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11.03.2026 | 05:30

Drei Trends, ein Ziel: Wie Bayer, MustGrow Biologics und BASF die Agrarwende zur Gewinnchance machen

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Bildquelle: pixabay.com

Drei Trends bewegen aktuell die globale Agrarwirtschaft, explodierende Düngemittelpreise, der regulatorische Druck zur Rettung der Artenvielfalt und der unstillbare Hunger einer wachsenden Bevölkerung. Während Landwirte zwischen Existenzangst und dem Zwang zur Ökologisierung navigieren zeichnet sich ein milliardenschwerer Umbau der Branche ab. Die alte Chemie stößt an ihre Grenzen, die Nachfrage nach biologischen Alternativen und präzisen Technologien erreicht einen historischen Höhepunkt. In diesem Spannungsfeld aus Volatilität und Chance formiert sich die Zukunft der Pflanzenproduktion neu. Wir sehen uns an wie Bayer, MustGrow Biologics und BASF diese Transformation vorantreiben und davon profitieren könnten.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017 , MUSTGROW BIOLOGICS CORP. | CA62822A1030 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111

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Inhaltsverzeichnis:


    Bayer - stabiles Agrargeschäft und Pharma liefert Wachstumsimpulse

    Der Leverkusener Konzern hat die Zahlen für 2025 vorgelegt und die im Sommer angehobenen Ziele erreicht. Der Umsatz legte währungsbereinigt um 1,1 % auf 45,6 Mrd. EUR zu, das bereinigte operative Ergebnis blieb mit 9,7 Mrd. EUR hinter dem Vorjahr zurück. Belastend wirkten vor allem negative Währungseffekte von knapp 1,7 Mrd. EUR. Unterm Strich steht ein Konzernverlust von 3,6 Mrd. EUR, maßgeblich getrieben durch Sonderaufwendungen für Rechtsstreitigkeiten. Der freie Cashflow sank deutlich auf 2,1 Mrd. EUR, die Nettoverschuldung konnte das Unternehmen dagegen auf 29,8 Mrd. EUR reduzieren.

    Die Agrarsparte legte währungsbereinigt um 1,1 % auf 21,6 Milliarden Euro zu. Maßgeblich dafür war das Geschäft mit Maissaatgut, das weltweit um 13,2 % zulegte. Dieses Plus wurde durch eine starke Produktperformance, größere Anbauflächen und eine lizenzvertragliche Einigung mit Corteva in Nordamerika erreicht. Auch Gemüsesaatgut entwickelte sich erfreulich. Dagegen litten Fungizide unter marktbedingten Rückgängen in Nordamerika und Asien, Insektizide verloren durch auslaufende Registrierungen in Europa. Das Geschäft mit glyphosathaltigen Produkten blieb stabil. Das bereinigte operative Ergebnis der Sparte sank um 3,2 % auf 4,2 Mrd. EUR. Das lag an negativen Regulierungseffekten und höheren Aufwendungen für variable Vergütung.

    Die Pharmasparte steigerte den Umsatz währungsbereinigt um 1,7 % auf 17,8 Mrd. EUR. Die Wachstumstreiber waren klar die Krebsmedikamente Nubeqa mit einem Plus von 62 % und das Nierenmittel Kerendia, das sich um 88 % steigerte. Deutliche Rückgänge gab es dagegen bei Xarelto nach Patentabläufen sowie bei Eylea aufgrund von Preisdruck und Generikawettbewerb. Das operative Ergebnis sank um 4,2 %, was das Unternehmen mit höheren Vermarktungsausgaben für neue Produkte und Indikationen begründet. Die Konsumentensparte kämpfte mit schwachen Märkten in den USA und China und blieb mit 5,8 Mrd. EUR Umsatz stabil auf Vorjahresniveau. Für 2026 erwartet Bayer währungsbereinigt einen Umsatz von 45-47 Mrd. EUR und ein operatives Ergebnis zwischen 9,6 und 10,1 Mrd. EUR. Derzeit ist die Aktie für 38,61 EUR zu haben.

    MustGrow Biologics - der Senf-Faktor

    Die Landwirtschaft durchläuft einen grundlegenden Wandel. Weltweit geraten synthetische Pestizide und Dünger unter Druck. Allein in 162 Ländern sind inzwischen rund 460 Wirkstoffe verboten. Gleichzeitig müssen die Erträge auf vorhandenen Flächen steigen. Diese Schere öffnet ein strukturelles Fenster für biologische Alternativen. MustGrow Biologics hat sich in diesem Umfeld mit einer spezifischen Nische positioniert. Die Kanadier nutzen die natürlichen Abwehrstoffe der Senfpflanze, um Bodenkrankheiten zu bekämpfen und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Was das Unternehmen aus der Masse der Biologika-Anbieter herausstechen lässt, ist der Nachweis, dass ihre Produkte nicht nur "grün", sondern auch stark genug für den kommerziellen Einsatz sind.

