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29.10.2026 | 05:36

thyssenkrupp, Strategic Resources, Cleveland-Cliffs – Europas Stahlproblem wird zur Börsenchance

  • kritische Rohstoffe
  • Klimawende
Bildquelle: ChatGPT KI generiert

Europas Stahlindustrie steht vor einer unbequemen Rechnung. Klimafreundlichere Produktionsverfahren verlangen Milliardeninvestitionen, während hohe Energiekosten und internationale Konkurrenz die Margen belasten. Die Politik fordert den industriellen Umbau, doch ohne verlässliche Finanzierung, bezahlbaren Wasserstoff und geeignete Rohstoffe drohen viele Projekte stecken zu bleiben. Gleichzeitig zeigt die Erholung amerikanischer Stahlhersteller, wie schnell sich die Ertragslage bei besseren Marktbedingungen verändern kann. An der Börse rücken deshalb nicht nur etablierte Produzenten in den Fokus, sondern auch Unternehmen, die das Ausgangsmaterial für die nächste Generation der Stahlproduktion liefern wollen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Strategic Resources Inc | CA86277X4093 , THYSSENKRUPP AG | DE0007500001 , CLEVELAND-CLIFFS | US1858991011

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Inhaltsverzeichnis:


    thyssenkrupp – Europas Stahlumbau steckt in der Kostenfalle

    Europas Industrie will klimafreundlicher produzieren, doch bei der Finanzierung klafft eine gewaltige Lücke. So stellte die European Resilience Alliance, der auch thyssenkrupp angehört, einen Maßnahmenplan vor, der Investitionen in die Wasserstoffwirtschaft ermöglichen soll. Gefordert werden unter anderem beidseitige Wasserstoffauktionen, Differenzverträge für Zwischenhändler und eine zeitlich gestreckte Finanzierung der Transportnetze.

    Für thyssenkrupp ist das Thema von erheblicher Bedeutung, denn der Konzern steht mit seiner Stahlsparte vor einem kostspieligen Umbau. Die geplante Direktreduktionsanlage in Duisburg soll künftig einen Teil der klassischen Hochofenproduktion ersetzen. Dafür benötigt das Unternehmen zunächst Erdgas und perspektivisch große Mengen Wasserstoff. Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise und langfristig gesicherte Lieferverträge drohen erhebliche wirtschaftliche Belastungen.

    Parallel verändert thyssenkrupp seine Konzernstruktur. Mit der Abspaltung von 49 % der Beteiligung an tk accelis soll das Geschäft eigenständig an die Börse gebracht werden. Für jeweils 20 thyssenkrupp-Aktien erhalten Anteilseigner eine Aktie der neuen Gesellschaft. Der Mutterkonzern behält 51 %. Die Erstnotiz ist für den 28. Oktober vorgesehen.

    Die Analysten sehen durchaus Potenzial. Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 16,50 EUR. J.P. Morgan erhöhte seine Zielmarke von 15 auf 17 EUR, blieb allerdings bei „Neutral“. Analyst Dominic O'Kane erwartet für europäische Stahlunternehmen eine deutliche Ergebnisverbesserung in den kommenden beiden Jahren.

    Strategic Resources – Vier Millionen Tonnen für die Stahlindustrie der Zukunft

    Während Europas Stahlkonzerne über Wasserstoffpreise und milliardenschwere Investitionen diskutieren, arbeitet Strategic Resources mit der Produktion von hochwertigem Eisenerz an einer entscheidenden Voraussetzung der industriellen Transformation. Der kanadische Rohstoffentwickler konzentriert sich auf hochreines Eisen, Vanadium und Titan. Im Mittelpunkt steht die geplante Pelletanlage des BlackRock-Projekts in Québec.

    Am Hafen von Saguenay soll eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 4 Mio. t entstehen. Die hochwertigen Eisenerzpellets sind für die Direktreduktion vorgesehen, bei der Wasserstoff perspektivisch Kohle ersetzen kann. Der Standort bietet Zugang zu günstiger Wasserkraft, Erdgas und internationalen Transportwegen. Zunächst soll die Anlage zugekauftes Eisenerzkonzentrat verarbeiten und damit unabhängig von einer eigenen Minenproduktion betrieben werden können.

