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28.07.2026 | 05:30

Der 30-Milliarden-Deal mit Saudi-Arabien: Jetzt sind Cameco, American Atomics und Constellation Energy im Fokus

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Bildquelle: pixabay.com

Der globale Energiehunger, angeheizt durch KI-Clouds und die industrielle Transformation, katapultiert die Atomkraft aus der Nische zurück ins Zentrum der Wirtschaftspolitik. Das milliardenschwere US-Saudi-Abkommen ist kein seichter Diplomatie-Akt, sondern ein 30-jähriges Konjunkturprogramm für die gesamte nukleare Wertschöpfungskette. Die wahre Rendite der Kernenergie-Renaissance liegt nicht in den Reaktorkühlern selbst, sondern in den Unternehmen, die die Versorgung sichern, die Technologie skalieren und die Erträge aus den Kapazitätsmärkten abschöpfen. Genau hier ist der Blick auf Cameco, American Atomics und Constellation Energy besonders lohnend.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: CAMECO CORP. | CA13321L1085 , AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE , CONSTELLATION ENERGY CORPORATION | US21037T1097 | NASDAQ: CEG

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Inhaltsverzeichnis:


    Cameco - strategische Weichenstellung für Wachstum

    Die temporäre Produktionsunterbrechung in der Cigar-Lake-Mine erwies sich als kurzes Störfeuer. Nur 2 Wochen nach der Stilllegung aufgrund technischer Probleme in der Orano-McClean-Lake-Mühle läuft die Förderung wieder auf Hochtouren. Die Jahresprognose von 17,5 bis 18,0 Mio. Pfund Uran bleibt unverändert. Parallel dazu hat Cameco seine Position im hochgradigsten Förderasset weiter gestärkt. Der Erwerb von TEPCOs 5-prozentiger Beteiligung am Cigar-Lake-Gemeinschaftsunternehmen erhöht den eigenen Anteil auf rund 57,4 %. Die Transaktion im Volumen von rund 116 Mio. USD unterstreicht die Wichtigkeit des Assets, das mit Reserven von 172,4 Mio. Pfund bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein produzieren soll.

    Der eigentliche Gamechanger für Cameco liegt jedoch im wachsenden Servicegeschäft. Die jüngste DOE-Zusage über bis zu 17,5 Mrd. USD für zehn AP1000-Reaktoren katapultiert Westinghouse ins Zentrum der US-Atomwende, ist aber noch an Bedingungen geknüpft. Goldman Sachs beziffert das EBITDA-Potenzial pro Reaktor auf rund 225 Mio. USD über 12 Jahre. Während der Uranabbau zyklischen Preisschwankungen unterliegt, generiert der Reaktorbetrieb über Jahrzehnte stabile Einnahmen aus Brennstofflieferungen, Wartung und Ersatzteilen. Cameco partizipiert als 49 % Eigner an dieser Wertschöpfungskette. Damit wird das Unternehmen von einem reinen Minenbetreiber zu einem Nukleardienstleister transformiert.

    Die Zahlen des 1. Quartals lieferten bereits einen Vorgeschmack auf dieses Potenzial. Der Westinghouse-Beitrag zum bereinigten EBITDA stieg um knapp 33 % auf 122 Mio. CAD. Gleichzeitig reduzierte Cameco externe Uranzukäufe auf ein Minimum. Das ist bei internen Förderkosten von 34 USD pro Pfund gegenüber Marktpreisen um 110 USD ein massiver Margenvorteil. Die Markterwartungen für das am 31. Juli anstehende Q2-Ergebnis erscheinen mit geschätzten 441 Mio. CAD EBITDA und 0,37 CAD Gewinn je Aktie moderat. Entscheidend wird sein, ob die Produktion wieder beim vollen Volumen liegt und Westinghouse den Wachstumstrend fortsetzt. Die strategische Ausrichtung stimmt. Derzeit ist die Aktie für 87,86 USD zu haben.

    American Atomics - struktureller Wandel im US-Atomsektor

    Die USA stehen vor einem fundamentalen Dilemma. Während der Energiebedarf durch den KI-Boom und den massiven Ausbau von Rechenzentren bis 2030 um 28 % steigen soll, ist die heimische Uranproduktion auf ein Minimum geschrumpft. 2023 verbrauchten US-Reaktoren 32 Mio. Pfund Uran, wobei die eigene Förderung bei gerade einmal 50.000 Pfund lag. Eine Deckungsquote von unter 0,2 %. Die Abhängigkeit von russischer Anreicherung bleibt trotz politischer Bemühungen hoch. 2024 stammten 81 % der benötigten Trennarbeitseinheiten aus dem Ausland, ein Fünftel davon aus Russland.

