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08.06.2026 | 05:10

RWE, American Atomics, Venture Global – Die Gewinner der neuen Energieordnung

  • Energie
Bildquelle: pixabay.com

Die Energieversorgung der westlichen Welt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Davon profitieren gleich mehrere Zukunftsbranchen. Flüssigerdgas bleibt als verlässlicher Energieträger gefragt, Kernenergie erlebt als CO2-freie Grundlastquelle ein starkes Comeback und der milliardenschwere Ausbau der Stromnetze wird zum Schlüssel für die Energiewende. Für Anleger könnten sich entlang dieser Megatrends attraktive Chancen ergeben, denn die nächste Energie-Rally dürfte nach der aktuellen Korrektur erneut an Fahrt aufnehmen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: VENTURE GLOBAL INC | US92333F1012 | NYSE: VG , RWE AG INH O.N. | DE0007037129 , AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE

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Inhaltsverzeichnis:


    Venture Global - Gefestigte Marktposition

    Der globale Markt für LNG erweist sich weiterhin als äußerst volatil. Angetrieben von anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und strukturellen Verschiebungen in der weltweiten Energieversorgung, sind vor allem US-Unternehmen gefragt, um den internationalen Energiebedarf abzusichern. Hierbei ist Venture Global ein entscheidender Player.

    Bereits vor gut drei Wochen konnte der Konzern einen bedeutenden strategischen Erfolg verbuchen, der den Hauptteil seiner jüngsten Entwicklung ausmacht. Das Unternehmen besiegelte zwei wichtige Lieferabkommen mit internationalen Branchengrößen. So verpflichtete sich der französische Energiekonzern TotalEnergies, ab dem Jahr 2026 für 5 Jahre 850.000 t des verflüssigten Gases jährlich abzunehmen. Parallel dazu baute das Handelshaus Vitol seine bestehende Kooperation aus und stockte seine vertraglich zugesicherte Jahresmenge auf 1,7 Mio. t auf.

    Parallel zu diesen operativen Fortschritten lässt das Management auch die Aktionäre an der positiven Unternehmensentwicklung teilhaben. Die Konzernführung billigte eine Bardividende in Höhe von 0,018 USD für die Aktienklassen A und B. Diese Ausschüttung, die Ende Juni 2026 an die Mitte des Monats registrierten Anteilseigner fließen soll, zeugt von einer soliden Kapitalausstattung.

    Auch am Kapitalmarkt herrscht große Zuversicht. Trotz einiger Kursrücksetzer nach einer bemerkenswerten Rallye im Frühjahr bewerten Experten die künftigen Aussichten positiv. J.P. Morgan hob das Kursziel auf 17 USD an und setzt die Bewertung auf „Overweight“. Die Analysten argumentieren, dass anhaltende Versorgungsrisiken im Nahen Osten sowie mögliche Verzögerungen bei Konkurrenzprojekten in Katar für dauerhaft hohe Gewinnmargen sorgen dürften.

    American Atomics – Strategischer Schachzug

    Der Westen steht vor einer energiepolitischen Zeitenwende. Während der Strombedarf durch KI-Rechenzentren, Elektrifizierung und Digitalisierung rasant steigt, wächst gleichzeitig der Druck, eine stabile und CO₂-freie Grundlastversorgung sicherzustellen. Kernenergie rückt deshalb weltweit wieder in den Fokus.

    Mit einer Börsenbewertung von lediglich rund 19 Mio. CAD verfolgt American Atomics einen „Rock-to-Reactor“-Ansatz entlang der gesamten nuklearen Wertschöpfungskette. Neben der Uranexploration stehen auch Verarbeitungstechnologien und langfristig die Urananreicherung im Fokus. Damit adressiert American Atomics eines der größten strategischen Probleme der USA. 2023 wurden in den Vereinigten Staaten lediglich rund 0,05 Mio. Pfund Yellowcake produziert, während der Bedarf bei etwa 32 Mio. Pfund lag.

    Herzstück der Wachstumsstrategie ist das Lisbon-Valley-Projekt in Utah. Dort kontrolliert American Atomics 217 zusammenhängende Claims auf der bislang kaum erkundeten Ostflanke eines historischen Uranreviers, das in der Vergangenheit rund 78 Mio. Pfund Uran bei durchschnittlich 0,37 % Uranoxid hervorbrachte. Zusätzliche Dynamik bringt die vollständige Übernahme von NUV2C LLC samt Uranprojekt in Colorado, an dem das Unternehmen 100 % hält.