    Eine technische Studie vom März 2024 beziffert die anfänglichen Investitionen auf 470 Mio. USD und die geplante Bauzeit auf 25 Monate. Unter den damaligen Modellannahmen errechnete sie eine nachsteuerliche Projektrendite von 25 % sowie ein mögliches jährliches EBITDA von 173 Mio. USD. Diese Werte sind jedoch Szenario-Rechnungen und hängen insbesondere von den erzielbaren Pelletpreisen ab.

    Auch bei der Umsetzung gibt es Fortschritte. Strategic Resources verfügt bereits über eine Genehmigung für eine Pelletanlage mit 1,5 Mio. Tonnen Jahreskapazität. Für die Erweiterung auf 4 Mio. Tonnen läuft das Änderungsverfahren. Im Mai beantwortete das Unternehmen die Rückfragen der Umweltbehörde. Zudem bestehen mit Javelin Global Commodities Vereinbarungen zur Rohstoffversorgung und Vermarktung von bis zu 4 Mio. t Pellets jährlich.

    Zusätzlich eröffnet das finnische Mustavaara-Projekt neue Perspektiven. Vanadiumhaltiges Magnetitkonzentrat wurde für das 17 Mio. EUR schwere Forschungsprojekt FutSteel ausgewählt. Untersucht werden wasserstoffbasierte Verfahren für eine emissionsärmere Stahlproduktion.

    Cleveland-Cliffs – stärkstes Quartal seit drei Jahren

    Während europäische Stahlhersteller mit hohen Energiekosten und dem kostspieligen Umbau ihrer Produktion kämpfen, zieht Cleveland-Cliffs in den USA wieder kräftig an. Der amerikanische Stahlkonzern meldete für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 5,6 Mrd. USD. Das bereinigte EBITDA erreichte 612 Mio. USD und lag damit deutlich über der eigenen Prognose von 575 Mio. USD.

    Gegenüber dem Vorquartal hat sich das operative Ergebnis mehr als verdoppelt. Damals hatte Cleveland-Cliffs lediglich 286 Mio. USD bereinigtes EBITDA erzielt. Unter dem Strich gelang die Rückkehr in die Gewinnzone: Auf einen Verlust von 134 Mio. USD im zweiten Quartal folgte ein Nettogewinn von 165 Mio. USD.

    Konzernchef Lourenco Goncalves sprach vom stärksten Quartal seit drei Jahren. Höhere Verkaufspreise, steigende Absatzmengen und sinkende Stückkosten hätten gleichzeitig zur Ergebnisverbesserung beigetragen. Zusätzlich profitiert das Unternehmen nach eigenen Angaben von einem US-Handelsumfeld, in dem Stahlimporte deutlich unter früheren Niveaus liegen.

    Für das vierte Quartal stellt das Management ein bereinigtes EBITDA von rund 715 Mio. USD in Aussicht. Gleichzeitig soll die Verschuldung weiter sinken. Bis Mitte 2027 strebt Cleveland-Cliffs ein Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von weniger als 2,5 an.

    Auch Analysten reagierten auf die verbesserten Perspektiven. B. Riley erhöhte sein Kursziel von 15 auf 18 USD und bestätigte „Buy“. Wells Fargo sieht die Aktie mit „Overweight“ bei 17 USD. JPMorgan und Barclays bleiben mit Kurszielen von 13 beziehungsweise 12 USD vorsichtiger.

    Fazit:

    thyssenkrupp muss beweisen, dass sich der Umbau seiner Stahlproduktion wirtschaftlich stemmen lässt. Cleveland-Cliffs zeigt mit seiner kräftigen Ergebnisverbesserung, welches Gewinnpotenzial günstigere Marktbedingungen freisetzen können. Strategic Resources setzt früher in der Wertschöpfungskette an. Mit hochreinen Eisenerzpellets und Vanadiumprojekten will das Unternehmen Rohstoffe für moderne Stahlverfahren bereitstellen.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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