07.10.2026 | 05:00
RE Royalties, NextEra Energy und First Solar: Royalties als Finanzierungsalternative im US-Solarmarkt
Die Regulatorik ordnet den US-Solarmarkt neu. Da die Steuerreform die staatlichen Förderungen deutlich gekürzt oder an harte Fristen gebunden hat, geraten zahlreiche Vorhaben ins Stocken. Gleichzeitig machen Zölle, die sich je nach Hersteller auf teils über 200 % summieren, chinesische Module weniger attraktiv und belasten damit den gesamten US-Solarmarkt. Große Vertreter der Branche federn diese Kostensteigerungen über langfristige Lieferverträge ab. Entwickler dezentraler Anlagen geraten angesichts knapper Liquidität jedoch unter Druck. Das begünstigt Kapitalgeber, die neue Wege gehen, etwa RE Royalties. Wir beleuchten die Entwicklung und zeigen Chancen und Risiken auf.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , NEXTERA ENERGY INC.DL-_01 | US65339F1012 , FIRST SOLAR INC. D -_001 | US3364331070
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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NextEra Energy: Starke Bilanzen sichern Investitionen
Konzerne nutzen ihre starken Bilanzen, um trotz erschwerter Bedingungen in den USA zu investieren. Der US-Versorger NextEra Energy baute seinen Auftragsbestand an vertraglich gesicherten Wind-, Solar- und Speicherprojekten im zweiten Quartal 2026 um 3,6 GW auf rund 35,1 GW aus. Treibende Kraft hinter diesem Wachstum ist der schnell wachsende Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Bereits im ersten Quartal entfielen laut Unternehmensangaben rund 30 % der neuen Projektzusagen auf Hyperscaler. Diese Technologiekunden sind auf enorme Strommengen mit extrem kurzen Bereitstellungszeiten angewiesen. NextEra Energy reicht die gestiegenen Finanzierungs- und Materialaufwendungen über langfristige Stromabnahmeverträge an diese zahlungskräftigen Abnehmer weiter. Mit einer Bilanzsumme von 232,8 Mrd. USD und direktem Zugang zum Anleihemarkt kann der Konzern Ausrüstung langfristig vorfinanzieren: Allein im ersten Halbjahr 2026 nahm NextEra rund 15,6 Mrd. USD an langfristigem Fremdkapital auf, um Investitionen von rund 19,4 Mrd. USD zu stemmen. Kleinere Marktteilnehmer besitzen diese finanzielle Flexibilität nicht.
First Solar: Heimische Fertigung als Schild gegen Zölle
Heimische Hersteller von PV-Modulen sind dagegen Profiteure der Handelsbarrieren. First Solar nutzt die damit einhergehenden Vorteile über seine hauseigene Dünnschichttechnologie. Das Unternehmen setzt auf Cadmiumtellurid, ein Halbleitermaterial, das sich hauchdünn auf Glasträger auftragen lässt und kristalline Siliziumzellen ersetzt. Dadurch umgeht der Hersteller die sanktionsgefährdeten Polysilizium-Lieferketten aus Asien komplett. Branchenanalysen zufolge entfallen große Teile der US-Zellfertigung auf diese Technologie. First Solar meldet einen vertraglich gebundenen Auftragsbestand von 45,1 GW mit Lieferungen bis 2030. Module mit US-gefertigten Zellen kosteten laut pv magazine USA im ersten Quartal 2026 rund 0,46 USD je Watt und damit deutlich mehr als Importware. Im zweiten Quartal 2026 erzielte First Solar bei einem Umsatz von 1,06 Mrd. USD eine Bruttomarge von 57 % und einen Gewinn je Aktie von 3,92 USD. Begünstigt wurde die Marge unter anderem durch eine Zollrückerstattung und Steuergutschriften nach Section 45X.
