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27.06.2024 | 04:45

Wasserstoff 3.0 – dreht es jetzt? Nel ASA, Cavendish, dynaCERT, SMA und Plug Power im Fokus!

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Bildquelle: pixabay.com

Sommerloch – von wegen! Künstliche Intelligenz, HighTech und Rüstung weiterhin im Aufwärtsmodus, auch eine scharfe Korrektur bei Airbus bringt die Märkte nicht ins Wanken. Derzeit mehren sich die Gerüchte, dass China und Japan ein Problem im Finanzsystem haben könnten. In China ist es der wegbrechende Immobilienmarkt, in Japan sind es Billionen YEN, die in ausländische Bondmärkte investiert und mit Minuszinsen refinanziert wurden. Die Zeit der Nullzinsen ist jedoch vorüber und auch die hartnäckige Teuerung will nicht so recht weichen. Das drückt die Risikoparameter durch die Decke und verlangt bei Banken eine höhere Eigenkapital-Unterlegung. Spannend! Im Wasserstoff-Bereich blicken alle Protagonisten auf den Neuling Cavendish. Geht damit ein Ruck durch den laborierenden Sektor?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , CAVENDISH HYDROGEN ASA | NO0013219535 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , SMA SOLAR TECHNOL.AG | DE000A0DJ6J9

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Inhaltsverzeichnis:


    Dirk Graszt, CEO, Clean Logistics SE
    "[...] Wir können Busse und LKW vollständig klimaneutral umbauen. Dabei gehen wir modular und inkrementell vor. So können wir mit allen gängigen Fahrzeugtypen arbeiten und zudem auf neue Technologie und Innovation reagieren [...]" Dirk Graszt, CEO, Clean Logistics SE

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    Nel ASA – Hohe Volatilität bei der Tankstellentochter Cavendish

    Der norwegische Wasserstoff-Pionier Nel ASA hat drei schwere Jahre hinter sich gebracht. Bis 2021 lief es blendend, die ersten Aufbauarbeiten für eine europäische H2-Infrastruktur wurden an der Börse bejubelt, der Aktienkurs verzwanzigfachte sich. Der Glamour von damals ist längst verflogen, denn nach dem sagenhaften Aufstieg erfolgte der jähe Abbruch. Nach 85 % Kurskorrektur steht der Aktienkurs heute wieder bei 0,48 EUR, das Hoch erreichte der Wert im Januar 2021 mit 3,17 EUR.

    Als formale Abspaltung in Form einer Sachdividende, erblickte die Tankstellentochter Cavendish Hydrogen Anfang Juni das Börsenlicht. Mit einer umgerechneten Erstnotiz von 2,05 EUR ging es erst abwärts, dann aber in der laufenden Woche wieder steil aufwärts mit dem neuen Valor. Dabei gibt es von Unternehmensseite keine Gründe für die starken Kursschwankungen. Weder Cavendish noch die Konzernmutter NEL haben kursrelevante Nachrichten veröffentlicht. Ein Grund für die starken Abverkäufe könnten die vielen Shortseller sein, die in großem Stil auf sinkende Kurse bei Cavendish wetten. Der Grund: Wie die Mutter so ist auch die Tochter weiterhin defizitär, die operativen Gewinnschwellen könnten mit den Jahren 2027 bis 2029 näher rücken. Das Spiel der Kräfte dürfte deshalb noch etwas anhalten, immerhin lassen sich für Nel ASA im Bereich 0,36 bis 0,42 EUR wichtige technische Unterstützungsbarrieren bestimmen. Hier können sich Trader positionieren, fundamental gibt es jedoch derzeit keine Gründe für einen Einstieg.

    dynaCERT – Das Startsignal kommt jetzt um die Ecke

    Spannend wird es jetzt um den kanadischen Nischenanbieter für Wasserstoff-Zusatzgeräte für größere Diesel-Verbrennungsmaschinen wie Busse, LKWs, Minenfahrzeuge oder Strom-Aggregate. Denn mit den vielfältigen Anwendungen der hauseigenen HydraGEN®-Technologie lässt sich der Verbrennungsprozess mit Beimischung von Wasserstoff um zweistellige Prozentpunkte optimieren. Vor kurzen wurde der deutsche Manager Bernd Krüper ins Führungsteam geholt. Er soll seine langjährige Erfahrung bei diversen Technologie-Unternehmen für die Wasserstoff-Projekte dynaCERTs einbringen.

