29.04.2026 | 05:40
Nel ASA, HPQ Silicon, Wacker Chemie: Die Energiewende steht vor der Silizium-Falle – jetzt einsteigen
Europas Wasserstoff-Revolution steht und fällt mit Mikromaterialien wie Silizium für Elektrolyseure, Fumed Silica, als thermischer Stabilisator in Brennstoffzellen. Die EU importiert 80 % dieser Stoffe aus Asien, aber der Critical Raw Materials Act erzwingt nun 40 % lokale Wertschöpfung bis 2030. Wer diese Versorgungslücke schließt, verwandelt geopolitische Risiken in Rendite. Wir sehen uns an, wie Nel ASA, HPQ Silicon und Wacker Chemie Fumed Silica hochreines Silizium und Elektrolyse-Technik profitabel skalieren.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , WACKER CHEMIE O.N. | DE000WCH8881
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Nel ASA - der heimliche Profiteur der Silizium-Wertschöpfung
Wasserstoff ist das Geschäftsmodell von Nel ASA. Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller liefert den entscheidenden Treibstoff für die Polysilicon-Produktion, dem Grundstoff von Solarzellen und Halbleitern. Beim klassischen Siemens-Prozess reduziert Wasserstoff Siliciumtrichlorid zu hochreinem Silizium. Genau hier setzt Nel an. Immer mehr Werke bauen eigene Elektrolyseure, um teure Lieferketten zu umgehen und grünen Wasserstoff vor Ort zu erzeugen. So sichert sich Nel eine Schlüsselrolle, ohne selbst ein Gramm Silizium zu produzieren.
Die jüngsten Geschäftszahlen fielen durchwachsen aus. Der Umsatz sank im 1. Quartal 2026 auf 148 Mio. NOK, der Auftragseingang brach um 73 % ein. Der operative Verlust verringerte sich auf 100 Mio. NOK, und die Liquidität hält sich mit 1,44 Mrd. NOK. Das Management hat die Belegschaft um rund ein Viertel reduziert und die Kosten im Griff. Während die PEM-Sparte unter ausbleibenden US-Fördermitteln litt, legte die klassische Alkaline-Sparte leicht zu. Das ist ein Zeichen für etwas Stabilität im Kerngeschäft.
Zwei Signale heben die Stimmung. Erstens hat Board-Chairman Arvid Moss 100.000 Aktien gekauft, ein klassisches Vertrauenssignal. Zweitens ging ein US-Auftrag über 7 Mio. USD für containerisierte PEM-Systeme ein. Der eigentliche Katalysator folgt am 6. Mai mit dem Launch einer neuen druckbeaufschlagten Alkaline-Plattform. Sie soll die Investitionskosten um 40 - 60 % senken. EU-Fördermittel unterstützen die Industrialisierung. Analysten bleiben vorsichtig, doch das Technologieversprechen könnte der lang ersehnte Wendepunkt sein. Derzeit ist die Aktie für 2,485 NOK zu haben.
HPQ Silicon - vom Quarz-Lieferanten zum Technologie-Portfolio
Das kanadische Unternehmen HPQ Silicon hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend neu aufgestellt. Das Unternehmen konzentriert sich nicht länger auf den Verkauf von Rohquarz. Stattdessen treibt die Mannschaft um CEO Bernard Tourillon gleich drei eigenständige Technologieplattformen voran: Batteriesilizium, pyrogene Kieselsäure und Wasserstofferzeugung aus Abfall. Das klingt nach Zersplitterung, doch das Management argumentiert bewusst mit Risikostreuung. Während viele Wettbewerber an der Volumenausdehnung von Silizium in Batterien scheitern, scheint HPQ das Problem gelöst zu haben, unterstützt durch den französischen Partner Novacium, an dem man seit Februar 36,8 % hält.
Die April-Meldungen untermauern diesen Anspruch. Zunächst verkündete das Unternehmen am 7. April Werte von durchschnittlich über 6.600 mAh für die GEN4-21700-Zellen, mit einem Spitzenwert von 6.696 mAh. Das sind 45 % mehr als handelsübliche Graphit-Zellen liefern. Nur eine Woche später folgte der nächste Meilenstein. Unter erweiterten Testbedingungen durchbrach dieselbe Zelltechnologie die 7.000 mAh Schwelle und erreichte 7.030 mAh. Nach 70 Zyklen zeigte sich weniger als 2 % Kapazitätsverlust. Das ist ein Wert, der bei herkömmlichen Zellen in diesem extremen Spannungsfenster nicht zu erwarten wäre.
