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09.10.2026 | 04:45

Wer hat die Formel für die Abnehmspritze 2.0? Überholen BioNxt Solutions und Merck jetzt Novo Nordisk und Eli Lilly? Was macht BioNTech?

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Bildquelle: Pixabay

Der Boom bei Medikamenten gegen Übergewicht schafft innerhalb der Pharmabranche einen Milliardenmarkt mit einem Volumen von 100 Mrd. USD jährlich. Novo Nordisk und Eli Lilly kämpfen hier um die Vorherrschaft. Auch Merck mischt mit, allerdings steht der Darmstädter Konzern noch am Anfang. BioNxt Solutions will bewährte Wirkstoffe mit einem auflösbaren Film verabreichen und adressiert bei vergleichsweise geringem Risiko ein enormes Potenzial. Bei BioNTech entscheidet ein üppiges Liquiditätspolster darüber, wie viel Zeit der Konzern für seinen nächsten Wachstumsschub hat. Wo steckt die größte Börsenchance?

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , MERCK KGAA O.N. | DE0006599905 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026

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Inhaltsverzeichnis:


    BioNxt Solutions - Konsequente Fortschritte

    BioNxts Ansatz beginnt bei einem praktischen Problem. Manche Patienten können Tabletten nur schwer schlucken. Das kanadische Unternehmen entwickelt deshalb unter anderem dünne Filme, die sich unter der Zunge auflösen und Wirkstoffe über die Mundschleimhaut abgeben sollen. Beim führenden Kandidaten BNT23001 setzt BioNxt auf Cladribin gegen schubförmige Multiple Sklerose. Der Wirkstoff ist durch Mercks Mavenclad bereits etabliert. BioNxt muss aber zeigen, dass seine eigene Formulierung zuverlässig funktioniert und einen wirtschaftlich relevanten Zusatznutzen bietet.

    Das Geschäftsmodell zielt generell auf die Verwertung eigener Formulierungen und Schutzrechte ab, es geht nicht darum, neue Medikamente zu erfinden, sondern deren Darreichungsform zu verbessern. Mögliche Erlösquellen wären Lizenzzahlungen, Entwicklungsmeilensteine und Beteiligungen an späteren Verkäufen. Im Frühjahr meldeten die Kanadier eine eurasische Absichtserklärung und damit einen Rahmen für exklusive Verhandlungen.

    Den wichtigsten operativen Fortschritt meldete BioNxt im August mit der Fertigstellung des Prüfpräparate-Dossiers (IMPD) für BNT23001. Das IMPD bündelt unter anderem Angaben zu Herstellung, Qualität und präklinischen Untersuchungen. Nach einer abschließenden Prüfung rückt die Humanstudie näher. Geplant ist ein Vergleich mit Mavenclad, der Wirkstoffaufnahme, Blutkonzentrationen und Verträglichkeit untersucht.

    Rückhalt bietet das Patentportfolio. Schon im April berichtete BioNxt über den einheitlichen europäischen Patentschutz seiner Cladribin-Filmtechnologie in 18 Ländern. Das kann Verhandlungen erleichtern und Nachahmer begrenzen. Aber es geht auch in anderen Bereichen voran. Kürzlich konkretisierte BioNxt eine vergleichende Großtierstudie für einen Everolimus-Film zur Verhinderung von Organabstoßungen.

    Merck - Der Markt ist da, der Preisdruck auch

    Der Darmstädter Merck-Konzern ist heute weit mehr als ein klassischer Pharmakonzern. Das Geschäft ruht auf den drei Säulen Healthcare, Life Science und Electronics. In der Gesundheitssparte entwickelt und vermarktet Merck Medikamente, unter anderem das MS-Medikament Mavenclad mit dem Wirkstoff Cladribin. Hier ist jedoch ein harter Wettbewerb durch Generika zu verzeichnen.

    Zudem entwickeln die Deutschen gemeinsam mit dem chinesischen Pharmakonzern Hansoh Pharma einen neuen, oral einzunehmenden GLP-1-Wirkstoff gegen Übergewicht. Anders als die bekannten Abnehmspritzen von Novo Nordisk und Eli Lilly setzt Merck damit auf eine Tablettenlösung. Das Medikament befindet sich allerdings noch in der klinischen Entwicklung.

    Im Bereich Life Science liefert Merck Laborchemikalien, Forschungsreagenzien und Technologien für die biotechnologische Produktion, d.h. Produkte, die Pharma- und Biotechunternehmen für Forschung und die Herstellung von Medikamenten benötigen. Electronics stellt Spezialmaterialien und Chemikalien für die Halbleiter- und Displayindustrie her.

    Im zweiten Quartal erwirtschaftete Merck einen Umsatz in Höhe von 5,43 Mrd. EUR und erzielte ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,60 Mrd. EUR. Der Gewinn gab auf 494 Mio. EUR nach. Die Nettoverschuldung lag zum Halbjahr bei 9,21 Mrd. EUR. Analysten veranschlagen das Aufwärtspotenzial der Aktie in den kommenden 12 Monaten durchschnittlich auf rund 10 %.

    BioNTech - Gute Krebsdaten, hoher Kapitaleinsatz

    BioNTech baut sein künftiges Geschäft mit Krebsmedikamenten auf. Heute liefern das COVID-19-Impfstoffgeschäft und Kooperationen zwar Einnahmen, aber die Forschung und Umbau kosten immens viel. Zuletzt wurde die Schließung von drei Standorten in Deutschland angekündigt. Das Gründerehepaar wird zudem das Unternehmen bald verlassen und sich in einem anderen Unternehmen unterschiedlichen Forschungsprojekten widmen.

    Einen konkreten Fortschritt meldeten BioNTech und OncoC4 zuletzt für Gotistobart. Bei 87 zuvor behandelten Patienten mit einer bestimmten Form von Lungenkrebs lag das mediane Gesamtüberleben bei 18,5 Monaten, gegenüber 10,0 Monaten unter der Vergleichschemotherapie. Das sind gute Indizien, jedoch stammen die Daten aus dem nicht zulassungsentscheidenden ersten Abschnitt der Phase-3-Studie PRESERVE-003. Der maßgebliche zweite Abschnitt läuft noch.

    Finanziell kostet der Umbau viel Geld. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres standen 223,7 Mio. EUR Umsatz einem Nettoverlust von 1,35 Mrd. EUR gegenüber. Im August senkte BioNTech die Umsatzprognose für 2026 auf 1,6 bis 1,9 Mrd. EUR. Liquide Mittel und Wertpapieranlagen von rund 16,6 Mrd. EUR zum Stichtag verschaffen dennoch erheblichen Spielraum. Analysten billigen im Durchschnitt der Aktie ein Upside von rund 20 % zu.


    Fazit

    BioNxt hat mehrere Pfeile im Köcher und könnte schon bald mit großen Schritten auf die erste Humanstudie seines Cladribin-Films zugehen. Merck will auch in dem Markt mitmischen, spürt jedoch die Konkurrenz aus dem Generika-Bereich deutlich. BioNTech kann seine Krebsprogramme dank der Finanzreserven länger verfolgen, muss den hohen Kapitaleinsatz aber durch belastbare klinische Ergebnisse rechtfertigen.


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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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