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07.08.2025 | 06:00

Neues Zoll Drama – wie Novo Nordisk, Vidac Pharma und BioNTech mit KI und Onkologie dem Protektionismus begegnen

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Bildquelle: pixabay.com

Die globale Pharmabranche erlebt 2025 eine historische Doppelrevolution: Künstliche Intelligenz beschleunigt Forschung und personalisierte Therapien, während disruptive US-Zölle von bis zu 250 % Lieferketten neu ordnen. Diese Kräfte kollidieren, da Innovation auf Protektionismus trifft. Die Gewinner meistern beides. Sie nutzen digitale Durchbrüche und umgehen Handelsbarrieren durch strategische Produktionsverlagerung. Wer jetzt investiert profitiert vom Ringen um medizinische Zukunftsmärkte. Der Bereich der dabei am meisten Wachstum verspricht ist die Onkologie. Wir sehen uns mit Novo Nordisk, Vidac Pharma und BioNTech drei spannende Unternehmen aus der Pharma- und Biotech-Branche an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026

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Inhaltsverzeichnis:


    Novo Nordisk - Expansion läuft, Zahlen stimmen, doch die Anleger sind verunsichert

    Novo Nordisk treibt seine US-Präsenz entschlossen voran. Nach der Übernahme Ende 2024 von drei Fertigungsstätten des Partners Catalent, eine davon in den USA, investiert der dänische Pharmariese rund 4,1 Mrd. USD in einen neuen Komplex in Clayton, North Carolina. Die Anlage verdoppelt die Fläche am Standort und schafft 1.000 neue Jobs. Bis 2029 soll hier die Produktion von Injektionspräparaten hochgefahren werden. Insgesamt fließen knapp 7 Mrd. USD in US-Kapazitäten und Qualitätssicherung. Damit will man unabhängiger von Importen werden und die enorme Nachfrage nach Diabetes- und Adipositas-Medikamenten wie Ozempic und Wegovy vor Ort bedienen, auch als Schutz vor potenziellen Handelsbarrieren.

    Die operativen Zahlen für das 1. Halbjahr 2025 zeigen weiterhin Stärke. Der Umsatz stieg um 16 %, der operative Gewinn sogar um 25 %. Besonders das Geschäft mit Adipositas-Medikamenten legte mit 56 % kräftig zu. Doch die Freude trübt sich. Novo Nordisk hat seine Jahresprognose deutlich gedrosselt. Statt 13-21 % erwartet man nun nur noch 8-14 % Umsatzwachstum. Gründe sind härterer Wettbewerb, langsamer als geplante Markterschließung und vor allem der anhaltende Druck durch preisgünstige Nachahmerprodukte, sogenannter Compounder, in den USA. Diese Entwicklung veranlasste Anleger sogar zu einer Sammelklage, die dem Unternehmen Verschleierung von Risiken vorwirft.

    Trotz der kurzfristigen Dämpfer bleibt der langfristige Markt gigantisch. Die Pipeline macht Hoffnung. Vielversprechende Kandidaten wie das Adipositas-Medikament Amycretin werden in die entscheidende Phase-3-Studie gebracht. Ab dem 7. August führt zudem ein neuer CEO das Unternehmen. Mike Doustdar, ein Novo-Veteran seit 1992, übernimmt das Ruder von Lars Fruergaard Jørgensen. Er steht vor der Aufgabe, das verlorene Anlegervertrauen zurückzugewinnen und die Strategie gegen die Herausforderungen zu schärfen. Historisch hat Novo Nordisk ähnliche Turbulenzen wie zuletzt 2016/2017 gemeistert und gestärkt überwunden. Ob das wieder gelingt, wird Doustdars erste große Bewährungsprobe. Die Aktie notiert derzeit bei 40,82 EUR.

    Vidac Pharma - wissenschaftlicher Fokus trifft Wachstumsdynamik

    Vidac Pharma vertreibt noch keine Medikamente ist daher derzeit nicht von US-Zöllen betroffen. Das Unternehmen kann sich ganz seinem neuartigen Ansatz in der Krebstherapie widmen, der Umkehrung des Warburg-Effekts. Krebszellen nutzen diesen Mechanismus für ihr Wachstum, indem sie Glukose ineffizient verstoffwechseln. Vidacs Wirkstoffe wie VDA-1102 und VDA-1275 zielen darauf ab, diesen Prozess gezielt zu unterbrechen. Dies stellt nicht nur den natürlichen Zelltod wieder her, sondern macht Tumore auch anfälliger für andere Therapien. Besonders VDA-1275 zeigte in präklinischen Studien starke Synergien mit Chemotherapeutika, die deren Wirksamkeit bei Leberkrebs deutlich steigerten. Die Pipeline konzentriert sich auf Haut- und Leberkrebs, mit vielversprechenden klinischen Daten.