    Besonders spannend ist jedoch die jüngste Verstärkung auf strategischer Ebene. American Atomics hat einen offiziellen Beirat gegründet und mit Dr. Tomas J. Philipson ein Schwergewicht der US-Wirtschafts- und Energiepolitik als Vorsitzenden gewonnen. Der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsberaterrats des Weißen Hauses war direkt in die US-Arbeitsgruppe für Kernbrennstoffe eingebunden, die Empfehlungen für den Wiederaufbau der heimischen Nuklearversorgung erarbeitete. Seine Expertise bei Regierungsprozessen, wirtschaftspolitischen Entscheidungen und der Zusammenarbeit mit Bundesbehörden könnte für American Atomics von enormem Wert sein.

    Dr. Philipson soll das Unternehmen bei der politischen Positionierung, der Zusammenarbeit mit Regierungsstellen sowie der Umsetzung seiner langfristigen Strategie unterstützen. In einer Phase, in der die USA Milliarden in den Aufbau einer unabhängigen Kernbrennstoffversorgung investieren, verschafft ein derart hochkarätiger Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen einen erheblichen strategischen Vorteil. Gemeinsam mit Partnerschaften zu CVMR und DISA-Technologies sowie der Mitgliedschaft im „Defense Production Act Nuclear Fuel Cycle Consortium“ des US-Energieministeriums sitzt American Atomics damit an wichtigen Schnittstellen der zukünftigen US-Uranversorgung.

    RWE: Wachstumskurs durch Netzausbau und Aktienrückkäufe

    Der Essener Energiekonzern RWE plant weitreichende strategische Veränderungen bei seinen Infrastrukturbeteiligungen. Aktuellen Informationen zufolge zieht das Management in Erwägung, seinen bisherigen Minderheitsanteil an dem Stromnetzbetreiber Amprion stark auszubauen. Momentan hält RWE gut ein Viertel der Papiere. Durch eine mögliche Übernahme von Anteilen einer Ärztlichen Beteiligungsgesellschaft (AEBG), die bislang Teil eines Mehrheitskonsortiums ist, könnte dieser Wert auf über 40 % steigen. Ein wesentlicher Treiber für diese Überlegungen ist der gewaltige Finanzbedarf für den Ausbau der überregionalen Strominfrastruktur, der für das Gelingen der Klimawende unerlässlich ist. Offizielle Bestätigungen für dieses Vorhaben seitens der beteiligten Akteure stehen allerdings noch aus.

    Neben diesen möglichen Investitionen hat der Konzern vor kurzem eine Maßnahme zur Pflege seiner Aktionärsstruktur beendet. Innerhalb von anderthalb Jahren flossen insgesamt 1,5 Mrd. EUR in den Erwerb eigener Anteilsscheine. Die Aktion startete im Spätjahr 2024 und wurde wie geplant in drei gleich großen Etappen durchgeführt. Letztlich erwarb das Unternehmen rund 38 Mio. Wertpapiere zu einem Mittelwert von 38,53 EUR je Stück. Mit diesem Vorgehen beabsichtigte die Unternehmensführung in erster Linie, die vorhandenen Finanzmittel effizienter einzusetzen und die Bilanzstruktur gezielt zu verbessern.

    Mit Blick auf die Zukunft wird dem Energieversorger von Finanzexperten ein großes Potenzial zugeschrieben. Insbesondere der konsequente Wandel hin zu umweltfreundlicher Stromerzeugung macht das Unternehmen für Investoren zunehmend attraktiv.
    Analysten gehen davon aus, dass die Erträge bis zum Ende dieses Jahrzehnts im Schnitt jährlich um etwa 10 % wachsen werden. Infolgedessen wurde das Kursziel der Aktie durch Jefferies von 61 EUR auf 63 EUR nach oben korrigiert und eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen.


    Die Energieversorgung der Zukunft bietet Anlegern zahlreiche Chancen. Venture Global profitiert vom anhaltenden LNG-Boom und sichert sich durch langfristige Lieferverträge starke Cashflows. American Atomics positioniert sich als potenzieller Schlüsselspieler beim Wiederaufbau einer unabhängigen US-Uranversorgung und könnte von einem neuen Nuklearzyklus überproportional profitieren. RWE wiederum verbindet den Ausbau kritischer Strominfrastruktur mit attraktiven Kapitalmaßnahmen und dürfte von der Energiewende langfristig Rückenwind erhalten.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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