30.04.2026 | 05:15
Abnehmspritze, Krebszellen-Stopp & Algorithmen-Power: Mit Novo Nordisk, Vidac Pharma und Evotec Potenzial ins Depot holen
Der Gesundheitsmarkt steht 2026 vor einem paradoxen Szenario. Öffentliche Kassen ächzen unter Rekordausgaben, während bahnbrechende Technologien die Medizin neu definieren. KI-gesteuerte Wirkstoffforschung und personalisierte Therapien versprechen Effizienzgewinne, doch regulatorische Hürden und Preiskämpfe lassen die Kurse schwanken. In dieser Gemengelage trennt sich die Spreu vom Weizen. Drei unterschiedliche Biotech-Strategien könnten jetzt den entscheidenden Vorsprung liefern. Novo Nordisk beherrscht den Massenmarkt für Stoffwechselkrankheiten, Vidac Pharma attackiert Krebs auf neuartige Weise und Evotec digitalisiert die gesamte Wirkstoffsuche.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Novo Nordisk - Abkühlung nach dem Höhenflug
Novo Nordisk steckt in einer schwierigen Phase. Der einstige Wachstumsriese kämpft mit rückläufigen Marktanteilen im GLP-1-Segment, insbesondere in den USA, wo Eli Lilly mit Zepbound und Mounjaro klar die Nase vorn hat. Hinzu kommen auslaufende Patente für Semaglutid in Schwellenländern wie Indien und China. Dort drängen Billiggenerika auf den Markt. Die eigene Umsatzprognose für 2026 fällt mit minus 5 - 13 % entsprechend düster aus. Operativ läuft es derzeit einfach nicht rund. Hinzu kommt ein massiver Margendruck durch Preissenkungen, zu denen Novo nicht zuletzt wegen der US-Regulierung gezwungen ist. Man sollte bedenken, dass der Konzern derzeit zu fast drei Vierteln von GLP-1 abhängig ist.
Ganz aufgegeben hat sich der Konzern aber nicht. Eine Phase-3a Studie mit oralem Semaglutid bei Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes lieferte zuletzt positive Daten, die Zulassungserweiterung ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Zudem erhielt der Kandidat Coramitug für eine seltene Herzmuskelerkrankung den Fast-Track-Status der FDA. Auch der orale Wegovy-Ableger ist in den USA gestartet. Die wöchentlichen Verschreibungen von Eli Lillys neuem Pillen-Konkurrenten Foundayo blieben in der ersten vollen Woche deutlich hinter denen von Novo Nordisk zurück. Positiv zu vermerken ist zudem, dass Semaglutid offenbar besser die Muskelmasse erhält als Tirzepatid, ein möglicher Differenzierungsvorteil. Die internationale Expansion außerhalb der USA läuft zudem mit einem Wachstumstempo, das fast doppelt so hoch ist wie im Heimatmarkt.
Auf der Habenseite stehen eine niedrige Bewertung und eine solide operative Cashflow-Rendite von etwa 11 %. Die Dividendenrendite liegt bei über 4 %, und ein Aktienrückkauf ist aufgelegt. Dagegen sprechen der anhaltende Margendruck, der überlegene Wettbewerber Lilly und die Unsicherheit über die Pipeline. CagriSema schnitt in Studien schlechter ab als Zepbound. Wer langfristig denkt, findet hier eine interessante, aber nicht risikolose Wette. Interessierte Investoren sollten die Quartalszahlen am 6. Mai abwarten. Der freie Cashflow bleibt mit umgerechnet knapp 6 Mrd. EUR beachtlich. Derzeit ist die Aktie für 35,025 EUR zu haben.
Vidac Pharma – Krebszellen mit ihrem Stoffwechsel bekämpfen
Die Wette von Vidac Pharma ist ungewöhnlich, aber logisch: Statt Krebszellen direkt zu bekämpfen, will das Unternehmen ihren Stoffwechsel auf ein normales Programm zurücksetzen. Der Angriffspunkt ist das Enzym HK2, das in Tumoren maßlos hochgefahren wird und dort den programmierten Zelltod blockiert. Mit kleinen Molekülen wird dieses Protein von den Mitochondrien abgezogen und die Zelle kann wieder kontrolliert sterben. Was nach Grundlagenforschung klingt, steht längst im Patientenversuch. Eine Phase-2b Studie bei gefährlichen Hautveränderungen läuft gerade in Deutschland, und bei einem seltenen Lymphom liegen bereits positive Phase-2 Daten vor.
