13.07.2026 | 05:00
Drunter und Drüber in der Solarbranche: First Solar und SMA Solar mit Licht und Schatten – RE Royalties vor Befreiungsschlag?
Die Energiewende gleicht einem wilden Ritt auf der Achterbahn. Während der nachvollziehbare Wunsch, das Klima zu schützen, immer neue Milliarden in die Branche spült, gibt es im operativen Alltag auch viel Gegenwind: Zollschlachten, der mörderische Preiswettbewerb und enorme Überkapazitäten belasten viele Vertreter aus der Solarbranche. Doch abseits der ausgetretenen Pfade tun sich für Investoren auch Chancen auf. Während Anbieter von Solarpanelen und Wechselrichtern darben, suchen innovative Unternehmen wie RE Royalties ihr Heil in geschützten Nischen. Immer mehr Marktbeobachter sind überzeugt: Am Ende gewinnt nicht derjenige, der die meisten Fabriken hochzieht, sondern wer am smartesten durch das regulatorische und finanzielle Dickicht des Sektors navigiert. Wir stellen Unternehmen vor und gehen insbesondere auf eine Chance ein.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , FIRST SOLAR INC. D -_001 | US3364331070 , SMA SOLAR TECHNOL.AG | DE000A0DJ6J9
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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First Solar: Heimatmarkt hui, Asien pfui
Der US-Riese First Solar steht dank des amerikanischen Heimatmarktes auf der Sonnenseite. Dank des Inflation Reduction Acts (IRA) konnte der PV-Gigant im Geschäftsjahr 2025 einen Nettoumsatz von rund 5,2 Mrd. USD einfahren – ein stolzes Plus von 24 %. Das Management plant bis 2027 eine jährliche Kapazität von über 17 GW zu erreichen, was zu 2020 nahezu einer Verdreifachung entspricht. Doch hinter den Kulissen brodelt es heftig, denn das internationale Geschäft erweist sich für First Solar als Klotz am Bein. Eine schwache Nachfrage nach in Malaysia und Vietnam produzierten Modulen der Serie 6 zwang den Konzern zu bewussten Produktionsdrosselungen.
Technologisch geht First Solar dagegen weiter selbstbewusst voran: Mit der neuen, kupferreduzierten „CuRe-Technologie“, die laut Unternehmen über 30 Jahre weitgehend Ertragssicherheit garantiert, will man bei Kunden punkten. Gleichzeitig geht die Rechtsabteilung des Unternehmens gegen die Konkurrenz vor: Eine formelle Untersuchung der U.S. International Trade Commission nach Section 337 des Tariff Act soll asiatischen Rivalen wie JinkoSolar oder Canadian Solar den Import nicht-lizenzierter TOPCon-Zellen komplett verbieten. Im Gegenzug hat das chinesische Patentamt bereits First Solar in die Schranken gewiesen.
SMA Solar: Licht und Schatten und eine besondere Chance
Auch SMA Solar ist im aktuellen Markt unter Druck. Während das Projektgeschäft floriert, leidet das Privat- und Gewerbekundensegment unter schwindenden Margen und der Nachfrageschwäche. Um der Preiserosion Herr zu werden, hat der Vorstand das im September 2024 gestartete Transformationsprogramm im Oktober 2025 weiter ausgeweitet, wodurch ab 2027 zusätzliche jährliche Kostensenkungen von rund 100 Mio. EUR realisiert werden sollen. Konkret bedeutet das einen schmerzhaften Kahlschlag – und zwar weltweit: Rund 9 % der Belegschaft müssen bis Ende 2026 gehen, darunter 300 Stellen am Hauptstandort im hessischen Niestetal. Gleichzeitig verlagern die Nordhessen die Endmontage ins günstigere Krakau und lagern die Softwareentwicklung nach Indien aus.
Ein absoluter Lichtblick ist jedoch die Kraftwerks- und Speicher-Tochter SMA Altenso. Altenso hat die installierte Batteriespeicherkapazität auf über 2 GW hochgeschraubt und liefert schlüsselfertige Lösungen wie den Großspeicher Metelen mit 92,5 MW Leistung für den Vermögensverwalter MEAG. Geopolitisch wittert SMA Solar ohnehin Morgenluft: Die Europäische Kommission plant, chinesische Wechselrichter wegen akuter Cybersicherheits- und Spionagerisiken komplett aus EU-finanzierten Projekten zu verbannen. Die Analysten von Wood Mackenzie schätzen, dass davon bis 2030 rund 28 Gigawatt Gleichstrom (GWdc) europäische Solar-Nachfrage betroffen sind – eine Steilvorlage für SMA, um als cybersicherer Qualitätsführer in die Bresche zu springen.
RE Royalties: Grüne Erträge ganz ohne Stress
Inmitten der volatilen Gesamtlage bei Unternehmen für regenerative Energie positioniert sich RE Royalties als risikoarmer Asset-Light-Pionier. Das Modell der Kanadier ist so genial wie simpel: Statt Fabriken zu bauen, stellt das Unternehmen kleinen Projektentwicklern nicht-verwässerndes Wachstumskapital zur Verfügung und sichert sich im Gegenzug eine 20 bis 25 Jahre sprudelnde Umsatzbeteiligung am grünen Strom. Dank dieses Ansatzes hat das Portfolio seit der Gründung im Jahr 2016 eine historische Rendite von über 19 % generiert. Der operative Hebel von RE Royalties ist enorm, da die Verwaltung bestehender Verträge kaum Kapazitäten frisst. Erst im Januar dieses Jahres investierten die Kanadier bis zu 9,0 Mio. USD in ein Solarportfolio von Solaris Energy.

Doch damit nicht genug. Die Projekt-Pipeline wuchs dank des KI-Rechenzentren-Booms deutlich: Bei RE Royalties liegen inzwischen Absichtserklärungen im Volumen von rund 50 Mio. CAD auf dem Tisch. Doch an der Börse kommt die Aktie nur nach und nach in Schwung. Für viele Investoren handelt RE Royalties noch unter dem Radar – dabei bietet sich das Unternehmen, das auch Green Bonds emittiert, auch für professionelle Investoren als Partner an. Um dieses Problem zu lösen, hat der Verwaltungsrat Ende März eine formelle strategische Überprüfung eingeleitet. Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers prüfen im Auftrag von RE Royalties nun die Optionen. Möglich sind auch ein vollständiger Verkauf an einen großen Infrastrukturfonds oder strategische Co-Investment-Partnerschaften.
Aktie von RE Royalties als spannende Chance
Da dezentrale Stromerzeugung für den KI-Boom wichtiger ist denn je, dürfte RE Royalties als spezialisierter Projektfinanzierer operativ aussichtsreich positioniert sein. RE Royalties profitiert von stabilen Royalty-Zahlungen und einer prall gefüllten potenziellen Projekt-Pipeline. Die strategische Überprüfung kann dabei helfen, im Unternehmen schlummernde Werte zu heben. Die Aktie ist auch wegen der Dividendenrendite von rund 10 % interessant.
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