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25.01.2023 | 05:30

Vonovia, Alpina Holdings, Commerzbank – hat der Immobilienmarkt die Talsohle durchschritten?

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Bildquelle: pixabay.com

Die vergangenen Jahre waren ein Eldorado für die Immobilienbranche. Doch seitdem die Zinsen steigen ziehen dunkele Wolken über dem Immobilienmarkt auf. Hinzu kommen die stark gestiegenen Baukosten und die Inflation, die interessierten Immobilienkäufern das Geld aus der Tasche ziehen und für Zurückhaltung bei Kaufentscheidungen sorgen. Laut einer Studie von EY Real Estate ist der Immobilien Investmentmarkt 2022 bereits um 40 % eingebrochen. 2023 könnte das Transaktionsvolumen weiter sinken. Wir sehen uns drei Unternehmen rund um den Immobiliensektor an und beleuchten die Chancen und Risiken.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: VONOVIA SE NA O.N. | DE000A1ML7J1 , ALPINA HOLDINGS LIMITED | SGXE21011833 , COMMERZBANK AG | DE000CBK1001

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Inhaltsverzeichnis:


    Vonovia – Einstieg in Holzbau Startup

    Wie schwer die steigenden Zinsen die Immobilienbranche getroffen haben sieht man am Beispiel von Vonovia, deren Aktie im Jahr 2022 in der Spitze über 63 % an Wert verloren hat. Die Angst war groß, dass die Mieter ihre Nebenkosten nicht zahlen können, da aufgrund der Inflation und hohen Energiepreise kein weiteres Geld mehr zur Verfügung stehen könnte. Ein Teil der Schulden muss Vonovia 2023 refinanzieren. Seit Mitte Oktober geht es aber wieder aufwärts mit der Aktie. Vom Tief aus ging es mehr als 50 % nach oben. Experten sehen das als Bestätigung für eine Übertreibung.

    Vonovia verfügt über ein breites Portfolio mit Investitionen, die von erschwinglichen Wohnungen bis zu Luxusimmobilien reichen. Darüber hinaus ist das Unternehmen nicht auf Deutschland beschränkt, sondern hält etwa 20 % seiner Beteiligungen außerhalb Deutschlands, vor allem in Schweden und Österreich. Am 24. Januar meldete das Unternehmen, dass es sich an dem österreichischem Startup Gropyus beteiligt. Der Vonovia Vorstand Daniel Riedl erhält damit einen Platz im Aufsichtsrat. Riedl kommentierte: „Gropyus digitalisiert und transformiert die Wohnungs- und Bauwirtschaft, diesen Zugang möchten wir für unsere Projekte künftig nutzen, um ressourcenschonendes Wohnen weiter voranzutreiben“.

    Man muss sich von der Beteiligung einiges versprechen, denn ursprünglich sollten die Investitionen zurückgefahren werden, da die Kapitalkosten durch die steigenden Zinsen nach oben klettern werden. Es bleibt auch abzuwarten, ob das Unternehmen seine Dividende konstant halten kann. Bleibt es bei 1,66 EUR wäre das eine Dividendenrendite von über 6 %. Aktuell ist die Aktie für 26,70 EUR zu haben. Im Januar gab es gleich 3 Kauf Empfehlungen für die Aktie von Warburg Research, Goldman Sachs und RBC Capital Markets. Die Kursziele liegen zwischen 35,70 EUR und 45,40 EUR. In Anbetracht des fehlenden Wohnraums in Deutschland sind die Aussichten für Vonovia gut.

    Alpina Holdings – großer Auftrag zur Solarzellen Installation

    Ganz anders als in Deutschland boomt der Immobilienmarkt in Singapur, das zu den teuersten Pflastern der Welt zählt. Hier ist Alpina Holdings aktiv und bietet integrierte Gebäudedienstleistungen, mechanische und elektrotechnische Dienstleistungen sowie Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten an. Das Unternehmen kann auf eine über 17-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken und betreut in erster Linie Projekte des öffentlichen Sektors. Alpina Holdings verfügt über die höchsten Lizenzen, die für Bauunternehmen in Singapur vergeben werden. Das ermöglicht es, an Ausschreibungen von Projekten des öffentlichen Sektors ohne Ausschreibungsbeschränkungen oder Begrenzung des Projektwerts teilzunehmen.

