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05.06.2026 | 05:20

Almonty Industries: Mit der Sangdong-Mine gegen Chinas Monopol – Lohnt sich der Einstieg jetzt?

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Bildquelle: pixabay.com

Die USA haben im Nahen Osten Tomahawk-Marschflugkörper in einem Tempo verfeuert, das selbst Pentagon-Planer nervös gemacht haben dürfte. In jeder dieser Raketen steckt Wolfram. Das ist ein kritischer Rohstoff, den China zu über 80 % kontrolliert. Washington sucht händeringend nach Alternativen. In den Bergen Südkoreas läuft genau eine solche gerade an. Die Sangdong Mine, die 30 Jahre stillstand, soll nun die westliche Versorgung sichern. Das Unternehmen dahinter steht vor dem größten Kapitel seiner Geschichte. Wir sehen uns daher Almonty Industries genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII

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Inhaltsverzeichnis:


    Ein unsichtbarer Engpass

    Über Jahrzehnte hatte sich der Westen bequem eingerichtet. China lieferte Wolfram zu Preisen, die eigene Minen unwirtschaftlich machten. Die letzte kommerzielle Förderung in den USA endete 2015. Europa schaute zu. Doch das Modell bröckelt.

    Seit Februar 2025 gilt in Peking eine Ausfuhrlizenzpflicht für strategische Mineralien, im Januar 2026 folgte ein erweiterter Katalog für Dual-Use-Güter. Dadurch schnellten die Wolframpreise um mehr als 500 % nach oben. Ein Preis von zeitweise über 3.300 USD je metrische Tonneneinheit (MTU) für Ammoniumparawolframat ist keine vorübergehende Spitze mehr, er signalisiert einen strukturellen Bruch. Seit Mitte April liegt der Durchschnittspreis konstant über 3.000 USD.

    Dahinter steckt mehr als chinesische Handelspolitik. Die eigene Förderung geht zurück, während der heimische Bedarf steigt. Peking ist inzwischen Nettoimporteur von Wolframkonzentraten. Die Exportkontrollen wirken deshalb nicht wie eine starke Arroganz, sondern wie ein Schutzschild für angeschlagene eigene Kapazitäten.

    Gleichzeitig wächst die Nachfrage auf breiter Front. Die Rüstungsindustrie benötigt Wolfram für panzerbrechende Munition, Raketendüsen und Präzisionskomponenten. Die Halbleiterbranche setzt das Metall als Wolframhexafluorid für die Verbindung von Chip-Schichten ein, besonders in der 3D-NAND-Fertigung. Und die zivile Industrie nutzt es in Hartmetallwerkzeugen, die in jeder Maschinenhalle laufen. Mehrere Megatrends überlagern sich.

    Die Mine, die alles ändert

    Genau von dieser Gemengelage profitiert Almonty Industries. Mit der Sangdong-Mine in Südkorea besitzt das Unternehmen eines der größten Wolframvorkommen außerhalb Chinas. Ende 2025 startete dort die kommerzielle Förderung, im März 2026 ging dann die erste Ausbaustufe offiziell in Betrieb.

    Die Dimension ist beachtlich. Phase 1 verarbeitet rund 640.000 t Erz pro Jahr, was etwa 230.000 MTU Wolframkonzentrat entspricht. Der Erzgehalt liegt mit 0,51 % Wolframtrioxid etwa dreimal so hoch wie der globale Durchschnitt. Das ist ein entscheidender Kostenvorteil. Für 2027 ist eine zweite Stufe geplant, die die Kapazität auf 1,2 Mio. t Erz und 460.000 MTU Konzentrat verdoppeln soll.

    Das Unternehmen investierte über 100 Mio. CAD in die Wiederbelebung für neue Untertagestollen und eine moderne Aufbereitungsanlage von Metso Outotec mit Flotationsverfahren statt Schwerkrafttrennung. Der Vorteil der Flotation ist, dass sie berechenbarer ist und einen schnelleren Hochlauf verspricht. Die Anlage wurde bei einem Wolframpreis von 300 USD je MTU geplant, der aktuelle Marktpreis liegt derzeit bei dem 10-fachen.

    Feierliche Einweihung der Sangdong-Mine, Quelle: Almonty Industries

    Eine Bilanz im Wandel

    Das erste Quartal 2026 markiert eine Zäsur. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 221 % auf 25,4 Mio. CAD. Der operative Cashflow drehte von minus 4,4 auf plus 9,7 Mio. CAD. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich von minus 2,4 auf plus 6,1 Mio. CAD.

