Menü schließen




15.02.2021 | 04:50

Enapter, Ballard Power, Plug Power, Nikola – Die unendliche Wasserstoff-Story!

  • Wasserstoff
Bildquelle: Enapter AG

Prinzipiell könnte Wasserstoff unseren gesamten Energiebedarf decken und chemisch viele fossile Kohlenstoffe ersetzen. Als klimaneutraler Treibstoff für Stromversorgung und Mobilität, genutzt in Fertigungsprozessen der Stahl- oder Chemieindustrie, als Brennstoff für die Wärmeversorgung oder als Speichermedium für grünen Strom. Das alles kann das Element mit der geringsten Atommasse leisten, nur das Universum spielt der Menschheit einen Streich. Denn das am häufigsten vorkommende Atom im Weltall ist ausgerechnet auf unserem Heimatplaneten in purer Form quasi nicht vorhanden. Also muss man es "herstellen". Beispielsweise durch Elektrolyse: Mit Strom zerlegt man dabei Wasser in die Elemente Wasserstoff und Sauerstoff. Die Enapter AG kann das…!

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DE000A255G02 , CA0585861085 , US72919P2020 , US6541101050

Hole Dir die spannenden Kommentare direkt als Newsletter per E-Mail.

Jetzt kostenlos abonnieren

Inhaltsverzeichnis:


    Enapter AG – Mit Vollgas Richtung Massenfertigung

    Die Enapter AG baut den ersten modularen Elektrolyseur, der fossile Brennstoffe durch grünen Wasserstoff ersetzt. Mit ihm wird die Herstellung von Wasserstoff ein universell einsetzbares und erschwingliches Produkt. Wasserstoff ist die Zukunft für viele Anwendungen, die zentral oder dezentrale Energieversorgung benötigen. Enapters patentierter Anionen-Austauschmembran-Elektrolyseur (AEM) ist ein standardisiertes, skalierbares sowie äußerst flexibles Produkt zur Wasserstoffproduktion. Voll modular besticht das Gerät durch eine einmalige Softwareintegration. Konfigurierbar ist das System in Minuten, alles ist aus der Ferne steuerbar – perfekt für Remote-Anwendungen in schwierig erreichbaren Zonen der Erde.

    Am Freitag veröffentlichte das Unternehmen seine 2020er Zahlen. Nach den vorläufigen Pro Forma Zahlen geht Enapter von einem Gruppen-Umsatz von rund 2,1 Mio. EUR aus, was rund 0,7 Mio. EUR unter den geplanten Umsatzzahlen liegt, die für die indikative Unternehmensbewertung im Rahmen der Sachkapitalerhöhung herangezogen wurden. Das Pro Forma EBITDA beträgt gemäß den vorläufigen Zahlen rund -2,9 Mio. EUR, geplant waren rund -5,1 Mio. EUR. Die erreichten Umsatzzahlen wurden im Wesentlichen von covidbedingten Lieferketten-Unterbrechungen in Italien beeinträchtigt. Zusammen mit den aktuell akquirierten Aufträgen von rund 2,6 Mio. EUR und unter Berücksichtigung der Auslieferungen, beträgt der aktuelle Auftragsbestand für 2021 rund 4,6 Mio. EUR. Ein operativer Break-Even wird nach Anlaufen der Massenfertigung der Elektrolyseure am Fabrikationsstandort "Enapter Campus" in Saerbeck für das Jahr 2023 erwartet.

    Die Enapter-Aktie stieg in 2020 von 2 auf 64 EUR und war damit einer der besten Aktien am deutschen Börsenhimmel. Seit dem Jahr 2021 konsolidiert der Wert zwischen 15 und 42 EUR. Da Wasserstoff an der Börse nur mit zukünftigen Chancen bewertetet wird, macht ein Blick auf die aktuellen Zahlen wenig Sinn. Es zählt eher der Wettlauf der Produzenten nach den ersten H2-Massenanwendungen, die in unser tägliches Leben Einzug haben werden. Bis dahin wird Phantasie gehandelt und das kann für Enapter viele weitere Anstiege mit sich bringen, denn Wasserstoff-Aktien sind ein klares Hype-Thema!

    Ballard Power – Jetzt Geld einsammeln!

    Das ISI Fraunhofer-Institut rechnet für das Jahr 2050 mit einer Wasserstoff-Nachfrage für Deutschland von umgerechnet 800 Terawattstunden (TWh). Das bedeutet einen Strombedarf von über 1.000 TWh "grünen" Stroms für vorgelagerte Produktionsprozesse. Das wäre das Vierfache dessen, was 2019 aus erneuerbaren Energien hierzulande insgesamt gewonnen wurde. Damit stellt sich heute die Frage, ob die Produktion von „grünem Wasserstoff“ überhaupt möglich ist, denn der grüne Anteil am Energiemix erreicht in Deutschland bereits jetzt Werte von über 40%.

