Menü schließen




23.06.2022 | 04:44

Deutsche Bank, Commerzbank, Wallstreet:Online, Allianz – Hohe Umsätze, wilde Kurse – was machen Broker und Finanz-Aktien?

  • Finanzwerte
  • Broker
  • Versicherung
Bildquelle: pixabay.com

Neben den hohen Preissteigerungen und den permanent steigenden Zinsen ist an den Börsen nun auch noch höchste Volatilität ausgebrochen. Anleger müssen sich fast täglich auf neue Szenarien einstellen, besonders die Taktung der News über den Zustand der internationalen Konjunktur macht den Ökonomen mehr und mehr Kopfzerbrechen. Denn die gestiegenen Rohstoffpreise gelten nun als Standard und belasten die Einkaufspreise der Vorprodukte sowie die Kalkulation der eigenen Angebotsliste. Das führt teilweise zu dramatischen Anpassungen, wie der Hersteller-Preisindex mit +33,6 % im Mai eindrucksvoll darlegt. Wie schlagen sich die Finanz- und Brokeraktien an dieser Schaukel-Börse?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: WALLSTREET:ONLINE INH ON | DE000A2GS609 , DEUTSCHE BANK AG NA O.N. | DE0005140008 , COMMERZBANK AG | DE000CBK1001 , ALLIANZ SE NA O.N. | DE0008404005

Hole Dir die spannenden Kommentare direkt als Newsletter per E-Mail.

Jetzt kostenlos abonnieren

Inhaltsverzeichnis:


    André Kolbinger, CEO, Smartbroker Holding AG
    "[...] Allein die Tatsache, dass wir rund 5 Mio. EUR abschreiben müssen, zeigt, dass Fehler passiert sind. Das müssen wir uns selbst auch ganz offen eingestehen. [...]" André Kolbinger, CEO, Smartbroker Holding AG

    Zum Interview

     

    Allianz – Die Mutter aller Finanzwerte im DAX

    Der Versicherungsgigant Allianz hat in seinen letzten Quartalsberichten eher positiv überrascht und konnte sich im Versicherungsgeschäft trotz aller Katastrophen sehr gut entwickeln. Das Plus im Aktienkurs erreichte bis Mitte Februar solide 15% und erst mit Krisenbeginn sackte die Performance mit aktuell 13% ins Minus. Allerdings gab es nach der Hauptversammlung eine Dividende von 10,80 EUR oder gut 5% als Trostpflaster ausbezahlt.

    Aktuell muss man den Blickwinkel etwas ausweiten und auch die Vermögensgüter des Konzerns unter die Lupe nehmen. Denn das Geld der Versicherten im Kapital-Vorsorgebereich befindet sich über alle möglichen Assetklassen gestreut im großen Portfolio der Allianz und ihrer Töchter. Hier kommt es aktuell zu starken Abwertungen sowohl im Renten- als auch Aktiensegment. Von den Immobilien, die natürlich weltweit gestreut sind, will man gar nicht zu sprechen. Viele Immobilienmärkte haben auf den hohen Bewertungen in 2021 gedreht und befinden sich nun in einer schwierigen Verfassung. Das betrifft in erster Linie den Neubau, aber auch zunehmend die Marktpreise von Bestandsimmobilien. Anfangs trifft die anstehende Neubewertung der Assets erst mal den inneren Wert des Anlagevermögens, später aber die Rendite der zugrundeliegenden Versicherungsverträge. Nach der Finanzkrise wurde der Garantiezins aller Versicherungsanbieter, welcher früher noch bei 4% lag, bereits sukzessive auf 0,25% abgesenkt. Das laufende Jahr dürfte ertragsseitig enttäuschen.

    Die US-Vermögensverwaltungs-Tochter AllianzGI US hatte wegen einiger interner Controlling-Probleme in diesem Jahr schon 5,6 Mrd. EUR zurückstellt und muss sich nun für zehn Jahre aus dem Geschäft mit US-Fonds zurückziehen. Die aktuelle Gemengelage deutet daraufhin, dass das Jahr 2022 für die Münchener eher herausfordernd verlaufen werden wird. Mit aktuell 184 EUR nähert sich die Bewertung der Aktie ihrem geschätzten Buchwert von ca. 179 EUR, charttechnisch steht die Ampel aber noch auf Rot. Warten sie den Fortgang der aktuellen Ausverkaufsphase ab, unter 170 EUR ist im derzeitigen Umfeld möglich. Das wäre u.E. ein erster fundamentaler Anreiz für ein Kauflimit.

