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15.02.2021 | 04:50

Enapter, Ballard Power, Plug Power, Nikola – Die unendliche Wasserstoff-Story!

  • Wasserstoff
Bildquelle: Enapter AG

Prinzipiell könnte Wasserstoff unseren gesamten Energiebedarf decken und chemisch viele fossile Kohlenstoffe ersetzen. Als klimaneutraler Treibstoff für Stromversorgung und Mobilität, genutzt in Fertigungsprozessen der Stahl- oder Chemieindustrie, als Brennstoff für die Wärmeversorgung oder als Speichermedium für grünen Strom. Das alles kann das Element mit der geringsten Atommasse leisten, nur das Universum spielt der Menschheit einen Streich. Denn das am häufigsten vorkommende Atom im Weltall ist ausgerechnet auf unserem Heimatplaneten in purer Form quasi nicht vorhanden. Also muss man es "herstellen". Beispielsweise durch Elektrolyse: Mit Strom zerlegt man dabei Wasser in die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff. Die Enapter AG kann das…!

Lesezeit: ca. 5 Minuten. Autor: André Will-Laudien

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Sebastian-Justus Schmidt, Vorstand und Gründer, Enapter AG
"[...] Warum soll denn ein modularer Elektrolyser mehr kosten als ein Motorrad? [...]" Sebastian-Justus Schmidt, Vorstand und Gründer, Enapter AG

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Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Enapter AG – Mit Vollgas Richtung Massenfertigung

Die Enapter AG baut den ersten modularen Elektrolyseur, der fossile Brennstoffe durch grünen Wasserstoff ersetzt. Mit ihm wird die Herstellung von Wasserstoff ein universell einsetzbares und erschwingliches Produkt. Wasserstoff ist die Zukunft für viele Anwendungen, die zentral oder dezentrale Energieversorgung benötigen. Enapters patentierter Anionen-Austauschmembran-Elektrolyseur (AEM) ist ein standardisiertes, skalierbares sowie äußerst flexibles Produkt zur Wasserstoffproduktion. Voll modular besticht das Gerät durch eine einmalige Softwareintegration. Konfigurierbar ist das System in Minuten, alles ist aus der Ferne steuerbar – perfekt für Remote-Anwendungen in schwierig erreichbaren Zonen der Erde.

Am Freitag veröffentlichte das Unternehmen seine 2020er Zahlen. Nach den vorläufigen Pro Forma Zahlen geht Enapter von einem Gruppen-Umsatz von rund 2,1 Mio. EUR aus, was rund 0,7 Mio. EUR unter den geplanten Umsatzzahlen liegt, die für die indikative Unternehmensbewertung im Rahmen der Sachkapitalerhöhung herangezogen wurden. Das Pro Forma EBITDA beträgt gemäß den vorläufigen Zahlen rund -2,9 Mio. EUR, geplant waren rund -5,1 Mio. EUR. Die erreichten Umsatzzahlen wurden im Wesentlichen von covidbedingten Lieferketten-Unterbrechungen in Italien beeinträchtigt. Zusammen mit den aktuell akquirierten Aufträgen von rund 2,6 Mio. EUR und unter Berücksichtigung der Auslieferungen, beträgt der aktuelle Auftragsbestand für 2021 rund 4,6 Mio. EUR. Ein operativer Break-Even wird nach Anlaufen der Massenfertigung der Elektrolyseure am Fabrikationsstandort "Enapter Campus" in Saerbeck für das Jahr 2023 erwartet.

Die Enapter-Aktie stieg in 2020 von 2 auf 64 EUR und war damit einer der besten Aktien am deutschen Börsenhimmel. Seit dem Jahr 2021 konsolidiert der Wert zwischen 15 und 42 EUR. Da Wasserstoff an der Börse nur mit zukünftigen Chancen bewertetet wird, macht ein Blick auf die aktuellen Zahlen wenig Sinn. Es zählt eher der Wettlauf der Produzenten nach den ersten H2-Massenanwendungen, die in unser tägliches Leben Einzug haben werden. Bis dahin wird Phantasie gehandelt und das kann für Enapter viele weitere Anstiege mit sich bringen, denn Wasserstoff-Aktien sind ein klares Hype-Thema!

Ballard Power – Jetzt Geld einsammeln!

Das ISI Fraunhofer-Institut rechnet für das Jahr 2050 mit einer Wasserstoff-Nachfrage für Deutschland von umgerechnet 800 Terawattstunden (TWh). Das bedeutet einen Strombedarf von über 1.000 TWh "grünen" Stroms für vorgelagerte Produktionsprozesse. Das wäre das Vierfache dessen, was 2019 aus erneuerbaren Energien hierzulande insgesamt gewonnen wurde. Damit stellt sich heute die Frage, ob die Produktion von „grünem Wasserstoff“ überhaupt möglich ist, denn der grüne Anteil am Energiemix erreicht in Deutschland bereits jetzt Werte von über 40%.

Der kanadische Brennstoffzellen-Entwickler Ballard Power Inc. hat eine weitere Kapitalerhöhung über neue Stammaktien mit einem dreistelligen Millionen-USD Volumen abgeschlossen. Begeben werden 14.870.000 Stammaktien mit einem Gegenwert von 550 Mio. USD, die Nachfrage der Anleger überstieg das Angebot um das 4-fache. Ballard Power Systems beabsichtigt, den Nettoerlös aus dem Angebot zur weiteren Stärkung der Bilanz zu verwenden und dadurch zusätzliche Flexibilität für die Finanzierung seiner Wachstumsstrategie zu schaffen. Gemeint sind insbesondere Investitionen in Produktinnovationen, dem Ausbau der Produktionskapazitäten, ergänzende Akquisitionen sowie auch strategische Partnerschaften.

