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10.06.2021 | 05:10

AMC Entertainment, wallstreet:online, Nikola, Adler Modemärkte – Ein gefundenes Fressen!

  • Broker
  • wallstreetbets
Bildquelle: pixabay.com

Tausende Privatanleger schließen sich über Onlineforen wie „wallstreetbets“ bei Reddit zum konzertierten Kauf von Aktien zusammen, um das Geschäft von Hedgefonds, die eine Aktie leer verkauften, zu zerstören. Dieses 'Phänomen' trat zuerst beim Spielehändler Gamestop Anfang des Jahres auf. Darauf folgten nun weitere, von institutionellen Investoren geshortete Papiere wie AMC Entertainment, Nokia oder Blackberry. Neue Chancen werden täglich in den Foren diskutiert. Von dem munteren Treiben mit Meme-Aktien profitieren durch hohe Volatilität sowie wachsenden Handel hauptsächlich Online-Broker.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
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Inhaltsverzeichnis:


    Profiteur der Krise

    Eine neue Generation von Anlegern wuchs im Zuge der Corona-Pandemie heran. Vor allem Angebote der Neobroker mit ihrer „Mobile First-Strategie“ werden von der Generation Z gerne genutzt, um sich neben dem alltäglichen Fortnite-Daddeln dem Kapitalmarkt um Aktien, Fonds, ETFs und Co. zu widmen. So verzeichnete das Deutsche Aktieninstitut im Jahr 2020 28% mehr Aktionäre als im Jahr zuvor. Aus der genannten Zielgruppe waren es 600.000 junge Menschen, eine Steigerung von 70% gegenüber 2019. Laut Matthias Hach, CEO der wallstreet:online AG, sind auf der Plattform des Smartbrokers 80% der User 54 Jahre oder jünger. Neben der Spekulation darüber, welche Aktie als nächstes „to the moon“ geschossen wird, spielt in dieser Altersschicht vor allem die Altersvorsorge eine große Rolle. Hier sieht der Manager vor allem in Deutschland noch großes Aufholpotenzial. Insgesamt haben deutsche Bürger mehr als 340 Mrd. EUR zurückgelegt, lediglich 17% werden für die Altervorsorge in Aktien oder Fonds investiert.

    Jahrzehntelanger Aufbau

    Die Weichen für einen erfolgreichen Start des Smartbrokers, der Ende 2019 ins Leben gerufen wurde, waren von der wallstreet-online-Gruppe um Gründer Andé Kolbinger bereits Anfang der 2000er gelegt. Dank des Aufbaus des mit Abstand größten verlagsunabhängigen Finanzportalbetreibers im deutschsprachigen Raum (Portale wie wallstreet-online.de, boersenNews.de, FinanzNachrichten.de und ARIVA.de) stehen nun mehr als 500.000 registrierte Nutzer bereit, um ihre Börsengeschäfte künftig über den zu 95% der Gruppe gehörenden Smartbroker abzuwickeln. Aktuell liegt die User-Base bereits bei 135.000 Kunden. Das ehrgeizige Ziel der Berliner, ist die Schallmauer von 200.000 handelnden Personen noch in diesem Kalenderjahr zu durchbrechen. Bei den Kundengeldern liegt man schon jetzt bei über 5 Mrd. EUR.

    Bestens gerüstet für die Zukunft

    Das ehrgeizige Ziel will wallstreet:online zum einen durch die engere Verzahnung der beiden Produkte Forum und Broker erreichen. So sollen neue Features auf den diversen Plattformen User direkt zum Handel animieren. Der wichtigste Faktor für die Zukunft, um auch im mobile-Bereich gegen die Neobroker bestehen zu können, ist jedoch die Entwicklung einer Smartphone App, die im ersten Halbjahr 2022 an den Start gehen soll. Für die Kundengewinnung sind insgesamt 12,5 Mio. EUR bereitgestellt. Die deutlichen Wachstumseffekte dürften bereits im zweiten Halbjahr 2021 zu erkennen sein.

