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13.09.2021 | 05:08

Almonty Industries, Infineon, VW – Das ist nur der Vorgeschmack, wie geht es weiter?

  • Rohstoffe
  • Wolfram
Bildquelle: pixabay.com

Von A wie Antimon bis V wie Vanadium, die Liste kritischer Rohstoffe der Europäischen Union umfasst mittlerweile 30 Materialien, darunter Lithium, Kobalt, Seltene Erden und Wolfram. Diese Rohstoffe sind gekennzeichnet durch eine geringe Verfügbarkeit und hohe wirtschaftliche Bedeutung. Viele europäische Schlüsselindustrien, wie zum Beispiel die Automobil-, Stahl-, Luftfahrt-, IT-, Gesundheits- oder Erneuerbare-Energien-Branche sind auf diese Rohstoffe angewiesen. Neue Produkte und Technologien wie Elektromobilität, Digitalisierung und die Energiewende erhöhen zunehmend die Nachfrage. Das Angebot kann hier nicht mithalten. Es entstehen Engpässe, die u.a. zu höheren Preisen der kritischen Rohstoffe führen und Nachfrager-Industrien vor große Herausforderungen stellen. Wie können sich Anleger erfolgreich positionieren?

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039

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Inhaltsverzeichnis:


    ALMONTY INDUSTRIES INC – Profiteur steigender Preise

    Die EU stuft Wolfram auf der Liste der kritischen Rohstoffe auf den vordersten Rängen ein. Wolfram ist ein weißglänzendes Schwermetall und das chemische Element mit dem höchsten Schmelz- und Siedepunkt. In Reinform kommt Wolfram als Draht vor allem als Glühwendel in Glühlampen zum Einsatz. Viel breiter gefächert sind die Anwendungsbereiche als Legierung oder Beschichtung für u.a. Spezialmaschinenbau, bei Turbinen und in der Medizintechnik.

    Wie bei fast allen kritischen Rohstoffen dominiert auch in Bezug auf Wolfram China den globalen Markt. Die kanadische Almonty Industries, die seit einigen Wochen auch an der australischen Börse ASX notiert, wird in naher Zukunft das Gewicht verschieben können. Almonty widmet sich dem Aufbau der größten Wolfram-Produktionsanlage außerhalb Chinas in Sangdong, Südkorea, die in Q4 2022 starten soll. Die Gesellschaft erwartet dann 7 bis 10% des globalen Bedarfs produzieren zu können. Die Produktionsmenge soll 30% des Outputs außerhalb der Volksrepublik entsprechen.

    Wichtige Mittezuflüsse fanden bereits in diesem Jahr und Ende 2020 statt. Diesen Sommer konnte die Gesellschaft mit einer Kapitalerhöhung 15,25 Mio. AUD einsammeln. Im Dezember 2020 gab Almonty die Unterzeichnung eines Darlehensvertrags mit der KfW-IPEX Bank über 75,1 Mio. USD für die Projektfinanzierung der Wolfram-Mine Sangdong zu günstigen Konditionen bekannt.

    Aktuell notiert die Almonty-Aktie zu einem Kurs von 0,93 CAD, was die Gesellschaft mit 180 Mio. CAD bewertet. Die jüngst veröffentlichten Halbjahresdaten sind charakteristisch für einen Entwickler. Das EPS war in den ersten sechs Monaten mit -0,03 CAD leicht negativ. Die Analysten von First Berlin bescheinigen den Anteilsscheinen ein Aufwärtspotenzial von über 50%. Die aktuell steigenden Wolframpreise und die näher rückende Produktionsaufnahme sollten den Kurs in Zukunft deutlich beflügeln.

    INFINEON TECHNOLOGIES AG - Nachholbedarf

    Infineon gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Halbleiterlösungen. Trotz eines weltweiten Chipmangels konnten die Bayern im abgelaufenen dritten Quartal (April bis Juni) nur unzureichend von der höheren Nachfrage profitieren. Pandemiebedingte Einschränkungen der Fertigung in Melaka (Malaysia) sowie Nachwirkungen eines Wintersturms in Austin, Texas, belasteten. So legte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur minimal um 22 Mio. EUR auf 2,722 Mrd. EUR zu. Der Gewinn wuchs deutlich überproportional um 17% auf 245 Mio. EUR, entsprechend einem verwässerten Gewinn je Aktie von 0,18 EUR.

    "Die Nachfrage nach Halbleitern ist ungebrochen", unterstrich CEO Reinhard Ploss die gute Wachstumsbasis des Konzerns. „Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand, unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen", sagte Ploss. Infineon prognostiziert ein starkes Schlussquartal. Dies preist der Markt in letzter Zeit schon mit steigenden Kursen ein. Der Analystenkonsens für 2021 liegt bei einem Gewinn je Aktie von 0,77 EUR. 2022 erwarten die Experten im Durchschnitt 1,08 EUR. Derzeit trauen Analysten dem Titel ein Aufwärtspotenzial von knapp 20% zu. Die Aktie hat auf jeden Fall im Vergleich zu den besser gelaufenen Anteilsscheinen der Wettbewerber Nachholbedarf. Spannend ist zudem der jüngst vorgestellte Chipsatz im mit viel Phantasie versehenen Geschäft mit Computerbrillen.

    VOLKSWAGEN AG VZ – Lieferengpässe und Zukunftsmusik

    Seit mehreren Monaten sind die Automobilhersteller durch den Chip-Mangel betroffen. Teilweise standen die Bänder ganz still. Nun berichtete die Volkswagen-Tochter Skoda, dass man wegen fehlender Halbleiter in diesem Jahr 100.000 Autos nicht bauen könne. "Die Chipkrise wird sich noch in das kommende Jahr hineinziehen, aber hoffentlich nicht mehr in der Stärke wie 2021", sagte Skoda-Chef Schäfer. Im letzten Jahre produzierte die Sparte rund 940.000 Fahrzeuge.

    Überaus interessant sind auch die Äußerungen der Wolfsburger zum Milliardengeschäft mit Autosoftware. VW-Konzernchef Diess führte gegenüber dem Spiegel aus: „Wir sind offen für Diskussionen und bereit, unsere Plattform zu teilen." Damit zeigt sich VW offen für Kooperationen und schließt auch die Wettbewerber Daimler und BMW nicht aus. „Wenn Europa die Datenhoheit im Auto verliert", sagt Diess, "dann machen wir uns komplett abhängig von Hightechkonzernen aus den USA oder China." Derzeit werden die Aktivitäten in der Tochterfirma CARIAD gebündelt, die Europa´s größter Softwarekonzern hinter SAP werden soll. 2025 sollen bereits 10.000 Fachkräfte bei CARIAD arbeiten. Dafür plant VW jährliche Investitionen von 2,5 Mrd. EUR ein.


    Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie fragil Lieferketten sind und wie empfindlich die Wertschöpfungsketten gestört werden können. Ein steigender Bedarf an kritischen Rohstoffen ist nicht nur absehbar, sondern jetzt schon spürbar. Nachfrager aus der Industrie stehen vor bedeutenden Herausforderungen. Produzenten oder angehende Produzenten von kritischen Rohstoffen, wie Almonty, sind die langfristigen Gewinner der deutlich steigenden Nachfrage bei einem nur moderat ausgeweiteten Angebot.


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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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