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29.06.2026 | 05:30

So profitieren Sie von der Netz-Krise: Nordex, RE Royalties und Bloom Energy bedienen die Markt-Engpässe

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Bildquelle: pixabay.com

Bei der Energiewende geht es nicht länger nur um den Ausbau von Megawatt-Leistung, sondern um die Beherrschbarkeit der gesamten Systemarchitektur. Während Digitalisierung und Industrie den Strombedarf exponentiell steigern, werden Netze zum limitierenden Faktor und Serviceverträge zum Renditetreiber. Die Märkte erkennen, dass die eigentliche Wertschöpfung nicht in der bloßen Erzeugung, sondern in der Lösung von Engpässen, der Finanzierung von Bestandsanlagen und der dezentralen Absicherung der Versorgung liegt. Wir sehen uns drei Unternehmen an, die in den Bereichen aktiv sind. Nordex sichert die Windkraft-Erträge langfristig ab, RE Royalties finanziert die grüne Infrastruktur über wiederkehrende Einnahmen, und Bloom Energy liefert die dezentralen Kraftwerke für die nächste Versorgungsstufe.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , BLOOM ENERGY A DL-_0001 | US0937121079

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Inhaltsverzeichnis:


    Nordex - Auftragssog und Margenwende

    Die Zahlen vom 1. Quartal liegen seit Ende April auf dem Tisch. Der Umsatz lag bei 1,6 Mrd. EUR, das EBITDA bei 131 Mio. EUR und die Marge bei 8,2 %. Der Konzern hat die Latte für das Gesamtjahr hochgelegt. Bis zu 9 Mrd. EUR Umsatz und eine Marge von bis zu 11 % sind das erklärte Ziel. Der Auftragsbestand stieg auf 17 Mrd. EUR. Aufgeteilt in 10,5 Mrd. EUR von dem Projekt- und 6,5 Mrd. EUR aus dem Servicegeschäft. Die durchschnittlichen Verkaufspreise konnten von 0,87 auf 0,91 Mio. EUR pro Megawatt erhöht werden. Das ist ein Indiz für bessere Konditionen und eine optimierte Wertschöpfung.

    Im Mai und Juni folgte ein regelrechtes Auftragsfeuerwerk. In Deutschland sicherte sich Nordex Bestellungen über rund 255 Megawatt (MW) verteilt auf 14 Projekte, 39 Turbinen, darunter der Bürgerwindpark Rheine-Catenhorn mit 5 Anlagen vom Typ N163/6.X. In den USA kamen 484 MW hinzu, in Osteuropa 100 MW, in Südeuropa und der Türkei 155 MW. Besonders hervorzuheben ist das 112 MW Repowering-Projekt Altmark in Sachsen-Anhalt für NeXtWind mit 16 Turbinen N175/6.X und einem 20-Jahres-Servicevertrag. Das rumänische Flaggschiffprojekt Pestera II mit 392 MW für Copenhagen Infrastructure Partners erreichte ebenfalls einen Meilenstein. Die Turbinenfertigung läuft, die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.

    Die geografische Streuung nimmt zu, das Risiko schrumpft. Die neue Rotorblattproduktion im türkischen Menemen läuft seit Mai, ein strategischer Schritt zur Bedienung der wachsenden Nachfrage in der Region. BlackRock überschritt Ende Mai die 3-%-Schwelle der Stimmrechte und hält nun 4,77 % der Anteile. Die Branche bleibt zyklisch, Subventionspolitik und Lieferketten sind keine Randthemen. Doch die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Margen steigen, die Produktion läuft. Wer hier investiert, sollte die Quartalszahlen im Blick haben. Derzeit ist die Aktie für 43,90 EUR zu haben.

    RE Royalties - Finanzierungspionier

    Royalty-Finanzierungen kennt man ursprünglich aus dem Bergbau. Franco-Nevada hat es damals vorgemacht. RE Royalties überträgt das Prinzip auf die Energiewende. Das Unternehmen gibt Projektentwicklern Geld und erhält im Gegenzug Anteile an den Umsätzen von Solarparks, Windanlagen und Batteriespeichern. Man betreibt keine eigenen Projekte und kann dadurch mit einem kleinen Team gut skalieren. Das sichert stabile Cashflows über bis zu 25 Jahre Laufzeit. Entwickler behalten ihre Anteile, bekommen aber flexibles Kapital. Ein kluger Schachzug. Die Dividende wird künftig nur noch einmal jährlich gezahlt. Das verschafft finanzielle Bewegungsfreiheit. Die Pipeline ist voll, die Mittel müssen arbeiten.

