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27.07.2023 | 06:00

BioNTech, Defiance Silver, Vonovia – warten auf den Turnaround

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Die Börse ist keine Einbahnstraße und so kommt es immer wieder vor, dass Unternehmen, die ursprünglich gut performt haben, Probleme bekommen. Das sorgt dann für fallende Kurse. Nachdem eine Aktie länger schlecht abgeschnitten hat, kommen die Schnäppchenjäger und suchen den geeigneten Einstiegspunkt, um vom Turnaround zu profitieren. Eine Meldung kann das Blatt wenden und den Kurs einer Aktie beeinflussen. Wir haben drei dieser Kandidaten herausgesucht, bei denen ein Turnaround anstehen könnte. Eine entsprechende Nachrichtenlage vorausgesetzt.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , DEFIANCE SILVER CORP. | CA2447672080 , VONOVIA SE NA O.N. | DE000A1ML7J1

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Inhaltsverzeichnis:


    BioNTech – warten auf den nächsten Blockbuster

    BioNTech hat das Rennen um den Corona Impfstoff gewonnen. Daraufhin folgten Milliardeneinnahmen und Rekordgewinne. Die Aktie war im Höhenflug. Seitdem die Pandemie offiziell für beendet erklärt worden ist, sinken die Umsätze und auch entsprechend auch die Gewinne. Für das 2. Quartal, die Zahlen werden am 7. August veröffentlicht, rechnen die Analysten sogar mit Verlusten. Viel wichtiger als die Zahlen ist aber das Update zum operativen Geschäft. Zuletzt konnten gute Nachrichten den Kurs nicht mehr antreiben, wie beispielsweise der Start der Phase-3 Studie von BNT316/ONC-392 bei metastasiertem, nicht kleinzelligen Lungenkarzinom.

    Bei anderen Biotech-Unternehmen wäre eine solche Meldung ein Kurstreiber, doch bei den Mainzern bleiben die Käufer aus. Dabei wäre eine Krebstherapie der nächste Blockbuster und es ist lediglich ein erster Schritt bei der Kooperation von BioNTech und OncoC4. Darüber hinaus ist die Onkologie-Pipeline von den Mainzern gut gefüllt und auch 2024 sollen weitere Studien mit Zulassungspotenzial initiiert werden. Für weitere Forschungen wird derzeit ein zusätzliches Gebäude in Mainz gebaut, in dem ab 2025 auf 25.000 m² vor allem Krebstherapien entwickelt werden sollen. Die Tür für mRNA-Therapien hat der Comirnaty-Impfstoff aufgestoßen.

    Da die Umsätze bei Comirnaty voraussichtlich nicht mehr steigen werden, auch wenn man gemeinsam mit Pfizer bei der US-FDA Anträge für den Omicron XBB.1.5-adaptierten monovalenten COVID-19-Impfstoff eingereicht hat, so liegt der Fokus auf der Produktpipeline. In Deutschland läuft die Aktie seit Mitte Mai seitwärts zwischen 91,62 EUR und 110,20 EUR. Aktuell notiert der Wert bei 96,88 EUR. An der NASDAQ wurde bislang die psychologisch wichtige Marke von 100 USD gehalten. Bricht die Marke, könnte die Aktie noch ein Stück weit absacken.

    Defiance Silver – warten auf das Ende des Gerichtsverfahrens

    Defiance Silver ist in Mexiko aktiv. Dort besitzt das Unternehmen zum einen ein Silberprojekt mit dem Namen Zacatecas, das aus den 4 Liegenschaften San Acacio, Lucita, Lagartos sowie Panuco besteht und zum anderen das Tepal Gold-Kupfer Projekt. Am 7. Juni wurden erste Ergebnisse aus dem Bohrprogramm auf San Acacio veröffentlicht. Die 4 ausgewerteten Bohrungen wiesen die bisher höchsten Gehalte und die größte Breite an Mineralisierung des Grundstücks auf. Hervorzuheben ist das Bohrloch DDSA-23-66, das die bisher größte Breite: 41,83 m mit 157,30 g/t Silber erzielte. In der Spitze lag der Silbergehalt bei 5.510 g/t oder 6.014 g/t Silberäquivalent. Die ursprüngliche erste Ressourcenschätzung ging von 16,9 Mio. Unzen Silber aus, seitdem wurden außerhalb des ursprünglichen Bohrgebiets weitere bedeutende Funde gemacht. Vor allem das Veta Grande Adersystem scheint sehr hochgradige Mineralisierungen aufzuweisen.

