05.06.2026 | 04:40
Drei Tech-Aktien fürs Depot: SanDisk, HPQ Silicon und Nokia Oyi!
Im Tech-Sektor boomt es dank des Ausbaus der KI-Rechenzentren wie nie zuvor. Oft wird die Lage an den Börsen mit der Blase um die Jahrtausendwende verglichen. Analysten sehen aber die Möglichkeit, dass es noch ein paar Jahre so weitergehen kann. Und inzwischen zapft sogar die Google-Mutter Alphabet den Kapitalmarkt an, um mehr als 80 Mrd. USD einzusammeln. Der Boom ist also ungebrochen und die KI-Hyperscaler sind bereit, massiv zu investieren. Der Superstar der jüngsten 18 Monate ist die Aktie von SanDisk, die wir ebenso wie den finnischen Tech-Oldie Nokia heute unter die Lupe nehmen. Zudem lohnt sich der Blick auf die kanadische HPQ Silicon, die in den kommenden zwei Jahren gleich drei bahnbrechende Technologien in die Kommerzialisierung bringen will.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Tarik Dede
ISIN:
SANDISK CORPORATION | US80004C2008 | NASDAQ: SNDK , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , NOKIA OYJ EO-_06 | FI0009000681
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
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Nokia Oyj: Oldie but KI-Goldie!
Die Wall Street blickt im Zuge des Booms um KI-Rechenzentren derzeit vor allem auf die heimischen Chip- und Speicherhersteller. Doch auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen gibt es interessante Aktien wie Nokia Oyj. Auch wenn man in Handyshops noch die alten Knochen-Telefone bekommt, ist das heutige Nokia ein reiner B2B-Technologiekonzern. Inzwischen geht es vor allem um die Vernetzung von Industrie und KI-Rechenzentren. Nokia ist globaler Marktführer beim Aufbau privater Netzwerke für die Industrie 4.0. Ob automatisierte Häfen, hochmoderne Autofabriken oder autonome Minen: die zuverlässige Echtzeit-Konnektivität läuft über Nokias Hard- und Software. Mit Plattformen wie Nokia AVA integriert der Konzern künstliche Intelligenz direkt in die Steuerung von Mobilfunknetzen. Hier geht es um stabile Netzwerke, die Optimierung des Energieverbrauchs von Funkmasten und die Automatisierung des Traffic-Managements. Dabei kann Nokia auf ein riesiges Patentportfolio aufbauen. Das bringt langfristige Lizenzgebühren von Giganten wie Apple, Samsung oder chinesischen Smartphone-Herstellern und sichert hohe Margen sowie wiederkehrende Umsätze.
Es hat aber auch seinen Grund, warum die Aktie 2025 noch nicht so gehypt wurde wie viele KI-Firmen. Zum einen ist das Geschäft teils zyklisch. So hatten die großen Telekommunikationskonzerne ihre Investitionen in den 5G-Ausbau und die Vorbereitung von 6G vorübergehend gedrosselt. Das belastete das Segment Network Infrastructure. Andere Wachstumsbereiche werden dagegen noch nicht so stark wahrgenommen. So müssen die massiven Datenströme auch zwischen den Rechenzentren transportiert werden, wo Nokia mit seiner Sparte für optische Netzwerke direkt profitiert. Zudem rollt außerhalb der USA nun die große Welle des Netzausbaus, beispielsweise in Indien. Nokia profitierte nicht zuletzt von der Geopolitik. Westliche Staaten ersetzten chinesische Anbieter durch die Technik der Finnen – einziger Konkurrent hier ist die schwedische Ericsson.
Operativ ist Nokia solide ins neue Jahr gestartet. Der Umsatz stieg um 4 % auf 4,5 Mrd. EUR, die Bruttomarge stieg auf 45,5 %. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,05 EUR, im Vorjahresquartal waren es nur 0,03 EUR. Die Bilanz ist bärenstark: Nokias Netto-Cashposition beträgt stolze 3,8 Mrd. EUR. Der Vorstand hat nun zudem das Recht, 550 Mio. eigene Aktien zurückzukaufen, was fast 10 % aller ausstehenden Anteile entspricht. Die Nokia-Titel wurden als Tech-/KI-Play im Prinzip erst dieses Jahr wiederentdeckt. Seither hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Der Konsens für das 2026er EPS liegt bei 0,32 EUR. Damit kommt Nokia auf ein KGV von mehr als 40. Sollte der Run auf die Nokia-Technologie im KI-Bereich anhalten, kann das Unternehmen aber in diese Bewertung hineinwachsen.
