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05.11.2026 | 05:20

SAP, Aqarios Quantum Technologies, D-Wave Quantum – Quantencomputing soll Lieferketten und andere Industrieprobleme entknoten

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Bildquelle: Pixabay

Eine gute Planung braucht Daten und Rechenkraft. Die Planungsdaten verwalten viele Konzerne mit der Software von SAP, doch die Rechenkraft stößt bei verzwickten Aufgaben an Grenzen. Je mehr Abhängigkeiten zusammenkommen, etwa in der Lagerhaltung, im Stromnetz oder in der Produktion, desto schwerer tun sich klassische Verfahren. Hier wollen Quantenanbieter den Problemen an den Kragen gehen. Aqarios Quantum Technologies hat am 29. Oktober Fördermittel für drei Forschungsprojekte gemeldet, eines davon mit E.ON für das Stromnetz. D-Wave unterschrieb am 28. Oktober mit LG CNS eine Absichtserklärung für Optimierung in der Fertigung. Wir sehen uns daher SAP, Aqarios Quantum Technologies und D-Wave Quantum genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Fonterelli SPAC 4 AG | DE000A40UU44 , SAP SE | DE0007164600 , D-WAVE QUANTUM INC | US26740W1099

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Inhaltsverzeichnis:


    SAP – Planungsdaten wachsen mit der Cloud

    Gute Planung beginnt mit sauberen Daten. SAP stellt Unternehmenssoftware bereit, in der Konzerne ihre Abläufe verwalten, und verlagert dieses Geschäft zunehmend in die Cloud. Das betrifft alle, die Lieferketten, Lager oder Produktion mit Rechenverfahren verbessern wollen, ob klassisch oder quantenbasiert. Denn jedes Verfahren ist nur so gut wie die Zahlen, die man ihm gibt. Wer diese Daten bereitstellt, spielt in solchen Planungen eine tragende Rolle. Ob SAP diese Rolle in der Cloud weiter ausbauen kann, zeigen die Zahlen zum dritten Quartal.

    Am 21. Oktober hat SAP diese Zahlen vorgelegt. Erstmals überschritt der Konzern dabei die Marke von 10 Mrd. EUR Quartalsumsatz. Genau waren es 10.270 Mio. EUR, zum Vergleich lag der Wert im Vorjahresquartal bei 9.076 Mio. EUR. Der Cloudumsatz stieg um 26 % auf 6.668 Mio. EUR nach 5.290 Mio. EUR. Der Cloudauftragsbestand kletterte auf 24.144 Mio. EUR, ein Jahr zuvor waren es 18.839 Mio. EUR. Das Betriebsergebnis nach IFRS legte um 18 % auf 2.930 Mio. EUR zu. Zudem erwartet SAP beim währungsbereinigten Cloudumsatz 2026 nun das obere Ende der Spanne von 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR.

    Gelingt SAP der Ausbau der Cloud mit Künstlicher Intelligenz, könnte das die Datenbasis für solche Optimierungen weiter verbreitern. Die Strategie des Konzerns heißt Autonomous Enterprise, und die Übernahmen von Reltio, Dremio und Prior Labs steuerten im 3. Quartal 49 Mio. EUR zum Umsatz bei. Konzernchef Christian Klein sagte zu den Zahlen, die Strategie komme bei den Kunden nicht nur an, sie werde angenommen. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Mrd. EUR bis zum 31. Dezember 2027. Der Ausblick am oberen Ende der Spanne spielt SAP dabei in die Karten. Die Basis stimmt.

     

    Aqarios Quantum Technologies – Optimierung durch Quantencomputing, KI und klassische Technik

    Wer heute ein komplexes Planungsproblem lösen will, greift meist noch nicht zum Quantencomputer, denn für viele Aufgaben ist die Hardware noch nicht weit genug entwickelt. Wer sich dennoch auf den Durchbruch vorbereiten will, braucht die passende Software. Die liefert Aqarios Quantum Technologies. Das Unternehmen entwickelt Quantenalgorithmen und bündelt sie auf seiner Plattform Luna mit künstlicher Intelligenz und klassischen Optimierungsverfahren. So lassen sich Optimierungslösungen schon heute auf klassischer Hardware, etwa GPUs, berechnen. Da Luna hardwareagnostisch aufgebaut ist, können dieselben Anwendungen auch auf Quantencomputern verschiedener Anbieter laufen. Laut Aqarios verbesserte ein hybrider Algorithmus bei der Produktionsplanung von BASF die Planungseffizienz um bis zu 17,5 % und arbeitete bis zu doppelt so schnell wie der klassische Lösungsansatz. Für E.ON war der eigene Quantenalgorithmus FlexQAOA laut Unternehmen 87-mal schneller als andere Quantenansätze. Aqarios arbeitet mit Industrieunternehmen aus Fertigung, Logistik und Energie zusammen und führt mehr als 31 begutachtete Fachveröffentlichungen an. CEO Michael Lachner beschreibt Quantencomputing als das stärkste Werkzeug im Portfolio.