    Wallstreet:Online – Smartbroker wächst, die Hauptversammlung wird spannend

    Am 24. Juni 2022 ist es soweit, die jährliche Hauptversammlung der Wallstreet:Online AG steht an. Die Berliner können seit einigen Jahren auf starkes Wachstum verweisen und haben mit der Andockung des Neobrokers „Smartbroker“ alles richtig gemacht, denn für Broker kommen die in den letzten Jahren stark gestiegenen Kapitalmarktumsätze wie gerufen. Wichtig erscheint die Zahl der aktiven Junginvestoren, sie hat in 2022 schon die 50.000er Grenze überschritten. Rund 12 Mio. Menschen in Deutschland sind Aktienbesitzer, Tendenz steigend. Sie alle können sich in wenigen Minuten mit einem Online-Broker wie dem Smartbroker auf die Reise begeben, das lange Warten in Telefonschleifen von Banken hat dann ein Ende.

    Auf den verschiedensten digitalen Handelsplattformen wird ein unterschiedlicher Service geboten, Smartbroker-Kunden bewerten das in gängigen Finanztests als sehr positiv. Der Neobroker landet meistens auf den vorderen Plätzen und kann die Platzhirsche Consors, Comdirect und Trade Republic regelmäßig hinter sich lassen. Meist sind Broker als Töchter von Finanzkonzernen tätig, wie das bei Consors, Comdirect und ING der Fall ist. Trade Republic ist noch voll in den Händen von Private Equity-Unternehmen, die Bewertung wurde aber zuletzt schon bei hohen 5 Mrd. EUR angesetzt. Zum Vergleich: Die gesamte Wallstreet-Online Gruppe wird an der Börse nur mit 255 Mio. EUR bewertet. Sie ist ein langjähriger Profi im Online-Geschäft und bietet neben einer Vielzahl von Infokanälen und Foren mit dem Smartbroker auch gleich den Zugang an die Märkte. So werden mittlerweile Kundenvermögen von knapp 9 Mrd. EUR betreut, das durchschnittliche Depotvolumen von ca. 36.000 EUR liegt deutlich über den Werten bekannter Wettbewerber. Eine leistungsfähige App soll es im Laufe des Jahres geben.

    Im laufenden Jahr wollen die Berliner deutlich wachsen. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatz von 62 bis 67 Mio. EUR, in 2021 waren es noch 48,2 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA soll bei 10 bis 12 Mio. EUR liegen, nach zuletzt 3,65 Mio. EUR. Ein großer Kostenposten sind nach wie vor die Marketingaufwendungen für den Smartbroker, sie sollen bei etwa 6 Mio. EUR liegen. Die Analysten von GBC bewerten das Unternehmen regelmäßig und bestätigen ihre Kaufempfehlung für die Aktien der wallstreet:online AG. Das Kursziel sinkt wegen höherer Kapitalkosten leicht von 38,60 auf 37,55 EUR. Auf Sicht von zwölf Monaten eine pfundige 125%-Chance.

    Deutsche Bank und Commerzbank – Keine Negativzinsen mehr für Privatkunden

    Die EZB wartet noch, steht aber in den Startlöchern, die FED hat es nun mit +0,75% richtig krachen lassen. Wir sprechen vom Leitzins, der in Europa noch sehr tief bei null Prozent liegt, aber in Amerika wegen der hohen Inflation zügig nach oben gesetzt wird. Die US-Notenbank strebt bis zum Jahresende einen Leitzins von mehr als 3% an. Für die anstehende Sitzung im Juli gibt es aber laut Patrick Harker, Chef des FED-Bezirks Philadelphia, noch keine Vorbesprechungen.

    Durch die steigenden Leitzinsen versuchen Notenbanken die Geldwertstabilität wieder herbeizuführen, dabei wird aber auch die Refinanzierung der gesamten Wirtschaft erschwert. Bankkunden in Deutschland können im Zuge der für Juli bereits angekündigten Zinsanhebung der EZB auf ein Ende der Negativzinsen auf Giro- oder Tagesgeldkonten hoffen. Wenn die EZB den Satz der Einlagenfazilität gemäß ihrer jüngsten Ankündigung um 0,25 Prozentpunkte anhebt, werden die Deutsche Bank und ihre Tochter Postbank diese Anpassung an die Privatkunden weitergeben, für einen gänzlichen Wegfall ist es dennoch zu Früh. Neukunden bei der Commerzbank zahlen bereits seit Mitte 2021 ein Verwahrentgelt von 0,5% für die 50.000 EUR übersteigende Liquiditätshaltung, auch sie wird Anpassungen der EZB umgehend an ihre Kunden weitergeben. Deutlich steigende Erträge für die Finanzinstitute durch höhere Zinsen sind insgesamt in der Eurozone noch nicht zu erwarten, dennoch sollte sich bei Neu-Finanzierungen die Marge erhöhen.

