17.08.2026 | 05:00
Stahl-Transformation in Gefahr: Wie Strategic Resources thyssenkrupp und Salzgitter den Rücken freihalten will
Rauchende Schlote und heiße Hochöfen prägten über Jahrzehnte die Industriereviere in Deutschland und auch anderswo. Doch die Zeit der klassischen Stahlindustrie endet. Wer heute durch die europäischen Industriezentren fährt, sieht vor allem Baustellen – die klimaneutrale Zukunft wirft ihre Schatten voraus. Die Branche verabschiedet sich auch aufgrund von Emissionsvorgaben und hohen Preisen für Emissionsrechte von traditionellen Verfahren der Stahlherstellung. Doch die Abkehr von Koks bringt neue Probleme: Ohne reine Vorprodukte für die Stahlindustrie droht die Transformation zu scheitern. Wir beleuchten die Situation und stellen mögliche Profiteure vor.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , SALZGITTER AG O.N. | DE0006202005
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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thyssenkrupp stemmt Milliardenumbau in Duisburg
Im Ruhrgebiet treibt der größte deutsche Stahlkonzern thyssenkrupp den größten Wandel seiner Unternehmensgeschichte voran, um künftig weniger CO2 auszustoßen. Unter dem Begriff tkH2Steel entsteht am Standort Duisburg eine moderne Direktreduktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 2,5 Mio. t direkt reduziertem Eisen. Für das 3 Mrd. EUR teure Vorhaben fließen staatliche Fördermittel von 2 Mrd. EUR, um den CO2-Ausstoß der Stahlsparte des Konzerns bis 2030 um rund 30 % zu senken. Anstatt das gewonnene Zwischenprodukt jedoch in neuen Elektroöfen einzuschmelzen, setzt das Management auf ein anderes Verfahren: Das heiße Material fließt direkt in zwei neuartige elektrische Einschmelzer und wandert anschließend flüssig in die Konverter. Damit stellt thyssenkrupp sicher, dass Werkstoffzulassungen für Autobleche und Spezialstähle erhalten bleiben. Gleichzeitig vollzieht der Konzern mit der Strategie ACES 2030 den Umbau zu einer dezentral aufgestellten Finanzholding. Bislang trennte man sich im Zuge eines Spin-Offs mit direkter Börsennotierung von 49 % der Marinesparte TKMS und bereitet die anteilige Abspaltung der Sparte tk accelis vor.
Salzgitter setzt mit SALCOS auf Direktreduktion
Die niedersächsische Konkurrenz von thyssenkrupp geht ihren eigenen Weg und setzt mit dem SALCOS-Programm auf die vollständige Dekarbonisierung ihrer Stahlproduktion bis zum Jahr 2033. Der erste Bauabschnitt umfasst eine Direktreduktionsanlage mit einem Ausstoß von 1,9 bis 2,0 Mio. t Eisenschwamm pro Jahr, die direkt mit einem flexiblen Elektrolichtbogenofen gekoppelt wird. Salzgitter investiert rund 2 Mrd. EUR in die erste SALCOS-Ausbaustufe und sicherte sich dafür 1,32 Mrd. EUR Subventionen. Um die regionale Produktion zu garantieren und schrittweise auf emissionsarme Verfahren umzustellen, übernahm Salzgitter im Juli 2026 die Hüttenwerke Krupp Mannesmann komplett und beauftragte den Anlagenbauer Tenova mit der Errichtung eines neuen Elektrolichtbogenofens.
Trotz der Investitionen stehen sowohl thyssenkrupp als auch Salzgitter vor Herausforderungen: Klassische Hochöfen schmelzen minderwertiges Erz problemlos auf, Schachtöfen arbeiten jedoch im festen Aggregatzustand und verlangen DR-Pellets mit mindestens 67 % Eisengehalt. Da über 70 % des seegestützten Marktes von Vale, Rio Tinto und BHP kontrolliert werden und deren Standarderze aus der westaustralischen Pilbara-Region in der Regel zu viele Verunreinigungen enthalten, herrscht auf dem Weltmarkt ein akuter Mangel an Premium-Vormaterial für die „grüne“ Stahlindustrie.
