16.07.2026 | 04:00
Rüstung oder Künstliche Intelligenz? Auf Blockbuster-Suche mit Rheinmetall, Hensoldt, Strategic Resources und TKMS
So langsam wird´s eng! Trotz neuer Höchststände im Juli kann man die Gewinner an der Börse an zwei Händen abzählen. Es sind weiterhin ausgewählte HighTech-Titel und einige KI-Werte. Halbleiter geraten schon wieder aus der Mode. Dafür beschleunigen wieder die Öl- und Gaswerte, bei Rüstung ist der lange Aufschwung seit 2022 wohl etwas erschöpft, sodass Defense-Titel im ersten Halbjahr zu den größten Verlierern mutierten. Und jetzt noch das Sommerloch, das FED-Chef Kevin Warsh auch nicht mit einer Zinssenkung versüßen kann. Der Grund: Überbordende Inflation, die in den USA schon verdächtig lang an der 4 %-Grenze nagt. US-Präsident Donald Trump hatte mit der Abkehr von Jerome Powell einen Wunschkatalog verbunden, der jetzt nicht mehr aufzugehen scheint. Dann auch noch die Zoll-Schlappe, die den US-Steuerzahler weitere 100 Mrd. USD kostet. Kurzum: Die Anzeichen für eine größere Korrektur sind offensichtlich – der dynamische Investor fragt sich nur wann? Wir blicken auf den verprügelten Rüstungs-Sektor und suchen nach möglichen Blockbustern.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005 , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Rheinmetall und TKMS – 12 Mrd. EUR Umsatz wechseln den Empfänger
Die überraschende Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums, das krisengeschüttelte Fregattenprojekt F126 endgültig zu beenden, hat die deutsche Rüstungsbranche im Sommer 2026 tief erschüttert. Als klarer Verlierer des Vergabepokers geht der DAX-Konzern Rheinmetall hervor, dessen Aktie nach dem plötzlichen Entzug des sicher geglaubten Großauftrags um historische 20 % auf knapp 900 EUR einbrach. Der Düsseldorfer Technologiekonzern hatte erst kürzlich den Schiffbauer NVL erworben, um sich als neuer maritimer Generalunternehmer zu positionieren und verliert nun ein sicher geglaubtes Auftragsvolumen von rund 12 Mrd. EUR. Demgegenüber triumphiert der Kieler Traditionsschiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) als strahlender Gewinner, dessen Börsenkurs unmittelbar um mehr als 10 % in die Höhe schnellte. Auch die 51 %-Mutter thyssenkrupp jubilierte mit zweistelligen Zugewinnen.
Um Zeit und Haushaltsmittel einzusparen, bestellt die Bundeswehr bei TKMS nun insgesamt acht modernisierte Fregatten des bewährten Typs MEKO A-200. Dieser radikale Kurswechsel verschiebt erhebliche Umsatzströme innerhalb der nationalen Wehrindustrie und sichert TKMS eine langfristige Auslastung der Werften in Schleswig-Holstein bis weit in die 2030er-Jahre. Für strategische Investoren schafft diese tektonische Verschiebung an den Märkten kurz- wie langfristig völlig neue Einstiegschancen. Die TKMS-Aktie rückt durch den enormen Backlog und zusätzliche Chancen bei internationalen Großprojekten, wie z.B. der U-Boot-Ausschreibung in Kanada, verstärkt in den Fokus defensiver Portfolios. Gleichzeitig bietet der heftige Kursrücksetzer bei Rheinmetall für mutige Anleger ein attraktives Einstiegsniveau, da das restliche Kerngeschäft mit Munition und Kettenfahrzeugen vom historischen Rekordetat der NATO weiterhin massiv profitiert. Zudem drängt die IG Metall bereits auf ein Joint Venture, wodurch Rheinmetall-Töchter als Unterauftragnehmer am Ende doch noch einen Teil des Kuchens abbekommen könnten. Analysten auf der Plattform LSEG sind immer noch im Hausse-Modus und erwarten für Rheinmetall ein 12-Monats-Durchschnitts-Kursziel von 1.696 EUR. Die letzten 15 Studien signalisieren jedoch Abwertungen bis in den Korridor 1.000 bis 1.450 EUR. Der Konsens wird also weiter fallen. Für TKMS wird der Umsatz von 2,1 auf 2,7 Mrd. EUR im Jahr 2027e getaxt, mit dem Kursanstieg auf 85 EUR ist der Konzern jedoch auf einen Wert von 5 Mrd. EUR gestiegen, das ist immerhin schon ein zweifacher Umsatz. Die Analysten auf LSEG halten den Daumen trotzdem in den Wind und taxieren ein 12-Monats-Target von 100,80 EUR im Schnitt. Na dann!
Hensoldt – Keine Impulse vom NATO-Gipfel in Ankara
Ein gutes Beispiel für überzogene Erwartungen lieferte jüngst Hensoldt. So hatte sich die Aktie im Vorfeld des NATO-Gipfels um satte 26 Prozent auf rund 81,00 EUR emporschwingen können, nachdem der Titel zuvor bis unter die Marke von 65 EUR konsolidiert hatte. Dann folgte die fundamentale Enttäuschung auf dem Fuß: Das Treffen in Ankara brachte weder konkrete Vertragsabschlüsse noch neue Impulse, die eine Anpassung der bestehenden Finanzschätzungen rechtfertigen würden. Der jüngste Kursrausch offenbart zudem eine strategische Fehleinschätzung des Marktes, denn Hensoldt ist zwar ein starker Sensor-Spezialist, keineswegs aber der automatische Standardgewinner bei großen Land- und Marineplattformen. Dass der schwedische Konkurrent Saab sich die Radarsuite für die TKMS-MEKO-A200-Fregatten gesichert hat und Diehl mit der IRIS-T SLS Mk 4 auftrumpft, zeigt die Grenzen des Münchner Rüstungskonzerns auf. Da das maritime Geschäft bei Hensoldt schwächelt, bleibt die gesamte Investment-Story extrem abhängig von landgestützten Systemen, doch hier erweisen sich die deutschen Exportgenehmigungen weiterhin als spärliches Rinnsal, was für anstehende Ausschreibungen zur Vorsicht mahnt.