    Für eine Vergrößerung des Marktpotenzials und den Eintritt in den Handel von Carbon-Emissionsrechten, lässt dynaCERT seine Apparaturen derzeit vom weltweit tätigen VERRA-Institut zertifizieren. Vor kurzen hat man sich auch an dem Elektrolyseur-Hersteller Cipher Newtron beteiligt und in dieser Woche ist dann auch noch Hauptversammlung. Für die Aktionäre könnte der Eintritt Krüpers einen konsequenten Rollout der Technologie auch in den USA nach sich ziehen, den ca. 19.500 Logistikunternehmen gibt es über die südliche Grenze hinaus. Hinzu kommt der Handel zwischen Kanada, USA und Südamerika, er wuchs zwischen 2021 und 2023 konstant mit 3,2 bis 4,2 % per annum.

    Wenn die VERRA-Zertifizierung erst mal auf dem Tisch liegt, haben große Transport-Unternehmen einen richtigen ESG-Hebel in der Hand und können Zusatzeinnahmen durch Dieselersparnisse generieren. Die unter sinkenden Margen leidende Branche hätte das bitter nötig. Die DYA-Aktie bewegt sich in den letzten Wochen recht unspektakulär zwischen 0,14 und 0,17 CAD. Zu groß ist die Spannung, wann die Zertifizierung denn kommt. Wenn ja, sind die Zeiten niedriger Einstiegskurse aber wohl Geschichte.

    Plug Power und SMA Solar – Im aktuellen Tief kaufen?

    Es wird politisch bei der SMA Solar Technology AG. Zuerst senkte der Kasseler Solartechnikhersteller seine Prognosen, dann werden die Anteilseigner vor einem Rechtsruck in Europa und Donald Trump gewarnt. Anscheinend erwartet sich das Management durch die politischen Entwicklungen weniger Aufträge! SMA Solar hat schon seit Längerem mit Gegenwind zu kämpfen, doch anscheinend wird es noch dicker kommen. Das vielbeachtete EBITDA soll nach einer vorigen Erwartung von 220 bis 290 Mio. EUR nur noch bei 80 bis 130 Mio. EUR liegen: Minus 74 % - das ist eine Ansage. Das ist ein krasser Gegensatz zum vergangenen Jahr, als das Unternehmen seine Prognosen mehrfach anheben konnte. Nun vermutet man eine Aufweichung des EU Green Deals und so weniger Förderungen für Unternehmen aus dem Sektor der alternativen Energien. Noch mehr Gegenwind erwartet SMA in den USA, dort ist ein 3,5 GW-Werk geplant und man erhofft sich große Förderungen aus dem Inflation Reduction Act (IRA), den z. B. Donald Trump lieber gestern als heute rückabwickeln würde.

    Nicht recht viel besser läuft es mit dem Branchenverwandten Plug Power. Nach einigen Gerüchten zu Milliarden-Förderungen und Sprüngen in der Aktie, ist wegen laufender behördlicher Prüfungen wieder Ruhe eingekehrt. Damit sinkt auch das spekulative Potenzial in der Aktie dramatisch. Hätte Plug Power nicht im Frühjahr rund 1 Mrd. USD durch eine Kapitalerhöhung eingenommen, stünde es jetzt wahrscheinlich sehr schlecht um den Wasserstoff-Giganten aus Latham, New York. Auch hier könnte die Erwartung für einen Regierungswechsel belasten.