Strategic Resources löst die Probleme der Stahlindustrie
Genau diese Versorgungslücke will der Rohstoffentwickler Strategic Resources schließen. Herzstück des Unternehmens ist das zu 100 % eigene Blackrock-Projekt in der kanadischen Provinz Québec, das als gewaltige Vanadium-Titan-Magnetit-Lagerstätte gilt. Das Blackrock-Projekt verfügt über nachgewiesene und wahrscheinliche Reserven von 127,8 Mio. t Erz mit einem Eisenoxidgehalt von 40,2 % und einer kalkulierten Minenlebensdauer von 39 Jahren. Um schnellstmöglich Cashflow zu generieren, priorisiert das Management jedoch die Errichtung einer industriellen Pelletieranlage am ganzjährig eisfreien Tiefseehafen Port Saguenay, von wo aus die Frachter über den St.-Lorenz-Seeweg direkt Kurs auf europäische Stahlhütten nehmen können. Die Fabrik ist auf einen Ausstoß von jährlich 4,0 Mio. t hochreiner DR-Pellets mit einem Eisengehalt von mindestens 67 % ausgelegt und soll anfangs aus anderen Minen gespeist werden. Der Standort am Hafen profitiert von sauberer Wasserkraft, verfügt über einen Erdgasanschluss und bindet eine staatlich geförderte, 111 Mio. CAD teure Förderbandanlage direkt an die Kaianlagen an. Eine vorläufige ökonomische Untersuchung des Ingenieurbüros BBA beziffert die Investitionskosten für die Pelletieranlage auf 470 Mio. USD und errechnet ein jährliches EBITDA von 173 Mio. USD sowie einen Nachsteuer-Kapitalwert von 957 Mio. USD bei einem internen Zinsfuß von 25 %. Für den gesamten Bergbau- und metallurgischen Industriekomplex geht das Unternehmen sogar von einem Gesamtwert im Milliardenbereich aus.

Weitere Projekte und das Potenzial der Aktie
Um Risiken abzumildern, setzt Strategic Resources auf starke Partner und staatliche Unterstützung. Eine zentrale Rolle spielt etwa der verbindliche Zehnjahresvertrag mit dem weltweit tätigen Rohstoffhändler Javelin Global Commodities, der sowohl die Zufuhr von 4,0 Mio. t Rohkonzentrat als auch die Abnahme der fertigen DR-Pellets vertraglich garantiert. Zusätzlich stattet der Handelspartner Javelin das kanadische Vorhaben vorbehaltlich einer Due Diligence mit einer besicherten Betriebsmittelkreditlinie über 150 Mio. USD aus. Auch auf Aktionärsseite herrscht ungewöhnliche Stabilität: Die staatliche Förderagentur Investissement Québec und der Rohstofffonds Orion Mine Finance halten jeweils rund 41 % der Anteile und stützen das Projekt politisch wie finanziell.
Parallel entwickelt das Unternehmen mit dem Mustavaara-Projekt in Nordfinnland eine historische Vanadium-Titan-Magnetit-Liegenschaft, für die eine Vorstudie einen Nachsteuer-Kapitalwert von 190 Mio. EUR ausweist. Stellt man den vielversprechenden Projekten von Strategic Resources die Marktkapitalisierung von rund 20 Mio. CAD gegenüber, wirft das Fragen auf. Tatsächlich dürfte der Markt bei Strategic Resources noch einige Entwicklungsrisiken einpreisen. Ob der Abschlag jedoch derart deutlich sein muss, ist angesichts der Partnerschaft mit Javelin Global Commodities, der ökonomischen Eckdaten und der Transformation der Stahlbranche fraglich. Strategic Resources besetzt eine vielversprechende Nische. Damit ist auch die Aktie interessant. Spekulativ denkende Investoren sollten sich den Wert näher ansehen.
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