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07.03.2022 | 04:44

Achtung: Nordex, Siemens Energy, Memiontec, Siemens – Mit Greentech steil aus der Krise!

  • Energie
  • Wasser
  • GreenTech
Bildquelle: pixabay.com

Erneuerbare Energien versprechen mittelfristig niedrigere und stabilere Energiepreise sowie eine größere Unabhängigkeit von Öl und Gas aus dem Ausland. Entsprechend könnten die gegenwärtigen Entwicklungen dazu führen, dass Bemühungen um die Energiewende in Europa nochmals intensiviert werden. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen wichtigen Rohstofflieferanten legen die Risiken von historischen Abhängigkeiten offen. Für einen Energie-Importeur wie Deutschland können andauernde Sanktionen eine ernste Versorgungsgefahr bergen. Aktuell wäre die Regierung sogar aufgerufen, abgabeninduzierte Mehrkosten auf Treibstoffe zu verringern und den Ausstieg aus der Kernenergie zu verschieben. In dieser Gemengelage werden die Hersteller von Greentech einen wahren Schub erleben. Wir zeigen, welche Werte interessant sind.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Memiontec Holdings Limited | SGXE56008290 , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554

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Inhaltsverzeichnis:


    Siemens Energy – Mutter und Tochter im Schulterschluss

    Siemens zeigt Flagge! Der Technologiekonzern und alle Töchter reagieren konsequent und stellen ihr Neugeschäft mit Russland ein. Dies gilt auch für internationale Lieferungen, die aus anderen Teilen der Welt für Moskau bestimmt sind. Das lokale Service- und Wartungsgeschäft wird mit Kooperationspartnern vor Ort hingegen fortgesetzt, laufende Verträge werden erfüllt. In den vergangenen Jahren hatte Siemens mehrfach Züge nach Russland geliefert und dafür auch Wartungsverträge abgeschlossen. Siemens zufolge entfällt etwa ein Prozent des Jahresumsatzes auf das Geschäft mit Russland.

    Auch Siemens Energy hat inzwischen alle russischen Neuaufträge gestoppt und prüft die Auswirkungen der Sanktionen auf den Konzern. Derweil brummt der Auftragseingang aus anderen Regionen. Das Energie-Unternehmen erhielt so einen Elektrolyseur-Großauftrag von der dänischen European Energy für das weltweit erste eMethanol-Projekt. Die Münchener werden das Elektrolysesystem konzipieren, liefern und in Betrieb nehmen. Es besteht aus drei kompletten Arrays der neuesten und leistungsstärksten Produktreihe von PEM-Elektrolyseuren plus Transformatoren, Gleichrichter, Leittechnik und die Ausrüstung für die Produktion demineralisierten Wassers.

    Das Projekt wird kostengünstigen grünen Strom aus einem Solarpark vor Ort mit einer Leistung von 300 MW nutzen, um wirtschaftlich Kraftstoff herstellen zu können. Endverbraucher des eMethanols werden unter anderem die Reederei Maersk und der Kraftstoffhändler CircleK sein. Das zukunftsträchtige Projekt markiert den Einstieg in die CO2-neutrale Schifffahrt im industriellen Maßstab. Die Aktie von Siemens Energy konnte in den letzten Tagen gegen den Markttrend 10% zulegen, notiert aber weiterhin 40% unter 52-Wochenhoch. In Schwäche einsammeln!

    Memiontec – Rekordumsatz mit sauberem Wasser und Dividendenerhöhung

    Eine asiatische Greentech-Aktie finden wir an der Börse Singapur. Dort notiert der Wasser-Spezialist Memiontec, der seit mehr als 20 Jahren sämtliche Bereiche der Wasserbehandlung und -aufbereitung abdeckt und beständig ausbaut. Hauptinvestitionsgebiete sind dabei Indonesien, Singapur und die Volksrepublik China. Mit der gesamten Wertschöpfungskette im Wassersegment ist das in Indonesien beheimatete Unternehmen einer der ersten Ansprechpartner für lokale Entsorgungskonzepte.

