13.07.2026 | 04:45
Heiße Luft und harte Fakten: Was SpaceX von Almonty und thyssenkrupp unterscheidet
2.000 Mrd. USD für Mars-Fantasien? Während der Raketenkonzern SpaceX vor allem heiße Luft produziert, liefert Almonty Industries das Material, ohne das Raumschiffe gar nicht abheben könnten: Das Unternehmen fördert Wolfram – und bald auch Molybdän. Genau diesen Rohstoff braucht auch ein Traditionskonzern aus Essen, der sich gerade selbst neu erfindet: thyssenkrupp. Eine Analyse über eine abgehobene Bewertung ohne Boden und zwei Aktien, die im Zentrum realer irdischer Lieferketten stehen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US84615Q1031 | NASDAQ: SPCX , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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SpaceX: Deutliche Worte vom Börsenprofi
Im aktuellen Monatsbericht der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis wählt deren Gründer Dr. Hendrik Leber ungewöhnlich harte Worte zum Börsengang von SpaceX. Sein Befund: Selten habe ein Börsenprospekt so viel „heiße Luft“ enthalten. Und gerade wenn sich diese heiße Luft gut an Privatanleger verkaufen lasse, sei das ein Warnsignal für einen bevorstehenden Kurswechsel am Markt. Leber zieht historische Parallelen zu spekulativen Exzessen wie John Laws Mississippi-Kompagnie in Louisiana, die den französischen Staat an den Rand des Ruins trieb, und weiteren Episoden, in denen Fantasien von unermesslichem Reichtum in fernen Welten im Desaster endeten. Jetzt, so Leber, würden Anlegern Reichtümer auf dem Mars versprochen.
Sehr konkret wird er bei der Bewertung: SpaceX sei zwar kein reines Luftschloss, Falcon-Raketen und das Starlink-Netzwerk sicherten dem US-Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung in der realen Raumfahrt. Doch der Börsenwert von rund 2.000 Mrd. USD speise sich nicht aus diesem Fundament, sondern aus einer „fast mythologischen Schatzsuche“: Asteroiden-Bergbau und Mars-Kolonien. Derartige Mega-Börsengänge markierten laut Leber historisch oft den Höhepunkt einer Blase, weil Insider bei astronomischen Bewertungen kalte Füße bekämen und ihre Aktien unters Volk streuten. Sein Fazit: Enttäuschungen seien programmiert, sein Team bleibe geerdet und halte sich von kosmischen Fantasien fern.
Nach einem kurzen Sprung über 200 USD hat sich der SpaceX-Kurs inzwischen nahe der Erstnotiz bei 150 USD eingependelt – von einer vernünftigen Bewertung sei das Unternehmen dennoch „Lichtjahre entfernt“. Wenn wohlmeinende Studien Recht behalten, könnte Elon Musks Weltraumprojekt zwar im nächsten Jahr den Sprung in die Gewinnzone schaffen. Die Bewertung mit mehr als dem 25-fachen Jahresumsatz und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 200 liegt dennoch außerhalb der Stratosphäre.
Almonty: Himmlische Perspektiven auf der Erde
Wesentlich geerdeter ist ein Unternehmen, ohne das SpaceX gar nicht existieren könnte: Almonty Industries. Der ursprünglich kanadische Konzern ist auf dem Weg zum wichtigsten westlichen Lieferanten von Wolfram – einem Metall, das nicht nur für die Rüstungsindustrie (Panzerung, Munition) unentbehrlich ist, sondern auch für die zivile Luft- und Raumfahrt, wo es wegen seiner extremen Härte und Hitzebeständigkeit in Triebwerken und Strukturbauteilen verbaut wird. Ohne Wolfram-Zulieferer wie Almonty gäbe es die Raketen, auf denen das Geschäftsmodell von SpaceX beruht, schlicht nicht. Hier lässt die Bewertung deutlich mehr Raum zum Abheben als beim Sternenexplorer: Auf Basis der Konsensschätzungen liegt das 2027er-KGV angesichts einer aktuellen Notiz von etwa 16,50 USD (in Deutschland rund 14,50 EUR) bei 11,5 – und damit auf einem keineswegs überirdischen Niveau.
Nach dem kürzlich erfolgten Umzug in den US-Bundesstaat Montana, um den potenziellen Abnehmern aus der amerikanischen Industrie und einem dortigen Wolframprojekt näher zu sein, hat Almonty Anfang Juli einen weiteren entscheidenden Meilenstein erreicht: An der Sangdong-Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon läuft die Anlage an, mit der das Unternehmen Erz zu verkaufsfähigem Wolfram-Konzentrat verarbeitet. Der bereits auf Halde liegende Erzvorrat von rund 139.700 t entspricht nach Unternehmensangaben einem illustrativen Bruttowert von etwa 68 Mio. USD. Sangdong, historisch eine der größten und hochgradigsten Wolfram-Lagerstätten der Welt, wechselt damit von der Entwicklungs- in die Produktionsphase – just zu einem Zeitpunkt historisch hoher Wolframpreise und westlicher Bestrebungen, sich von chinesischen Lieferketten unabhängig zu machen.
