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21.09.2026 | 05:30

Novo Nordisk, BioNxt Solutions, Evotec – wenn aus Spritzen Tabletten werden, klingelt die Kasse

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Bildquelle: Pixabay

Die tägliche Spritze hat ihre besten Tage hinter sich. Biologika als Tablette zu schlucken galt lange als Utopie, seit diesem Jahr wird daraus ein Milliardengeschäft. Am 17. September 2026 gab Novo Nordisk eine Partnerschaft mit Orbis Medicines über bis zu 1,4 Mrd. USD bekannt, um Injektionen oral verfügbar zu machen. Im Februar sicherten sich die Dänen die Partnerschaft mit Vivtex über bis zu 2,1 Mrd. USD. Wer Peptide durch den Magen bringt, dem könnte die Branche die Tür einrennen. Wir sehen uns daher Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Evotec an, die den Trend vom Einkauf über die Technologie bis zur Entwicklung abdecken.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809

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Inhaltsverzeichnis:


    Novo Nordisk – die Abnehmpille ist das neue Zugpferd

    Seit Jahren gilt die Spritze als Standard bei Abnehmmedikamenten. Doch der Markt ändert sich gerade rapide. Die in diesem Jahr zugelassene Wegovy-Tablette spülte den Dänen im 2. Quartal rund 500 Mio. USD in die Kasse und war damit der stärkste US-Start, den man bei einem GLP-1-Präparat je hingelegt hat. Konkurrent Eli Lilly kam mit seiner Pille Foundayo seit dem Debüt im April auf lediglich 98 Mio. USD. Zusätzlich prüft man eine niedrig dosierte Variante in einer Studie mit 450 Patienten. Die Tablette senkt die Hemmschwelle.

    Am 17. September meldete das Kopenhagener Biotech Orbis Medicines eine Forschungsallianz mit Novo Nordisk im Volumen von bis zu 1,4 Mrd. USD. Im Kern geht es um orale Makrozyklen gegen kardiometabolische Erkrankungen, entwickelt auf einer KI-gestützten Plattform. Novo steigt zusätzlich als Investor ein und zahlt Vorab- sowie Meilensteinbeträge, dazu kommen gestaffelte Lizenzgebühren. Einen Tag zuvor hatte man eine Zusammenarbeit mit dem KI-Anbieter Anthropic verkündet, nach einem ähnlichen Schritt mit OpenAI Anfang des Jahres. Gelingt es damit, der Forschung auf die Sprünge zu helfen, könnte die Pipeline jenseits von Semaglutid breiter werden.

    Am 14. September hat der Konzern angekündigt, künftig nur noch Novo zu heißen, samt überarbeitetem Logo. Am 21. September will man in London die neue Strategie erläutern. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die jüngsten Rückschläge. Zwei späte Herzstudien mit Ziltivekimab wurden gestoppt, weil sich kein ausreichender Nutzen abzeichnete. Die Prognose hat man zuletzt zwar zweimal angehoben, beim bereinigten Umsatz stehen für 2026 aber weiter 0 bis minus 6 %. Immerhin empfahl der EMA-Ausschuss am 17. September die Zulassung des Hämophilie-Mittels Frehemgo.

    BioNxt Solutions – es geht voran

    Am 8. September 2026 hat BioNxt Solutions den Start einer vergleichenden pharmakokinetischen Studie in China gemeldet. Sechs Beagle erhalten im Crossover-Design zwei firmeneigene sublinguale Everolimus-Filme und ein oral verabreichtes 1-mg-Referenzprodukt, dazwischen liegen jeweils sieben Tage Auswaschphase. Everolimus ist in der Transplantationsmedizin gesetzt, hat aber einen engen therapeutischen Index. Eine fettreiche Mahlzeit drückt die Spitzenkonzentration um rund 60 %. Genau da will man mit dem Film unter der Zunge ansetzen. Laut Dienstleistungsvertrag soll das Testprogramm etwa zwei Monate nach Zahlungseingang abgeschlossen sein. Gelingt der Nachweis einer gleichmäßigeren Aufnahme, öffnet das die Tür zur Untersuchung am Menschen.

