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15.06.2026 | 05:20

Zefiro Methane vs. BP & Shell: Eine Branche, zwei Geschäftsmodelle – nur eines ist unabhängig vom Ölpreis

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Bildquelle: pixabay.com

Trotz Spannungen im Nahen Osten fallen die Preise für Öl und Gas – ein scheinbares Paradox. Grund sind eine schwächelnde Weltkonjunktur und prall gefüllte Lager, die jede geopolitische Risikoprämie aktuell überkompensieren. Während klassische Energieriesen wie BP und Shell unter dem Preisverfall leiden, weil ihre Fördergewinne schrumpfen, agiert ein spezialisierter Anbieter völlig anders. Zefiro Methane verdient mit der Beseitigung von Methanemissionen aus alten Bohrlöchern. Das ist ein Geschäft, das von Klimaschutzgesetzen und nicht von Ölpreisen angetrieben wird. Genau dieser Gegensatz zwischen Zefiro Methane einerseits und den Ölmultis BP und Shell andererseits eröffnet Anlegern spannende Perspektiven.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , Shell PLC | GB00BP6MXD84

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Inhaltsverzeichnis:


    Zefiro Methane – nutzt milliardenschweren Altlastenmarkt

    Die Energiewende hat einen blinden Fleck. Während alle über Wasserstoff und Solar reden liegt ein Milliardenproblem buchstäblich brach. Millionen verlassener Ölquellen in den USA, aus denen unkontrolliert Methan entweicht. Ein Treibhausgas, das kurzfristig achtzigmal schädlicher wirkt als CO2. Die Politik hat das erkannt und in den USA handeln die Demokraten und Republikaner sogar gemeinsam. Der Infrastructure Investment and Jobs Act stellte 4,7 Mrd. USD bereit. Die aktuelle Administration lässt die Gelder nicht nur weiter fließen, sondern räumte auch bürokratische Hürden aus dem Weg. Zefiro Methane stopft genau diese Löcher und verwandelt ein jahrzehntealtes Umweltproblem in eine planbare Einnahmequelle mit staatlichem Rückenwind, ohne vom schwankenden Ölpreis betroffen zu sein.

    Der Dienstleister hat im Mai die Geräteflotte von Viking Well Service für 4,3 Mio. USD übernommen und setzt die neuen Kapazitäten bereits jetzt gewinnbringend ein. Ein langjähriger Erdgaskunde, der seit 2017 jährlich beauftragt hat, stockt seine Kampagne 2026 auf. Statt eines Geräts sind es nun drei, die in Pennsylvania, New York, West Virginia und Kentucky arbeiten. Das Management erwartet aus der Flottenerweiterung einen zusätzlichen Jahresumsatz von 10 Mio. USD. Parallel gewann die Tochter Plants & Goodwin 4 neue Firmenkunden hinzu, darunter 3 börsennotierte Energieriesen mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von über 140 Mrd. USD.

    Die jüngste Finanzierungsrunde brachte knapp 3,3 Mio. CAD ein. Sie wurde voll gezeichnet und es fielen keine Vermittlerkosten an. Das Geld fließt in weitere Ausrüstung, die Expansion in den ersten internationalen Markt und allgemeine Betriebsmittel. Zuvor hatte das Unternehmen bereits 3 profitable Quartale in Folge hingelegt, die Verschuldung von 12,3 auf 8,2 Mio. USD gesenkt und den Umsatz im Jahresvergleich um 58 % gesteigert. Mit der neuen Finanzchefin Correne Loeffler als CFO, die zuvor unter anderem bei Callon Petroleum Erfahrung sammelte, holt sich das Management Verstärkung für die nächste Wachstumsphase. Neben dem Verschließen von Bohrlöchern erzielt das Unternehmen zusätzlich Einnahmen aus der Methangasmessung sowie aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten. Die Aktie notiert aktuell bei 0,72 CAD.

    BP – sortiert sich neu

    Unter der neuen Chefin Meg O’Neill, die seit April im Amt ist, kehrt BP zu Öl und Gas als Kern zurück. Die grünen Ambitionen früherer Jahre werden zusammengestrichen. Das operative Geschäft liefert dank der höheren Ölpreise und starker Raffineriemargen. Im 1. Quartal 2026 schnellte der bereinigte Gewinn auf 3,2 Mrd. USD hoch, fast eine Verdopplung zum Vorjahr. Das schafft Luft für die anstehende Zäsur. Denn gleichzeitig stehen milliardenschwere Abschreibungen im Low-Carbon-Bereich an. Ein strategischer Neustart, den der aktivistische Investor Elliott Capital Management mit knapp 5 % Anteil kräftig befeuert hat.

