25.08.2026 | 05:00
Lahontan Gold, Agnico Eagle, Wheaton Precious Metals: Drei spannende Hotstocks für die laufende Goldpreisrally
Gold meldet sich mit Wucht zurück. Der Preis für eine Feinunze sprang in der vergangenen Woche um mehr als 5 % und notiert inzwischen bei fast 4.700 USD. Ein schwächerer US-Dollar und sinkende Renditen langlaufender US-Staatsanleihen gaben den Anstoß. Zweifel an der Tragfähigkeit hoher Staatsschulden, geopolitische Risiken und die Käufe vieler Notenbanken verleihen der Rally jedoch ein strukturelles Fundament. Laut World Gold Council erwarten 89 % der befragten Zentralbanken steigende globale Goldreserven; 45 % wollen die eigenen Bestände ausbauen. Das Angebot reagiert dagegen träge. Von der Entdeckung eines Vorkommens bis zum Produktionsstart können zehn bis 15 Jahre vergehen. Für Minenaktien wirkt ein höherer Goldpreis wie ein Gewinnbeschleuniger: Die Kosten verändern sich kurzfristig langsamer als der Verkaufspreis, die Marge wächst überproportional. Drei Aktien eröffnen unterschiedliche Zugänge - Lahontan Gold als spekulativer Projektentwickler, Agnico Eagle als Produzent und Wheaton Precious Metals als Streaming-Spezialist. Wir stellen die Gold-Hotstocks näher vor.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
LAHONTAN GOLD CORP | CA50732M1014 | TSXV: LG , OTCQB: LGCXF , AGNICO EAGLE MINES LTD. | CA0084741085 , WHEATON PREC. METALS | CA9628791027
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Lahontan Gold: Alte Mine, neue Börsenstory
Das größte Überraschungspotenzial bietet Lahontan Gold. Im Mittelpunkt des auf Nevada fokussierten Entwicklers steht die 28,3 Quadratkilometer große Santa-Fe-Liegenschaft in der Walker Lane. Von 1988 bis 1995 wurden dort bereits 359.202 Unzen Gold und 702.067 Unzen Silber gewonnen. Straßen und Stromanschluss sind vorhanden. Ein solcher Brownfield-Neustart kann schneller und günstiger gelingen als ein Projekt auf der grünen Wiese.
Mitte August lieferte Lahontan den bislang wichtigsten Baustein für eine Neubewertung. Die aktualisierte Schätzung weist 1,195 Mio. Goldäquivalent-Unzen in der höherwertigen Kategorie „indicated“ sowie 1,190 Mio. Unzen „inferred“ aus. Insgesamt 2,385 Mio. Unzen bedeuten einen Zuwachs um 435.000 Unzen oder 22 %. Die Durchschnittsgehalte liegen bei 0,78 beziehungsweise 0,61 Gramm je Tonne.
Die eigentliche Santa-Fe-Lagerstätte wuchs um mehr als 26 %, die flach liegenden Oxidvorkommen Slab und York sogar um über 37 %. Das ist wichtig, weil sich Oxiderz meist kostengünstig per Haufenlaugung verarbeiten lässt; eine teure klassische Mühle ist nicht erforderlich. Die Schätzung basiert auf 3.200 USD je Unze Gold und 40 USD für Silber. Beim aktuellen Goldpreis besteht somit ein ordentlicher Puffer. Ressourcen sind zwar noch keine Reserven. Die Chance, dass der nächste Minenplan mehr wirtschaftlich nutzbare Unzen enthält, ist aber gestiegen.
Damit rückt die aktualisierte vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie, kurz PEA, in den Mittelpunkt. Sie soll auf der größeren Ressource aufbauen und zunächst Tagebau und Haufenlaugung der Oxiderze vorsehen. Später könnten höhergradige Sulfiderze hinzukommen, für die derzeit metallurgische Tests laufen.
Die erste vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie (PEA) aus dem Jahr 2024 lieferte bereits robuste Eckdaten. Bei einem Goldpreis von 1.950 USD je Unze errechnete Lahontan einen Kapitalwert nach Steuern von 200 Mio. USD und eine interne Verzinsung von 34,2 %. Die anfänglichen Investitionen wurden auf 135 Mio. USD veranschlagt. Gemessen am aktuellen Goldpreis sind die damaligen Annahmen längst überholt. Die für Ende August angekündigte neue PEA soll aktuelle Bohrdaten, Metallpreise und metallurgische Erkenntnisse berücksichtigen.
