06.07.2026 | 05:30
Vergessen Sie die kurzfristige Hysterie – mit Rheinmetall, Almonty Industries und RTX langfristig gewinnen
Nach einer atemberaubenden Rallye geraten Rüstungsaktien unter Druck. Friedenshoffnungen, Gewinnmitnahmen und neue Wettbewerber haben die Kurse zuletzt korrigieren lassen. Für kurzfristig orientierte Anleger mag dies bedrohlich wirken, doch die strukturellen Triebkräfte – marode Arsenale, alternde Systeme und das Streben Europas nach militärischer Souveränität – sind ungebrochen. Die aktuellen Abschläge gleichen eher einer technischen Verschnaufpause als einem Trendbruch. Genau diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Volatilität und langfristiger Notwendigkeit eröffnet strategischen Investoren ein Einstiegsfenster. Es ist der Moment, um Unternehmen mit dicken Auftragsbüchern und systemischer Relevanz ins Visier zu nehmen. Während Rheinmetall von der Wiederbewaffnung Europas profitiert sichert Almonty Industries als Wolfram-Lieferant kritische Rohstoffe für die Produktion, und der US-Konzern RTX liefert die technologische Überlegenheit in den Bereichen Luftfahrt, Drohnen und Cyberabwehr.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
RHEINMETALL AG | DE0007030009 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RTX CORPORATION | US75513E1010
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Rheinmetall - Rückschlag als Chance?
Die jüngste Absage der Bundeswehr für die F126-Fregatten traf Rheinmetall unvorbereitet und löste einen Kurseinbruch von bis zu 17,4 % aus. Das war ein tiefer Einschnitt, der die Marktkapitalisierung um über 10 Mrd. EUR schrumpfen ließ. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Übertreibung. Die Analysten von Citigroup und der DZ-Bank bewerteten die Reaktion als überzogen, da der entgangene operative Gewinn lediglich 1,5 Mrd. EUR über viele Jahre betragen hätte. Der damit verbundene Vertrauensverlust in die Marinesparte ist schmerzhaft, trotzdem bleibt das operative Geschäft des Konzerns weiterhin auf Rekordkurs.
Die jüngsten Wochen zeigen eindrucksvoll, dass die Nachfrage nach Rheinmetall-Produkten ungebrochen ist. Allein im Juli sicherte sich der Konzern einen internationalen Skynex-Großauftrag über mehrere 100 Mio. EUR sowie einen weiteren Munitionsauftrag aus der Ukraine. Hinzu kommt die strategische Übernahme der Mehrheit an DOK-ING, die das Portfolio um schwere autonome Fahrzeuge erweitert. Das ist ein Schritt in die Zukunft. Die Zahlen für das 2. Quartal sollen ein weiterer Schritt sein. Es wird ein Umsatzwachstum von über 60 % erwartet, der Auftragsbestand sollte bei rund 73 Mrd. EUR liegen. Um diese Bestellungen abzuarbeiten werden die Produktionskapazitäten massiv ausgebaut.
Die NATO-Staaten haben größtenteils versprochen ihre Verteidigungsausgaben auf bis zu 5 % ihrer Wirtschaftsleistung hochzuschrauben. Genau das befeuert einen Superzyklus, von dem Rheinmetall als einer der wichtigsten Rüstungsanbieter Europas überdurchschnittlich profitieren dürfte. Der jüngste Milliardenauftrag aus Rumänien spricht Bände. Für Lynx-Fahrzeuge, Skyranger-Systeme und anderes fließen 5,7 Mrd. EUR an den Konzern. Solche Summen machen deutlich, mit welchem Tempo die Länder ihre Verteidigungsfähigkeiten gerade hochfahren. Der Verlust der F126 ist ärgerlich, aber verschwindend gering im Vergleich zu den langfristigen Perspektiven. Die aktuelle Schwäche ist daher weniger ein Grund zur Sorge, sondern vielmehr eine Einstiegschance für Anleger, die an die Zukunft des Konzerns glauben. Derzeit ist die Aktie für 1.093,40 EUR zu haben.
Almonty Industries - der strategische Produzent
Der Juni 2026 markiert für Almonty Industries den entscheidenden Übergang von der Entwicklungsphase in den operativen Betrieb. Die Sangdong-Mine in Südkorea hat die Verarbeitungsanlage hochgefahren und produziert erstmals verkaufsfähiges Wolframkonzentrat. Mit einem Erzvorrat von rund 139.700 t bei einem Mischgehalt von 0,25 % Wolframtrioxid verfügt das Unternehmen über eine solide Basis für die Anlaufphase. Bei aktuellen Marktpreisen entspricht dies einem Bruttoverarbeitungswert von etwa 68 Mio. USD, das entspricht rund 2,6 Monaten Phase-1 Durchsatz. Die ersten Chargen nutzen niedriggradigeres Erz zur Prozessstabilisierung, doch bereits dieses Material ist etwa dreimal so hochwertig wie das der portugiesischen Panasqueira-Mine.