    Die Führung kappt die jährlichen Ausgaben für Klima- und Übergangstechnologien von früher über 6 Mrd. USD auf nur noch 1,5 - 2 Mrd. USD. Im Gegenzug fließen rund 10 Mrd. USD pro Jahr in die klassische Förderung. Bis 2030 will BP die Produktion auf bis zu 2,5 Mio. Barrel Öläquivalent täglich schrauben. Begleitet wird das von einem gewaltigen Verkaufsprogramm. Bis Ende 2027 sollen Assets im Wert von 20 Mrd. USD abgestoßen werden, darunter die Mehrheit am Schmierstoffgeschäft Castrol und die Raffinerie Gelsenkirchen. Der Schuldenberg soll von 25,3 Mrd. USD auf 14 - 18 Mrd. USD schrumpfen.

    Künftig zählen nur noch zwei Bereiche, Upstream (Förderung) und Downstream (Raffinerie, Vertrieb). Erneuerbare Energien wie Solar und Offshore-Wind wandern in eine schlanke Technologie-Einheit ohne große Kapitalbindung. Konkret bedeutet das, dass die britischen Wasserstoff-Großprojekte in Teesside gestrichen sind, da sie zu teuer und nachfrageschwach sind. Stattdessen bohrt BP weiter im Golf von Mexiko und in der Nordsee. Analysten sind gespalten. Das Management muss jetzt liefern. Die Dividende von 0,0832 USD bleibt vorerst bestehen, aber die Aktienrückkäufe wurden auf Eis gelegt. Die Priorität hat jetzt der Schuldenabbau. Derzeit ist die Aktie für 6,177 EUR zu haben.

    Shell - Ölpreisrally wird auch nach Kriegsende weitergehen

    Die Ölpreise werden sich auch nach Beendigung des Kriegs im Nahen Osten weiter nach oben bewegen. Das sagte Shell-Chef Wael Sawan letzte Woche und stellte damit eine klare Prognose für die kommenden Jahre. Preise im Bereich von 60 - 70 USD seien zwar stabilisierend, doch der Trend zeige eindeutig nach oben. Grund sei die ungebrochen starke globale Nachfrage bei gleichzeitig schwindenden billigen Fördermöglichkeiten. Das einfache Öl sei gefördert, künftige Projekte würden teurer. Sawan sieht die Branche daher vor wachsende Herausforderungen gestellt bei gleichzeitigem Bedarf die Weltwirtschaft zu bedienen.

    Im 1. Quartal sprang der bereinigte Gewinn auf knapp 6,9 Mrd. USD, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das gelang trotz eines Förderrückgangs um 4 %, verursacht unter anderem durch Schäden an einer katarischen Gasanlage nach iranischen Angriffen. Die Reparaturen könnten sich hinziehen, doch das Handelsgeschäft und gestiegene Energiepreise fingen die Verluste auf. Der operative Cashflow vor Working Capital stand mit 17,2 Mrd. USD solide da, auch wenn die hohe Preisschwankung kurzfristig Liquidität band.

    Shell konzentriert sich wieder stärker auf renditestarke fossile Geschäfte. Der Verkauf von Offshore-Windparks in Europa und die Übernahme des kanadischen Gasproduzenten ARC Resources für 16,4 Mrd. USD passen daher ins Bild. Letzterer fördert im Montney-Becken zu geringeren Kosten als den durchschnittlichen Branchenkosten. Ein 3 Mrd. USD schweres Aktienrückkaufprogramm ruht zwar bis Mitte Juli wegen regulatorischer Anforderungen der ARC-Transaktion. Doch die jüngste Dividendenanhebung um 5 % zeigt, dass die Aktionärsrendite weiterhin Priorität hat. Vor dem Niederländischen Supreme Court hingegen steht eine Grundsatzentscheidung zu verbindlichen CO2-Reduktionszielen an. Momentan kostet eine Aktie 36,905 EUR.


    Selbst der kurzfristige Ölpreisrückgang entpuppt sich für keines der drei Unternehmen als ernsthaftes Problem. Zefiro Methane ist dank seines emissionsbasierten Geschäftsmodells völlig immun gegen die Preisschwankungen. BP nutzt den Druck für eine strategische Neuausrichtung auf profitable Kernbereiche und senkt gleichzeitig die Schulden. Shell rechnet fest mit steigenden Ölpreisen nach Kriegsende und kann dank starkem Handelsgeschäft und Dividendenfokus die Talsohle durchschreiten. Der temporäre Preisverfall mag klassische Förderer belasten, doch er zwingt sie zur Effizienz.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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