Bei einem Goldpreis von rund 4.000 USD je Unze taxierte Firmenchefin Kimberly Ann den Projektwert dort auf rund 472 Mio. USD nach Steuern mit einer Rendite (IRR = Internal Rate of Return) von stattlichen 66,6 %. Das bedeutet, dass sich das investierte Kapital bereits nach weniger als zwei Jahren amortisieren würde. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert von Lahontan liegt bei gut 122 Mio. USD oder umgerechnet rund 170 Mio. CAD. Aktuell notiert der Goldpreis fast 20 % höher bei 4.650 USD. Und je höher der Goldpreis steigt, desto stärker wächst der Hebel. Mittelfristig könnte der Goldpreis wieder das Rekordhoch bei über 5.000 USD ins Visier nehmen. Die Kosten steigen indes nicht eins zu eins mit dem Goldpreis. Zusätzliche Erlöse schlagen deshalb überproportional auf die Projektwirtschaftlichkeit durch.
Fantasie steckt zudem in 4 historischen Laugungshalden, auf denen einst rund 16 Mio. Tonnen Material verarbeitet wurden. Lahontan hat dort fast 100 Bohrungen abgeschlossen. Erste Resultate aus einer als niedriggradig eingestuften Halde überraschten: Drei Bohrungen kamen im Schnitt auf 2,3 Gramm Goldäquivalent je Tonne; ein Abschnitt über 9,9 Meter enthielt 2,40 Gramm Gold und 50,7 Gramm Silber je Tonne. Das bereits abgebaute Material ist leicht zugänglich. Bestätigen weitere Proben ausreichende Mengen und Gewinnungsraten, könnte es günstiges Futter für eine künftige Anlage liefern.
Auch der Bohrer liefert Argumente. Bei Calvada East traf Lahontan auf 12,2 Meter mit 1,25 Gramm Gold je Tonne im Oxidbereich. West Santa Fe, 13 Kilometer entfernt, brachte zuvor 37 Meter mit 3,11 Gramm Goldäquivalent je Tonne ab der Oberfläche, darunter 11 Meter mit 5,75 Gramm. Bis Jahresende ist dort eine erste Ressourcenschätzung geplant. Das Vorkommen könnte später zusätzliches Erz für Santa Fe liefern.
Parallel laufen Umweltstudien und die Planung der Tagebaue, Halden und Aufbereitung. Bohrungen zur Grundwassermodellierung erreichten den Wasserspiegel nicht, was die Genehmigung erleichtern könnte. Ende März lagen knapp 12 Mio. USD in der Kasse; anschließend flossen aus einer Platzierung sowie aus Optionen und Warrants fast 3 Mio. USD zu. Das reicht zunächst für Bohrungen, Studien und Genehmigungen.
Da sich Lahontan Gold derzeit am Übergang vom Explorer zum Entwickler befindet, gilt die Aktie zudem als potenzieller Übernahmekandidat. Denn wiederbelebbare Projekte wie die Santa-Fe-Mine mit vorhandener Infrastruktur und fortgeschrittener Entwicklung sind selten und begehrt und stehen im Visier großer Minenkonzerne. Newmont oder Barrick Mining suchen händeringend nach neuen Projekten, und Lahontan sitzt in einem der attraktivsten Golddistrikte der Welt. Das verleiht der Aktie zusätzliche Kursfantasie.
An der Börse ist Lahontan mit rund 173 Mio. CAD bewertet und damit kein ganh kleiner Wert mehr. Die größere Ressource, das PEA-Update, weitere Haldenergebnisse und die erste Ressource für West Santa Fe liefern jedoch gleich mehrere Kurstreiber. Bestätigt die Studie die Wirtschaftlichkeit und bleibt der Zeitplan intakt, ist eine weitere Neubewertung möglich. Wegen des generellen Finanzierungs- und Projektrisikos ist der Titel eine spekulative Depotbeimischung.
Agnico Eagle: Goldriese mit prall gefüllter Kasse
Wer bei Goldminen nicht auf die nächste Entdeckung wetten will, kommt an Agnico Eagle Mines kaum vorbei. Mit knapp 3,4 Mio. geförderten Unzen war der kanadische Konzern 2025 der zweitgrößte Goldproduzent der Welt. Rund 86 % des Umsatzes entfielen auf Kanada, der Rest auf Finnland, Australien und Mexiko. Politische Abenteuer gehören damit nicht zum Geschäftsmodell.
Nach der Fusion mit Kirkland Lake Gold und dem Komplettzugriff auf Canadian Malartic richtet sich der Blick nun auf Finnland. Im zweiten Quartal übernahm Agnico Rupert Resources, Aurion Resources und den bislang von B2Gold gehaltenen 70-%-Anteil am Fingold-Joint-Venture. Damit kontrolliert der Konzern ein zusammenhängendes Areal von 2.492 Quadratkilometern. Herzstück ist das Entwicklungsprojekt Ikkari mit Reserven von 3,5 Mio. Unzen bei 2,1 Gramm Gold je Tonne. Zusammen mit der bestehenden Kittilä-Infrastruktur soll daraus binnen zehn Jahren ein Produktionszentrum mit rund 500.000 Unzen Jahresleistung entstehen. Agnico beziffert die möglichen Synergien auf bis zu 500 Mio. CAD.