Die jüngste Finanzierung über 700 Mio. USD Wandelanleihen war deutlich überzeichnet, die Mehrzuteilungsoption wurde vollständig ausgeübt. Der Nettoerlös von rund 772,7 Mio. USD stärkt die Bilanz erheblich. Zeitgleich erfolgte die Aufnahme in den Russell 1000 und Russell 3000. Das ist ein objektives Signal für die gewachsene Marktkapitalisierung von rund 4,5 Mrd. USD. Im Mai und Juni haben mehrere Analystenhäuser ihre Bewertungen für Almonty Industries deutlich nach oben angepasst. Mit dem Produktionsstart der Sangdong-Mine in Südkorea und starken Quartalszahlen sehen die Häuser das Unternehmen am Beginn einer strukturellen Neubewertung. Zuletzt hat Cantor Fitzgerald am 1. Juli das Kursziel von 25,50 USD angehoben. Almonty wird als potenziell prägender, westlicher Lieferant für Wolfram in Verteidigungs- und Hochtechnologieanwendungen eingeordnet.
Der Zeitpunkt könnte strategisch kaum günstiger sein. Ab 2027 verbieten US-Behörden Wolframimporte aus nicht verbündeten Staaten, während China seine Exportkontrollen verschärft. Almonty hat seinen Hauptsitz nach Dillon in Montana verlegt und positioniert sich als heimischer Lieferant für Verteidigungsanwendungen. Parallel läuft ein großes Molybdän-Bohrprogramm mit 12.000 m, während die geplante Wolframoxid-Anlage die Wertschöpfungskette erweitern soll. Der jüngste Kursrückgang nach der Kapitalerhöhung eröffnet einen attraktiven Einstiegszeitpunkt für Anleger, die auf die strukturelle Wolframknappheit und die geopolitische Neuausrichtung westlicher Lieferketten setzen. Aktuell notiert die Aktie bei 15,71 USD an der NASDAQ.
RTX - vor den Quartalszahlen
Die jüngsten Monate haben gezeigt, dass RTX in einer außergewöhnlichen Auftragsdynamik steckt. Allein im Juni sicherte sich Raytheon einen 1,1 Mrd. USD Vertrag für Sidewinder-Raketen und einen weiteren Marineauftrag über 515 Mio. USD für SPY-6-Radarsysteme. Hinzu kommt der ambitionierte Bau eines Weltraumteleskops für kommerzielle Plattformen. Das ist ein Beleg dafür, dass das Unternehmen technologisch über klassische Rüstungsgüter hinausdenkt. Der Gesamtauftragsbestand von 271 Mrd. USD, davon 109 Mrd. USD im Verteidigungsbereich, schafft eine Planungssicherheit. Gleichzeitig treibt die Trump-Administration die Munitionsproduktion mit Nachdruck voran, ein politischer Rückenwind, der RTX direkt in die Hände spielt.
Während Raytheon im Rampenlicht steht liefern auch die anderen Segmente solide Beiträge. Pratt & Whitney verzeichnete im 1. Quartal ein Instandhaltungs-Wachstum von 19 %, getrieben von steigenden Wartungsvolumina der GTF-Triebwerke. Die Herausforderungen sind bekannt, doch die MRO-Kapazitäten werden ausgeweitet, und der Meilenstein von 1 Mio. Flugstunden mit den F119-Triebwerken unterstreicht die technische Substanz. Collins Aerospace bleibt mit einer operativen Marge von über 17 % der Stabilitätsanker des Konzerns. Die Kombination aus ziviler Luftfahrt, Verteidigung und Service macht RTX unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen als viele reine Rüstungskonzerne.
Die aktuellen Entwicklungen sprechen dafür, dass RTX von langfristigen Trends wie der Wiederauffüllung von Munitionsbeständen in der NATO, dem strukturellen Bedarf an Luftverteidigung und dem anhaltenden Flugbetrieb mit alternden Flotten profitiert. Die Dividendenkontinuität seit 1936 signalisiert finanzielle Disziplin, und die bestätigte Prognose für das Gesamtjahr zeigt, dass das Management zuversichtlich ist. Zwar bleibt das Pratt-Risiko bestehen, doch die Fortschritte in der Wartung und die wachsenden Auftragseingänge bei Raytheon überwiegen. Der 23. Juli wird weitere Klarheit bringen, aber die Richtung stimmt. Momentan kostet die Aktie 199,25 USD.
Die jüngste Rüstungskorrektur ist kein Trendbruch, sondern ein taktisches Einstiegsfenster für langfristig denkende Anleger. Rheinmetall überzeugt mit einem Rekordauftragsbestand von 73 Mrd. EUR und bleibt der zentrale Profiteur der europäischen Wiederbewaffnung. Almonty Industries hat mit der Sangdong-Produktion und der US-Reshoring-Strategie den Grundstein für künftige Wolfram-Marktführerschaft gelegt. RTX Corporation beeindruckt mit einem diversifizierten Portfolio und einem Auftragsberg von 271 Milliarden USD. Kurzfristige Volatilität sollte den Blick nicht auf diese ungebrochenen, strukturellen Treiber verstellen.
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