    Unterm Strich steht noch ein Nettoverlust von 5,3 Mio. CAD. Allerdings ist dieser weitgehend auf nicht zahlungswirksame Bewertungseffekte zurückzuführen, da die Aktie im 1. Quartal von 12 auf über 20 CAD zulegte, wodurch Derivate und Wandelanleihen teurer wurden. Operativ hat das Unternehmen die Trendwende geschafft.

    Die Bilanz ist solide. Zum Quartalsende lagen die liquiden Mittel bei 259,9 Mio. CAD. Zwei Kapitalmaßnahmen im Jahr 2025, ein Börsengang an der Nasdaq über 90 Mio. USD und eine weitere Platzierung über 129 Mio. USD, haben dem Management finanziellen Spielraum verschafft. Das Unternehmen ist für den weiteren Hochlauf gerüstet.

    Ergänzt wird das Bild durch die Panasqueira-Mine in Portugal, die seit Jahren stabile Cashflows liefert, sowie durch das Gentung-Projekt in Montana, das noch 2026 die Produktion aufnehmen soll. In Südkorea entwickelt Almonty zudem ein Molybdänprojekt – ohne zusätzliche Genehmigungshürden, wie das Management betont.

    Wenn Raketen und Chips um dasselbe Metall buhlen

    Der Wolframmarkt ist klein, illiquide und politisch aufgeladen. Das macht ihn anfällig für extreme Ausschläge, aber auch besonders attraktiv für Anbieter mit gesicherter Förderung. Almonty profitiert gleich mehrfach von den chinesischen Exportrestriktionen, von der steigenden Verteidigungsnachfrage im Iran-Konflikt und vom Boom der Halbleiterindustrie.

    Zusätzlich greift eine regulatorische Weichenstellung. Ab 2027 schreibt das US-Verteidigungsministerium vor, dass wolframhaltige Komponenten aus nicht-chinesischen Quellen stammen müssen. Das öffnet für Produzenten außerhalb des chinesischen Einflussbereichs ein strategisches Fenster.

    Analysten rechnen mit einer strukturell höheren Preisuntergrenze. Die Bank of America hob ihre Prognosen für 2026 auf durchschnittlich 2.903 USD je MTU an, für 2027 auf 2.700 USD. Die bisherigen Annahmen lagen deutlich niedriger. Entsprechend korrigierten die Experten ihre Ergebnisprognosen für Almonty nach oben. Das bereinigte EBITDA für 2026 soll nun bei knapp 600 Mio. CAD liegen.

    Der institutionelle Durchbruch

    Ein Ereignis dürfte die Aktie in den kommenden Wochen weiter beflügeln. Am 29. Juni 2026 wird Almonty Industries in die Russell-Indizes aufgenommen, sowohl in den breiten Russell 3000 als auch in den Large-Cap-Russell 1000. Die Aufnahme basiert auf der vorläufigen Liste vom 22. Mai.

    Indexfonds und ETFs, die diese Benchmarks abbilden, müssen in Folge dessen zukaufen. Schätzungen zufolge könnten allein durch die Neugewichtung netto rund 13 Mio. Aktien nachgefragt werden. Das ist das Dreifache des durchschnittlichen Tageshandelsvolumens.

    Die Bewertungshäuser haben ihre Kursziele bereits angepasst. Cantor Fitzgerald sieht Potenzial bis 25,80 USD, gestützt auf einen gemischten Ansatz aus Nettoinventarwert und EBITDA-Multiple. Die Bank of America nennt 23 USD, Oppenheimer bestätigt die Outperform-Bewertung. DA Davidson und B. Riley liegen mit 25 beziehungsweise 23 USD in einer ähnlichen Spanne. Die Analysten argumentieren mit einem 8,5- bis 8,0-fachen EV/EBITDA für die Jahre 2026 und 2027.

    Die Aktie notiert aktuell bei 19,96 USD.


    Die Weichen für den Erfolg von Almonty Industries sind gestellt. Die Sangdong-Mine läuft, die Nachfrage nach Wolfram erreicht historische Höhen, und die Aufnahme in die US-Indizes öffnet die Türen zu institutionellem Kapital. Die operativen Meilensteine sind erreicht, die Bilanz ist gefestigt, der Markt strukturell unterversorgt. Ja, der Hochlauf braucht Geduld und die Rohstoffpreise schwanken, das ist bei keiner Wachstumsgeschichte anders. Doch die Fundamentaldaten sprechen eine klare Sprache. Wer frühzeitig auf den Aufbau einer unabhängigen westlichen Lieferkette setzt, partizipiert an einem der spannendsten Rohstofftrends dieser Dekade. Die Richtung zeigt unmissverständlich nach oben.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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