    Die anderen 3 Liegenschaften von Zacatecas befinden sich noch in einem frühen Explorationsstadium, doch auch hier wurden bei ersten Bohrungen bereits sehr hohe Silbergehalte gefunden. Die Zahlen und Fakten sprechen eigentlich für sich und doch ist die Aktie seit Mai 2021 unter Druck. Der Grund dafür liegt im Tepal Projekt, dass gemäß einer Ressourcenschätzung nach NI 43-101 über 1,8 Mio. Unzen Gold und 813 Mio. Pfund Kupfer beherbergt und über eine fertige Vormachbarkeitsstudie verfügt. Hier kann seit längerem nicht weitergearbeitet werden, weil es Betrüger mit gefälschten Dokumenten geschafft haben, die Mineralkonzessionen an einen Dritten zu übertragen. Seitdem läuft ein Rechtsstreit. Douglas Cavey, Executive Vice President sagte dazu auf der Goldmesse in Frankfurt, dass das Unternehmen die Unterstützung des Wirtschaftsministers hat und auch die mexikanische Bergbauindustrie hinter Defiance Silver steht.

    Er hofft, dass das Verfahren in den kommenden 10 Monaten einen positiven Abschluss findet und man dann das Projekt weiter vorantreiben kann. Kommt die entsprechende Meldung, dürfte die Aktie schlagartig drehen. 2021 lag der Aktienkurs noch bei über 1 CAD. Aktuell ist ein Anteilsschein schon für 0,16 CAD zu haben. Damit kommt das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von lediglich 36,4 Mio. CAD. Rund 5,5 Mio. CAD Cash stehen für die Explorationsarbeiten in diesem Jahr zur Verfügung und für die abschließenden Zahlungen, um Lucita und San Acacio zu 100 % in eigenen Besitz zu bekommen. Risikobewusste Anleger können hier eine erste Position aufbauen.

    Vonovia – warten auf das Ende der Zinsanhebungen

    Vonovia gilt als größter Immobilienkonzern in Europa. Die Nullzins-Politik der EZB spielte dem Unternehmen in die Karten. Man konnte wachsen ohne Zinsen zu zahlen und tätigte Übernahmen wie beispielsweise die Deutsche Wohnen. Damit wurden die Schulden höher und seit dem Ausbruch des Ukraine Konflikts steigt die Inflation. Die US Notenbank FED versucht seitdem die Preissteigerung zu stoppen, indem die Zinsen angehoben werden. Am 26. Juli wird die FED vermutlich die Zinsen noch einmal um 0,25 % anheben. Das setzt wiederum die EZB unter Druck, denn die Inflation ist in Europa noch immer stärker als in den USA.

    Jeder Zinsschritt nach oben ist Gift für den verschuldeten Vonovia Konzern. Denn die Zinsaufwendungen für die Schulden, die lange Zeit günstig refinanziert werden konnten, steigen jetzt deutlich. Dadurch sinken die Erträge. Der Konzern hat bereits für mehrere Mrd. EUR Immobilien verkauft und die Dividenden halbiert, um sich Luft zu verschaffen. Zusätzlich fallen die Immobilienpreise, denn durch die Zinssteigerungen können sich viele Menschen keine Immobilienkäufe mehr leisten. Die Mieter von Vonovia leiden ebenfalls unter der Inflation und so herrscht die Angst, dass einige Mieter in Zahlungsverzug kommen könnten.

    Rückenwind gab es zuletzt von der Deutschen Bank. Nach deren Einschätzung ist der Fall der Immobilienpreise erst einmal gestoppt. Damit gibt es einerseits weniger bilanzielle Probleme und zum anderen gibt es wieder Käufer, die auf dem Niveau kaufen. 300 Mio. EUR behält das Unternehmen, da rund 45 % der Aktionäre sich für eine Aktiendividende entschieden haben. Die Aktie ist vom Allzeittief bei 15,21 EUR abgeprallt und ist derzeit für 20,93 EUR zu haben. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 28,99 EUR. Sobald die Notenbanken das Ende der Zinserhöhungen verkünden, wäre das eine Initialzündung für Immobilienwerte.


    Bei allen drei Unternehmen gilt: Die Aussichten sind gut. Bei BioNTech müsste nur ein Präparat gegen Krebs zugelassen werden und die Käufer stehen Schlange. Defiance Silver braucht lediglich die offizielle Bestätigung vom Gericht, dass der Betrugsfall rückabgewickelt wird und kann dann voll durchstarten. Vonovia ist auf die Notenbanken angewiesen. Der hohe Schuldenstand drückt und muss refinanzierbar bleiben. Derzeit steigen die Zinsen aber noch weiter, was für weiteren Druck sorgen dürfte.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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