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31.07.2026 | 05:30

Vergessen Sie Wasserstoff – Mercedes-Benz, Strategic Resources und Rio Tinto zeigen, wo wirklich Geld liegt

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Die Stahlindustrie erlebt ihre tiefgreifendste Zäsur seit der Hochofen-Ära. Die Stahlproduktion verursacht mehr Klimagase als der globale Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Während andere Sektoren ihre Transformation bereits vorantreiben steckt die Stahlwende noch in den Anfängen. Doch genau diese Verzögerung birgt enormes Potenzial. Mit dem ab 2026 geltenden EU-CO2-Grenzausgleich und steigenden Zertifikatspreisen werden frühe Investitionen in wasserstoffbasierte Verfahren zur Lizenz für künftige Marktvorteile. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr ob, sondern wer die knappen Ressourcen der grünen Produktion kontrolliert. Mercedes-Benz sichert als Automobilriese die Abnahme, Strategic Resources ermöglicht mit vanadiumreichem Erz die Direktreduktion und Rio Tinto ordnet über das Simandou-Projekt die globale Rohstoffbasis neu.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , RIO TINTO PLC LS-_10 | GB0007188757

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Inhaltsverzeichnis:


    Mercedes-Benz – zwischen grünem Stahl und China-Risiko

    Mercedes-Benz treibt den Umbau seiner Stahlversorgung systematisch voran. Über sechs europäische Partner wie Salzgitter, thyssenkrupp und H2 Green Steel, sichert sich der Konzern jährlich über 200.000 t CO2-reduziertes Material. Das deckt rund ein Drittel des europäischen Bedarfs des gesamten Konzerns. Außerdem haben sich die Stuttgarter an dem schwedischen Startup H2GS beteiligt. Während Wettbewerber noch zögern, sichert sich Stuttgart langfristige Abnahmeverträge und Technologiezugang. Die Mehrkosten von 20-30 % werden mit steigenden CO2-Preisen zunehmend wettbewerbsneutral. Für Anleger bedeutet das, dass Mercedes einen echten Wettbewerbsvorteil aufbaut.

    Die Zahlen zum 2. Quartal liefern ein gemischtes Bild. Der Konzernumsatz sank leicht auf 32,1 Mrd. EUR, das EBIT verbesserte sich jedoch auf 1,5 Mrd. EUR. Der Free Cashflow erreichte 1,1 Mrd. EUR. Die Pkw-Sparte kämpft mit einer Rendite von 4,0 %. Das ist am unteren Ende der Jahresprognose. Belastend wirken der Preiskampf in China und Modellwechsel. Positiv überraschen dagegen die Vans mit 10,2 % Rendite und die Finanzdienstleistungen mit einem EBIT-Plus von 70 %. Die Nettoliquidität bleibt mit 30,4 Mrd. EUR komfortabel hoch, trotz Ausschüttungen von 5 Mrd. EUR im ersten Halbjahr.

    Die größte Baustelle bleibt der chinesische Markt. Ein Absatzrückgang von 30 % im Quartal und Wertminderungen von 704 Mio. EUR auf Beteiligungen zeigen den Druck. Die Tatsache, dass chinesische Aktionäre rund 20 % der Mercedes-Aktien halten, könnte im Extremfall sogar zu Handelsrestriktionen in den USA führen. Das ist ein Risiko, das CEO Källenius im Analystengespräch thematisierte. Das Management reagiert mit einer Doppelstrategie. Die Produktion soll in China lokal erfolgen und gleichzeitig soll die US-Präsenz mit Investitionen von über 7 Mrd. USD ausgebaut werden. Der Konzern beweist operative Stärke und finanzielle Reserven, um diese Übergangsphase zu meistern, bleibt aber anfällig für geopolitische Verwerfungen.

    Strategic Resources - Kanadas heimlicher Champion für grünen Stahl

    Während die Stahlindustrie unter dem Druck der Dekarbonisierung ächzt arbeitet Strategic Resources im Hintergrund an einer Lösung, die weit über einfache Rohstofflieferungen hinausgeht. Das Unternehmen hat sich mit seinem BlackRock-Projekt in Québec eine Position erarbeitet, die in Nordamerika ihresgleichen sucht. Die Genehmigungen für Mine und Aufbereitung stehen bereits, die erste Grube ist für 39 Jahre ausgelegt. Was das Projekt so besonders macht, zeigt sich jedoch erst bei genauerem Hinsehen. Das Erzvorkommen liefert nicht nur Eisen, sondern auch Vanadium und Titan. Das sind zwei Rohstoffe, die in der Energiewende und Verteidigungsindustrie zunehmend gefragt sind. Derzeit existiert in Nordamerika keine primäre Vanadiumförderung aus Minenbetrieben. Strategic Resources könnte diese Lücke schließen.

