25.08.2026 | 04:00
BioTech: Übernahmen! Der Kampf um Marktanteile bei Novo Nordisk und Eli Lilly, BioNxt und Evotec auf dem M&A-Radar
Wie die jüngste, spektakuläre 43-Milliarden-USD-Übernahme des Krebsspezialisten Seagen durch Pfizer oder die Mega-Deals rund um die GLP-1-Infrastruktur eindrucksvoll zeigen, befindet sich die Pharmabranche in einer historischen Konsolidierungswelle. Angetrieben durch die gigantischen Milliardengewinne aus dem Markt für Abnehmspritzen hat nun eine beispiellose Übernahmewelle begonnen. Marktführer wie Novo Nordisk und Eli Lilly nutzen ihre prallen Kriegskassen für strategische Mega-Zukäufe, um ihre Vormachtstellung abzusichern und Produktionsengpässe gezielt zu beseitigen. Gleichzeitig rücken hochinnovative Plattform-Unternehmen wie BioNxt mit ihren neuartigen Darreichungsformen in den Fokus. Strategisch wertvolle, aktuell günstig bewertete Targets wie Evotec sind schon länger im Visier von Investoren und Konkurrenten. Wer im Kampf um Marktanteile, neue Verabreichungstechnologien und die nächste Generation von Blockbuster-Medikamenten nicht abgehängt werden will, muss jetzt zukaufen, denn das M&A-Karussell dreht sich so schnell wie lange nicht mehr. Wir gehen noch etwas tiefer!
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , ELI LILLY | US5324571083 , NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Evotec – Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab
Die Story Evotec hat langsam einen Bart, wie man salopp ausdrücken könnte. Denn das deutsche Wirkstoffforschungs-Unternehmen kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen und durchleidet an der Börse ein regelrechtes Debakel nach dem anderen. Nach einer drastischen Gewinnwarnung im Juli musste der Konzern seine finanziellen Ziele für das laufende Jahr massiv nach unten korrigieren. Das Management gab die ursprüngliche Gewinnhoffnung auf und stellt sich stattdessen auf einen EBITDA-Verlust von bis zu 105 Mio. EUR ein. Hauptgründe für das finanzielle Desaster sind erhebliche Verzögerungen und veränderte Zeitpläne bei wichtigen Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften. Die Mitte August vorgelegten, endgültigen Halbjahreszahlen untermauerten die operative Krise mit einem deutlichen Umsatzrückgang von über 16 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. In der Folge rutschte das Papier auf ein dramatisches Zehn-Jahres-Tief bei knapp über 3,30 EUR ab. Anleger zeigen sich zutiefst verunsichert, da auch die Kosten für den notwendigen Konzernumbau und einen internen Stellenabbau die Bilanz schwer belasten. Zu den operativen Problemen gesellt sich die anhaltende Enttäuschung darüber, dass frühere Übernahmeofferten und informelle Milliarden-Angebote das Ruder nicht herumreißen konnten. Trotz einer technologischen Spitzenposition als Forschungsdienstleister stufen Analysten auf der Plattform LSEG Refinitiv das Papier reihenweise ab und senken ihre Kursziele radikal auf im Schnitt 4,51 EUR. Trotz dieses niedrigen Ziels macht das nach Adam Riese fast 40 % Potenzial für die Hamburger.
BioNxt Solutions – Der Countdown für die klinische Phase läuft
BioNxt Solutions steht 2026 vor einem wichtigen Wendepunkt, denn das führende Cladribin-Programm BNT23001 hat mit der Fertigstellung des Investigational Medicinal Product Dossier (IMPD) eine zentrale regulatorische Hürde genommen. Das umfassende Dossier bündelt Formulierung, GMP-Herstellung, Analytik, Qualitätskontrolle und präklinische Daten und wird derzeit für die geplante Einreichung der europäischen Clinical Trial Application final geprüft. Damit rückt die erste Humanstudie zur Bioäquivalenz mit dem Referenzprodukt Mavenclad deutlich näher. Besonders attraktiv ist der Ansatz, weil BioNxt nicht einen neuen Wirkstoff entwickeln muss, sondern den etablierten Wirkstoff Cladribin über einen patentierten sublingualen Dünnfilm neu positioniert. Der Film löst sich ohne Wasser im Mund auf und könnte insbesondere für MS-Patienten mit Schluckbeschwerden einen praktischen Vorteil bieten.