    Strategisch hat das Unternehmen wichtige Weichen gestellt. Die Ernennung von Dr. Eyal Breitbart zum Chief Technology Officer (CTO) bringt über 20 Jahre Erfahrung in der gesamten Arzneimittelentwicklung, von der Forschung bis zur Produktion, ins Team. Seine Expertise soll die Skalierung der Pipeline beschleunigen. Parallel bereitet Vidac den Schritt an eine größere deutsche Börse vor. Dieses geplante Upgrade zielt klar darauf ab, die internationale Sichtbarkeit zu erhöhen und den Zugang zu breiteren Kapitalmärkten für die nächste Wachstumsphase zu öffnen.

    Für Investoren ist die Kombination aus wissenschaftlichem Potenzial und operativen Schritten interessant. Analysten wie Sphene Capital erkennen das Wertschöpfungspotenzial der Pipeline, die durch umfassende Patente geschützt ist. Die vielversprechenden klinischen Daten, besonders zu VDA-1102 bei Hautkrebsindikationen wie aktinische Keratose oder kutanen Lymphomen und dessen Anwendung bei pädiatrischen Hirntumoren, sowie die strategische Ausrichtung unterstreichen die langfristige Perspektive. Externe Anerkennung, etwa durch das EU-STEP-Siegel, unterstreichen die Qualität der Arbeit. Diese Faktoren bilden eine solide Basis für die weitere Entwicklung. Das sind die Gründe, warum das Kursziel von Sphene Capital bei 4,30 EUR liegt, obwohl die Aktie aktuell für 0,53 EUR zu haben ist.

    BioNTech – Übernahme und Partnerschaft für die Onkologie

    Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech, bekannt durch seinen Pandemie-Impfstoff, setzt konsequent auf die Krebsforschung und nutzt dabei den Supercomputer Kyber und die KI um seine Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Mit zwei strategischen Weichenstellungen hat man zuletzt seine Onkologie-Pipeline gestärkt. Neben dem US-Partner Pfizer gibt es nun eine weitere milliardenschwere Partnerschaft mit dem US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb für den Antikörperkandidaten BNT327. Darüber hinaus gibt es noch die geplante Übernahme des Tübinger mRNA-Spezialisten CureVac. Beide Schritte sollen die Entwicklung tumorübergreifender Therapien beschleunigen. Der Fokus liegt auf personalisierten mRNA-Ansätzen und bispezifischen Antikörpern, die in mehreren fortgeschrittenen Studien getestet werden.

    Trotz steigender Umsätze bleibt das Unternehmen im Verlustbereich. Im 2. Quartal lag der Nettorückgang bei 387 Mio. EUR, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge von 79 % zeigt Stärke, doch hohe Forschungsausgaben drücken aufs Ergebnis. Mit 16 Mrd. EUR an liquiden Mitteln ist die Kasse voll, was weitere Investitionen und Akquisitionen ermöglicht. Für 2025 bestätigt das Unternehmen seine Prognose von 1,7 bis 2,2 Mrd. EUR Umsatz, wobei der Schwerpunkt auf der Onkologie liegt.

    Die Transformation vom Impfstoffhersteller zum Krebsforschungsspezialisten ist im Gange, aber nicht ohne Risiken. Regulatorische Hürden und lange Entwicklungszeiten in der Onkologie erfordern Geduld. Analysten bewerten die Aktie überwiegend positiv, sehen aber auch Herausforderungen. Kursziele reichen von 115 bis 151 USD. Entscheidend wird sein, ob die Pipeline in den kommenden Jahren marktreife Produkte liefert. Für Investoren bleibt es ein Geduldsspiel. Zoll Probleme in den USA dürfte es durch die US-Partner nicht geben. Die Aktie tendiert schon länger seitwärts und ist momentan für 95,70 EUR zu haben.


    Der protektionistische Druck zwingt die Pharmabranche zu strategischen Anpassungen, wobei die Onkologie als zentraler Wachstumstreiber gilt. Novo Nordisk stemmt sich mit massiven US-Produktionsinvestitionen gegen Zollrisiken und Nachahmerdruck, muss aber enttäuschte Anleger und eine gedrosselte Prognose bewältigen. Vidac Pharma, aktuell nicht von Zöllen betroffen, fokussiert sich auf vielversprechende onkologische Wirkstoffe zur Umkehrung des Warburg-Effekts und strebt ein Listing an einer großen deutschen Börse an für mehr Sichtbarkeit. BioNTech treibt seine Transformation zum Onkologie-Spezialisten durch milliardenschwere Partnerschaften und die geplante CureVac-Übernahme voran, gestützt auf KI und eine volle Kriegskasse. Aktuell schreibt das Unternehmen weiter Verluste und hat lange Entwicklungszyklen vor sich.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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