    Eine 400 km lange Bahnstrecke verbindet die Mine bei Chibougamau mit dem Tiefwasserhafen Port Saguenay. Dort entsteht ein Pelletierwerk für 1,5 Mio. t jährlich. Im Mai 2026 wurden die ausstehenden Antworten bei dem Umweltministerium von Québec eingereicht. Eine Entscheidung wird in den nächsten Monaten erwartet. Bei positivem Ausgang kann die Pelletanlage auf 4 Mio. t erweitert werden. Die Anbindung an die Erdgasinfrastruktur und günstigen Wasserkraftstrom machen den Betrieb nicht nur emissionsärmer, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Die Zahlen unterstreichen das Potenzial. Der Nettobarwert nach Steuern liegt bei 1,9 Mrd. CAD bei einer internen Rendite von 18,2 %. Die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven von 127,8 Mio. t, bei einer Gesamtressource von 355,5 Mio. t, bieten eine Perspektive, die weit über das übliche Junior-Minenprojekt hinausgeht. Die kanadischen Behörden haben das erkannt. 111 Mio. CAD flossen bereits in die Hafeninfrastruktur.

    Das Unternehmen denkt jedoch nicht nur nordamerikanisch. Die Notierung an der Frankfurter Börse im April 2026 öffnete den Zugang zu europäischem Kapital. Gleichzeitig treibt Strategic Resources sein finnisches Mustavaara-Projekt voran. Im Juni 2026 wurde das Unternehmen als industrieller Partner in das 17 Mio. EUR teure FutSteel-Forschungsprojekt aufgenommen, das mit SSAB an fossilfreier Stahlproduktion arbeitet. Das ist nicht nur ein Qualitätssiegel für das Vanadium-Konzentrat, sondern auch ein strategischer Schritt, um in den europäischen Markt einzudringen. Die Absichtserklärung zum Aufbau einer kanadischen Vanadium-zu-Batterie-Versorgungskette für die Elektrifizierung von Schwerlastfahrzeugen zeigt zudem, dass das Unternehmen in mehr als nur eine Richtung denkt. Dass der Staat Québec und Orion Mine Finance zu den Großaktionären zählen, gibt dem Vorhaben zusätzliche Glaubwürdigkeit.

    Rio Tinto - der Rohstoffriese im Wandel

    Der anglo-australische Konzern Rio Tinto durchläuft eine bemerkenswerte Transformation. Während Eisenerz lange das alleinige Zugpferd war übernehmen nun Kupfer und Aluminium die Führung, und das mit Tempo. Die Halbjahreszahlen belegen den strategischen Wandel. Kupfer und Aluminium steuerten erstmals über 50 % zum Konzerngewinn bei. Das Kupfer-EBITDA explodierte um 84 % auf 5,7 Mrd. USD, während das Eisenerzgeschäft mit 6,8 Mrd. USD nahezu gleichauf liegt. Dahinter steckt die wachsende Nachfrage aus KI-Infrastruktur, Energienetzen und Elektromobilität. Der Nettogewinn kletterte um 47 % auf 6,66 Mrd. USD. Das ist der stärkste Halbjahreswert seit 2022.

    Operativ läuft es rund, die Produktivitätsoffensive zeigt Wirkung. Die Kupferäquivalentproduktion stieg um 3 %, die Pilbara-Region erzielte die höchste Halbjahresproduktion seit 2018. Bis Juni wurden 870 Mio. USD an Effizienzgewinnen realisiert, bis Jahresende soll die annualisierte Rate auf 1,8 Mrd. USD steigen, fast das Dreifache des ursprünglichen Ziels. Der freie Cashflow schnellte um 75 % auf 3,8 Mrd. USD nach oben, was Spielraum für Investitionen und Ausschüttungen schafft.

    Rio Tinto investiert weiter kräftig in die Zukunft. Simandou in Guinea ist zu drei Vierteln fertiggestellt, im Lithiumgeschäft liefen Projekte früher als geplant an. Die Investitionsausgaben bleiben mit bis zu 11 Mrd. USD für 2026 und 2027 unverändert. Die Aktionäre profitieren von einer Zwischendividende in Höhe von 2,11 USD. Das ist ein Plus von 43 % und damit der höchste Wert seit 4 Jahren. Trotzdem bleiben auch Herausforderungen. Zwei Todesfälle belasten die Sicherheitsbilanz, und die Klimaziele hängen von externen Faktoren ab. Dennoch bleibt der Konzern auf Kurs.


    Die Stahlwende wird nicht durch Wasserstoff allein entschieden, sondern durch die Kontrolle über Rohstoffe und Abnahmestrukturen. Mercedes-Benz sichert sich frühzeitig CO2-reduzierten Stahl und baut so einen strategischen Vorsprung in der Lieferkette auf. Strategic Resources besitzt mit seinem vanadiumreichen Erzprojekt in Québec den Schlüssel zur emissionsarmen Direktreduktion in Nordamerika. Rio Tinto ordnet mit Simandou die globale Rohstoffbasis neu und profitiert gleichzeitig von der starken Kupfer- und Aluminiumnachfrage. Die entscheidende Wette gilt nicht allein der Technologie, sondern der aktiven Positionierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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