27.10.2026 | 05:36
Siemens Energy, RE Royalties, Nordex – 30 Jahre, die Anleger aufhorchen lassen
30 Jahre Wartungsvertrag für neue Windturbinen. Zehn Jahre zusätzliche Einnahmen, obwohl ein Darlehen bereits vollständig zurückgezahlt wurde. Und 120 neue Schaltfelder für eines der wichtigsten deutschen Stromnetze. Hinter diesen Zahlen steckt mehr als der nächste Auftrag aus der Energiebranche. Sie zeigen, wie Unternehmen versuchen, aus einmaligen Investitionen langfristig planbare Einnahmen zu machen. Für Anleger könnte genau diese Entwicklung entscheidender werden als die reine Zahl neu installierter Megawatt.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: RE Royalties Ltd | CA75527Q1081 , NORDEX SE | DE000A0D6554 , SIEMENS ENERGY AG NA | DE000ENER6Y0
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Siemens Energy – Milliardenaufträge sichern das Langfrist-Wachstum
Der deutsche Energietechnik-Gigant verdeutlicht die enormen Dimensionen des globalen Infrastrukturausbaus. Die fundamentale Basis des Konzerns erreicht historische Ausmaße. Der Auftragsbestand steigt zuletzt auf einen nie dagewesenen Rekordwert von 162 Mrd. EUR, angetrieben durch einen massiven Auftragseingang von knapp 17,9 Mrd. EUR im abgelaufenen dritten Quartal. Der Ausbau der europäischen Netzanbindung und die hohe Nachfrage nach Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssystemen bilden das absolute Rückgrat der Energiewende.
Trotz dieser starken fundamentalen Auftragslage zeigte sich die Aktie zuletzt hochvolatil. In der vergangenen Handelswoche verzeichnete das Wertpapier einen Rückgang von rund 12 % und notierte zeitweise unter der Marke von 120 EUR. Am Markt wurden diese Bewegungen vor allem auf allgemeine Zinssorgen, Branchenschwankungen und klassische Gewinnmitnahmen nach der monatelangen Kursrallye zurückgeführt.
Dennoch bleibt die langfristige Investmentstory intakt. Dies bestätigten auch die Analysten von RBC Capital Markets. Die Experten untermauerten ihre positive Haltung und bestätigten ihr Kursziel von 200 EUR für die DAX-Aktie. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 94 Mrd. EUR bleibt der Konzern ein Basisinvestment für Anleger, die auf die billionenschweren Hardware- und Infrastrukturinvestitionen der kommenden Jahre setzen wollen.
RE Royalties – Millionen zurückgezahlt, zehn Jahre zusätzliche Einnahmen gesichert
RE Royalties lieferte vor kurzem einen Beleg für das Potenzial seines Geschäftsmodells. Während das kanadische Unternehmen sein internationales Portfolio um neue Solaranlagen erweitert, zahlt sich eine frühere Finanzierung in den USA gleich doppelt aus. Das ursprünglich investierte Kapital ist vollständig zurückgeflossen, gleichzeitig bleiben langfristige Einnahmen bestehen. Am 19. Oktober meldete RE Royalties zudem den Erwerb einer Umsatzbeteiligung an neun bereits produzierenden Solaranlagen auf den Philippinen für 1,5 Mio. USD. Die Anlagen auf den Dächern von Einkaufszentren verfügen über eine Gesamtleistung von 14,2 MW.
Im Gegenzug erhält RE Royalties über die gesamte Betriebsdauer der Anlagen vierteljährliche Beteiligungen an den Bruttoumsätzen. Langfristige Stromabnahmeverträge und die bestehende Betriebshistorie reduzieren dabei die typischen Entwicklungsrisiken neuer Energieprojekte. Auszahlen könnte das zusätzliche Wachstumspotenzial. Der Projektpartner Singapore Solar verfügt über rund 138 MW an Vorhaben in fortgeschrittener Entwicklung sowie eine identifizierte Pipeline von mehr als 700 MW. Daraus könnten weitere größere Royalty-Finanzierungen entstehen.
