06.03.2026 | 05:30
Iran Krieg lässt die Kasse klingeln! Mit BP den Boom mitnehmen und mit CHAR Technologies und First Solar die Zukunft kaufen
Der Schock des Iran-Krieges jagt den Ölpreis in die Höhe und beschert BP kurzfristig satte Gewinne. Trotzdem offenbart der Konflikt schonungslos die Achillesferse fossiler Abhängigkeit. Während die geopolitischen Risiken eskalieren, suchen Investoren händeringend nach krisenfesten Alternativen. Die Zukunft gehört Technologien, die sich von den Spannungen am Persischen Golf nicht beeindrucken lassen. Innovative Verfahren verwandeln längst Holzabfälle in grüne Energieträger, während Solarriesen neue Effizienzrekorde aufstellen. Drei Unternehmen zeigen, wohin die Reise geht: Der kurzfristige Höhenflug von BP ist nur die eine Seite der Medaille, die Weichen für nachhaltige Renditen stellen jetzt CHAR Technologies und First Solar.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , CHAR Technologies Ltd. | CA15957L1040 , FIRST SOLAR INC. D -_001 | US3364331070
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Inhaltsverzeichnis:
"[...] Die Dominanz Chinas ist unter anderem ein Grund dafür, weswegen wir uns so stark auf dem Wolfram-Markt engagieren. Hier sind rund 85% der Produktion in chinesischer Hand. [...]" Dr. Thomas Gutschlag, CEO, Deutsche Rohstoff AG
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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BP - profitiert von geopolitischer Lage, stellt aber Aktionäre zurück
Die jüngste Eskalation im Iran-Konflikt treibt die Ölpreise nach oben und beschert BP erstmal Rückenwind. Auf den ersten Blick wirken die Zahlen für 2025 widersprüchlich. Nach IFRS bleibt unterm Strich kaum Gewinn hängen. Hohe Abschreibungen vor allem im Bereich Gas & Low Carbon Energy drücken das Ergebnis. Wer jedoch auf die bereinigte Kennzahl "Underlying Replacement Cost Profit" schaut, erkennt ein stabiles Geschäft. Rund 7,5 Mrd. USD operativer Gewinn stehen da, bei einem Cashflow von 24,5 Mrd. USD. Die Kapitalrendite bleibt mit knapp 14 % im vernünftigen Bereich. Vielversprechende Entdeckungen wie der jüngste Fund vor Angola unterstreichen zudem das langfristige Potenzial des Konzerns.
Die eigentliche Nachricht für Investoren steckt in der Kapitalallokation. BP pausiert seine Aktienrückkäufe und lenkt den freien Cashflow komplett in den Schuldenabbau. Bis Ende 2027 soll die Nettoverschuldung von aktuell 22,2 auf 14-18 Mrd. USD sinken. Dazu laufen die Investitionen auf Sparflamme. 2026 sind nur 13-13,5 Mrd. USD geplant. Dass die Dividende dennoch leicht steigen soll, unterstreicht deren Priorität. Gleichzeitig treibt BP den Portfolio-Umbau voran. Mit Veräußerungen von über 11 Mrd. USD und dem geplanten Einstieg ins kanadische Bay-du-Nord-Projekt entsteht ein schlankeres, fokussierteres Unternehmen.
Mit der designierten CEO Meg O'Neill, die im April von Woodside Energy kommt, setzt BP voll auf Kontinuität im Wandel. Die Zukunft soll im profitablen Kerngeschäft liegen. Öl- und Gasprojekte wie die vielversprechende Entdeckung "Bumerangue" vor Brasilien bekommen Vorrang. Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Randaktivitäten. Allein der Castrol-Teilverkauf bringt netto rund 6 Mrd. USD. Die operative Basis stimmt bereits. Rekord-Verfügbarkeiten in Förderung und Raffinerien zeigen, dass BP sein Tagesgeschäft im Griff hat. Für Aktionäre bleibt BP damit ein geduldiges Warten auf bessere Zeiten, während sich die neuen Strukturen langsam auszahlen. Derzeit ist die Aktie für 5,587 EUR zu haben.
CHAR Technologies - Cleantech-Pionier stellt die Weichen
Die Bewertung von Cleantech-Unternehmen folgt oft einer simplen Regel. Irgendwann müssen aus Versprechen produzierte Tonnen werden. Ein kanadisches Unternehmen steht genau an dieser Schwelle und macht jetzt ernst. Mit der Inbetriebnahme der ersten kommerziellen Anlage in Thorold (Ontario) beginnt die entscheidende Phase. Die Technologie basiert auf einem Hochtemperatur-Pyrolyseverfahren, das Holzabfälle in zwei vermarktbare Produkte verwandelt: Biokohlenstoff als Ersatz für metallurgische Kohle und erneuerbares Gas. Besonders die langfristigen Abnahmeverträge für das Gas zu Festpreisen über 20 Jahre verschaffen eine für die Branche ungewöhnliche Planungssicherheit. Die Anlage soll schrittweise hochgefahren werden, zunächst mit 5.000 t Biokohle pro Jahr, bevor 2026 die Gasproduktion folgt.
