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07.02.2022 | 04:44

Shell, Saturn Oil + Gas, Gazprom: Ölpreis-Explosion bis auf 120 USD?

  • Öl und Gas
  • Rohstoffe
  • Klimaschutz
Bildquelle: pixabay.com

Die Ölpreise haben letzte Woche wiederum deutlich zugelegt und erneut mehrjährige Höchststände erreicht. Zuletzt kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 92,80 USD. Das bedeutet seit Jahresanfang nun einen Anstieg von rund 13 USD. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg im Hoch auf 92,20 USD, damit ist der Spread zwischen den Ölvarianten wieder historisch niedrig. Beide Sorten stiegen damit zeitweise auf den höchsten Stand seit Herbst 2014. Auslöser für die aktuelle Hausse ist v.a. die Ukraine-Krise und der Kälteeinbruch im US-Bundesstaat Texas. Dieser hat Sorgen über Produktionsausfälle im größten US-Schieferölvorkommen Permian Basin geschürt. Welche Ölwerte stehen nun im Rampenlicht der Investoren?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , ROYAL DUTCH SHELL B EO-07 | GB00B03MM408 , GAZPROM ADR SP./2 RL 5L 5 | US3682872078

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Inhaltsverzeichnis:


    Shell PLC – Starke Zahlen und positive Analysten-Kommentare

    Einer der größten privaten Ölgesellschaften ist die britisch-niederländische Royal Dutch Shell (nach Namensänderung Shell). Der Ölkonzern hat letzte Woche starke Jahreszahlen veröffentlicht. Im vierten Quartal kommt Shell auf ein bereinigtes EBITDA von erstaunlichen 16,4 Mrd. USD, der Konsens lag nur bei 15,3 Mrd. USD. Beim bereinigten Gewinn von 6,39 Mrd. USD toppte die Gesellschaft die Schätzungen um 22%. Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise sorgten für die Überraschung.

    Im ersten Halbjahr 2022 will Shell nun insgesamt Aktien im Volumen von 8,5 Mrd. USD zurückkaufen, das liegt mehr als doppelt so hoch wie in 2021. Bei der Quartalsdividende geht es um 4% auf 0,25 USD nach oben, damit erreicht die Ausschüttung wieder solide 4,7%. Weltweit mauserte sich der Konzern zum Marktführer im LNG- und Tankstellengeschäft. Darüber hinaus gibt es ausgefeilte Planungen wie die grüne Transformation fortgesetzt wird, damit wird der Ölwert auch für nachhaltig investierende Fonds auf der Kaufliste erscheinen.

    Die Analysten-Kommentare lesen sich durchweg positiv: Die DZ Bank bleibt bei ihrer Kaufempfehlung, das Kursziel wurde von 26 auf 28 EUR angehoben. Jeffries votiert mit Buy und Barclays behält die Einstufung mit Overweight. Für die Shell-Aktie ging es im Januar bereits um 20% steil nach oben, bereits in 2021 war der Wert mit Plus 25% gut gefragt. Als Teilnehmer am Öl- und Gas Superzyklus sollten die Gewinne weiter explodieren. Der Öl-Standardwert hat mit den guten Aussichten ein KGV 2022e von 8,3 und der Gewinn dürfte im laufenden Jahr wieder die Top-Niveaus vor Corona erreichen. Da waren es selten unter 20 Mrd. USD pro Jahr. Insgesamt eignet sich Shell wegen der starken Bilanz für eine dividendenorientierte Langfristanlage.

    Saturn Oil & Gas – Die Gewinnmarge dehnt sich aus

    Wir haben in den letzten Monaten immer wieder auf die herausragende Stellung der kanadischen Saturn Oil & Gas hingewiesen. Mit rund 67% Kursentwicklung gehören die Ölförderer aus Saskatchewan zu den am besten gelaufenen Öl- und Gastiteln im Jahr 2021. Nach dem Oxbow-Deal in Mitte 2021 verdoppelte sich die Aktie zum Stand vor der Transaktion, denn mit dem vielversprechenden Asset-Deal verzwanzigfachte sich die Förderleistung auf knapp 7.000 Barrel pro Tag.

    Der Effekt auf die Bilanz lässt mit WTI-Preisen von über 90 USD nicht mehr lange auf sich warten. Denn durch den hohen Cashflow kann Saturn nun alle offenen Kredite bis Mitte 2023 zurückzahlen. Es gibt in Nordamerika kaum Ölunternehmen, die quasi schuldenfrei operieren. Gegenüber der letzten Gewinn-Kalkulation des Unternehmens bei einem Ölpreis von etwa 60 USD hat sich der Marktpreis nun um über 50% nach oben entwickelt. Bleibt es in 2022 bei diesem oder einem noch höheren Niveau, sollte dies zu entsprechenden Prognose-Anhebungen führen. Goldman Sachs schätzt den Ölpreis schon in Q3 2022 auf 100 USD, die Förderung aus Schieferkapazitäten wird sich aber dann sukzessive erhöhen.

