zwischen 1,80 und 2,50 GBP gependelt war. Angesichts des moderaten KGV von etwa 10 war die Wiederentdeckung nur eine Frage der Zeit.
Der altehrwürdige Finanzkonzern wurde 1901 unter dem Namen Municipal & General Securities gegründet und brachte 1931 den ersten Publikumsfonds (Unit Trust) Europas auf den Markt. 1999 wurde das Unternehmen vom Versicherer Prudential übernommen und war zwei Jahrzehnte lang dessen Investmentarm. Seit der Abspaltung im Herbst 2019 ist M&G wieder börsennotiert und betreibt eine eigene Versicherungssparte, die vornehmlich Lebens- und Rentenpolicen sowie die Übernahme von Pensionsverpflichtungen anbietet. Die Versicherungsbeiträge und die Verwaltungsgebühren aus dem Fonds- und Vermögensverwaltungsgeschäft sichern gut planbare Cashflows. Wenn es für Analysten einen Makel gibt, dann ist es die hohe Ausschüttungsquote (Payout Ratio), die in schwachen Jahren wie 2024 und 2025 schon mal bei mehr als 100 % des Nettogewinns liegen kann. Dass die Dividende trotzdem nicht gekürzt werden musste, spricht für die finanzielle Stärke des Unternehmens. Eine gewisse Marktsensitivität ist allerdings nicht wegzudiskutieren: Ein Börsencrash, der in einen mehrjährigen Bärenmarkt übergeht, könnte die Ausschüttungspolitik gefährden. Das gilt aber für nahezu alle Aktien. Hohe Renditen sind eben nie ganz ohne Risiko.
Für jeden Geschmack die richtige Dividende
Die Aktie von M&G ist schon allein wegen des Börsenwerts von mehr als 7 Mrd. GBP weniger schwankungsanfällig als die beiden Nebenwerte und eignet sich ideal als Baustein für ein Dividendendepot. Edel ist ein Must-have für Vinylfans und obendrein eine gute Beimischung für jedes Altersvorsorgedepot. Da der Kurs in den vergangenen Jahren nach der Ausschüttung mehrfach die Marke von 4,00 EUR touchierte, besteht jedoch kein Grund zum überstürzten Einstieg. Die größte Kursdynamik verspricht RE Royalties – vor allem wegen der Übernahmefantasie. Sollte es dazu kommen, würde diese Dividendenquelle allerdings versiegen. Andererseits wäre eine saftige Übernahmeprämie auch nicht das Schlechteste.
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