    Das Herzstück bleibt BNT23001, ein Cladribin-Schmelzfilm gegen schubförmige Multiple Sklerose. Am 19. August 2026 meldeten die Kanadier die Fertigstellung des Prüfpräparate-Dossiers, das derzeit die letzte technische Prüfung durchläuft, bevor es mit dem Antrag für die klinische Studie in Europa eingereicht wird. Vorher liefen bereits die GMP-Charge für die Studie und die lokalen Verträglichkeitstests durch. Geplant ist eine Bioäquivalenzstudie gegen Mavenclad an gesunden Probanden. Dazu kommen erteilte Patente in Europa und Eurasien, in den USA läuft die Anmeldung im beschleunigten Verfahren. Rund 45 % der MS-Patienten haben Schluckbeschwerden. Der Hebel ist klar.

    Die Finanzierung hat man im letzten Monat geklärt. Am 21. August verlängerte man sechs unbesicherte Wandelschuldverschreibungen über zusammen 5,475 Mio. USD zu 8 % Zinsen um jeweils ein Jahr, die neuen Fälligkeiten liegen nun zwischen November 2027 und März 2028. Bezahlt wurde das mit 16,9 Mio. Warrants, neues Fremdkapital kam nicht dazu. Der Rückzahlungsdruck ist damit erst einmal vom Tisch, und die Mittel bleiben dort, wo sie wirken sollen. Davon profitiert auch das dritte Programm. Der Semaglutid-Schmelzfilm ist bereits in der aktiven Formulierungsarbeit und bietet weiteres Potenzial. Gelingt die Umsetzung, hat man einen Fuß im GLP-1-Markt.

    Evotec – mit schwachem Halbjahr, aber mit Hoffnungsschimmer

    Wer ein Wirkstoffmolekül bis in die klinische Prüfung bringen will, braucht Labore, Prozessentwicklung und eine Produktion. Genau das verkauft Evotec. Die Hamburger forschen im Segment Drug Discovery & Preclinical Development für Pharma- und Biotechkunden, über die Tochter Just Evotec Biologics kommt die Antikörperfertigung dazu. Beim Thema Tablette steht der Konzern auf der Seite der Umsetzung. Für Niagen Bioscience übernimmt man die präklinischen Studien zum oralen Wirkstoffkandidaten NB4168, abgewickelt über die INDiGO-Plattform am Standort Verona. Eine eigene Technologie für orale Peptide besitzt Evotec allerdings nicht.

    Im ersten Halbjahr 2026 kam Evotec auf 300,1 Mio. EUR Umsatz. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 371,2 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA fiel auf minus 42,7 Mio. EUR, nach lediglich minus 1,9 Mio. EUR ein Jahr zuvor. Verschobene Meilensteinzahlungen und zähe Vertragsverhandlungen zwangen das Management im Juli zur Prognosekappung. Für 2026 erwartet man jetzt 570 bis 610 Mio. EUR Erlöse und ein bereinigtes EBITDA zwischen minus 70 und minus 105 Mio. EUR. Operativ steckt der Konzern im Tal der Tränen.

    Zuletzt gab es aber auch Fortschritte. Am 9. September 2026 startete Just Evotec Biologics die Phase-1-Studie mit JST-018, einem Antikörper-Cocktail gegen Orthopoxviren aus einem Auftrag des US-Verteidigungsministeriums. Beide Aufträge dieses Programms umfassen zusammen bis zu 123,9 Mio. USD. Das Sparprogramm Horizon soll bis Ende 2027 jährlich rund 75 Mio. EUR einbringen, 20 bis 30 % davon bereits 2026. Platzt bei den laufenden Partnerschaftsgesprächen der Knoten, kommen die verschobenen Erlöse 2027 an. Bleiben die Abschlüsse aus, verlängert sich die Verlustphase. Der Verlauf des Aktienkurses zeigt deutlich, dass das Unternehmen unter Druck steht.


    Der Trend von Spritze zu Tablette hat Blockbuster-Potenzial. Novo Nordisk zeigt mit Wegovy-Tablette und Orbis-Deal, wie schnell der Markt kippt, muss aber Pipeline-Lücken schließen. BioNxt Solutions überzeugt mit sublingualen Filmen, der fortgeschrittenen BNT23001-Pipeline, neuen Patenten und einer verlängerten Finanzierung. Evotec leidet unter einem schwachen Halbjahr und der Prognosesenkung, könnte aber mit dem neuen Auftrag zu JST-018 und dem Sparprogramm den Turnaround schaffen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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