    Die Integration der übernommenen Infrastruktur von Oxbow läuft für Saturn indes reibungslos. Das Unternehmen richtet sich durch die Watchdog-Technologie von Afti sehr nachhaltig aus, denn die aktiven Bohrlöcher sind nun durch eine LIVE-Webcam jederzeit überwacht und die Installation von elektronischen Sensoren liefert Realtime-Informationen über den Zustand der Bohrlöcher. Damit sinkt die Reaktionszeit bei auftretenden Problemen und sichert eine umweltkonforme Förderung.

    Die Experten des Analysehauses GBC waren vor Ort und haben die Liegenschaften von Saturn Oil & Gas als sehr gut bewirtschaftet bezeichnet. Die Ölproduktion läuft reibungslos und unter hohen Umweltstandards. Auf der Gewinnseite werden für 2023e rund 1,01 CAD je Aktie erwartet, das liefert ein aktuelles KGV auf 24 Monate von 3,5. Es dürfte derzeit kaum günstigere Ölwerte auf dem Kurszettel geben. Die Kaufempfehlung wurde nochmals erneuert, das Kursziel analog von 9,20 auf 12,17 CAD angehoben. Damit hat der Wert ein 12 Monats-Potenzial von gut 250%. Solche Aussichten hört man gern – Zukaufen!

    Weitere Informationen zum Unternehmen und den aktuellen Entwicklungen im Ölmarkt werden im Rahmen des International Investment Forums (IIF) erwartet, welches am 17.02.2022 seine virtuellen Pforten öffnet. (Anmeldungen unter www.ii-forum.com)

    Gazprom – Ex-Kanzler Schröder für den Aufsichtsrat nominiert

    Die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland nehmen weiter zu. Da Russland ein großer Rohölproduzent ist, kalkulieren Erdölhändler derzeit mit einem Risikoaufschlag für den Fall einer Eskalation des Konflikts. Gazprom ist ein ganz klarer Sieger der hohen Öl- und Gaspreise.

    Schon seit Längerem beschweren sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft darüber, dass Gazprom zu wenig Gas nach Europa leite und damit sowohl die explodierenden Energiepreise als auch sich leerende Gasspeicher bewusst befeuere. Das russische Staatsunternehmen beteuerte stets nur, alle vertraglich vereinbarten Liefermengen zu erfüllen. Viele Beobachter sehen die Pipeline Nordstream 2 als andauernden Zankapfel zwischen der EU und Russland.

    Die politische Ebene bekommt jetzt ein neues Gesicht, denn Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder soll einen weiteren Job im russischen Gasgeschäft bekommen. Der SPD-Politiker und Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist für den Aufsichtsrat des Staatskonzerns Gazprom nominiert worden, wie der Energieriese letzte Woche mitteilte. Die endgültige Entscheidung soll auf der nächsten Hauptversammlung am 30. Juni fallen. Der 77-jährige ist bereits Präsident des Verwaltungsrats bei der Nord Stream2 AG. Die zweite Nord-Stream-Röhre ist zwar fertiggestellt, aber immer noch nicht in Betrieb. Die Abhängigkeit der EU und die explodierenden Energiepreise sollten die Politiker eigentlich zu einem Abkommen zwingen, doch das scheitert wohl an den aktuell Verantwortlichen.

    Die Gazprom-Aktie gehörte mit einem Plus von über 50% zu den Gewinnern des Jahres 2021. Gegenüber dem Jahresstart konsolidiert sie wegen der andauernden Ukraine-Krise derzeit ein wenig. Für den unerschrockenen Langfristanleger sind 5% Dividende und ein erwartetes Gewinnplus von über 17% im laufenden Jahr ein guter Kaufanreiz.


    Der Ölmarkt haussiert wieder. Angesichts vernachlässigter Investitionen während der Pandemie gibt es zu wenige Neuprojekte, um die hohe Nachfrage an den Weltmärkten zu decken. Shell und Gazprom liefern bereits riesige Mengen, der deutlich kleinere Wert Saturn Oil & Gas kann aber mit seinen unerschlossenen Ölfeldern noch deutlich mehr Öl aus der Erde pumpen – und das zu steigenden Absatzpreisen!


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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