    Die Validierung kommt aus der Praxis. Bei einem zweijährigen Feldprogramm auf rund 40 ha kanadischer Canola-Fläche konnte das Produkt TerraMG™ die gefürchtete Kohlhernie, eine Krankheit, gegen die es kaum wirksame Mittel gibt, deutlich unterdrücken. In einem feuchten Jahr mit hohem Krankheitsdruck stiegen die Erträge um bis zu 19 %, die Sporenkonzentration im Boden sank um 95 %. Noch überzeugender für das Tagesgeschäft ist die Entwicklung bei TerraSante™, einem Bio-Dünger für den US-Markt. Die Nachfrage von Großbauern in Washington und Idaho war 2025 so stark, dass die Produkte von MustGrow ausverkauft waren. Ein Kartoffelbauer berichtete von einem Mehrertrag von 2 t pro Acre, bei Produktkosten von 180 USD pro Acre ein glasklares wirtschaftliches Argument.

    MustGrow hat sich strategisch breiter aufgestellt als die meisten Entwicklerfirmen. Mit der Übernahme von NexusBioAg besitzt das Unternehmen einen eigenen Vertriebskanal in Kanada, der über 40 Produkte etablierter Marken vertreibt und für wiederkehrende Umsätze sorgt. Das schafft Marktzugang für die eigenen Neuentwicklungen. Parallel arbeitet man mit dem deutschen Konzern Bayer in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zusammen. Mit dem Deal, der dem deutschen Partner die Registrierungskosten von geschätzt 35 bis 40 Mio. USD überlässt und MustGrow Meilensteinzahlungen sowie spätere Lizenzeinnahmen sichert, hat man den Schritt nach Übersee geschafft. Eine kürzlich abgeschlossene Finanzierung über 2 Mio. CAD fließt nun in den Produktionshochlauf, um die Lieferengpässe zu beheben und die steigende Nachfrage zu bedienen. Aktuell notiert die Aktie bei 0,54 CAD.

    BASF - zwischen Sparkurs und grüner Wette

    Der Chemieriese BASF hat die Zahlen für 2025 vorgelegt. Die Botschaft ist klar, man stellt sich auf eine längere Durststrecke ein. Umsatz und operatives Ergebnis gaben nach, der freie Cashflow legte dagegen deutlich zu. Das kam nicht von ungefähr, sondern ist das Resultat eines forcierten Sparkurses. Rund 1,7 Mrd. EUR will man mittlerweile jährlich einsparen, 100 Mio. mehr als ursprünglich anvisiert. Für das laufende Jahr stellt der Vorstand eine breite Ergebnisprognose von 6,2-7,0 Mrd. EUR in Aussicht. Eine schnelle Erholung des Chemiemarktes erwartet niemand im Ludwigshafener Vorstand.

    Anleger dürften die Entwicklung des freien Cashflows genauer unter die Lupe nehmen. Er stieg 2025 auf 1,3 Mrd. EUR, nicht zuletzt, weil die Investitionsausgaben deutlich zurückgefahren wurden. Diese Kapitaldisziplin wollen die Verantwortlichen durchziehen. Bis 2029 sind Ausgaben von nur noch 13 Mrd. EUR geplant, ein sattes Minus von 20 % gegenüber der vorherigen Planung. Gleichzeitig bleibt die Aktionärsvergütung großzügig. Bei einem aktuellen Kurs von 46,11 EUR kommt man auf eine Dividendenrendite von rund 4,9 %. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Mrd. EUR, das bis zum Sommer abgeschlossen sein soll.

    Ein besonderes Augenmerk legt BASF auf das Agrargeschäft. Die Sparte Agricultural Solutions zeigte sich 2025 robust und soll 2027 an die Börse. Um sie für den Spin-off zu wappnen, wird kräftig zugekauft. Die Übernahme des US-Spezialisten AgBiTech, die noch im 1. Halbjahr abgeschlossen werden soll, unterstreicht den Willen, im Bereich biologischer Pflanzenschutz ganz vorne mitzumischen. Mit den viralen Mitteln gegen Schadinsekten erschließt sich BASF einen Markt, der jährlich um bis zu 15 % wächst.


    Für die Agrarindustrie ist die ökologische Transformation längst kein reines Risiko mehr, sondern eine strategische Wachstumschance. Bayer setzt auf Stabilität im Pflanzenschutz und treibt mit starken Pharmaprodukten das Wachstum, bleibt aber durch Rechtslasten gehemmt. MustGrow Biologics beweist, dass biologische Lösungen wie TerraMG™ nicht nur ökologisch, sondern dank überzeugender Mehrerträge auch kommerziell tragfähig sind und erschließt sich über Partnerschaften globale Märkte. BASF wiederum stellt die Weichen für die Zukunft, indem es sein Agrargeschäft durch Zukäufe im Biosektor stärkt und für den Börsengang rüstet. Alle drei zeigen wer Nachhaltigkeit und Ertragskraft verbindet, kann aus dem Umbau der Branche eine echte Gewinnchance schmieden.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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