16.06.2026 | 05:00
Stahlindustrie im Umbruch: Wie Strategic Resources die Probleme von Rio Tinto und thyssenkrupp löst
Teure Energie, fehlende Pipelines und ein stockender Wasserstoff-Hochlauf bremsen die „grüne“ Transformation der Stahlindustrie. Um traditionelle, kohlebasierte Hochöfen durch moderne Direktreduktionsanlagen zu ersetzen, benötigen die Stahlriesen Eisenerz mit einem Eisengehalt von mindestens 67 %. Da diese hochreinen, pelletierfähigen Vorkommen rar gesät sind, bricht rund um stabile Lieferketten ein Verdrängungswettbewerb aus. Westliche Stahlkonzerne müssen ihre Bezugsquellen optimieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Druck seitens Regulierung und Markt ist allgegenwärtig.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , RIO TINTO LTD | AU000000RIO1
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Rio Tinto: Das „Pilbara-Problem“ erzwingt Investitionen in neue Schmelztechnologien
Rohstoffkonzern Rio Tinto dominiert mit seinem Eisenerzsegment die westaustralische Pilbara-Region. Das Unternehmen exportiert Eisenerz in einem gigantischen Maßstab, steht jedoch vor dem strukturellen Problem, dass die westaustralischen Erze aufgrund eines Eisengehalts von meist unter 67 % für direkte Reduktionsverfahren ungeeignet sind. Um diesen Nachteil auszugleichen, investiert der Konzern unter dem neuen CEO Simon Trott umfassend in neuartige Verarbeitungskapazitäten und hochgradige Auslandsprojekte. Gemeinsam mit dem Spezialisten Calix errichtet das Unternehmen für über 35 Mio. AUD eine Demonstrationsanlage für das Zesty-Verfahren, das elektrische Erhitzung und Wasserstoffreduktion kombiniert, um Feinerze emissionsarm zu reduziertem Eisen umzuwandeln. Für 2025 meldete Rio Tinto einen Umsatz von 57,64 Mrd. USD und ein bereinigtes EBITDA von 25,36 Mrd USD. Das Unternehmen ist derzeit einer der größten Rohstoffkonzerne weltweit. Doch auch der Branchenriese steht unter Transformationsdruck.
thyssenkrupp: Restrukturierung und Brückenlösungen bei tkH2Steel
thyssenkrupp durchläuft im Rahmen ihrer Strategie ACES 2030 eine grundlegende Restrukturierung hin zu einer Finanzholding. Das Segment Steel Europe setzt auf technologisch anspruchsvolle Flachstahlprodukte für die Automobilbranche, leidet im laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 jedoch unter Restrukturierungskosten und bilanziellen Rückstellungen in dreistelliger Höhe. Das wegweisende Duisburger Dekarbonisierungskonzept tkH2Steel fängt diesen Druck ab, da die neue Direktreduktionsanlage flexibel mit Erdgas anfahren kann und so die CO2-Emissionen auch ohne grünen Wasserstoff halbiert. Für das Großprojekt sicherte sich der Stahlkonzern eine staatliche Förderung von 2 Mrd. EUR. CEO Miguel López, dessen Vertrag vorzeitig bis zum Jahr 2031 verlängert wurde, hat zuletzt beschlossen, die Marinesparte TKMS durch Ausgliederung einer 49%igen Minderheitsbeteiligung eigenständig an die Börse zu bringen. Das Ziel: die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstumspotenzial von TKMS stärken und den Konzernumbau zur Finanzholding vorantreiben.
Strategic Resources: Industrieplattform am eisfreien Tiefseehafen
Das kanadische Rohstoffunternehmen Strategic Resources setzt auf die Metalle Vanadium, Titan und hochreines Eisenerz. Das weit entwickelte BlackRock-Projekt im kanadischen Distrikt Québec kombiniert den geplanten Tagebau einer Vanadium-Titan-Magnetit-Lagerstätte mit einem Pelletwerk am Tiefseehafen Port Saguenay. Eine Ressourcenschätzung der Southwest-Lagerstätte nach dem kanadischen Standard NI 43-101 zeigt nachgewiesene und wahrscheinliche Reserven (Proven + Probable) von insgesamt 127,8 Mio. t Erz mit einem In-situ-Gehalt von 40,2 % Fe₂O₃ (Eisenoxid).

Das gewonnene Konzentrat soll anschließend zu hochreinen DR-Grade-Pellets mit einem Eisengehalt von über 67% weiterverarbeitet werden. Den logistischen Vorteil des Unternehmens zeigt die staatlich finanzierte, 111 Mio. CAD teure Multi-User-Förderbandanlage direkt am ganzjährig eisfreien Hafen. Als Entwicklungsunternehmen ohne operative Umsätze ist Strategic Resources ein klassischer Wachstumswert mit entsprechendem Risikoprofil. Angesichts der beschriebenen Projektkennzahlen und der strukturellen Nachfragesituation der Stahlindustrie erscheint die mittelfristige Perspektive dennoch vielversprechend.
Das Javelin-Abnahmeabkommen und strategische Rohstoff-Partnerschaften
Um die finanzielle Liquidität der Anlaufphase zu garantieren, vereinbarte das Management von Strategic Resources definitive Agenturverträge mit Javelin Global Commodities über eine Laufzeit von zehn Jahren ab Bauende. Diese strategische Allianz garantiert nicht nur die vollständige Vermarktung der produzierten DR-Pellets, sondern stellt dem Unternehmen zeitgleich Kapital im Umfang von bis zu 150 Mio. USD bereit. Zudem sichert eine Kooperation mit dem privaten Produzenten Tacora Resources dem Pelletwerk den Zugriff auf bis zu 25 % der zukünftigen Kapazitäten der hochgradigen Scully-Mine.
Fazit: Hoher After-Tax-Kapitalwert begründet weiteres Kurspotenzial
Strategic Resources nimmt in einer Marktphase Fahrt auf, die von einer wachsenden Zahl von Übernahmen und Kooperationen im Stahlsektor geprägt ist. Die bankfähige Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2022 attestiert dem BlackRock-Projekt von Strategic Resources überzeugende Eckdaten mit einem prognostizierten After-Tax-Kapitalwert von 1,93 Mrd. CAD sowie einer internen Verzinsung von 18,2 %. Da die Aktie zuletzt seitwärts lief, drängt sich die Frage nach einem Katalysator für steigende Kurse auf. Sobald Strategic Resources weitere Schritte in Richtung Produktion macht, dürfte der Markt nach und nach Risiken auspreisen. Die Aktie ist ein spannender Kandidat für die Watchlist. Vorkommen für die Stahlindustrie in sicheren Jurisdiktionen bleiben gefragt, ebenso daraus raffinierte Vorprodukte. Strategic Resources besetzt eine vielversprechende Nische.
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