Ein Compassionate-Use-Fall bei einem vierjährigen Mädchen mit Hirntumor lieferte kürzlich überraschende Einblicke. Der Wirkstoff erreichte das Gehirn, stabilisierte Stoffwechselmarker und das Mädchen ist heute ohne kognitive Einschränkungen. Das erweitert das Potenzial erheblich. Parallel dazu wagt sich Vidac Pharma in neue Gefilde. Eine präklinische Studie zur Schuppenflechte läuft an, ebenfalls eine Erkrankung mit entgleistem Zuckerstoffwechsel. Das Management treibt zudem die Expansion nach Kontinentaleuropa voran, zwei große Inkubatoren stehen bereit. Ein frisch erteiltes US-Patent sichert die Substanzklasse bis 2045 ab.
Aktionäre dürfte gefallen, dass das Management sein Geld im eigenen Unternehmen investiert. Prof. Dr. Herzberg hat jüngst erneut etwa 280.000 EUR reinvestiert, Direktoren stellten ebenfalls Mittel bereit. Seit 2019 finanziert sich das Unternehmen ohne Venture Capital, sondern über private Gelder und nicht-verwässernde Förderungen. Die Strategie zielt auf einen Verkauf oder Lizensierung an Big Pharma innerhalb von 2-3 Jahren ab, genau in jenem Zeitfenster, in dem viele Patente der großen Pharma-Unternehmen auslaufen. Vergangene Deals für ähnliche Molekülplattformen bewegten sich zwischen 1,15 und 2,8 Mrd. USD. Ein spekulativer Wert, aber es zeigt das Potenzial dieses Marktes. Aktuell notiert die Aktie bei 0,586 EUR.

Evotec - Sanierung mit Risiko und Renditechance
Die Geschäftszahlen 2025 fallen zweigeteilt aus. Während die Biologics-Tochter Just um 40 % auf 259 Mio. EUR zulegt, bricht das klassische Forschungsgeschäft um fast 14 % ein. Die Auslastung sinkt, weil sich Biotech-Startups mit Neuaufträgen zurückhalten. Das "Horizon"-Sparprogramm sorgt für harte Einschnitte. 800 Stellen fallen weg, die globale Präsenz schrumpft von 14 auf 10 Standorte. Das Management peilt bis Ende 2027 jährliche Einsparungen von 75 Mio. EUR an. 2026 wird ein reines Übergangsjahr. Erste Effekte zeigen sich frühestens im zweiten Halbjahr.
Die Konzernspitze sortiert sich neu. Claire Hinshelwood, erfahrene Finanzexpertin von Novartis, übernimmt im Mai das CFO-Amt. Dr. Ingrid Müller kommt als COO an Bord, um "Horizon" operativ umzusetzen. Parallel drängt der Hedgefonds MAK Capital mit 7 % auf einen Börsengang der profitablen US-Tochter. Deren Wert wird auf über 1 Mrd. EUR taxiert. Das ist mehr als die gesamte Marktkapitalisierung des Mutterkonzerns. Dieser externe Druck zwingt das Management, rasch Ergebnisse zu liefern. Die Hauptversammlung am 11. Juni wird zeigen, wie ernst es dem Aufsichtsrat mit der Gegenwehr ist.
Die Tubulis-Übernahme durch Gilead spült rund 100 Mio. USD in die Kassen. Das ist willkommene Liquidität für den schwierigen Umbau. Entscheidend werden die kommenden Wochen. Am 6. Mai liegen die Q1-Zahlen auf dem Tisch. Gelingt es der neuen Führung, erste Fortschritte bei Kostensenkung und Auslastung zu zeigen, könnte das Vertrauen zurückkehren. Bleiben die Effekte aus, droht weiterer Gegenwind. Bis dahin bleibt Evotec eine Wette auf die operative Trendwende – mit Risiko, aber auch erheblichem Potenzial. Momentan kostet eine Aktie 5,095 EUR.
Der Gesundheitsmarkt bleibt 2026 ein Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und regulatorischem Druck. Novo Nordisk stemmt sich mit niedriger Bewertung und hoher Dividende gegen den Margendruck und die aktuell überlegene Konkurrenz. Vidac Pharma setzt auf eine revolutionäre Stoffwechsel-Therapie gegen Krebs und könnte mit starkem Management und seinen Patenten zum Übernahmeziel werden. Evotec schließlich durchlebt einen schmerzhaften Umbau, der mit dem Börsengang der US-Tochter und Kosteneinsparungen die Trendwende bringen soll.
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