Laut mwb research überzeugt die Qualität der Erträge ebenso wenig: Die wiederkehrenden Einnahmen bleiben bescheiden, und die jüngste Anhebung der Free-Cashflow-Prognose entpuppt sich bei genauem Hinsehen lediglich als temporärer Timing-Effekt statt als strukturelle Verbesserung. Nach der spekulativen Rally wird das Papier deutlich über seinem fairen DCF-Wert von 62,00 EUR gehandelt, was einem ambitionierten EV/EBITDA-Multiple von etwa 18 für das Jahr 2026 entspricht, so die Analysten. Der Markt bezahlt hier aktuell den vollen Preis für eine absolut fehlerfreie operative Ausführung innerhalb eines Rüstungszyklus, dessen Visibilität nicht einmal über das Jahr 2035 hinausreicht. Angesichts eines drohenden Korrekturpotenzials von rund 23 % lautet das glasklare Fazit der Analysten daher: Verkaufen! Besserer Laune sind die Research-Kollegen auf der Plattform LSEG. Hier wird ein 12-Monatskursziel von durchschnittlich 90,50 EUR erwartet. Werfen Sie eine Münze!
Strategic Resources – Kritische Metalle in Sichtweite zum Hafen
Während die globale Schwerindustrie vor der monumentalen Aufgabe steht, ihre emissionsintensive Produktion radikal zu dekarbonisieren, rücken nachhaltige Rohstoffquellen in den Fokus der Weltwirtschaft. An dieser Stelle wird das kanadische Rohstoffunternehmen Strategic Resources ein strategischer Baustein für die westliche Rohstoffsicherung und Lieferkettensicherheit, auch wenn das Unternehmen noch am Anfang steht. Anstatt lediglich einfaches Roherz zu fördern, verfolgt das Unternehmen ein integriertes Geschäftsmodell zur Veredelung kritischer Metalle wie Eisen, Vanadium und Titan. Im Zentrum der Strategie steht das baureife BlackRock-Projekt in Québec, das eine gigantische Lagerstätte mit rund 127,8 Millionen Tonnen Erzreserven umfasst. Am dortigen Tiefseehafen von Port Saguenay treibt CEO Sean Cleary den Bau einer hochmodernen Pelletieranlage mit einer geplanten Jahreskapazität von 4 Mio. Tonnen voran. Die produzierten DR-Grade-Pellets erreichen einen Eisengehalt von über 67 % und sind speziell auf moderne Elektrolichtbogenöfen zugeschnitten.
IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk im Gespräch mit CEO Sean Cleary über den bevorstehenden Aufbau der Förderanlage in Québec. Hier geht´s zum Video.
Durch den europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) sichern sich diese emissionsarmen Pellets einen massiven Wettbewerbsvorteil auf den europäischen Märkten. Dass der technologische Ansatz auch in Europa auf höchste Resonanz stößt, zeigt ein aktueller Meilenstein vom Juni 2026. Das vanadiumreiche Magnetitkonzentrat aus dem finnischen Mustavaara-Projekt des Unternehmens wurde offiziell für das skandinavische 17 Mio.-EUR-Forschungsprojekt „FutSteel“ ausgewählt. Dieses Großprojekt der Universität Oulu untersucht gemeinsam mit dem Stahlriesen SSAB die vollständige Umstellung der Stahlproduktion auf wasserstoffbasierte Verfahren. Die Auswahl gilt als Ritterschlag für die Erzqualität und bestätigt die strategische Bedeutung des Unternehmens für die nächste Generation der fossilfreien Stahlerzeugung. Bereits am 14. Mai präsentierte sich das Unternehmen in New York auf der renommierten SME-Konferenz vor führenden Akteuren der globalen Minenfinanzierung. Im Zentrum stand die strategische Rolle kanadischen Vanadiums als Schlüsselrohstoff für US-Batterielösungen, insbesondere für militärische Anwendungen und schwere Industriefahrzeuge. Grundlage dieser Perspektive ist eine Absichtserklärung mit Tyfast Energy, die den zügigen Aufbau einer eigenständigen Vanadium-Batterie-Wertschöpfungskette vorantreiben soll. Das Metall gilt als unverzichtbarer Grundstoff für langlebige Vanadium-Redox-Flow-Batterien, die als stationäre Großspeicher die Schwankungen erneuerbarer Energien im Stromnetz ausgleichen. Für vorausschauende Investoren offenbart der Blick auf die Kennzahlen eine extreme Unterbewertung, da die Machbarkeitsstudie einen Nachsteuer-Kapitalwert von 1,93 Mrd. CAD ausweist, während die Marktkapitalisierung bei nur rund 16 Mio. CAD liegt.

Die Börsen scheinen einzelne Übertreibungen langsam zu bemerken. Da ist der starke Trend im KI-, Chip und HighTech-Bereich, der mit irren Zuwächsen langsam an seine Grenzen stößt. Auch Rüstung stottert und wertet zu den Hochs signifikant ab. Wer bei einem Anfangsausbau eines Minenbetriebs dabei sein will, sieht genauer auf Strategic Resources. Denn hier besteht eine signifikante Unterbewertung im Vergleich zu den bestätigten Projektwerten.
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