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15.07.2026 | 05:20

Portfolio-Booster 2026: Mit Rheinmetall, Volatus Aerospace und TKMS am Puls der NATO-Aufrüstung

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Bildquelle: pixabay.com

Die Ära der Panzerdivisionen ist weitgehend vorbei. Heute verschmelzen der Luft- und Seeraum zu einem vernetzten Gefechtsfeld, auf dem autonome Drohnen, KI-gestützte Sensorik und maritime Überwachungssysteme die entscheidenden Kräfte sind. Der NATO-Gipfel in Ankara und Deutschlands Rekordetat von 108 Mrd. EUR beschleunigen diese technologische Transformation massiv. Für Investoren bedeutet das, dass man sich auf die nächste Generation der Luft- und Marineabwehr konzentrieren sollte. Drei Unternehmen verkörpern diesen Wandel in seiner ganzen Bandbreite, der Komplettanbieter Rheinmetall, der agile Drohnenpionier Volatus Aerospace und der maritime Systempartner TKMS.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001

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Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall – Megadeals und eine Enttäuschung

    Der Abschied vom Zivilgeschäft ist endgültig vollzogen: Der Verkauf der Power-Systems-Sparte für 350 Mio. EUR an AEQUITA markiert den Schlusspunkt unter der Ära als Autozulieferer. Doch der vermeintliche Befreiungsschlag wird von einem milliardenschweren Rückschlag überschattet. Das Bundesverteidigungsministerium stoppte das F126-Fregattenprogramm und entschied sich für 8 kleinere Meko A-200 DEU-Fregatten von Thyssenkrupp Marine Systems. Hier war erwartet worden, dass Rheinmetall den Auftrag erhält. Die Kostenexplosion von ursprünglich 10 auf über 18 Mrd. EUR macht die Entscheidung nachvollziehbar, für Rheinmetall bedeutet sie jedoch den Verlust eines prestigeträchtigen Marine-Großauftrags. Analysten von J.P. Morgan sehen bereits den gesamten Auftragseingang für 2026 gefährdet.

    Die operative Nachrichtenlage ist dagegen sehr gut. Die Nachbeschaffung von 23 Bergepanzern "Büffel" im mittleren dreistelligen Millionenbereich, der Serienstart des Caracal-Luftlandefahrzeugs mit einem Volumen von bis zu 1,9 Mrd. EUR sowie die erste ATACMS-Co-Produktion mit Lockheed Martin in Unterlüß zeigen den konstanten Auftragsfluss. Besonders die Übernahme von 51 % am kroatischen Spezialisten DOK-ING und die Projektverantwortung für InterRoC VII bei autonomen Militärkonvois unterstreichen die strategische Neuausrichtung. Rheinmetall erweitert also seine Expertise im Bereich unbemannte Bodenfahrzeuge. Ein kluger Schachzug im Hinblick auf das Zukunftspotenzial des Marktes und eines Personalmangels bei Streitkräften weltweit.

    Vom September-Hoch hat die Aktie in der Spitze mehr als 50 % eingebüßt. Die Analysten bleiben dennoch optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.721 EUR. Der RSI von etwa 35 deutet fast schon auf eine überverkaufte Situation hin, doch eine nachhaltige Erholung erfolgt nur, wenn der Auftragsbestand schnell abgearbeitet werden kann. Der verlorene Marineauftrag wiegt schwer, doch mit dem möglichen Boxer-Radpanzerprogramm über 12,5 Mrd. EUR steht bereits der nächste Mega-Deal in den Startlöchern. Die europäischen Verteidigungsbudgets wachsen weiter, unabhängig vom Ausgang der Ukraine-Gespräche. Die Aktie notiert aktuell bei 971,30 EUR.

    Volatus Aerospace - Kanadas Aufsteiger im NATO-Drohnengeschäft

    Die kanadische Volatus Aerospace durchläuft derzeit eine bemerkenswerte Transformation. Aus dem früheren Drohnen-Produzenten ist ein integrierter Luftfahrt- und Verteidigungskonzern geworden, der zunehmend auf NATO-Aufträge setzt. Die letzte Kapitalerhöhung über 34,5 Mio. CAD und die erweiterte Produktionsstätte in Mirabel unterstreichen diesen Kurs. Besonders die Verteidigungspipeline übertrifft inzwischen das kommerzielle Geschäft. Das ist ein klares Signal für die strategische Neuausrichtung. Insider halten rund 21 % der Anteile und haben seit Gründung keine Aktien verkauft, was für ein hohes Vertrauen in die langfristige Entwicklung spricht.