Doch Almonty hat noch einen zweiten Rohstoff im Visier: Molybdän. Im benachbarten Sangdong-Molybdän-Projekt läuft ein großangelegtes Bohrprogramm, das historische Ressourcenschätzungen hochgradiger Vorkommen bestätigt. Die komplette Molybdän-Produktion aus Sangdong ist bereits über eine Abnahmevereinbarung an SeAH M&S vergeben, den zweitgrößten Molybdänoxid-Schmelzer der Welt, der seinerseits in Texas investiert, um direkt die Luft- und Raumfahrtindustrie – einschließlich SpaceX – und den US-Verteidigungssektor mit Speziallegierungen beliefern zu können. Zusammen mit einer geplanten Wolframoxid-Anlage soll daraus das entstehen, was Almonty die „Korean Trinity“ nennt: eine integrierte Wertschöpfungskette für zwei strategische Metalle.
thyssenkrupp: Vom Problemfall zur schlanken Holding
Für die Produktion von qualitativ hochwertigem Flachstahl für die Automobilindustrie ist Molybdän unverzichtbar: Es erhöht vor allem die Korrosions- und Säurebeständigkeit der Legierungen, weshalb auch thyssenkrupp zum potenziellen Abnehmer von Almonty wird. Im Zuge der Umstellung auf nachhaltige Lieferketten entfernt der Essener Traditionskonzern Molybdän aus Herkunftsländern mit kritischen Umwelt- oder Sozialstandards schrittweise aus dem Portfolio, während langfristige Verträge mit ESG-konformen Produzenten vor allem in Nord- und Südamerika sowie Südkorea ausgebaut werden. Immer wieder fällt hier der Name SeAH M&S, das sich Almontys komplette Molybdän-Produktion in Sangdong gesichert hat.
Wolfram spielt für den MDAX-Konzern seit dem Verkauf der Edelstahlwerke nur noch eine untergeordnete Rolle, bleibt aber für die Werkstoff-Handelssparte tk accelis (vormals thyssenkrupp Materials Services) ein Thema. Nach der Abspaltung der Wasserstofftochter thyssenkrupp nucera im Jahr 2023 und dem Börsengang der Marinesparte TKMS im vergangenen Herbst soll nun auch tk accelis ausgegliedert werden. Am 7. August sind die Aktionäre deshalb zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Wird dort grünes Licht gegeben, soll der Börsengang noch in diesem Jahr erfolgen – der nächste Schritt, um den einst schwerfälligen Mischkonzern nach Siemens-Vorbild in eine schlanke Beteiligungsholding umzuwandeln.
Die Börse goutiert diese Pläne: In weniger als zwei Jahren ist die thyssenkrupp-Aktie von einem historischen Tief bei unter 2,00 EUR auf zuletzt 11,70 EUR angestiegen. Die Bewertung mit einem geschätzten 2027er-KGV von 10,7 ist die günstigste im Trio – was allerdings Gründe hat. Die Autozuliefersparte Automotive Technology, bekannt unter anderem für Lenk- und Dämpfersysteme, muss dringend restrukturiert werden, bevor über eine Verselbstständigung nachgedacht werden kann. Die zweite Großbaustelle ist das Duisburger Hüttenwerk, das vor einer Milliardeninvestition für den Umbau auf grünen Wasserstoff steht und aktuell unter hohen Energiekosten leidet. Zuvor stand hierfür ein Joint Venture mit der EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský im Raum; der Investor zog sich im Oktober 2025 jedoch aus den Gesprächen zurück. Erst wenn diese Probleme gelöst sind, dürfte die Börse der thyssenkrupp-Aktie wieder eine deutlich höhere Bewertung zubilligen.
Von fremden Welten und realen Kursperspektiven
SpaceX steht für eine Bewertung, die sich aus einer Schatzsuche in fremden Welten speist, nicht aus realem Fundament. Almonty und thyssenkrupp repräsentieren das Gegenteil: reale Rohstoffe, reale industrielle Nachfrage, reale Lieferketten – für Rüstung, zivile Luftfahrt und hochwertige Stahlproduktion. Beide Aktien sind günstig bewertet, wobei Almonty derzeit die besseren Karten hat, schnell wieder durchzustarten, da Schlag auf Schlag positive Nachrichten veröffentlicht werden. thyssenkrupp ist vor allem für Anleger mit Langfrist-Perspektive interessant.
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