    Die Tochtergesellschaft Digo Corporation und Terrenus Energy haben zusammen ein Projekt mit einer Leistung von 70 MWp für die Installation von Solarzellen in 1.198 Wohnblocks und 57 Regierungsgebäuden sowie für die Installation von intelligenten Stromzählern in Wohnblocks gewonnen. Das Projekt ist Teil des SolarNova-Programms, einer Initiative der Regierung Singapurs, um den Einsatz von Photovoltaik-Solarsystemen zu beschleunigen. Die Installation der Solarzellen soll im März 2023 beginnen und im ersten Quartal 2025 abgeschlossen sein. Für die kommenden Jahre erwartet die Building and Construction Authority (BCA) von Singapur eine weitere Belebung der Baunachfrage. Im öffentlichen Sektor stehen jährlich zwischen 14 und 18 Mrd. SGD zur Disposition.

    Im Jahr 2021 lag der Umsatz bei 52 Mio. SGD und der Gewinn bei rund 9,3 Mio. SGD. Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 29,49 SGD liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei gerade einmal 3. Das Unternehmen plant mindestens 50 % des Gewinns in Form einer Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Der Umsatz und Gewinn 2022 sind laut einer Unternehmensmitteilung vom 20. Januar kleiner ausgefallen als im Vorjahr, da einige Projekte im Jahr 2021 endeten und es einen Fachkräftemangel gibt, der zu höheren Lohnkosten führte. Genauere Zahlen liefert das Unternehmen spätestens am 1. März. Das KGV wird dann steigen. Die Aktie ging am vergangenen Freitag mit 0,16 SGD aus dem Handel. Aufgrund des Chinesischen Neujahrsfest findet in Singapur derzeit kein Handel statt.

    Commerzbank – steigende Erträge

    Ein steigendes Zinsumfeld ist ideal für die Commerzbank. Ein großer Teil des Kerngeschäfts ist das Kreditgeschäft und somit sind die Zahlen von der Commerzbank sehr zinssensitiv. Steigen die Zinsen um 1 % verdient die Bank etwa 625 Mio. EUR mehr. Mittlerweile liegt der Leitzins bei 2,5 %, doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Nachdem sich EZB-Chefin Lagarde lange gegen steigende Zinsen gewehrt hatte sagte sie zuletzt: „…deutlich gemacht, dass die EZB-Zinsen noch deutlich und stetig steigen müssen, um ein ausreichend restriktives Niveau zu erreichen“. Gut für die Commerzbank.

    Schon bei den letzten Quartalszahlen konnte man den positiven Zinseffekt sehen. In den ersten 9 Monaten stiegen die Erträge um 12 % auf 7,1 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis legte um mehr als 500 Mio. EUR auf 1,57 Mrd. EUR zu. Am 16. Februar werden die Zahlen für das 4. Quartal vorgelegt. Die Erwartungen sind hoch, da viele Analysten von hohen Nettozinserträgen ausgehen. Auch eine Dividende und ein Aktienrückkaufprogramm scheinen möglich. Einnahmen in Höhe von 200 Mio. EUR könnte die Klage gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY bringen. Die Commerzbank will Ersatz für die erlittenen Verluste.

    Nachdem die Aktie seit Mitte Dezember nach oben geschossen ist und momentan 9,61 EUR kostet gilt sie als einer der Kandidaten für den Aufstieg in den Dax. Das könnte die Aktie zusätzlich beflügeln. Im Januar haben sich 6 Analystenhäuser mit der Aktie beschäftigt. Nach dem großen Kursanstieg gab es 4-mal ein Halten und 2 Kaufempfehlungen von der Deutschen Bank und der UBS. Die Kursziele aller Analysten lagen zwischen 9 EUR und 13 EUR. Solange die EZB weiter an der Zinsschraube dreht werden sich die Zahlen bei der Commerzbank weiter verbessern.


    In Deutschland ist Vorsicht angesagt, allerdings wurden die Aktien der Immobilienunternehmen zu stark nach unten geprügelt. Vonovia hat sich bereits ein Stück weit erholt, es könnte bei einer Dividendenkürzung noch einmal Druck auf die Aktie kommen. Der Immobilienmarkt in Singapur boomt. Ideale Voraussetzungen für Alpina Holdings, die über die höchsten Lizenzen verfügen. Gelingt es, mehr Fachkräfte an Bord zu holen, dürften die Umsätze wieder klettern. Die Commerzbank kann sich über die Zinswende freuen. Man darf auf die kommenden Zahlen gespannt sein.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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