    Ob damit schon der Startschuss für eine Höherbewertung des gesamten Finanzsektors ansteht, steht in den Sternen. Im Rennen um die Anlegergunst konnte die Commerzbank in den letzten 12 Monaten bereits 35% zulegen, die Bilanz der Deutschen Bank weist hingegen noch einen Verlust von knapp 12% auf. In einem Wiedererstarken des Sektors ist der Branchenprimus erste Wahl.


    Die Finanzbranche muss die höheren Kapitalmarktzinsen in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Seit 2016 hatte man mit einem absoluten Niedrigzinsumfeld zu leben, nun gibt es wieder erste Lebenszeichen für die Zinsmärkte. Die höhere Aktivität an den Kapitalmärkten kommt in erster Linie Brokerhäusern und Dienstleistern wie Wallstreet:Online zu Gute, denn sie verfügen über die aktiven Kunden, welche ihre Portfolios regelmäßig anpassen.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
    Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
    Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.kapitalerhoehungen.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Bank – Das Kreditwesengesetz (KWG) regelt in Deutschland die erlaubten Geschäfte einer Bank.
    3. Dividende – Die Ausschüttung an Aktionäre einer Aktiengesellschaft wird Dividende genannt.
    4. Fonds – Fonds werden von Kapitalanlagegesellschaften gegründeten, um Anlegern themenspezifisch Investitionsinstrumente zu bieten.
    5. Hauptversammlung – Die Hauptversammlung ist ein Organ einer Aktiengesellschaft und das Mitwirkungsgremium der Aktionäre.

    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Juliane Zielonka vom 20.10.2023 | 06:00

    Desert Gold, Netflix, Allianz - welche Aktien Investoren jetzt bevorzugen

    • Gold
    • Versicherung
    • Medien
    • Streaming
    • Growth Aktien

    Der Goldpreis erlebt derzeit eine Hochphase, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten. In den letzten vier Wochen stieg der Preis um 6 %. Diese Entwicklung weckt nicht nur das Interesse von Investoren, sondern stärkt auch Unternehmen wie Desert Gold Ventures, die in Westafrika ein ehrgeiziges Goldprojekt stemmen. Im Zentrum steht ihr Flaggschiffprojekt, das Senegal-Mali-Shear-Zone-Projekt (SMSZ). Angesichts der zunehmenden Eskalationen in internationalen Städten bleiben Menschen lieber zu Hause und gucken Netflix. Die Aktie schoss um 12 % in die Höhe. Und was tun, wenn das Auto Flammen fängt wie gestern im Hamburger Elbtunnel? Gut, wer sich Allianz versichert.

    Zum Kommentar

    Kommentar von André Will-Laudien vom 21.12.2022 | 04:44

    Die besten Karten für 2023: Amazon, Aspermont, FlatexDEGIRO, TUI – Welche Aktie startet jetzt durch?

    • Information
    • Technologie
    • Broker

    Krise, Krise, Krise – an Weihnachten wollen wir davon nichts mehr wissen. Die Börsen haben sich nach der Erleichterungs-Rallye erst mal wieder schlafen gelegt. Turbulent ging es bis in den September zu, dann war die Korrektur erst mal durch. Doch wieviel „Gutes“ ist für nächstes Jahr schon eingepreist? Gibt es ein schnelles Kriegsende, kann die Teuerungsrate auch mal sinken oder was machen die Zinsen in 2023? Viele offene Fragen, die wohl erst sukzessive beantwortet werden. Die Aktien müssen aus dieser Gemengelage eine faire Bewertung erreichen – vielleicht ist deshalb die Korrektur auch noch nicht ganz durchgestanden? Wo liegen die besten Chancen für Anleger?

    Zum Kommentar

    Kommentar von Juliane Zielonka vom 09.09.2022 | 05:01

    Nordex, Kleos Space, Allianz - Cybersecurity boomt!

    • Cybersecurity
    • Technologie
    • Weltraum
    • Versicherung

    Die Energiekrise in Europa lässt einen Sektor besonders boomen: Cybersecurity. Der Anschlag auf Nordex im April oder aktuell die Bedrohung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja verdeutlichen die Fragilität unserer Energieversorgung. Überwachungstechnologie aus dem All hilft ganzen Ländern und Handelswegen, die eigene Sicherheit zu erhöhen. Kleos Space ist darin Technologie-Vorreiter. Das Unternehmen bietet globale Aufklärungs- und Geolokalisierungs-Daten als Dienstleistung durch entsprechende Satelliten-Technologie. Der Sektor ist für Versicherungen wie die Allianz ebenfalls von Bedeutung…

    Zum Kommentar