    Nun wurden die Jahreszahlen für 2021 veröffentlicht. In seinen vier Kernsegmenten erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 45,6 Mio. SGD, das waren knapp 32% mehr als im Vorjahr. Tragendes Projekt war die Erstellung eines Membranfiltrationssystems in der Tuas South Desalination Plant im Wert von 33,2 Mio. SGD. Der erzielte Bruttogewinn von 6,3 Mio. SGD erhöhte den Kassenbestand auf 15,5 Mio. SGD. Der Gewinn je Aktie (EPS) beträgt 0,70 Cent, davon sollen 0,209 Cent an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

    Das mehrgleisige, synergetische Geschäftsmodell konnte seine Leistungsfähigkeit wiederum eindrucksvoll unter Beweis stellen. Aktuell ist das Orderbuch mit 78 Mio. SGD gefüllt, die Hälfte davon stammt aus dem margenstärkeren Indonesien. Es ist davon auszugehen, dass das Public Utilities Board of Singapore im Jahr 2022 eine Reihe von öffentlichen Ausschreibungen von relativ großem Umfang durchführen wird, wobei solche Verträge sowohl einen stabilen Cashflow als auch ein geringes Kreditrisiko aufweisen.

    Memiontec gehört zu den grünen Investments, welche im Zuge des globalen Umdenkens in Richtung Klimaschutz in der Gunst der ESG-Investoren stehen. Aufgrund der operativen Dynamik stieg der Kurs in den letzten 12 Monaten kräftig an. Aktuell ist die Aktie für 0,81 SGD zu haben, die Umsätze in Deutschland sind recht ordentlich, setzen sie dennoch beim Kauf ein Limit.

    Nordex – Der Standort Deutschland ist zu teuer

    Nun ist es offiziell! Der Windkraftanlagenbauer Nordex steht unter massivem Wettbewerbs- und damit auch Kostendruck. Die aufwändige Rotorblattproduktion am Rostocker Güterverkehrszentrum wird aus diesem Grund eingestellt. Von der Schließung sind rund 600 Mitarbeiter betroffen, konzernweit beschäftigt Nordex mehr als 8.000 Beschäftigte.

    Das deutsche Windenergie-Unternehmen leidet seit der Einführung von Auktionssystemen an den meisten Energiemärkten unter einem zunehmenden Preis-Wettbewerb. Die Stromerzeuger mit den niedrigsten Geboten erhalten im Auktionssystem den Zuschlag und geben diesen Kostendruck an die Hersteller von Windturbinen weiter, was deren Margen extrem schmälert. Die Produzenten sind daher gezwungen, ihre Kosten immer weiter zu reduzieren, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Ukraine-Krise und der Anstieg der Rohstoffpreise belasteten zusätzlich.

    Die Kosten für die Energieerzeugung aus Wind sind in den letzten fünf Jahren um rund 50% gesunken, die anfangs höhere Profitabilität bildete sich sukzessive zurück. Die Börse preist für Mitteleuropa derzeit ein neues Energie-Szenario ein, vor allem Green Energy soll durch große Staatsprogramme dabei im Fokus stehen, um eine mittelfristige Versorgungssicherheit zu schaffen. Die Marge von Nordex steht und fällt dabei mit den gestiegenen Beschaffungspreisen und der möglichen Überwälzung dieser Kosten auf die Kunden.

    Der Kurs der Nordex-Aktie hat einen langen Absturz hinter sich, seit ihrem Tief bei 10,80 EUR ist sie aber wegen der Suche nach Öl- und Gasalternativen im Aufwind. Daher macht es im aktuellen Umfeld Sinn, im Bereich 12-14 EUR eine mittelfristige Positionierung einzugehen.


    Die Börsen befinden sich im absoluten Krisenmodus. Sehr hohe Volatilitäten drücken auf das Gemüt der Anleger. Mit der sich anbahnenden Energiekrise wegen der drastischen Verteuerung fossiler Brennstoffe findet nun ein beschleunigter Umdenkungsprozess zugunsten alternativer Energien statt. Siemens Energy und Nordex sind gut positioniert, leiden aber auch an der Lieferkettenthematik. Von Memiontec sind solche Töne nicht zu hören, im Gegenteil, das asiatische Wasser-Aufbereitungsgeschäft brummt.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.

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    Die Vorstellung, dass der ganze Energiebedarf der Welt aus Erneuerbaren Energien gespeist werden wird ist schön und erstrebenswert, auf kurze Sicht aber unrealistisch. Wie weit entfernt die Zielbilder „grün“ bzw. „nachhaltig“ und Versorgungssicherheit sein können, erleben wir aktuell in der politischen Diskussion in Deutschland. Vorbildlich - und das ist mit einem Augenzwinkern gemeint - schaltet die größte Volkswirtschaft Europas ihre Kernkraftwerke ab und stellt nun plötzlich fest, dass durch die große Abhängigkeit von Russlands Gaslieferungen ein Versorgungsrisiko entsteht. Jetzt soll ein Hochfahren der Kohlekraftwerke es richten. Für logisch und vorausschauende Anleger lohnt sich der Blick auf Ölwerte.

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