14.07.2026 | 05:30
Grüner Stahl, Vanadium-Batterien, Uran – thyssenkrupp, Strategic Resources und Energy Fuels bieten das Portfolio für die Industrie 4.0
Die alte Weisheit, dass Krisen die größten Chancen bieten, scheint sich am Rohstoffmarkt 2026 eindrucksvoll zu bewahrheiten. Während die Weltwirtschaft nach Stabilität ringt lieferten die Preise für Gold, Öl und Rohstoffe ein Bild der Extreme und verunsichern Anleger. Bei den Rohstoffen hat sich China oft eine Art Monopolstellung erarbeitet. Westliche Staaten und Unternehmen suchen mittlerweile nach Alternativen für strategische Metalle. Für grünen Stahl, Vanadium-Batterien, Elektromobilität, Windkraft, Verteidigung und Energiesysteme braucht man eine entsprechende Versorgung. Wir sehen uns mit thyssenkrupp einen Verbraucher und mit Strategic Resources und Energy Fuels zwei Unternehmen an, die die Zulieferrolle einnehmen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , ENERGY FUELS INC. | CA2926717083
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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thyssenkrupp - zwischen Abspaltung und Neuausrichtung
Die Transformation des Essener Industriekonzerns thyssenkrupp schreitet voran, doch die Börse zuckt nur mit den Schultern. Der Aufsichtsrat hat die Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis gebilligt, die noch 2026 an die Börse gebracht werden soll. Die Aktionäre erhalten 49 % der Anteile, der Konzern behält zunächst die Mehrheit. Viele Investoren hatten diese Entscheidung erwartet, weshalb die Kursreaktion verhalten ausfiel. Analysten sprechen von einer klassischen „Sell the News“-Dynamik. Zumal die Entscheidung auf der Hauptversammlung im August noch final beschlossen werden muss. Mit der Verselbstständigung von tk accelis und TKMS verfolgt Vorstandschef Miguel Lopez konsequent das Ziel, thyssenkrupp in eine Finanzholding mit eigenständigen Unternehmen zu überführen.
Die operativen Kennzahlen zeigen ein zwiespältiges Bild. Der Auftragseingang stieg im 2. Quartal (Ende 31. März) um 32 % auf 10,6 Mrd. EUR, vor allem dank großer Marineaufträge. Das bereinigte EBIT kletterte deutlich auf 198 Mio. EUR. Dennoch belasten Restrukturierungskosten und die angespannte konjunkturelle Lage das Gesamtbild. Immerhin hat die EU die zollfreien Importkontingente für Stahl fast halbiert, was die europäischen Produzenten entlastet. Gleichzeitig kämpft die Tochter Thyssenkrupp Electrical Steel mit asiatischen Billigimporten, die mehr als die Hälfte des Marktes für Elektroband abdecken. Die Brüsseler Schutzuntersuchung könnte hier Abhilfe schaffen.
Die Marinesparte TKMS wird zunehmend zum verlässlichen Ertragspfeiler. Ein kanadischer U-Boot-Auftrag über bis zu 12 Einheiten der Klasse 212CD im Volumen von über 10 Mrd. EUR katapultiert den Auftragsbestand um mehr als 50 % nach oben. Die strategische Partnerschaft zwischen Kanada, Deutschland und Norwegen schafft langfristige Perspektiven. Parallel dazu verfolgt der Konzern seine Dekarbonisierungsstrategie, wenngleich mit Verzögerungen. Die wasserstofffähige Direktreduktionsanlage in Duisburg wird nun erst 2027 in Betrieb gehen. Ein Liefervertrag über grünen Stahl aus Schweden sichert interimistisch die Versorgung, auch wenn es sich dabei nicht um Primärstahl handelt. Derzeit ist die Aktie für 11,64 EUR zu haben.
Strategic Resources – richtet die Rohstoffversorgung neu aus
Dass die Universität Oulu das vanadiumreiche Magnetitkonzentrat aus dem Mustavaara-Projekt für ihr Wasserstoff-Testprogramm auswählt, ist mehr als eine nette Randnotiz. Das 17 Mio. EUR-Projekt FutSteel will die gesamte Stahlproduktionskette elektrifizieren und Strategic Resources liefert das Material, das dafür gebraucht wird. Wer früh in solchen Forschungskooperationen sitzt, hat später oft bessere Karten, wenn aus Pilotprojekten echte Lieferverträge werden. Das Unternehmen hat sich damit jedenfalls in einem Marktsegment positioniert, das deutliches Wachstumspotenzial verspricht.