Die Ballard-Aktie kann eine 12-Monats-Performance von 183% vorweisen, damit hat sie sich im Vergleich zu anderen H2-Titeln „etwas schlechter“ entwickelt. Seit einer Woche läuft nun eine Korrektur, die das Niveau bislang um 10% abgesenkt hat.

Plug Power – Morgan Stanley investiert 2 Mrd. USD

Neben Ballard Power hat zuletzt auch Plug Power Inc. frisches Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien eingesammelt. Wie der US-Brennstoffzellenhersteller und seine Konsortialbank Morgan Stanley mitteilten, wurden bei diesem Deal ein neuer Branchen-Rekord aufgestellt. Während Ballard Power durch einen sogenannten Bought-Deal bis zu 630 Mio. USD einsammeln könnte, hat Plug Power selbiges Kunststück zuvor bereits mit einer Summe von 2 Mrd. USD vollzogen.

Bei dieser Art von Geschäft handelt es sich um einen Vertrag zwischen einer Investmentbank und einem Emittenten. Dabei verpflichtet sich die Bank, alle Wertpapiere im Rahmen einer Kapitalerhöhung oder eines Börsengangs abzunehmen, noch bevor diese öffentlich zum Kauf angeboten wurden. Die Bank geht in diesem Fall also tatsächlich "Long", da sie die Wertpapiere zuvor gegen eigenes Geld selbst erwerben muss.

Im Fall von Plug Power hatte sich Morgan Stanley als einzige Bank an der Kapitalmaßnahme beteiligt und dabei 32,2 Mio. Aktien plus 4,2 Mio. Optionen zu einem Preis von 65 USD erworben. Plug Power flossen dadurch finanzielle Mittel in Höhe von rund 2 Mrd. USD netto zu. Möchte Morgan Stanley mit diesem Geschäft Geld verdienen, muss der Kurs nachhaltig über 65 USD steigen. Bislang konsolidiert die Aktie auf hohem Niveau zwischen 58 und 63 USD. Für Plug Power ist der Geldsegen jedoch ein Steilpass: Mit der prall gefüllten Kasse kann die Produktentwicklung für Wasserstoff-Anwendungen nun ordentlich vorangetrieben werden.

Nikola – Wann kehrt das Vertrauen zurück?

Nikola versucht, seine verloren gegangene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, ohne bislang einen tragfähigen Geschäftsplan zu haben. Faszinierend bleibt an dieser Tatsache, dass die Anhängerschaft im Wasserstoff-Investment-Sektor scheinbar auch bei fragwürdigen Geschäftsmodellen an Board bleibt. Nach dem Skandal um ein manipuliertes LKW-Video mit angeblichem Wasserstoffantrieb, ist die Aktie in Ungnade gefallen und verlor seit Mitte 2020 über 75% seines Wertes. Immerhin kann sich der Kurs nun im Bereich 15-30 USD stabilisieren, das Hoch erreichte der Wert bei Emission im Juni 2020 mit ganzen 70 USD und einer durchgerechneten Kapitalisierung von 25 Mrd. USD. Der Gründer und Chef des Unternehmens, Trevor Milton, ist nach den Querelen bereits im September 2020 zurückgetreten.

Bislang blieben die Verlautbarungen des Unternehmens weitgehend Theorie, auf die Straße brachte Nikola noch kein einziges fertiges Modell seiner Öko-Lastwagen. Dennoch schloss Nikola strategische Partnerschaften nicht nur mit Bosch, sondern auch mit dem italienischen Nutzfahrzeughersteller CNH Industrial und seit Anfang September auch mit General Motors. Gemeinsam mit GM etwa plante Nikola, den elektrischen Pick-up „Nikola Badger“ alsbald auf den Asphalt zu bringen. GM sollte dafür eine Beteiligung an Nikola im Wert von 2 Mrd. USD erhalten. Eine zusätzliche Beteiligung in gleicher Höhe sollte hinzukommen, sobald GM das Modell in seinen Fabriken tatsächlich herstellt sowie Batterien und Brennstoffzellen liefert. Bevor es dazu kommen konnte, wurden jedoch Betrugsvorwürfe laut und GM trat von seiner Zusage zurück.

Nun gibt es ein Research-Haus Wedbush, das scheinbar wieder Vertrauen in Nikola gefasst hat. Der Wedbush-Analyst Daniel Ives glaubt, dass Nikolas EV- und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Ambitionen im Semi-Truck-Markt erreichbar sind. Noch befinden sich auch 900 Mio. USD in der Kasse. Letztlich kommt es nun auf die firmeneigene Burnrate an, wie lang das Geld für weitere Entwicklungen reichen wird. Große Kapitalerhöhungen sollte Nikola derzeit nicht bewerkstelligen können. Zahlen liefert Nikola übrigens am 25. Februar nach Börsenschluss. Das dürfte spannend werden!


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Lexikon:

  1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
  2. Bank – Das Kreditwesengesetz (KWG) regelt in Deutschland die erlaubten Geschäfte einer Bank.
  3. Kapitalerhöhung – Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens
  4. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.
  5. Wasserstoff – Technologie zur Nachrüstung von Diesel-Motoren für saubere Verbrennung und Senkung von Abgasemissionen

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