    Genau hier setzt American Atomics an. Am 16. Juli veröffentlichte das Unternehmen einen NI-43-101-konformen technischen Bericht für das Lisbon-Valley-East-Projekt in Utah. Die historische Bedeutung des Gebiets ist beachtlich. Zwischen 1950 und 1990 förderte das Lisbon Valley rund 80 Mio. Pfund Uran aus einem 26 km langen Gesteinsgürtel. Das Besondere dabei ist, dass die Förderung ausschließlich auf der Westseite stattfand. Die Ostseite wurde durch eine geologische Verwerfung um mehr als 700 m abgesenkt und blieb weitgehend unerschlossen. Bohrdaten aus Öl- und Gasbohrungen zeigen nun in 28 von 51 Löchern stark erhöhte Gammastrahlung in genau den erwarteten Schichten.

    Das Unternehmen verfolgt keine eindimensionale Explorationsstrategie. Die jüngsten Personalentscheidungen unterstreichen diesen Ansatz. Im Juli wurde Jolene Molitoris, frühere Administratorin der Federal Railroad Administration, in den Beirat berufen. Sie soll bei der Umsetzung eines Hub-and-Spoke-Produktionsmodells helfen, das mehrere kleinere Lagerstätten über eine zentrale Aufbereitungsanlage wirtschaftlich erschließen soll. Ergänzt wird dies durch die Mitgliedschaft im DPA Fuel Cycle Consortium des US-Energieministeriums, das unter dem Defense Production Act die heimische Brennstoffversorgung koordiniert. Die politische Unterstützung scheint damit vorprogrammiert. Aktuell notiert die Aktie bei 0,18 CAD.

    Constellation Energy - vom KI-Lieferanten zum Breitband-Strompartner

    Die jüngste Kernenergie-Vereinbarung zwischen Constellation Energy und Walmart über 176 MW aus dem Dresden Clean Energy Center ist mehr als eine Randnotiz. Erstmals bezieht ein Einzelhändler direkt Atomstrom und das für ein hochautomatisiertes Kühllager, das auf verlässliche 24/7-Versorgung angewiesen ist. Während Tech-Konzerne den Markt dominieren, zeigen auch Stahl-, Chemie- und Ölunternehmen zunehmend Interesse an CO2-freier Grundlast. Die Clean Energy Buyers Association zählt seit 2021 über 20 vergleichbare Vereinbarungen, mehr als die Hälfte davon allein 2025. Constellation als größter Betreiber von Atommeilern des Landes positioniert sich damit nicht nur als Lieferant für Rechenzentren, sondern als strategischer Partner für eine breitere Industrie.

    Die Übernahme von Calpine im Januar machte Constellation zum größten US-Stromproduzenten mit 55 GW Kapazität, davon 22 GW aus Kernkraft. Die Nuklearflotte erreichte zuletzt einen Kapazitätsfaktor von 92,3 %. Entscheidend ist der Kostenvorteil. Der Kernbrennstoff schlägt mit 6 - 7 USD pro MWh zu Buche, während Erdgas stark schwankt. Diese Marge sichert Constellation einen strukturellen Vorteil, der sich in langfristigen Verträgen mit Microsoft und Meta bereits auszahlt. Die Beteiligung an Blue Energy und deren SMR-Technologie zeigt zudem, dass das Unternehmen die Zukunft der Kernenergie aktiv mitgestaltet.

    Bei einem erwarteten Gewinn je Aktie (EPS) von 11 - 12 USD für 2026 liegt das KGV bei etwa 23. Bis 2029 soll der Basisgewinn jährlich um über 20 % wachsen. Rechnet man die strompreisabhängige Enhanced-Komponente hinzu, könnte das EPS auf 17 - 18 USD steigen. Die größte Option sind die 147 TWh nicht vertraglich gebundener Kernenergie, jede weitere langfristige Vereinbarung könnte 1,50 - 4,00 USD zum Gewinn beitragen. Trotz politischer Risiken bleibt Constellation dank gesetzlicher Preisuntergrenze und wachsender Nachfrage nach verlässlicher Grundlast ein überzeugendes Investment. Momentan kostet die Aktie 274,35 USD.


    Das 30-Milliarden-Abkommen mit Saudi-Arabien markiert den Startschuss für die nukleare Renaissance und drei Unternehmen sind dafür bestens positioniert. Cameco transformiert sich vom reinen Uranförderer zum margenstarken Nukleardienstleister und profitiert doppelt vom Westinghouse-Boom. American Atomics adressiert mit seinem Lisbon-Valley-Projekt die kritische Versorgungslücke der USA und ist politisch bestens vernetzt. Constellation Energy sichert sich als Strompartner für Industrie und Tech-Konzerne langfristige Erträge.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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