In Québec bewegt sich das Kerngeschäft unterdessen planmäßig voran. Die benötigten Antworten auf die Rückfragen der Umweltbehörde sind eingereicht. Damit liegen den Behörden alle erforderlichen Unterlagen für die Genehmigung der Pelletieranlage in Saguenay mit 4 Mio. t Jahreskapazität vor. Die vorhandene Infrastruktur mit Gasleitung, günstigem Wasserstrom und ein eisfreier Tiefwasserhafen ist bereits vorhanden. Das spart hohe Investitionskosten und verkürzt die Zeit bis zur Profitabilität der Anlage. Und dass die Provinzregierung Québec selbst als Aktionärin mit im Boot sitzt, macht das Ausführungsrisiko spürbar kleiner. Man teilt nicht nur die Kosten, sondern auch die politischen Kopfschmerzen.
Bleibt das Vanadium, und das hat Potenzial jenseits von Stahl. Strategic Resources prüft mit Tyfast Energy, ob sich Vanadiumoxid für Lithium-Vanadium-Batterien eignet. Der Markt für stationäre Speicher wächst. Falls das Unternehmen tatsächlich 40.000 t Vanadium pro Jahr produzieren könnte, wäre das in Nordamerika ohne Konkurrenz. Noch fördert auf dem Kontinent niemand primär Vanadium aus einer Mine. Genau das könnte Strategic Resources nutzen, um sich strategisch als Produzent für kritische Rohstoffe zu positionieren. Aktuell notiert die Aktie bei 0,29 CAD.
Energy Fuels - Transformation zum westlichen Rohstoffschwergewicht
Energy Fuels hat längst erkannt, dass in seinen Uranlagerstätten mehr steckt als nur Kernbrennstoff. Die White Mesa Mill ist die einzige Anlage in den USA, die Vanadium aus geförderten Erzen zurückgewinnen kann und das ist kein Randaspekt. Die Minen Pinyon Plain und La Sal enthalten signifikante Vanadiumgehalte, die bei der Verarbeitung separat abgefangen werden. Die Vanadium-Produktion läuft nur wenn der Marktpreis stimmt. Insgesamt steht eine potenzielle Jahreskapazität von 2 - 3 Mio. Pfund zur Verfügung. Mit dieser stillen Option schärft das Unternehmen sein Profil als Multi-Metal-Anbieter, ohne große Zusatzkosten.
Das Kerngeschäft Uran läuft im ersten Halbjahr 2026 auf Hochtouren. Mit rund 1,6 Mio. Pfund Produktion bis Ende Juni hat Energy Fuels seine untere Jahresprognose bereits zur Jahresmitte erreicht. Die monatlichen Fördermengen lagen über 265.000 Pfund. Die Produktionskosten von 9 - 12 USD pro Pfund liegen auf historisch niedrigem Niveau und sichern die Marge selbst bei volatilen Preisen. Die Pinyon-Plain-Mine und der La-Sal-Komplex liefern konstant das Erz, während die White Mesa Mill mit hoher Auslastung läuft. Dieses solide operative Geschäft bildet das Fundament für die Investitionen in den Bereichen Seltene Erden und Magnetfertigung.
Der strategische Fokus verschiebt sich sukzessive in Richtung Seltene Erden. Für rund 1,9 Mrd. USD übernahm Energy Fuels den Magnethersteller Vacuumschmelze GmbH & Co. KG (VAC). Damit erhält man nicht nur Zugriff auf etablierte Kundenbeziehungen, die im Schnitt über 30 Jahre alt sind, sondern auch eine hochmoderne Fabrik in South Carolina mit 2.000 t Jahreskapazität, die bis auf 12.000 t ausgebaut werden kann. Dazu kommt die geplante Akquisition von Australian Strategic Materials mit einer kommerziellen Metallanlage in Südkorea. Energy Fuels schließt damit die Lücke von der Mine bis zum Magneten und positioniert sich als erster vollintegrierter westlicher Anbieter außerhalb Chinas. Die staatliche Förderung über 725 Mio. USD vom US-Office of Strategic Capital unterstreicht die strategische Relevanz dieses Vorhabens. Momentan kostet die Aktie 13,58 USD.
Das Rohstoffjahr 2026 zeigt, dass der Wettlauf um strategische Unabhängigkeit in vollem Gange ist. thyssenkrupp treibt seine schwierige Transformation zur Finanzholding voran, während operative Stärken im Marinebereich die angespannte Lage im Stahlgeschäft ausgleichen. Strategic Resources überzeugt mit einer dualen Strategie: Nicht nur das Vanadium für zukünftige Batteriespeicher ist vielversprechend, sondern auch die Eisenerzpellets aus Québec, die als zentraler Grundstoff für die grüne Direktreduktion unverzichtbar sind. Energy Fuels wiederum nutzt sein Uran-Geschäft als solides Fundament, um mit der Übernahme von VAC zum ersten vollintegrierten, westlichen Anbieter für Seltene Erden aufzusteigen.
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