    Die Jackson-Center-Solar-Anlage in Pennsylvania zeigt, wie das Modell funktioniert. RE Royalties begleitete die Entwicklung vom ersten Spatenstich bis zur Inbetriebnahme und stellte im Zuge dessen Kapital zur Verfügung, um die 27 Megawatt (MWDC) Anlage zu finalisieren. Dafür gab es für den Finanzierer eine gestaffelte Bruttoumsatz-Lizenzgebühr. Auf den Malediven läuft ein Darlehen von 10 Mio. CAD. Zwei Solarprojekte ersetzen Dieselgeneratoren, eines auf einem Krankenhausdach, eines auf einer Resort-Insel. Beides sensible Infrastruktur. Die Rendite ist kalkulierbar, das Ausfallrisiko gering. Solche Engagements schaffen Vertrauen.

    Die Partnerschaft mit Solaris Energy begann im Januar mit einer ersten Tranche über 3,0 Mio. USD. Im Februar wurde die zweite Tranche von 0,8 Mio. USD abgerufen. Das sind zusammen 3,8 Mio. USD für ein Portfolio von 25 Distributed-Generation-Projekten in den USA. Bis zu 9 Mio. USD kann von Solaris angefordert werden. Eine wichtige Meldung gab es am 27. März. Es läuft eine strategische Überprüfung seitens des Board of Directors. PricewaterhouseCoopers ist an Bord. Dabei werden Optionen wie der Verkauf, mögliche Partnerschaften oder neue Finanzierungsstrukturen evaluiert. Der Wertzuwachs der Aktionäre steht im Vordergrund. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 16 Mio. CAD. Die mögliche Projektpipeline wird auf 200 Mio. CAD beziffert. Diese Diskrepanz ist gewaltig. Die kommenden Monate könnten frischen Wind bringen. Aktuell notiert die Aktie bei 0,37 CAD.

    Bloom Energy - zwischen Hype und Substanz

    Die letzten Monate haben Bloom Energy von einem Nischenanbieter zum gefeierten Helden der KI-Infrastruktur gemacht. Die entscheidende Frage für Investoren lautet nun, ob das Unternehmen den Hype in nachhaltiges Wachstum übersetzen kann. Die Quartalszahlen sprechen eine klare Sprache. Der Umsatz schnellte im 1. Quartal um 130 % auf 751 Mio. USD nach oben, das Produktgeschäft verdoppelte sich beinahe. Der operative Gewinn ist erstmals seit Jahren positiv. Das ist ein echter Wendepunkt. Das Management reagierte mit einer angehobenen Jahresprognose von 80 % Wachstum.

    Zwei Großdeals untermauern die Positionierung. Die zehnjährige Vereinbarung mit Nebius über 2,6 Mrd. USD und der Rahmenvertrag mit Oracle über bis zu 2,8 Gigawatt installierter Leistung zeigen, dass große KI-Player auf Blooms dezentrale Stromlösungen setzen. Die Brennstoffzellen umgehen die überlasteten öffentlichen Netze und sparen Jahre bei der Inbetriebnahme. CEO Sridhar betont zudem die Umweltvorteile. Die Anlagen sind sauberer und leiser als herkömmliche Kraftwerke. Bloom wird damit zur praktischen Lösung für ein akutes Problem, nicht zum abstrakten Zukunftsszenario.

    Die Kehrseite ist die hohe Bewertung. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 38 steht einem Branchenschnitt von etwa 3 gegenüber. Die Analysten sind gespalten. Bernstein sieht die Aktie fair bewertet, Morgan Stanley und UBS geben deutlich höhere Kursziele von über 300 USD aus. Das zwischenzeitlich pausierte Crusoe-Projekt erinnert an die möglichen Unsicherheiten. Die Abhängigkeit von wenigen Großkunden bleibt ein strukturelles Risiko. Trotzdem bietet der Auftragsbestand von 20 Mrd. USD und der prognostizierte Markt von 30 Mrd. USD für Brennstoffzellen bis 2030 substanzielles Potenzial. Momentan kostet eine Aktie 269,10 USD.


    Die Netz-Krise wird zum Rendite-Treiber. Nordex profitiert von Margen- und Service-Wachstum. RE Royalties finanziert die Energiewende mit stabilen Cashflows. Bloom Energy liefert die dezentralen Kraftwerke für die KI-Ära. Wer heute auf Energiesysteme statt auf reine Erzeugung setzt, sichert sich die entscheidenden Wettbewerbsvorteile.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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