RE Royalties: Royalties als Mittel der Wahl für Projektentwickler
Angesichts der wachsenden Investitionshemmnisse bei regionalen Solarprojekten erfährt der Projektfinanzierer RE Royalties neue Aufmerksamkeit. Das Unternehmen adaptierte das Royalty-Modell aus dem Bergbau und wendet es auf erneuerbare Energien an. RE Royalties stellt Entwicklern Kapital bereit und sichert sich im Gegenzug eine prozentuale Beteiligung an den künftigen Bruttostromerlösen. Diese Struktur bewahrt Entwickler vor einer Verwässerung von Firmenanteilen und koppelt Zahlungen direkt an den Stromertrag der Anlagen. Steigende Betriebs- und Wartungskosten treffen RE Royalties damit nicht direkt. Schwankende Stromproduktion und Ausfallrisiken bei Darlehenspartnern bleiben jedoch bestehen. Die strategische Dimension dieses Ansatzes verdeutlicht die Kooperation mit dem US-Entwickler Solaris Energy. In drei Tranchen seit Januar 2026 stellte RE Royalties dem auf dezentrale Solaranlagen spezialisierten Unternehmen insgesamt 4,8 Mio. USD für 16 Projekte mit 15,24 MWdc bereit. Am 5. August 2026 gab RE Royalties zudem eine unverbindliche Absichtserklärung mit Solaris Energy über bis zu weitere 62,7 Mio. USD für 96 zusätzliche Projekte bekannt.

Inklusive der bereits finanzierten Mittel umfasst das mögliche Volumen 67,5 Mio. USD. Künftige Investitionen stehen unter dem Vorbehalt von Prüfung, Freigaben und endgültigen Verträgen. Der Royalty-Satz wird so angepasst, dass über 25 Jahre eine vereinbarte Mindestrendite erreicht werden soll. Danach fließen weitere Zahlungen über die restliche Laufzeit der Anlagen. Nach Angaben von Solaris beschleunigt das Kapital den Baufortschritt und unterstützt die laufende Fremd- und Tax-Equity-Finanzierung des ersten eigenen Portfolios.
Renditekennzahlen und strategische Überprüfung
Das Portfolio von RE Royalties umfasst über 100 Royalties an rund 135 Solar-, Wind-, Wasserkraft- und Speicherprojekten in Nordamerika, Südamerika und Asien. Bei 27 abgeschlossenen Transaktionen investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben über 83 Mio. CAD. Seit Gründung erzielte das Portfolio nach Unternehmensangaben eine unverschuldete interne Verzinsung (IRR) von rund 19 % bei einem 1,5-fachen Kapitalrückfluss. Die Refinanzierung erfolgt über grüne Anleihen mit Kupons zwischen 6 und 9 %. Aktionäre erhalten eine Dividende von jährlich 0,04 CAD, was beim aktuellen Kurs von etwa 0,34 CAD einer Dividendenrendite von mehr als 11 % entspricht. Demgegenüber steht eine niedrige Marktkapitalisierung von rund 15 Mio. CAD. Im März 2026 leitete der Verwaltungsrat mit PwC Corporate Finance eine formelle strategische Überprüfung ein. Sie evaluiert sämtliche Optionen bis hin zu einem vollständigen Unternehmensverkauf. Ob sie in eine Transaktion mündet, ist offen. Das Unternehmen betont, dass es dafür keine Gewähr gibt.
Für Anleger liegen die Chancen vor allem in weiterem Wachstum über Partnerschaften wie mit Solaris und im Ausgang der strategischen Überprüfung. Ein Käufer würde sich ein diversifiziertes Bündel umsatzbasierter Erlösansprüche sichern. Zu den Risiken zählen aber mögliche Kreditausfälle: 2024 belasteten Rückstellungen und Ausbuchungen von Darlehen das Ergebnis. Gleichwohl passt RE Royalties dank der neuen Rahmenbedingungen auf dem US-Markt perfekt in die Zeit.
Interessenskonflikt
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