HPQ Silicon: High Tech auf allen Ebenen
Batteriematerial, Kieselsäure und Wasserstoff vor Ort: HPQ Silicon hat in den vergangenen zehn Jahren gleich drei Technologien entwickelt, um die Welt zu einem effizienteren und besseren Ort zu machen. Für Anleger wichtig: In den kommenden zwei Jahren will das Management um CEO Bernard J. Tourillion den kommerziellen Durchbruch schaffen. Und genau deshalb ist die Aktie nun interessant.
Doch starten wir mit den Technologien. Im Bereich Silizium-Batteriematerialien entwickelt HPQ zusammen mit dem französischen Unternehmen Novacium SAS siliziumbasierte Anodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien. Sie haben mehrere Vorteile: Diese Materialien (wie die GEN4-Zellen) erzielen eine deutlich höhere Energiedichte als herkömmliches Graphit, verhindern zudem das typische Anschwellen des Siliziums und lassen sich direkt in bestehende Batterielinien integrieren, was Kosten spart. Aber HPQ will nicht in den großen Konkurrenzkampf beim Massenmarkt für Elektroautos einsteigen. Stattdessen werden hochpreisige, margenstarke Nischen wie die Verteidigungsindustrie, die Luftfahrt und der kommerzielle Drohnensektor adressiert. Und hier geht es nicht mehr um Zukunftsmusik: Die Kanadier haben bereits erste Aufträge von europäischen Drohnenherstellern erhalten. CEO Tourillion rechnet nach der ersten Lieferung mit Folgeaufträgen. Zudem wurde eine Absichtserklärung für den asiatischen Markt unterzeichnet. Der erste Schritt zur eigenen Herstellung wurde schon gemacht. Derzeit baut HPQ eine Produktionslinie für 2 Tonnen Anodenmaterial pro Jahr auf. Da pro Zelle nur etwa 3 Gramm Silizium benötigt werden, lassen sich damit bereits erhebliche Mengen herstellen. Die nächste Stufe ist eine 50-Tonnen-Anlage, die vom kanadischen Staat mit 3 Mio. CAD gefördert wird. Nach Fertigstellung wäre HPQ damit der einzige nicht-chinesische Hersteller.
CEO Bernard J. Tourillion hat das Geschäftsmodell und die Strategie von HPQ Silicon auf der IIF vorgestellt:
https://www.youtube.com/watch?v=V6FO2uPdQLI
Kieselsäure, die zweite Säule des Unternehmens, könnte langfristig das wirtschaftlich rentabelste und am einfachsten zu skalierende Geschäft für HPQ Silicon werden. Pyrogene Kieselsäure ist ein Grundstoff für Kosmetika, Pharmazeutika, Lacke, Klebstoffe und Dichtstoffe, es wartet also ein Milliardenmarkt. Dabei ist das herkömmliche Herstellungsverfahren extrem energieintensiv und erfordert viele chemische Zwischenschritte. Der FSR-Reaktor von HPQ, der mit dem Partner PyroGenesis entwickelt wurde, wandelt Quarz in einem einzigen, chemiefreien Plasma-Schritt direkt in pyrogene Kieselsäure um. Das senkt die Produktionskosten (Energie) und den CO2-Ausstoß des Produktionsprozesses drastisch. Kanada selbst hat heute keine Produktion und importiert den Bedarf, der auf rund 200 Mio. USD geschätzt wird. Mit Evonik hat man bereits eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft unterschrieben. Der deutsche Industrieriese ist der Weltmarktführer. Zudem konnte HPQ bereits ein weiteres MOU mit einem Endanwender vermelden.
Grüner Wasserstoff ist schlecht zu transportieren und zu lagern. HPQ hat ein System entwickelt, bei dem der Wasserstoff direkt vor Ort bei Bedarf erzeugt wird. Als ungiftiger Energieträger dient dabei recyceltes Aluminium (im Prinzip wertloser Metallschrott). Dabei funktioniert die Technik auch ohne sauberes Trinkwasser, Meerwasser reicht. Der Zielmarkt Drohnen befindet sich derzeit in einem dynamischen Wachstum. Mit den Wasserstoff-Brennstoffzellen von HPQ kann die Flugzeit deutlich verlängert werden. Zudem kann das System als Containerlösung im zivilen Bereich für Strom und Wärme sorgen und Dieselgeneratoren ersetzen. Zum potenziellen Kundenkreis gehören beispielsweise Mining-Camps oder indigene Dörfer im arktischen Norden Kanadas.