Auch in Kanada steckt Wachstum. Detour Lake produzierte 2025 rund 693.000 Unzen und soll durch höhere Mühlenleistung und Untertagebau bis 2030 in Richtung einer Mio. Unzen kommen. Insgesamt will Agnico die Förderung im kommenden Jahrzehnt um 20 bis 30 % steigern und Anfang der 2030er-Jahre mehr als vier Mio. Unzen erreichen.
Kurzfristig verteuert sich die Produktion. Im ersten Halbjahr sank die Fördermenge um 3,4 % auf 1,68 Mio. Unzen, während die All-in Sustaining Costs um knapp 20 % auf 1.471 USD je Unze stiegen. Der Goldpreis machte das mehr als wett: Der Nettogewinn sprang von 1,88 auf 3,30 Mrd. USD, der freie Cashflow erreichte 2,07 Mrd. USD. Ende Juni verfügte Agnico über 3,46 Mrd. USD liquide Mittel und 3,27 Mrd. USD Nettocash. Dividenden und Aktienrückkäufe summierten sich allein im zweiten Quartal auf 625 Mio. USD.
Für 2026 erwartet der Konsens 6,42 Mrd. USD Nettogewinn und 5,17 Mrd. USD freien operativen Cashflow. Mit einem erwarteten KGV von rund 17 ist die Aktie allerdings kein Schnäppchen mehr. Auch das durchschnittliche Kursziel der Analysten von 316,31 CAD bietet aktuell nicht mehr so viel Luft nach oben. 13 Analysten raten aktuell dennoch zum Kauf des Titels, nur drei Experten empfehlen das Halten von Beständen. Die Qualität des Explorers steht außer Frage, ein guter Teil davon steckt inzwischen aber bereits im Kurs. Agnico Eagle bleibt damit ein erstklassiger Hebel auf einen dauerhaft hohen Goldpreis – Rücksetzer sind für einen Einstieg reizvoller als der jüngsten Preisrally blind hinterher zu laufen.
Wheaton Precious Metals: Goldhebel ohne Förderrisiko
Gold aus dem Boden holen andere. Wheaton Precious Metals stellt Minengesellschaften Kapital zur Verfügung und sichert sich dafür einen Teil der späteren Gold- oder Silberproduktion zu vorab festgelegten, meist sehr niedrigen Preisen. Steigen Löhne, Diesel- oder Baukosten, trifft das zunächst den Betreiber. Klettern die Edelmetallpreise, landet dagegen ein großer Teil des Aufschlags in Wheatons Marge. Verzögerungen oder politische Probleme bei den Partnerminen können auch Wheaton treffen, das direkte Kostenrisiko ist aber geringer als bei einem Produzenten.
Wie kräftig der Hebel wirkt, zeigte das zweite Quartal. Der Umsatz sprang um knapp 85 % auf den Rekordwert von 929 Mio. USD, der Nettogewinn um 86 % auf 543 Mio. USD und der operative Cashflow um 57 % auf 650 Mio. USD. Obwohl sich die Barkosten je verkaufter Goldäquivalenzunze von 406 auf 568 USD erhöhten, weitete sich die operative Bargewinnspanne um 65 % auf 3.875 USD aus. Der Analystenkonsens sieht die operative Marge bei gut 68 %.
Wachstum bringt vor allem Antamina in Peru. Im April erwarb Wheaton für 4,3 Mrd. USD von BHP zusätzliche Silberlieferrechte und verdoppelte seinen Anteil von 33,75 auf 67,5 %. Im zweiten Quartal kamen bereits 52 % des Umsatzes aus Silber und 46 % aus Gold. Wheaton ist daher keine reine Goldaktie, sondern eine margenstarke Wette auf beide Edelmetalle.
Der Deal erhöhte die Nettoverschuldung Ende Juni auf rund 1,9 Mrd. USD. Dank hoher Cashflows erscheint das beherrschbar. Für 2026 stellt Wheaton 860.000 bis 940.000 Goldäquivalenzunzen in Aussicht, bis 2030 sollen es etwa 1,2 Mio. werden.
Billig ist diese Qualität aber nicht mehr zu haben. Das 2027er KGV liegt bei gut 30. Dennoch raten alle 12 Analysten, die das Papier covern, zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von 254 CAD eröffnet derzeit noch rund 17 % Potenzial nach oben. Wer den Edelmetallhebel eines Minenbetreibers sucht, dessen unmittelbare Förderrisiken aber vermeiden will, findet in Wheaton eine der besten Branchenadressen.
Fazit: Drei Wege durch den Goldrausch
Agnico Eagle ist die solide Basisposition, Wheaton der margenstarke Gold- und Silberhebel. Das größte Kurspotenzial bietet indes Lahontan. Das PEA-Update muss dort zeigen, ob aus der Nevada-Geschichte ein belastbarer Minenplan wird. Erfüllt sich diese Hoffnung, bleibt die Aktie für risikobereite Anleger die spannendste Gold-Spekulation des Trios.
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