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03.08.2026 | 05:30

Wasserstoff-Realität 2026: Nel ASA und A.H.T. Syngas liefern während sich BP zurückzieht

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Die Wasserstoff-Industrialisierung steuert auf ihren entscheidenden Wendepunkt zu. Während die großen Ölmultis ihre grünen Milliardenprojekte überraschend kappen, bleibt die Nachfrage nach sauberer Energie ungebrochen. Investoren müssen umdenken. Die Zukunft der Energie wird nicht von den ehemaligen Vorreitern, sondern von spezialisierten Technologiefirmen und Nischenplayern bestimmt, die nun die sich bietende Chance ergreifen wollen. Wir greifen diese Konstellation auf und sehen uns Nel ASA als Pionier der Elektrolyse-Technik, A.H.T. Syngas als kreativen Nischenanbieter für dezentrale Wasserstofflösungen und BP als den zurückrudernden Energieriesen genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591

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Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA – Verluste, Auftragsflut und CEO Abgang

    Der norwegische Elektrolyseur-Produzent Nel ASA hat Licht und Schatten in den letzten Quartalszahlen. Die Erlöse aus Kundenverträgen brachen im 2. Quartal 2026 auf 153 Mio. NOK ein, sprich 12 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig explodierte der Auftragseingang auf 230 Mio. NOK, ein Plus von 224 % gegenüber dem Vorjahr. Das PEM-Segment generierte 96 % dieser Neubestellungen. Der Auftragsbestand wuchs dadurch auf 1,213 Mrd. NOK. Die operative Entwicklung bleibt allerdings schwach. Das EBITDA verschlechterte sich auf minus 155 Mio. NOK.

    Der Grund für die vielen Bestellungen dürfte die Einführung der druckbeaufschlagten Alkalineserie im Mai 2026 sein. Das Unternehmen hat damit einen echten Wettbewerbsvorteil, denn die Kapitalkosten sollen sich um 40-60 % gegenüber marktüblichen Lösungen verringern. Die Produktionskapazität soll bis Ende 2026 auf 500 Megawatt steigen. Im kommenden Jahr wird noch einmal eine Verdoppelung erwartet. Die EU unterstützt mit bis zu 135 Mio. EUR aus dem Innovationsfonds. Damit kann die Auftragsflut langsam abgebaut werden. Das Management sieht sich für große Projekte gerüstet.

    Dass CEO Håkon Volldal sein Amt niederlegt und zum norwegischen Verpackungshersteller Elopak wechselt war ein Schock für die Aktionäre. Er bleibt bis Jahresende im Amt. Der Aufsichtsrat betont, dass die strategische Ausrichtung unverändert bleibt. Die liquiden Mittel beliefen sich auf 1,328 Mrd. NOK. Das ist ein Rückgang von rund 600 Mio. NOK gegenüber dem Vorjahr. Das finanzielle Polster verschafft dem Unternehmen Zeit für die Strategieumsetzung. Analysten bleiben skeptisch. Das durchschnittliche Kursziel von 13 Häusern liegt bei etwa 2,11 NOK. Derzeit ist die Aktie für 2,14 NOK zu haben.

    A.H.T. Syngas – mit strategischer Neuaufstellung

    A.H.T. Syngas durchläuft derzeit einen strategischen Wandel und stellt sich neu auf. Das Unternehmen will weg vom reinen Projektgeschäft des Anlagenverkaufs. In Zukunft will man die Anlagen, die Holzabfälle und ähnliches verwerten, selber betreiben. Dabei bleiben die Anlagen das Eigentum der Gesellschaft und die Kunden beziehen Gas, Strom oder Wärme. Diese Transformation sichert A.H.T. wiederkehrende Einnahmen und verspricht eine deutliche Steigerung der Profitabilität. Während der Verkauf einer Anlage eine Marge von etwa 10 % erzielt, soll das Betreibermodell diese auf bis zu 18 % heben.