Die präklinischen pharmakokinetischen Daten bilden dabei das wissenschaftliche Fundament, denn im Großtiermodell wurde eine deutlich höhere systemische Wirkstoffverfügbarkeit als bei der herkömmlichen Tablette beobachtet. Sollte sich dieser Vorteil beim Menschen bestätigen, könnten sich daraus perspektivisch niedrigere Dosierungen, bessere Wirtschaftlichkeit und möglicherweise eine günstigere Verträglichkeit ableiten. Die geplante Crossover-Bioäquivalenzstudie soll nun zeigen, ob BNT23001 die erforderliche Wirkstoffexposition gegenüber Mavenclad erreicht. Parallel erweitert BioNxt die Plattform über Multiple Sklerose hinaus und prüft weitere autoimmune neurologische Indikationen wie Myasthenia gravis. Noch wichtiger für die langfristige Bewertung ist jedoch die Übertragbarkeit der Technologie auf andere etablierte Wirkstoffe.
Mit Everolimus und insbesondere Semaglutid entstehen bereits zusätzliche Entwicklungsachsen, wobei letzteres BioNxt in den milliardenschweren GLP-1-Markt führt. Der Reiz des Semaglutid-Programms liegt weniger im Wirkstoff selbst als in der Frage, ob sich ein komplexes Peptid über einen komfortablen sublingualen Dünnfilm verabreichen lässt. Der GLP-1-Markt könnte laut Morgan Stanley bis 2035 auf rund 190 Mrd. USD anwachsen und bietet damit einen erheblich größeren adressierbaren Markt als die heutige Cladribin-Nische. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zur transmukosalen Arzneimittelverabreichung bestätigt zugleich den wachsenden Forschungsfokus auf Systeme, die Bioverfügbarkeit, Wirkstoffaufnahme und Patientenkomfort verbessern können. Für BioNxt entsteht dadurch ein potenziell skalierbares Geschäftsmodell, bei dem Erfahrungen aus einem Entwicklungsprogramm auf weitere hochwertige Wirkstoffe übertragen werden können. Der Investmentcase wird damit zunehmend konkreter: Gelingt der Sprung von den präklinischen Daten zur erfolgreichen Humanstudie, könnte aus der kleinen Cladribin-Story eine international geschützte Drug-Delivery-Plattform mit mehreren eigenständigen Werttreibern werden. Bei gerademal 0,33 CAD und einer Marktkapitalisierung von knapp 48 Mio. CAD höchst spannend!
Eli Lilly und Novo Nordisk – Der Kampf im Adipositas-Geschäft geht weiter
Der Milliardenmarkt für Abnehm-Medikamente hat sich längst zu einem epischen Duell zwischen Eli Lilly und Novo Nordisk entwickelt. Der dänische Pionier Novo Nordisk, der mit seinen Blockbustern Ozempic und Wegovy den Hype überhaupt erst ins Rollen brachte, spürt inzwischen den heißen Atem der US-Konkurrenz von Eli Lilly im Nacken. Die Amerikaner haben mit ihren Präparaten Mounjaro und Zepbound eine rasante Aufholjagd hingelegt und sich in strategisch wichtigen Regionen wie den USA zeitweise die Marktführerschaft gesichert. Das Duell wird dabei längst nicht mehr nur in den Apotheken ausgetragen, sondern spitzt sich durch gegenseitige Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs und irreführender Werbung auch juristisch extrem zu.
Gleichzeitig verlagert sich die Frontlinie weg von der klassischen Spritze hin zum Markt für bequeme Oralarzneien wie Eli Lillys neuer Abnehmpille Foundayo. Novo Nordisk hält jedoch mit einer eigenen hochdosierten Wegovy-Tablettenvariante vehement dagegen, um verlorene Marktanteile zurückzuerobern. Der massive Preisdruck auf dem US-Markt sowie das Aufkommen günstiger Generika, beispielsweise in Indien, zwingen beide Pharmariesen zu strategischen Rabatten und neuen Vermarktungs-Ideen. Dass der Markt für beide Player dennoch groß genug ist, unterstreichen neue medizinische Studien, die den Wirkstoffen immense Zusatznutzen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlafapnoe bescheinigen. Ein baldiges Ende des Duells ist nicht in Sicht, denn bis 2030 prognostizieren Analysten ein globales Marktvolumen von weit über 100 Milliarden USD. Am Ende gewinnt in diesem Innovationsrennen vor allem der Patient, der von immer besseren, vielfältigeren und erschwinglicheren Therapieoptionen profitiert.

Die Börsen sind in ein schwieriges Fahrwasser gelangt. Das liegt an den nicht endenden geopolitischen Spannungen und der anhaltenden Zinsdiskussion. Die Musik spielte bislang vor allem bei den hoch bewerteten NASDAQ-Schwergewichten, welche aber auf Rekord-Niveaus zunehmend ins Stottern geraten. Der LifeScience-Sektor führt weiterhin ein Schattendasein, doch gerade dort wächst nun die Übernahmefantasie. Daher sollten risikobewusste Anleger wachsam bleiben und auf das Momentum achten!
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