31.08.2026 | 05:10
RTX, Almonty Industries, Rheinmetall – Der Kampf um Wolfram eskaliert
Panzer, Raketen, Radarsysteme und KI-Chips benötigen Hochleistungswerkstoffe. Einer der strategisch wichtigsten ist Wolfram. China steht für mehr als 80 % der weltweiten Produktion und hat seine Exportkontrollen bereits verschärft. Gleichzeitig fahren Europa und die USA ihre Verteidigungsproduktion hoch. Damit wächst nicht nur die Nachfrage, sondern auch der politische Druck, unabhängige Lieferketten aufzubauen. Westliche Wolframprojekte gewinnen dadurch strategisch an Bedeutung.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Stefan Feulner
ISIN:
RHEINMETALL AG | DE0007030009 , RTX CORPORATION | US75513E1010 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Rheinmetall – Rüstungsboom geht in die nächste Runde
Rheinmetall baut seine Produktionskapazitäten weiter aus. Am Donnerstag stellte der Konzern gemeinsam mit dem Land Hessen die Pläne für den neuen „Defence-Hub Nordhessen“ vor. Am Kassel Airport entstehen ein Logistik- und Technologiezentrum, zusätzliche Kapazitäten am bestehenden Standort sowie ein Drohnen-Testzentrum. Insgesamt plant Rheinmetall Investitionen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das mehr als 30.000 Quadratmeter große Logistikzentrum soll Ende 2027 in Betrieb gehen.
Der Ausbau unterstreicht, mit welchem Tempo Europas Rüstungsindustrie derzeit zusätzliche Kapazitäten schafft. Am Standort Kassel produziert Rheinmetall unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 sowie Berge- und Pionierfahrzeuge. Gleichzeitig investiert der Konzern europaweit Milliarden in neue Werke und höhere Produktionskapazitäten für Munition und militärische Systeme.
Mit steigender Produktion wächst auch der Bedarf an strategischen Rohstoffen. Wolfram spielt aufgrund seiner hohen Dichte, Härte und Hitzebeständigkeit bei verschiedenen militärischen Anwendungen eine wichtige Rolle. Dabei dominiert China noch die weltweite Versorgung.
Der europäische Rüstungsboom trifft damit auf eine Rohstoffversorgung, die weiterhin erhebliche geopolitische Abhängigkeiten aufweist. Für Rheinmetall bleibt die Nachfrage das geringste Problem. Entscheidend wird zunehmend, ob die notwendigen Materialien in ausreichender Menge und aus sicheren Lieferketten verfügbar sind.
Almonty Industries – USA verschärfen Kampf um Wolfram
Für Almonty Industries verbessert sich das Marktumfeld zunehmend. Seit dem 27. August gelten in den USA neue Vorschriften für Wolfram-Abfälle und -Schrott. Amerikanische Verkäufer müssen grundsätzlich 100 % ihrer monatlichen Mengen US-Abnehmern zur Verfügung stellen. Verkäufe ins Ausland sind nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung des Bureau of Industry and Security möglich. Hintergrund ist die Einstufung kritischer Rohstoffe als knapp und essenziell für die nationale Verteidigung.
Die USA wollen mit aller Macht strategisch wichtige Wolframmengen im eigenen Land halten. Für Almonty ist diese Entwicklung besonders interessant. Das Unternehmen baut mit Sangdong in Südkorea, der produzierenden Panasqueira-Mine in Portugal und dem Gentung-Projekt in Montana eine Wolframplattform außerhalb Chinas auf. Sangdong hat bereits mit der Verarbeitung begonnen und produziert verkaufsfähiges Wolframkonzentrat. Die zweite Ausbaustufe soll die Kapazität auf bis zu 1,2 Mio. t Erz jährlich erhöhen.
Auch finanziell hat Almonty inzwischen eine völlig neue Größenordnung erreicht. Im zweiten Quartal sprang der Umsatz um 498 % auf 43,0 Mio. CAD, das bereinigte EBITDA verbesserte sich von minus 4,8 Mio. auf plus 17,6 Mio. CAD. Nach der überzeichneten Wandelanleihe über 800 Mio. USD verfügte das Unternehmen Ende Juni über rund 1,2 Mrd. CAD Cash. Damit können Sangdong Phase II, die geplante Wolframoxid-Anlage, Gentung und die Erweiterung von Panasqueira parallel vorangetrieben werden.
Zusätzliche Unterstützung für die Aktie könnte das neue Rückkaufprogramm liefern. Almonty darf seit dem 24. August über einen Zeitraum von drei Jahren bis zu 14,4 Mio. eigene Aktien zurückkaufen, rund 5 % der ausstehenden Aktien. Dafür stehen maximal 300 Mio. USD zur Verfügung. CEO Lewis Black begründete den Schritt damit, dass der aktuelle Aktienkurs aus Sicht des Managements den Wert der strategischen Assets und die Wachstumsaussichten nicht ausreichend widerspiegele.
Während Washington Wolfram zunehmend als Frage der nationalen Sicherheit behandelt, fährt Almonty seine Produktion weiter hoch, verfügt über enorme finanzielle Mittel und kann gleichzeitig einen beträchtlichen Teil der eigenen Aktien vom Markt nehmen. Das Rückkaufprogramm dürfte damit nicht nur Vertrauen des Managements signalisieren, sondern könnte bei konsequenter Umsetzung auch das Angebot an frei handelbaren Aktien reduzieren und den Kurs zusätzlich unterstützen.
RTX – Milliardenaufträge treiben Kapazitätsausbau
Auch die amerikanische Rüstungsindustrie baut ihre Kapazitäten weiter aus. RTX-Tochter Raytheon meldete am Donnerstag die Fertigstellung einer 50 Mio. USD teuren Erweiterung ihres Standorts in Forest im US-Bundesstaat Mississippi. Die Produktionsfläche wächst um rund 17.000 Quadratfuß. Bis 2028 sollen 100 zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen.
Der Standort ist auf elektronische Kampfführung und Radarsysteme spezialisiert. Allein in den vergangenen zehn Jahren investierte Raytheon rund 280 Mio. USD in drei Erweiterungen des Werks. Die jüngste Investition zeigt, dass der Kapazitätsausbau trotz der bereits hohen Produktionsbasis weitergeht.
Für zusätzliche Dynamik sorgt der enorme Auftragsbestand. Mitte August erhielt Raytheon einen siebenjährigen Rahmenvertrag für Tomahawk-Marschflugkörper mit einem möglichen Gesamtvolumen von bis zu 22,9 Mrd. USD. Die jährliche Produktionskapazität soll auf mehr als 1.000 Tomahawks steigen.
RTX steht damit exemplarisch für den amerikanischen Rüstungsboom. Neue Aufträge führen nicht nur zu höheren Umsätzen, sondern erfordern zusätzliche Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. Je stärker die USA ihre Waffenproduktion ausweiten, desto größer wird gleichzeitig die strategische Bedeutung einer unabhängigen Versorgung mit kritischen Materialien.
Der Rüstungsboom verschiebt den Fokus zunehmend auf die vorgelagerten Lieferketten. Rheinmetall und RTX investieren Milliarden in zusätzliche Kapazitäten, während China große Teile der Versorgung mit strategischen Rohstoffen kontrolliert. Almonty Industries könnte davon überproportional profitieren. Sangdong fährt hoch, weitere Projekte sollen parallel entwickelt werden und rund 1,2 Mrd. CAD Liquidität sichert die Finanzierung. Wird Wolfram für den Westen zum strategischen Engpass, dürfte der Wert unabhängiger Produktionskapazitäten weiter steigen.
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