Was dieses Modell von vielen isolierten Technologieentwicklungen unterscheidet, ist das Partnernetzwerk. Statt auf reines Eigenkapital zu setzen, wurden frühzeitig strategische Investoren eingebunden, die sowohl Kapital als auch operative Expertise liefern. Der Stahlriese ArcelorMittal fungiert nicht nur als Investor, sondern auch als primärer Abnehmer für die Biokohle. Das ist ein klares Signal nach einem mehrjährigen Technologie-Screening. Hinzu kommt die Partnerschaft mit der BMI Group, die stillgelegte Zellstofffabriken mit bestehender Infrastruktur in die Projekte einbringt und sich gerade mit 10 Mio. CAD am Ausbau des Standorts Espanola beteiligt hat. Die Einbindung indigener Partner zur Sicherung der Rohstoffversorgung rundet dieses Bild ab und reduziert klassische Projektrisiken erheblich.
Die eigentliche Geschichte liegt jedoch in der Skalierbarkeit. 4 Projekte befinden sich in der Umsetzung oder fortgeschrittenen Entwicklung. Neben Thorold hat am Lake Nipigon bereits der Bau begonnen, 2 weitere Standorte folgen. Das gesamte Umsatzpotenzial dieser vier Anlagen wird auf umgerechnet rund 122 Mio. EUR beziffert. Entscheidend ist die Finanzierungsstruktur. Die bankfähigen Abnahmeverträge ermöglichen eine projektbezogene Fremdfinanzierung, die das Eigenkapital des Unternehmens schont. Ein zweites Standbein eröffnet sich zudem im Bereich der PFAS-Zerstörung. In einem Pilotprojekt in Baltimore wurde nachgewiesen, dass das Verfahren die sogenannten "Ewigkeitschemikalien" in Klärschlämmen zerstören kann. Das Potenzial in diesem riesigen Markt ist enorm und soll nun über Lizenzmodelle erschlossen werden. Aktuell notiert die Aktie bei 0,25 CAD.
First Solar - starkes Jahresende, aber der Ausblick 2026 gibt Rätsel auf
Die Zahlen für das 4. Quartal 2025 lesen sich auf den ersten Blick solide. First Solar steigerte den Umsatz im Jahresvergleich um gut 11 % auf 1,68 Mrd. USD und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Beim Gewinn je Aktie von 4,84 USD blieb das Unternehmen jedoch hinter den Prognosen zurück. Für das Gesamtjahr 2025 steht ein Umsatzplus von knapp 24 % auf 5,2 Mrd. USD zu Buche. Das zeigt, dass die Nachfrage nach den cadmiumtellurid-basierten Modulen grundsätzlich intakt ist. Die Bilanz ist mit einem Netto-Cash-Bestand von 2,4 Mrd. USD zum Jahresende gut gefüllt, was dem Unternehmen erhebliche finanzielle Flexibilität verschafft.
Trotz der starken Vorjahresleistung sorgte der Ausblick für 2026 für Ernüchterung. Der Umsatz soll mit 4,9-5,2 Mrd. USD bestenfalls stagnieren, was deutlich unter den zuvor ambitionierten Markterwartungen liegt. Das Unternehmen begründet die Vorsicht mit verschiedenen Faktoren, wie höhere Kosten durch US-Zölle, eine bewusste Drosselung der Produktion in Südostasien aufgrund der unsicheren Handelspolitik und Anlaufkosten für neue Werke in den USA. Die operative Marge profitiert zwar weiter massiv von den staatlichen 45X-Steuergutschriften, doch ohne diese Subventionen schrumpft die Marge auf einstellige Werte. Das ist ein Warnsignal für alle, die auf nachhaltige Profitabilität setzen.
Das Umfeld für den Solarmarkt bleibt komplex. Einerseits positioniert sich First Solar mit seinem Fokus auf US-Produktion und Technologien wie CuRe oder Perowskit für die Zukunft. Andererseits belasten Genehmigungsverzögerungen für Großprojekte und die unklare Zollpolitik die Planungssicherheit der Kunden. Positiv ist der Auftragsbestand von Modulen im Wert von 15 Mrd. USD, dies bietet eine solide Basis. Analysten bleiben dennoch gespalten. Die einen sehen in der aktuellen Kurskorrektur eine Einstiegschance für Langfristorientierte, die anderen warnen vor der hohen Abhängigkeit von politischen Förderungen, die ab 2030 auslaufen. Momentan kostet eine Aktie 197,27 USD.
Der Iran-Konflikt offenbart die zwiespältige Realität für Anleger. Während BP kurzfristig von steigenden Ölpreisen profitiert offenbart der Stopp der Aktienrückkäufe die strategische Neuausrichtung auf Schuldenabbau statt Aktionärsglück. Die Zukunft aber gehört den Krisengewinnern der anderen Art. CHAR Technologies beweist mit seiner ersten kommerziellen Anlage dass die Forschung erfolgreich war und zeigt, wie aus Holzabfällen durch starke Partnerschaften skalierbare Cleantech-Werte entstehen. First Solar wiederum trotzt mit soliden Zahlen und vollem Auftragsbuch den Unsicherheiten, zeigt aber auch die Risiken politischer Abhängigkeiten auf. Wer heute nachhaltig investieren will, muss den Zyklus und den Wandel im Blick behalten.
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