    Am 15. September hat Aqarios den Constrained Quantum Optimizer im Qiskit Functions Catalog von IBM veröffentlicht. Der Algorithmus ist damit für alle Nutzer von IBM Quantum auffindbar, und als Einnahmequelle nennt Aqarios Lizenzen und die Nutzung. Am 30. September beauftragte Schaeffler das Unternehmen mit einem Proof of Concept zur Quantenoptimierung auf Basis von Luna. Am 29. Oktober meldete Aqarios Förderzusagen für drei Forschungsprojekte mit Siemens, E.ON und weiteren Partnern. Sie laufen von Herbst 2026 bis Herbst 2029 und sollen Luna weiterentwickeln. Die Förderung liegt im mittleren sechsstelligen Eurobereich.

    Wie groß könnte der Markt werden? McKinsey sieht im optimistischen Szenario bis zu 34 Mrd. USD für Quantencomputing im Jahr 2030. Aqarios selbst schätzt den für sich erreichbaren Markt bei Optimierungssoftware auf 2,3 Mrd. USD. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Rohertrag von rund 1 Mio. EUR, der sich aus Industrieprojekten und Forschungsgeldern zusammensetzt. Die Einnahmen kommen damit nicht allein aus der Quantenforschung. Gelingt es zudem, Luna an eine Unternehmenssoftware anzubinden, könnte sich die Reichweite vergrößern. Bessere Quantenhardware würde Aqarios auf die Sprünge helfen. Die Software läuft schon.

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    D-Wave Quantum – Annealing im Einsatz, gatterbasierte Technik im Aufbau

    Während Aqarios die Software baut, liefert D-Wave die Maschinen. Das Unternehmen setzt auf Quantenannealing, ein Verfahren für Optimierungsprobleme, und bietet Zugang über die Cloudplattform Leap. Mehr als 100 Kunden aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor und Forschung nennt D-Wave. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Projekt mit SkyWater. Bei der Wartungsplanung in der Fabrik sanken die Verzögerungen bei Fertigungslosen laut Mitteilung um bis zu 30 %. Am 13. Oktober verlängerten beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit mehrjährig.

    Am 8. September schloss D-Wave mit dem Handelsministerium der USA die Vereinbarung über bis zu 100 Mio. USD ab, die Annealing und gatterbasierte Systeme betrifft. Am 1. Oktober startete ein Betaprogramm für den Simulator der gatterbasierten Technik, unter anderem mit BBVA und dem Jülich Supercomputing Centre. Am 15. Oktober meldete D-Wave die Lieferung des ersten auf Annealing basierenden Quantencomputers nach Italien. Die Vereinbarung mit Swiss Quantum Technology über 10 Mio. EUR sichert dem Partner fünf Jahre lang 50 % der Kapazität. Am 28. Oktober folgte eine unverbindliche Absichtserklärung mit LG CNS.

    Gelingt der Sprung vom Annealing zu gatterbasierten Systemen, könnte D-Wave zwei Technologien parallel anbieten. Die Förderung aus den USA soll genau dies beschleunigen. Der Simulator dient laut Unternehmen der Vorbereitung auf kommende gatterbasierte Systeme. Bei LG CNS bleibt es vorerst bei einer Absichtserklärung, die nicht bindend ist, und ob daraus Produktivprojekte entstehen, entscheiden erst Aufträge. Seine Zahlen zum 3. Quartal legt D-Wave am 10. November vor Handelsbeginn vor. Dann sieht man, wie sich das Geschäft im Quartal entwickelt hat. Jetzt braucht es Aufträge.

     

    Fazit

    Planung wird komplexer, und die Rechenkraft dafür kommt aus mehreren Richtungen. SAP liefert die Datenbasis und hat im dritten Quartal erstmals mehr als 10 Mrd. EUR umgesetzt. Aqarios Quantum Technologies bringt die Software, die Quantencomputing, Künstliche Intelligenz und klassische Verfahren verbindet und schon heute Industrieprojekte bedient. D-Wave Quantum baut die Maschinen und hat mit dem Annealing ein Produkt im Markt, während die gatterbasierte Technik noch im Aufbau ist. Gelingt der Schritt aus der Pilotphase in den Alltag, könnten alle drei davon profitieren. Der Bedarf ist da.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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