Wie attraktiv dieses Modell sein kann, zeigt eine Entwicklung aus Wisconsin. Outagamie Clean Energy Partners hat ein besichertes Darlehen über 4,6 Mio. USD vollständig zurückgezahlt. Die letzte Rate belief sich auf rund 938.000 USD. Das ursprünglich mit 13,5 % jährlich verzinste Darlehen diente der Modernisierung einer Biogasanlage, die landwirtschaftliche Abfälle zu erneuerbarem Erdgas aufbereitet.
Obwohl RE Royalties sein eingesetztes Kapital vollständig zurückerhalten hat, bleibt eine vertraglich vereinbarte Royalty bestehen. Über weitere zehn Jahre stehen dem Unternehmen jährlich 4 % des ursprünglichen Investitionsbetrags zu. Das entspricht 184.000 USD pro Jahr beziehungsweise rechnerisch 1,84 Mio. USD über die gesamte Laufzeit. Die erste Royalty-Zahlung ist bereits eingegangen. Gleichzeitig steht das zurückgezahlte Kapital grundsätzlich für neue Investitionen zur Verfügung.
Damit demonstriert RE Royalties die wirtschaftlichen Stärken seines Ansatzes: Zinserträge während der Finanzierungsphase, Rückzahlung des eingesetzten Kapitals und zusätzliche langfristige Einnahmen. Inzwischen umfasst das internationale Portfolio mehr als 100 Royalty-Beteiligungen an Projekten für erneuerbare Energien.
Zusätzliche Fantasie liefert die laufende strategische Überprüfung. Gemeinsam mit PwC Corporate Finance untersucht das Management verschiedene Möglichkeiten, darunter neue Finanzierungspartner, strategische Kooperationen und einen möglichen Unternehmensverkauf. Gespräche mit interessierten Parteien laufen bereits. Ein konkretes Ergebnis steht zwar noch aus, doch die jüngsten Transaktionen unterstreichen das Potenzial, mit zusätzlichen Finanzmitteln das Royalty-Portfolio weiter auszubauen.
Nordex – Weltpremiere in Neuseeland
Auch bei den reinen Anlagenbauern sorgt der weltweite Ausbau für prall gefüllte Auftragsbücher, was sich deutlich an der operativen Entwicklung der Nordex SE bemerkbar macht. Der Hamburger Windturbinenhersteller meldete am 22. Oktober 2026 einen strategischen Erfolg und den Eintritt in einen komplett neuen Markt. Das Unternehmen sicherte sich seinen ersten Auftrag überhaupt aus Neuseeland.
Der neuseeländische Energieversorger Mercury orderte insgesamt 40 Windenergieanlagen des Typs N133/4.8. Mit einer Gesamtleistung von 192 MW werden diese den neuen Windpark Puke Kapo Hau auf der Südinsel des Landes antreiben. Besonders lukrativ für das norddeutsche Unternehmen ist der zusätzlich abgeschlossene Servicevertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Solche langfristigen Wartungsverträge gelten in der Branche als hochmargig und sichern Nordex kalkulierbare Einnahmen über Jahrzehnte hinweg. Die Errichtung der knapp 90 Meter hohen Anlagen soll Anfang 2028 beginnen.
Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit über 3 Mrd. EUR und einem Aktienkurs im Bereich von 37 EUR festigt Nordex seine Position als einer der führenden internationalen Turbinenbauer. Der Vorstoß nach Neuseeland beweist, dass die Technologie des Unternehmens global stark nachgefragt wird. Solange die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Ausbau erneuerbarer Energien weltweit massiv forcieren, dürfte Nordex von seinem breit aufgestellten internationalen Projektportfolio weiter erheblich profitieren.
Fazit
Siemens Energy profitiert vom notwendigen Ausbau der Stromnetze, während Nordex mit neuen Großaufträgen und langfristigen Serviceverträgen seine internationale Präsenz stärkt. RE Royalties setzt dagegen auf die Finanzierung erneuerbarer Energieprojekte und sichert sich dafür wiederkehrende Umsatzbeteiligungen. Die jüngsten Investitionen auf den Philippinen und die Rückzahlung des OCEP-Darlehens zeigen das Potenzial dieses Ansatzes.
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