    Der kanadische Brennstoffzellen-Entwickler Ballard Power Inc. hat eine weitere Kapitalerhöhung über neue Stammaktien mit einem dreistelligen Millionen-USD Volumen abgeschlossen. Begeben werden 14.870.000 Stammaktien mit einem Gegenwert von 550 Mio. USD, die Nachfrage der Anleger überstieg das Angebot um das 4-fache. Ballard Power Systems beabsichtigt, den Nettoerlös aus dem Angebot zur weiteren Stärkung der Bilanz zu verwenden und dadurch zusätzliche Flexibilität für die Finanzierung seiner Wachstumsstrategie zu schaffen. Gemeint sind insbesondere Investitionen in Produktinnovationen, dem Ausbau der Produktionskapazitäten, ergänzende Akquisitionen sowie auch strategische Partnerschaften.

    Die Ballard-Aktie kann eine 12-Monats-Performance von 183% vorweisen, damit hat sie sich im Vergleich zu anderen H2-Titeln „etwas schlechter“ entwickelt. Seit einer Woche läuft nun eine Korrektur, die das Niveau bislang um 10% abgesenkt hat.

    Plug Power – Morgan Stanley investiert 2 Mrd. USD

    Neben Ballard Power hat zuletzt auch Plug Power Inc. frisches Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien eingesammelt. Wie der US-Brennstoffzellenhersteller und seine Konsortialbank Morgan Stanley mitteilten, wurden bei diesem Deal ein neuer Branchen-Rekord aufgestellt. Während Ballard Power durch einen sogenannten Bought-Deal bis zu 630 Mio. USD einsammeln könnte, hat Plug Power selbiges Kunststück zuvor bereits mit einer Summe von 2 Mrd. USD vollzogen.

    Bei dieser Art von Geschäft handelt es sich um einen Vertrag zwischen einer Investmentbank und einem Emittenten. Dabei verpflichtet sich die Bank, alle Wertpapiere im Rahmen einer Kapitalerhöhung oder eines Börsengangs abzunehmen, noch bevor diese öffentlich zum Kauf angeboten wurden. Die Bank geht in diesem Fall also tatsächlich "Long", da sie die Wertpapiere zuvor gegen eigenes Geld selbst erwerben muss.

    Im Fall von Plug Power hatte sich Morgan Stanley als einzige Bank an der Kapitalmaßnahme beteiligt und dabei 32,2 Mio. Aktien plus 4,2 Mio. Optionen zu einem Preis von 65 USD erworben. Plug Power flossen dadurch finanzielle Mittel in Höhe von rund 2 Mrd. USD netto zu. Möchte Morgan Stanley mit diesem Geschäft Geld verdienen, muss der Kurs nachhaltig über 65 USD steigen. Bislang konsolidiert die Aktie auf hohem Niveau zwischen 58 und 63 USD. Für Plug Power ist der Geldsegen jedoch ein Steilpass: Mit der prall gefüllten Kasse kann die Produktentwicklung für Wasserstoff-Anwendungen nun ordentlich vorangetrieben werden.

    Nikola – Wann kehrt das Vertrauen zurück?

    Nikola versucht, seine verloren gegangene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, ohne bislang einen tragfähigen Geschäftsplan zu haben. Faszinierend bleibt an dieser Tatsache, dass die Anhängerschaft im Wasserstoff-Investment-Sektor scheinbar auch bei fragwürdigen Geschäftsmodellen an Board bleibt. Nach dem Skandal um ein manipuliertes LKW-Video mit angeblichem Wasserstoffantrieb, ist die Aktie in Ungnade gefallen und verlor seit Mitte 2020 über 75% seines Wertes. Immerhin kann sich der Kurs nun im Bereich 15-30 USD stabilisieren, das Hoch erreichte der Wert bei Emission im Juni 2020 mit ganzen 70 USD und einer durchgerechneten Kapitalisierung von 25 Mrd. USD. Der Gründer und Chef des Unternehmens, Trevor Milton, ist nach den Querelen bereits im September 2020 zurückgetreten.

    Bislang blieben die Verlautbarungen des Unternehmens weitgehend Theorie, auf die Straße brachte Nikola noch kein einziges fertiges Modell seiner Öko-Lastwagen. Dennoch schloss Nikola strategische Partnerschaften nicht nur mit Bosch, sondern auch mit dem italienischen Nutzfahrzeughersteller CNH Industrial und seit Anfang September auch mit General Motors. Gemeinsam mit GM etwa plante Nikola, den elektrischen Pick-up „Nikola Badger“ alsbald auf den Asphalt zu bringen. GM sollte dafür eine Beteiligung an Nikola im Wert von 2 Mrd. USD erhalten. Eine zusätzliche Beteiligung in gleicher Höhe sollte hinzukommen, sobald GM das Modell in seinen Fabriken tatsächlich herstellt sowie Batterien und Brennstoffzellen liefert. Bevor es dazu kommen konnte, wurden jedoch Betrugsvorwürfe laut und GM trat von seiner Zusage zurück.