Der dritte Paukenschlag folgte am 22. April. Ein europäischer Drohnenhersteller orderte die ersten Batteriepakete auf GEN4-Basis. Die Konfiguration 8S2P liefert zwischen 10.000 und 13.400 mAh, eine mögliche 8S3P-Variante würde 15.000 bis 20.100 mAh erreichen. Der Kunde bleibt aus Vertraulichkeitsgründen ungenannt, agiert aber in den professionellen, industriellen und militärischen Drohnenmärkten. HPQ hält die exklusiven Vermarktungsrechte für Nordamerika unter der Marke ENDURA+. Die Kanadier setzen bewusst nicht auf den überlaufenen E-Auto-Massenmarkt, sondern auf margenstarke Nischen. Eine durchdachte Strategie, die erste Früchte trägt. Aktuell notiert die Aktie bei 0,165 CAD.
Wacker Chemie – mit Licht und Schatten
Silizium ist bei Wacker Chemie nicht nur ein Rohstoff, sondern der gesamte Geschäftsmotor. Rund 80 % des Umsatzes entfallen auf den sogenannten Siliziumverbund, ein Netzwerk aus Polysilicium für Chips und Solarzellen sowie Silicones für Industrie und Bau. In Burghausen, Nünchritz und Charleston laufen die Bänder. Wer die Energiewende oder die Halbleiterrevolution verstehen will, kommt an diesem Münchner Konzern kaum vorbei. Die eigene Metallerzeugung in Norwegen mindert zudem Abhängigkeiten. Das sichert nicht nur die Versorgung, sondern erlaubt auch Innovationen wie den Einsatz biogener Kohle.
Die jüngsten vorläufigen Zahlen für das 1. Quartal 2026 zeigen einen unerwarteten Befreiungsschlag. Mit rund 173 Mio. EUR lag das operative Ergebnis klar über den Markterwartungen. Grund dafür waren nicht etwa bessere Geschäfte, sondern vorgezogene Bestellungen. Die Kunden fürchteten Lieferengpässe wegen des Konflikts im Nahen Osten. Der Umsatz soll nun fürs Gesamtjahr im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Die Gewinnprognose liegt unverändert bei 550-700 Mio. EUR. Geopolitische Probleme sorgen kurzfristig für Rückenwind, strukturell ändert das wenig. Die Fähigkeit, die gestiegenen Energiepreise weiterzureichen, zeigt aber immerhin Preissetzungsmacht.
Analysten sprechen von einem technischen Impuls, nicht von einer Trendwende. Die Nachfrage in der Bauwirtschaft schwächelt weiter, Energiepreise bleiben in Deutschland eine Belastung. Zudem drückt das Sparprogramm PACE mit über 1.500 geplanten Stellenstreichungen auf die Stimmung. Die Führung selbst hält sich bedeckt. Eine nachhaltige Erholung sei noch nicht erreicht. Die jüngste Hochstufung durch die DZ Bank auf "Halten" zeigt, dass das Schlimmste vorbei sein könnte, aber Begeisterung sieht anders aus. Die kommenden Zahlen am 29. April werden zeigen, wohin die Reise in diesem Jahr gehen wird. Momentan kostet eine Aktie 96,75 EUR.

Die Silizium-Falle wird zur Rendite-Chance, wenn Unternehmen die lokale Wertschöpfung vorantreiben. Nel ASA senkt mit neuer Druckelektrolyse die Kosten für grünen Wasserstoff. Das könnte zum Wendepunkt in der Firmengeschichte werden. HPQ Silicon hat sich breit aufgestellt, liefert mit 7.030 mAh überlegene Batteriezellen und beliefert erste Drohnenkunden. Wacker Chemie profitiert kurzfristig von Sonderbestellungen, bleibt aber strukturell belastet. Der Critical Raw Materials Act zwingt zum Umdenken und die drei vorgestellten Aktien könnten davon profitieren.
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