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23.04.2024 | 06:00

RWE, Kraken Energy, Nel ASA – Deutschlands Industrie unter Druck

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Bildquelle: pixabay.com

Deutschland geht seinen eigenen Weg in der Energiepolitik und setzt in Zukunft komplett auf Erneuerbare Energien. Robert Habeck betonte, dass man jetzt unabhängig von russischem Gas ist. Doch von Unabhängigkeit kann keine Rede sein, denn Deutschland ist zum Nettostromimporteur geworden, der indirekt Gas aus Russland und auch Atomstrom importiert. Denn die Stromspeicher in Deutschland für die Erneuerbaren Energien reichen nicht einmal für eine Stunde. Dazu hat Deutschland mit die höchsten Strompreise, was die Industrie schon heute teilweise dazu veranlasst, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Atomkraft ist eine Alternative, die emissionsfrei ist. Weltweit werden viele Kraftwerke gebaut. Hier könnte das Uran knapp werden. Ob Wasserstoff das Stromspeicherproblem lösen kann ist derzeit fraglich.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RWE AG INH O.N. | DE0007037129 , KRAKEN ENERGY CORP | CA50075X1024 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

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Inhaltsverzeichnis:


    RWE – vorzeitiger Braunkohleausstieg?

    Von der deutschen Energiepolitik ist vor allem RWE direkt betroffen. Der Konzern musste aufgrund der Abschaltung der Atomkraft- und Kohlekraftwerke umstrukturieren. Auch wenn das Unternehmen dafür Kompensationszahlungen erhalten hat, so geht man durch eine Transformation. Eine Studie der Umweltschutzorganisation BUND hält eine Beschleunigung des Braunkohleausstiegs in Nordrhein-Westfalen für möglich da eine Analyse zeigt, dass der Bedarf an Braunkohle überschätzt wurde. Auch hier sind die Essener involviert, da es beispielsweise um das von Klimaaktivisten besetzte Lützenrath geht.

    Der Umbau des Versorgers geht voran und die Erneuerbaren Energien gewinnen an Gewicht im Unternehmensportfolio. Dabei spielt die Windkraft eine wichtige Rolle. RWE plant, bis 2030 ihre installierte Leistung bei Windanlagen an Land bis auf 14 GW zu erweitern und bezieht in den nächsten Jahren rund 120 Windenergieanlagen von Nordex. Der Vertrag mit dem deutschen Turbinenbauer wurde im März öffentlich. Außerdem will man in Deutschland Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 3 GW bauen. In Südkorea hat man sich Anfang April die Rechte für einen Offshore Windpark mit einer geplanten Leistung von 495 MW gesichert. Dieses Projekt soll 2031 in Betrieb genommen werden.

    Die Meldung zeigt auch, dass der Konzern international nach lohnenden Projekten Ausschau hält. Dabei geht man nach strikten Kriterien vor, so dass Flops nahezu ausgeschlossen sind. Nachdem die Großhandelspreise für Strom lange gesunken sind zogen sie zuletzt wieder an. Ob das an der Abschaltung der deutschen Kohlekraftwerke liegt ist nicht sicher. Man sollte abwarten, wie sich die Preise in den kommenden Wochen verhalten. Steigende Preise sind aber gut für das Geschäft von RWE. Die Aktie hat sich daraufhin auch von dem Jahrestief lösen können und notiert aktuell bei 31,75 EUR.

    Kraken Energy – Uran wird knapp

    Wie schon eingangs erwähnt, verzichtet Deutschland auf die Kernkraft, im Gegensatz zu vielen anderen Industriestaaten. Etliche Kraftwerke befinden sich in Planung oder im Bau und befeuern die Nachfrage nach Uran. Gekoppelt mit einem stetig wachsenden Produktionsdefizit haben die Uranpreise bereits deutlich angezogen. Besonders die USA stehen vor einer erheblichen Versorgungslücke. Hier könnte die heimische Uranproduktion gefördert werden. Davon würde Kraken Energy, ein Unternehmen, das sich auf Uranexploration und -entwicklung spezialisiert hat, profitieren. Das Unternehmen besitzt 4 hochgradige Uranprojekte in den USA, darunter 3 in Nevada und 1 in Utah.