HPQ Silicon könnte somit in gleich drei Technologiebereichen in den kommenden 18 bis 24 Monaten punkten und Aufträge vermelden. Das Unternehmen kommt aktuell auf einen Börsenwert von knapp 100 Mio. CAD. Das Potenzial jedes einzelnen Produkts dürfte deutlich größer sein. Jüngst hat man sich zudem finanziell gestärkt und 3 Mio. CAD durch die Platzierung von Aktien zu 0,165 kanadische Cent eingesammelt. CEO Bernard J. Tourillion hat auf dem IIF (siehe Video oben) betont, dass nun gleichzeitig alle drei Säulen (Batterien, Kieselsäure, Wasserstoff) die Marktreife erreichen. Daher sei eine Abspaltung in eigenständige Unternehmen eine Möglichkeit, um den Shareholder-Value zu erhöhen.
SanDisk: Der Superbulle im Speichersektor!
Noch Anfang 2025 war die Aktie von SanDisk für unter 37 USD zu haben. Heute kostet ein Stück satte 1.830 USD, der Börsenwert ist auf rund 270 Mrd. USD geradezu explodiert! Es gibt wohl kaum ein Papier, was solch eine parabolische Entwicklung binnen knapp 18 Monaten hingelegt hat, die Performance liegt bei mehr als 4.500 %. Doch kann es so weitergehen?
Wer dachte, dass im aktuellen KI-Boom nur Grafikchips das Maß aller Dinge sind, hat die Rechnung ohne SanDisk gemacht. Denn Daten müssen nicht nur verarbeitet, sondern in gigantischen Mengen ultraschnell gespeichert werden. Und genau hier schlägt die Stunde des Speicher-Spezialisten. Einst war SanDisk bekannt für seine SD-Karten im Smartphone, in USB-Sticks oder SSD-Festplatten im PC. 2016 wurde die Firma von Western Digital übernommen. Anfang 2025 kamen die Aktien dann als Spin-Out zurück an die Nasdaq, drin war nur noch das Geschäft mit NAND-Flash-Speichern, SSDs und Enterprise-Speicherlösungen. Doch das ist die Zukunft, denn Rechenzentren brauchen High-Performance-Speicher. Die großen KI-Hyperscaler reißen sich förmlich um die Flash-Technologie von SanDisk, da generative KI-Modelle immense Lese- und Schreibgeschwindigkeiten voraussetzen.
Ende April legte SanDisk seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Und die pulverisierten die Erwartungen des Marktes. Der Quartalsumsatz kletterte um 251 % auf 5,95 Mrd. USD. Der Gewinn je Aktie sprang – nach einem Verlust im Vorjahr – auf 23,41 USD. Bei der Bruttomarge rechnet das Management für das abschließende vierte Quartal (gebrochenes Geschäftsjahr!) mit 65 % bis 67 %. Das sind starke Zahlen! Analysten glauben, dass in Folge des Ausbaus von KI-Rechenzentren der Boom bei SanDisk noch zwei bis drei Jahre anhalten kann. Zudem wird im Markt über einen Aktiensplit spekuliert, so wie es Nvidia, Broadcom oder Super Micro Computer einst vormachten. Ein optisch niedriger Aktienkurs könnte dem Titel den nächsten Schub geben.
Die Analysten an der Wall Street haben ihre Schätzungen für das laufende Q4 nach oben angepasst. So wird ein EPS von 33,04 USD erwartet. Im Gesamtjahr soll der Wert dann bei 75 bis 77 USD je Aktie liegen. Das entspräche einem KGV von rund 25 – für ein stark wachsendes Unternehmen ein moderater Wert. Allerdings drohen bei SanDisk nach dieser Rally auch Gewinnmitnahmen. Eine Aktie, die in rund 18 Monaten mehrere tausend Prozent Performance gemacht hat, kann schnell um 20 oder 30 % korrigieren.
Fazit: Mit Nokia können Anleger auf einen alten Tech-Haudegen setzen, dessen Technologie bei der Kommunikation zwischen KI-Rechenzentren gefragt ist. Aber: Die Aktie ist schon sehr teuer und muss eigentlich noch in diese Bewertung hineinwachsen. HPQ Silicon will gleich drei Technologien in den kommenden 18 bis 24 Monaten kommerzialisieren. Jede allein dürfte mehr wert sein als der Börsenwert des gesamten Unternehmens. SanDisk ist der Star des aktuellen KI-Hypes. Nach mehreren tausend Prozent Performance seit Anfang 2025 drohen hier aber hohe Gewinnmitnahmen, sobald der Markt mal nach unten zuckt.
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