    Der Markt für Synthesegas wächst dynamisch und soll sich bis 2035 auf 33,4 Mrd. USD verdoppeln. Das Management will expandieren, vor allem in Polen. Die neue, exklusive Partnerschaft mit INNOTEC erschließt dort 17 Projekte und verspricht bereits in diesem Jahr Aufträge im zweistelligen Millionenbereich. Die finanzielle Basis für diese Schritte hat das Unternehmen durch eine vollständig platzierte Wandelanleihe über 2,0 Mio. EUR gelegt. Die Führungsriege ist mit rund 40 % der Anteile stark am Unternehmenserfolg beteiligt und ist daher bestrebt, die Skalierung konsequent voranzutreiben.

    Außerdem hat das Unternehmen die technische Basis für diese Wasserstoffproduktion gelegt. Das abgeschlossene BiDroGen-Projekt hat den Weg für eine wirtschaftlichere Wasserstoffproduktion geebnet. Die neu entwickelte Shift-Stufe zur Aufbereitung von Holzgas konnte im Containerbetrieb erfolgreich validiert werden. Die Produktionskosten für Wasserstoff lassen sich bei Skalierung auf 4,40 bis 7,98 EUR pro Kilogramm senken, was unter den Kosten herkömmlichen elektrolysebasierten Wasserstoffs liegt. Künftig setzt das Management auf die patentierte Sauerstoffvergasung, die den Prozess durch den Wegfall des Stickstoffanteils weiter vereinfachen und verbilligen soll. Aktuell notiert die Aktie bei 1,77 EUR.

    BP – mit neuer Fokussierung

    BP möchte seine Nordsee-Aktivitäten verkaufen. Diese Information wurde am 31. Juli bekannt. Insgesamt sollen fünf Förderzentren mit einer Tagesproduktion von 117.000 Barrel Öläquivalent veräußert werden. Das entspricht etwa 5 % der weltweiten BP-Förderung. CEO Meg O'Neill begründet den Schritt mit der Notwendigkeit, Kapital in lukrativere Bereiche zu lenken. Das Geschäft mit seinen rund 1.100 Beschäftigten sei für einen anderen Eigentümer besser geeignet. Als Käufer kommen laut Medien Unternehmen wie Ithaca Energy oder das Shell-Equinor-Joint-Venture Adura in Frage. Der Erlös könnte bei 2 Mrd. Pfund liegen und ist Teil eines umfassenderen Desinvestitionsprogramms.

    Parallel zu den Veräußerungen treibt die seit April amtierende Konzernchefin eine grundlegende Vereinfachung voran. Seit dem 1. Juli gliedert sich der Konzern in nur noch zwei Geschäftsbereiche, Upstream und Downstream. Einem Bericht zufolge sollen zudem etwa 700 Stellen im nicht-frontline Bereich wegfallen, um die Organisation zu verschlanken. Für das 2. Quartal erwartet das Unternehmen trotz rückläufiger Produktion deutliche Margenverbesserungen. Die Erlöse im Ölsegment könnten das operative Ergebnis um bis zu 2,1 Mrd. USD steigern, während das Raffineriegeschäft von einer robusten Margenentwicklung profitiert.

    Die Nettoverschuldung soll zum Quartalsende auf 22 - 23 Mrd. USD gesunken sein, ein beachtlicher Abbau gegenüber dem Ende-März-Wert von 25,3 Mrd. USD. Trotz der Rückzahlung von Hybridanleihen in Höhe von 2,9 Mrd. USD gelang diese Reduzierung. Während der Konzern den Bereich Erneuerbare Energien herunterfährt, hat man im Juli eine Partnerschaft mit Iberdrola zur Produktion von grünem Wasserstoff geschlossen. Die Partner streben eine Kapazität von bis zu 600.000 t pro Jahr an. Analysten sehen die Aktie mehrheitlich positiv. Die offiziellen Quartalszahlen werden am 4. August erwartet. Momentan kostet die Aktie 6,448 EUR.


    Die Wasserstoff-Industrialisierung nimmt Fahrt auf. Während sich BP mit dem Rückzug aus der Nordsee und dem Abbau der Erneuerbaren-Energien-Sparte auf sein Kerngeschäft besinnt, ebnet dies den Weg für fokussierte Technologieanbieter. Nel ASA trotzt operativen Verlusten mit einer Auftragsflut für ihre neue Alkalineserie, muss jedoch den CEO-Wechsel verdauen. A.H.T. Syngas setzt auf ein profitableres Betreibermodell und expandiert mit preisgünstiger Holzvergasung nach Polen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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