    Bei SMA Solar hagelte es auf der Plattform Refinitiv Eikon einige Abstufungen der Analysten. Das mittlere Kursziel von sieben „Halten“-Empfehlungen lautet auf 35,12 EUR, die Börse veranschlagt derzeit 26,70 EUR. Mit einem KGV von über 20 sollten Anleger die aktuelle Delle im Geschäftsverlauf allerdings ruhig abwarten. Bei Plug Power melden sich nur noch 9 von 28 Analysten mit Kauf-Empfehlungen zu Wort, die 12-Monats-Kurserwartung liegt bei 4,72 USD. Mit einem Kurs von 2,40 USD steht der Wert aber nur 5 % über seinem 5 Jahrestief. Beide Titel erst mal beobachten – wir werden weiter berichten.

    Die GreenTech-Branche steht derzeit nicht auf dem Einkaufszettel der Investoren. Alle ausgewählten Papiere aus dem Sektor notieren nahe ihrer mehrjährigen Tiefststände. dynaCERT könnte bald mit einer positiven Meldung zu VERRA überraschen. Quelle: Refintiv Eikon vom 26.06.2024

    GreenTech-Aktien scheinen out zu sein. Nach durchaus rosigen Jahren zwischen 2019 und 2022 gibt es heute nicht mehr genug öffentliche Mittel, um die Klimabudgets weiter zu befüllen. Wegen kriegerischer Aktivitäten und einer zunehmenden Skepsis gegenüber großen Förderbudgets, sind für Investoren derzeit nur Unternehmen interessant, die auch bei Sturm noch aufrecht laufen können. Mit einer VERRA-Zertifizierung sollte dynaCERT in 2025 die Gewinnschwelle erreichen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Hauptversammlung – Die Hauptversammlung ist ein Organ einer Aktiengesellschaft und das Mitwirkungsgremium der Aktionäre.
    3. Kapitalerhöhung – Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens

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    Hitzerekorde, Überschwemmungen und Energienotstand. Im Sommer kommen alle Themen der Klimawende auf den Tisch. Seit Abschaltung der Kernkraftwerke fehlt es in Deutschland an einer grundlastfähigen Stromversorgung. Ausgeprägte Netzschwächen häufen sich, eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Wirtschaftsminister Habeck möchte so schnell wie möglich Gaskraftwerke bauen, die später mit Wasserstoff betrieben werden können. Nette Idee! Um vorhandene Löcher zu stopfen, kaufen die Berliner Wirtschaftsexperten derweil französischen Atomstrom zu. Den klimatechnischen Unterschied zwischen Hüben und Drüben kann wissenschaftlich niemand belegen, der deutsche Verbraucher bezahlt diesen Unsinn aber gerne über seine Stromrechnung. So funktioniert die EU-Energiepolitik. Die Ausgabenseite steigt also unaufhörlich, wir kümmern uns deshalb um einen höheren Einnahmenstrom. Im Folgenden einige Ideen für ihr Energie-Portfolio.

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    Im Wasserstoffbusiness setzen Länder staatliche Anreize, um diese innovative Technologie weiter zu fördern. So stellen z. B. die USA durch ihr Energieministerium rund 750 Mio. USD für 52 Projekte in 24 Bundesstaaten bereit. Das Ziel ist klar: sauberen Wasserstoff erschwinglich machen und darüber hinaus die internationale Führungsrolle in diesem Sektor gewinnen. Das kanadische Unternehmen dynaCERT hat eine emissionsreduzierende Technologie entwickelt, um herkömmliche Dieselmotoren nachzurüsten und so emissionsfreier zu machen. Diese Brückentechnologie verbindet das Beste aus beiden Welten: die Effizienz von Dieselmotoren und die nachrüstbare und zuschaltbare CO2-reduzierende Antriebsform. Der Motor selbst bleibt in seiner Funktionsweise unberührt. Ein Grund für das schleppende Vorankommen von großen Wasserstoffprojekten ist die noch fehlende Infrastruktur. Hier kann sich Siemens Energy über einen Vorstoß freuen. In seiner Sparte Grid Technologies verzeichnen sie in Zukunft enormes Wachstum. Dass Subventionen nicht immer zum Vorteil sind, merkt Volkswagen in puncto Elektroautos. Das Werk in Brüssel steht auf der Kippe. Und dann ist da noch eine Schadensersatzforderung in Millionenhöhe aus einem ganz anderen Bereich.

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