    Die jüngste Zulassung von Transport Canada für das Canary-System zur zivilen BVLOS-Nutzung in besiedelten Gebieten ist ein entscheidender Meilenstein. Die integrierte Kollisionsvermeidungstechnologie positioniert Volatus als einen der wenigen zertifizierten Anbieter für komplexe kommerzielle Missionen. Die firmeneigene V-Cortex™ AI-Plattform kann zudem in Drohnen von Drittherstellern integriert werden. Das ist ein strategischer Vorteil gegenüber Verteidigungskunden mit bestehenden Flotten. Mit einer erwarteten jährlichen wiederkehrenden Umsatzbasis von rund 20 Mio. CAD und einer Bruttomarge von 32 % zeigt das Geschäftsmodell zunehmende operative Hebelwirkung.

    Die geopolitische Lage spielt Volatus in die Hände. NATO-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben, der Bedarf an Aufklärungssystemen wächst. Die Teilnahme am US-Drohnen-Dominanz-Programm und die Ukraine-Kooperation eröffnen zusätzliche Optionen. Die Mirabel-Anlage kann bei voller Auslastung 250 Mio. CAD Umsatz generieren, ein Erweiterungsgrundstück liegt bereit. Im Vergleich zu reinen Verteidigungswerten wird die Aktie mit einem Abschlag gehandelt, trotz eines ausgewogeneren Risikoprofils durch die kommerzielle Basis. Die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, ob die NATO-Aufträge die neue Infrastruktur profitabel tragen können. Die Aktie notiert aktuell bei 0,54 CAD.

    TKMS – Auftragsboom und operative Herausforderungen

    Die Kanadier haben entschieden, dass TKMS bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD bauen wird. Das ist der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte. Zusammen mit dem frisch gebilligten Fregattenauftrag der Bundeswehr über 4 Einheiten der MEKO® A-200 DEU plus Optionen dürfte sich der Auftragsbestand auf über 30 Mrd. EUR erhöht haben. Die Bücher sind für die nächsten Jahre prall gefüllt, die Auslastung gesichert. Für ein Unternehmen, das sich erst im Oktober 2025 von Thyssenkrupp abgespalten hat, ist das ein beeindruckender Start in die Eigenständigkeit.

    Die Halbjahreszahlen zeigen das erwartete Bild: Umsatz plus 10 %, operatives Ergebnis um 14 % gesteigert. Doch der Schein trügt etwas. Währungsverluste haben im Oberflächengeschäft die operativen Verbesserungen nahezu aufgefressen. Der Auftragseingang schwankt naturgemäß bei Großprojekten, das ist normal. Die Margenentwicklung bleibt der entscheidende Gradmesser. Hier zeigt sich, dass die Altprogramme mit niedrigen Margen auslaufen, während die neuen Projekte langsam anziehen. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein Punkt, den man im Auge behalten sollte.

    Der Rüstungssektor profitiert von den geopolitischen Spannungen. Die NATO-Staaten wollen ihre Verteidigungsausgaben signifikant erhöhen. Auch maritime Ausrüstung steht oben auf der Prioritätenliste. Die Herausforderung liegt weniger in der Nachfrage als in der Umsetzung. Lieferketten müssen stabil laufen, Kapazitäten ausgebaut werden. Das Management wird bei der laufenden Roadshow in Singapur Klarheit schaffen müssen. Wer hier investiert, setzt auf die langfristige Geschichte und nimmt die Volatilität bei Großprojekten in Kauf. Momentan kostet die Aktie 80,90 EUR.


    Die NATO-Aufrüstung 2026 ist kein Konjunkturprogramm, sondern ein struktureller Wandel hin zu autonomen, KI-gestützten, vernetzten Systemen. Rheinmetall bleibt trotz des verlorenen Marine-Großauftrags der unverzichtbare Systempartner für Landsysteme, muss aber den Transformationsschmerz verdauen. Volatus Aerospace ist der operative Hoffnungsträger für autonome Luftaufklärung, dessen kommerzielle Basis das Risiko deutlich mindert. TKMS hingegen genießt als maritimer Rückgratlieferant einen Auftragsboom, kämpft aber mit der Umsetzungsgeschwindigkeit. Die Bewertungen sind volatil, doch der langfristige Nachfragesog durch die Verteidigungsetats macht alle drei zu zentralen Profiteuren dieser Zeitenwende.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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