    Diese Projekte sind nicht nur aufgrund ihrer hohen Erzgehalte bemerkenswert, sondern auch wegen der bereits vorhandenen Infrastruktur und der Unterstützung durch zuverlässige geologische Daten. Ende Februar wurde mit den Bohrungen am Harts Point Uranium Projekt in Utah begonnen. Am 26. März konnte der erfolgreiche Abschluss der Arbeiten verkündet werden. Es wurden 2 Bohrlöcher in einem Abstand von 5 km niedergebracht. Bei beiden Bohrlöchern konnte eine erhöhte Radioaktivität festgestellt werden. CEO Matthew Schwab zeigte sich sehr zufrieden. Das Apex-Projekt bleibt allerdings das Flaggschiff von Kraken Energy und hat bereits historisch erhebliche Uranmengen geliefert.

    Es verfügt also über entsprechende Infrastruktur und über nicht konform gemeldete Reserven, die noch nicht ausgeschöpft worden sind. Kraken Energy setzt sich zum Ziel, ein realistisches und zuverlässiges Hub-and-Spoke-Modell für die Uranproduktion in den USA zu entwickeln. Die Pläne des Unternehmens passen zur steigenden Dynamik im Uranmarkt. In Zeiten, in denen man Emissionen einsparen will, führt kein Weg an den Atomkraftwerken vorbei. Damit kann man die CO2 Emissionen auf 0 reduzieren. Atomstrom gehört für Industrienationen zu einem effektiven Energiemix dazu. Trotz der guten Bohrergebnisse konnte der Aktienkurs bislang nicht zulegen und handelt aktuell bei 0,105 CAD.

    Nel ASA – Zahlen enttäuschen Anleger

    Da die Atomkraft in Deutschland gegenwärtig nicht zurückkommt bleibt die Frage, wie man die ausgebauten Erneuerbaren Energien speichern kann. Der Ausbau der Netze ist zum einen sehr teuer und wird Zeit in Anspruch nehmen. Eine Alternative wäre die überschüssige Energie aus Solar- und Windkraft als grünen Wasserstoff zu speichern. Dieser wäre sowohl speicherbar, als auch transportabel. Dazu benötigt man Elektrolyseure. Ein Spezialist dafür ist das norwegische Unternehmen Nel ASA. Die Aktie notierte Anfang 2021 bei 35,15 NOK, das war der Peak des Hypes um Wasserstoff. Seitdem ist die Aktie um fast 90 % eingebrochen.

    Grund dafür ist, dass trotz aller Wachstumsaussichten das Unternehmen noch immer nicht profitabel ist. Am 17. April legte der Konzern seine Zahlen zum 1. Quartal vor. Dabei verzeichnete Nel ASA eine Umsatzsteigerung von 14 % auf 387 Mio. NOK, im Vergleich zu 341 Mio. NOK im Vorjahresquartal. Die Verbesserung des EBITDA auf -16 Mio. NOK, im Vergleich zu -121 Mio. NOK im vorherigen Jahr, resultiert unter anderem aus der Neuverhandlung der Nikola Verträge. Ein Rückgang des Nettoverlustes auf -22 Mio. NOK wurde ebenfalls festgestellt und dies bedeutet eine deutliche Verbesserung gegenüber -192 Mio. NOK im Jahr zuvor.

    Das Auftragsvolumen des Unternehmens betrug im Berichtszeitraum 459 Mio. NOK, fast gleichbleibend im Vorjahresvergleich. Der Auftragsbestand reduzierte sich leicht auf 2,4 Mrd. NOK und die Bargeldreserven betrugen am Ende des Quartals 3,26 Mrd. NOK gegenüber 4,62 Mrd. NOK am Jahresanfang. Insgesamt waren die Anleger enttäuscht und hatten mehr erwartet. Vor den Zahlen war die Stimmung deutlich positiver, unter anderem durch hohe Subventionszusagen aus den USA, wo man eine Gigafabrik bauen will. Ein Anteilsschein kostet aktuell 4,70 NOK und nähert sich wieder seinem Jahrestief von 4,23 NOK.


    Ohne eine entsprechende Infrastruktur, wie passende Stromspeicher und Stromtrassen, sollte man nicht allein auf Erneuerbare Energien setzen. Ansonsten ist man von anderen Ländern abhängig. RWE hat sein Energieportfolio bereits hin zu Erneuerbaren Energien transformiert. Der Konzern profitiert von steigenden Großhandelsstrompreisen. Kraken Energy ist in den USA aktiv und konzentriert sich hauptsächlich auf historische Uranvorkommen. Somit kann man auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen. Das Unternehmen will ein Hub-and Spoke-System etablieren. Eine Alternative für Stromspeicher für Erneuerbare Energien ist die Wasserstoff Technologie. Hier hat sich Nel ASA positioniert und liefert passende Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff. Allerdings arbeitet das Unternehmen defizitär.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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