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20.12.2021 | 05:10

Nikola, Clean Logistics, Plug Power – Drastische Maßnahmen erforderlich

  • Wasserstoff
Bildquelle: pixabay.com

Bereits Mitte dieses Jahres hat Deutschland seine Klimaziele angehoben und verbindliche Emissionsziele für die Jahre bis 2045, dem Zieljahr für die Klimaneutralität, beschlossen. Der größte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland ist neben der Energiewirtschaft und der Industrie der Verkehrssektor. Jedoch ist dies der einzige Bereich, der in den vergangenen Jahrzehnten seine Treibhausgasemissionen nicht mindern konnte. Rund 35% des CO2-Ausstoßes tragen Nutzfahrzeuge bei. Gerade hier ist schnelles und klares Handeln gefragt, damit die rosaroten Pläne auch in die Tat umgesetzt werden. Besonders kleinere Unternehmen überbieten die großen Konzerne im Knowhow hier bei Weitem.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Clean Logistics SE | DE000A1YDAZ7 , NIKOLA CORP. | US6541101050 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

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Inhaltsverzeichnis:


    Clean Logistics drückt aufs Gas

    Im Gegensatz zur PKW-Branche, die aktuell im Großen und Ganzen auf mit Batterie betriebene Fahrzeuge setzt, gilt bei schweren Fahrzeugen wie LKW der Schwerpunkt der Forschung auf mit Wasserstoff betriebene Motoren, da eine größere Reichweite als auch eine kürzere Ladezeit gewährleistet ist. Dabei ist der Markt riesig. Allein in der Bundesrepublik müssten bis zum Jahr 2030 ca. 250.000 der ca. 340.000 zugelassenen LKW klimaneutral sein, sofern die Logistikbranche die gesetzlichen CO2-Reduktionsziele erreichen will, in Europa sind es 2,3 Mio. Einheiten.

    Der CEO von Clean Logistics, Dirk Graszt, erkannte dieses Problem frühzeitig und bemerkte zudem, dass die großen Konzerne nicht dazu in der Lage sind, die nötigen Veränderungen einzuleiten. Durch die jahrzehntelange Erfahrung in der Logistikbranche trat er 2018 mit Mitgründer Dirk Lehmann, einem Ingenieur und Spezialisten für alternative Antriebe an, den Güterverkehr zu revolutionieren.

    Alles muss raus

    Die Lösung klingt einfach. So sollen herkömmliche 40-Tonnen-Diesel-LKW und -Busse des öffentlichen Nahverkehrs auf einen emissionsneutralen Wasserstoffantrieb umgerüstet werden. Bei der Konvertierung wird dabei alles ausgebaut, was fossil ist und durch Brennstoffzellen, Wasserstofftanks, Batterien, Elektromotoren und ein selbst entwickeltes Steuerungsmodul, das alles miteinander verbindet, ersetzt. Dabei kommt die vom Unternehmen erprobte und modular aufgebaute Konvertierungstechnologie zum Einsatz.
    Dass das System funktioniert, konnte Clean Logistics bereits nachweisen. So wurden zwei Busse für die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft konvertiert. Die Prototypen für einen Sattelzug sind aktuell in Kooperation mit dem TÜV in der finalen Entwicklung und sollen bereits 2022 getestet werden.

    Zeichen stehen auf Expansion

    Um die Kapazitäten zu erweitern, wurde mit der Stadt Winsen an der Luhe eine verbindliche Absichtserklärung für den Kauf einer Gewerbeliegenschaft abgeschlossen, auf dem die Gesellschaft den Bau einer neuen Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 10.000 Quadratmetern plant. Auch personell wird die Qualität deutlich erweitert. Ab Beginn des nächsten Jahres wird das Board mit drei Führungskräften in den Bereichen Operations, Technology und Business Development deutlich ausgebaut.
    Clean Logistics hat im Gegensatz zu mehreren Branchenkollegen aus Übersee bereits geliefert. Dabei ist die Marktkapitalisierung von knapp 95 Mio. EUR noch überschaubar. Je näher die Klimaziele rücken, desto interessanter dürfte das Unternehmen zudem für größere Konzerne werden.

    Nikola liefert

    Kommt es beim Spezialisten für die Entwicklung und Produktion von Hybrid-Trucks doch noch zu einem Happy End? Die Vorgeschichte des durch einen Spac an die Börse gekommenen Unternehmen Nikola dürfte so langsam jedem bekannt sein. Ein Ex-CEO und Gründer, der durch Fake-Videos von fahrenden Prototypen bekannt wurde und inzwischen wegen Betrug verurteilt wurde, der Rückzug von Kooperationspartnern und andauernde Verzögerungen im Zeitplan, die hunderte Mio. Anlegergelder verschlungen haben.

    Bei unglaublichen 93,90 USD stand Nikola kurz nach seinem Börsendebüt im Juni 2020, danach folgte ein Absturz unter die Marke von 8,90 USD am vergangenen Freitag, was ein neues Jahrestief bedeutete. Punktgenau veröffentlichte Nikola dann jedoch eine Meldung, die berechtigte Hoffnung auf einen Rebound verleihen könnte. Das Unternehmen lieferte den ersten von 100 geplanten Tre-Batterie (BEV)-Pilotfahrzeugen an Total Transportation Services, einem kalifornischen Hafen-Trucking-Unternehmen. Die Lieferung lag dabei im Zeitplan, die restlichen emissionsfreien LKW sollen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre Schritt für Schritt geliefert werden.

    Nach der Veröffentlichung zog die Aktie über 7% auf knapp 10 USD an. Aus charttechnischer Sicht könnte sich nach dem Juli-Tief ein doppelter Boden ausbilden. Das Investment bleibt spekulativ, eine Trading-Chance bis an die 200-Tage-Linie bei rund 12,80 USD ist durchaus gegeben.

    Linie durchbrochen

    Die 200-Tage-Linie nach unten durchbrochen hat Plug Power, ein führender Anbieter von Brennstoffzellen. Dadurch rückt als nächstes Ziel der breite Unterstützungsbereich bei 26,50 USD in den Mittelpunkt. Operativ konnten die US-Amerikaner eine Vereinbarung für die Produktion von Brennstoffzellen-Bussen mit dem südkoreanischen Unternehmen Edison Motors vermelden.

    Plug Power soll zunächst einen Prototyp eines mit Wasserstoff betriebenen Elektro-Stadtbus mit Brennstoffzellenantrieb entwickeln. Der 125-kW-ProGen-Brennstoffzellenmotor von Plug Power soll dabei die Elektrobus-Plattform von Edison Motors mit Strom versorgen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass der Prototyp des Brennstoffzellen-Elektrobusses in der zweiten Jahreshälfte 2022 fertiggestellt sein wird und in der ersten Jahreshälfte 2023 eine Plattform für den Massenmarkt zur Verfügung stehen wird. Zudem wollen die beiden Unternehmen in Zukunft bei zukünftigen Mobilitätsanwendungen wie Lastwagen, Drohnen oder Schiffen kooperieren.


    Die Klimaziele stehen in der Theorie. In der Praxis stehen die Beteiligten jedoch vor fast unlösbaren Aufgaben, um den Zeitplan umzusetzen. Im Transportverkehr, im Speziellen bei schweren Fahrzeugen, verfolgt Clean Logistics das Ziel, den Sektor zu dekarbonisieren. Nikola setzt ein Ausrufezeichen, bei Plug Power stehen die Zeichen auf Konsolidierung.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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