    Vergleicht man die wallstreet-online Gruppe mit Branchenkollegen wie Trade Republic, fällt vor allem die breite Bewertungsschere auf. Während der Börsenwert von w:o bei einer Kundenzahl von 135.000 und 5 Mrd. EUR Kundengeldern auf 408,45 Mio EUR kommt, bringt es der nicht börsennotierte Konkurrent mit einem selbst genannten Stamm von „größer als 1 Mio.“ und Anlegergeldern im Volumen von 6 Mrd. EUR auf eine Bewertung von 4 Mrd. EUR.

    Selbst den Zockern zu teuer

    Das Phänomen von plötzlich explodierenden Aktienkursen ohne fundamentalen Hintergrund konnte zuletzt auch bei deutschen Aktien wie windeln.de und Adler Modemärkte beobachtet werden. Die Aktionäre des Onlinehändlers für Baby-, Kinder- und Familienprodukte trauten ihren Augen nicht, stieg doch der Kurs des in den vergangenen Jahren eher erfolglosen Unternehmens um satte 600%. Seit 2012 konnte in keinem Jahr ein Gewinn erzielt werden, sogar die Umsätze sind seit 2017 rückläufig. Der Grund für die Kursexplosion war in der Tat ein Post auf wallstreetbets, den viele Kleinanleger zum Einstieg nutzten.

    Eine noch größere Nummer ereignet sich aktuell bei AMC Entertainment, der aktuellen Nummer 1 unter den Reddit-Jüngern. Die Kurskapriolen, die den Wert seit Jahresanfang um mehr als 2.500% nach oben bugsierten, sind sogar den eigenen Investoren zu viel. So erwähnte Trey Collins, ein Youtuber und Influencer für die Redditianer, in einem Interview auf CNBC, dass der langfristige Wert von AMC nicht mit dem aktuellen Preis übereinstimme. Nach seiner Einschätzung liege dieser bei nur 20 bis 25 US-Dollar, also mehr als die Hälfte unter dem aktuellen Kurs. Auf seinem Kanal „Trey´s Trade“, der 319.000 Abonnenten vorweisen kann, gab er gestern Morgen zudem ein Statement ab, um die Gemeinde zu beruhigen.

    Neben den genannten Werten läuft auch die Aktie des Spezialisten für die Produktion von Batterie- und Brennstoffzellentrucks, Nikola, heiß. Die Redditianer sehen im aktuellen Chartbild Ähnlichkeiten im Kursmuster wie bei der Gamestop-Aktie im Januar. Mit einer Shortquote von über 20% besitze Nikola zudem beste Voraussetzungen für einen Short-Squeeze. In der Tat konnte in der vergangenen Woche der seit November 2020 ausgebildete Abwärtstrend mit hohem Volumen durchbrochen werden. Aktuell liegt der Wert bei 18,73 USD, das Jahreshoch wurde im Januar bei 30,40 USD markiert.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung und ein breit gestreutes Netzwerk kann der gebürtige Franke vorweisen. Seine Leidenschaft gilt dem Analysieren verschiedenster Geschäftsmodelle und dem Durchleuchten neuer Trends.

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    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Fonds – Fonds werden von Kapitalanlagegesellschaften gegründeten, um Anlegern themenspezifisch Investitionsinstrumente zu bieten.

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    Neben den hohen Preissteigerungen und den permanent steigenden Zinsen ist an den Börsen nun auch noch höchste Volatilität ausgebrochen. Anleger müssen sich fast täglich auf neue Szenarien einstellen, besonders die Taktung der News über den Zustand der internationalen Konjunktur macht den Ökonomen mehr und mehr Kopfzerbrechen. Denn die gestiegenen Rohstoffpreise gelten nun als Standard und belasten die Einkaufspreise der Vorprodukte sowie die Kalkulation der eigenen Angebotsliste. Das führt teilweise zu dramatischen Anpassungen, wie der Hersteller-Preisindex mit +33,6 % im Mai eindrucksvoll darlegt. Wie schlagen sich die Finanz- und Brokeraktien an dieser Schaukel-Börse?

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