    Nun gibt es ein Research-Haus Wedbush, das scheinbar wieder Vertrauen in Nikola gefasst hat. Der Wedbush-Analyst Daniel Ives glaubt, dass Nikolas EV- und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Ambitionen im Semi-Truck-Markt erreichbar sind. Noch befinden sich auch 900 Mio. USD in der Kasse. Letztlich kommt es nun auf die firmeneigene Burnrate an, wie lang das Geld für weitere Entwicklungen reichen wird. Große Kapitalerhöhungen sollte Nikola derzeit nicht bewerkstelligen können. Zahlen liefert Nikola übrigens am 25. Februar nach Börsenschluss. Das dürfte spannend werden!


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.

    Die Apaton Finance GmbH behält sich im Übrigen vor, künftig entgeltliche Auftragsbeziehungen mit dem Unternehmen oder mit Dritten in Bezug auf Berichte zu dem Unternehmen, über die im Rahmen des Internetangebots der Apaton Finance GmbH sowie in den sozialen Medien, auf Partnerseiten oder in Emailaussendungen berichtet wird einzugehen. Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.kapitalerhoehungen.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Armin Schulz vom 03.08.2026 | 05:30

    Wasserstoff-Realität 2026: Nel ASA und A.H.T. Syngas liefern während sich BP zurückzieht

    • Nel ASA
    • A.H.T. Syngas Technology
    • BP
    • Elektrolyseure
    • grüner Wasserstoff
    • Synthesegas
    • Biomasse
    • Holzreste
    • Wasserstoff
    • Öl
    • Gas
    • Erneuerbare Energien

    Die Wasserstoff-Industrialisierung steuert auf ihren entscheidenden Wendepunkt zu. Während die großen Ölmultis ihre grünen Milliardenprojekte überraschend kappen, bleibt die Nachfrage nach sauberer Energie ungebrochen. Investoren müssen umdenken. Die Zukunft der Energie wird nicht von den ehemaligen Vorreitern, sondern von spezialisierten Technologiefirmen und Nischenplayern bestimmt, die nun die sich bietende Chance ergreifen wollen. Wir greifen diese Konstellation auf und sehen uns Nel ASA als Pionier der Elektrolyse-Technik, A.H.T. Syngas als kreativen Nischenanbieter für dezentrale Wasserstofflösungen und BP als den zurückrudernden Energieriesen genauer an.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Nico Popp vom 30.07.2026 | 05:00

    Wasserstoff-Wahnsinn: Wie sich NEL und Plug Power gesund schrumpfen – dynaCERT in spannender Phase

    • Wasserstoff
    • Umrüstkits
    • Industrie
    • Logistik
    • Bergbau

    Wenn schwere LKW und riesige Maschinen in Tagebau-Minen stundenlang unter Volllast laufen, verbrennen sie Unmengen an fossilem Treibstoff. Während Energiesektor und Industrie den Umbau zu sauberen Alternativen gemessen an der medialen Berichterstattung durchaus vorantreiben, bremsen die erschwerten Bedingungen im Bergbau sowie hohe Zinsen und die unsichere Wirtschaftslage viele ambitionierte Klimaprojekte in der Wirtschaft noch immer aus. Wer in dieser Phase nicht im großen Stil investieren kann oder will, sucht nach Übergangslösungen, die Kosten senken und Emissionen zumindest teilweise senken. Wir stellen drei spannende Unternehmen rund um diese Thematik vor.

    Zum Kommentar

    Kommentar von André Will-Laudien vom 23.07.2026 | 04:00

    Jetzt wird es heiß! Enttäuschung bei Nel ASA, können A.H.T. Syngas, E.ON und ITM Power überzeugen?

    • Energiewende
    • GreenTech
    • HighTech
    • Stromnetze
    • Gaserzeugung
    • Wasserstoff

    Es ist wieder Earnings-Season! Wie jedes Jahr ab Mitte Juli berichten die börsennotierten Unternehmen über das zurückliegende Quartal. Da herrscht viel Bewegung, vor allem bei den vielbeachteten Technologie-Titeln, die in den letzten Wochen teils herbe Kurs-Schlappen erleiden mussten. Nel ASA hat zu Q2 schon berichtet und bestätigte die schwierige Lage im Wasserstoffgeschäft mit einem erneuten Umsatzrückgang, aber immerhin steigenden Auftragseingängen. Weil die Klima- und Energiewende bei knapp 40 Grad Sommertemperaturen wieder in den Vordergrund rückt, blicken wir auch auf die Mitstreiter im Energie-Sektor. A.H.T. Syngas wächst weiter in Polen, ITM Power sichert sich weitere EU-Gelder und E.ON kauft in Großbritannien zu. Das Übernahme-Karussell ist also wieder am Laufen, Investoren sollten trotz Hitze weiter Gewehr bei Fuß stehen!

    Zum Kommentar