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10.12.2021 | 04:44

Steinhoff, Desert Gold, China Evergrande, Wirecard – Die Pennystock-Raketen für 2022!

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Bildquelle: pixabay.com

Pennystocks sind nicht nur billig, meist gibt es auch handfeste Gründe, warum ein Wert ausverkauft wurde oder eben niedrig notiert. Bei den australischen Aktien sind ein niedriger Nennwert und die Ausgabe von sehr vielen Aktien der natürliche Grund für Null Komma-Notierungen. Auch kanadische Explorer haben diese Eigenart, sie machen ihre Aktienmenge aber oft durch ein Rollback wieder überschaubarer. Einen konkreten Hinweis auf „Teuer oder Billig“ erhalten Anleger nur durch Studium der Umstände oder der genauen fundamentalen Prüfung des Unternehmens. Wirecard war einst mit 25 Mrd. EUR bewertet. Nach der Insolvenzmeldung wird der Börse aber nun bewusst, dass selbst bei Verwertung einiger Zahlungslizenzen für die Aktionäre nichts mehr übrigbleiben wird. Wir schauen auf drei ausgewählte Werte.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DESERT GOLD VENTURES | CA25039N4084 , STEINHOFF INT.HLDG.EO-_50 | NL0011375019 , CHINA EVERGRANDE GROUP | KYG2119W1069 , WIRECARD AG | DE0007472060

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Inhaltsverzeichnis:


    Steinhoff International – Immer noch ein Spielball der Spekulanten

    Noch Anfang September gab es bei den Steinhoff-Anhängern große Hoffnungen auf die Gläubigervereinbarung, der Kurs schoss von 10 auf über 20 Cent bei riesigen Umsätzen von teilweise über 5 Mio. Stücken am Tag. Die Ernüchterung folgte allerdings auf den Fuß, schon Ende November notierte der Wert wieder bei 12 Cent. Was war passiert? Die Aktie befindet sich derzeit in einer sonderbaren Wartesituation, denn noch immer hängt die Klage von südafrikanischen Eigentümern aus West Cape in der Luft. Deshalb wurde auch der südafrikanische Vergleichsteil von der zuständigen Gerichtskammer noch nicht bestätigt. Insgesamt fehlen dem aktuellen Gläubigerverfahren immer noch die rechtskräftigen Urteile. Außerhalb des Gerichts gibt es derweil immer noch Anwaltsschlachten, aber kaum messbare Fortschritte der Annäherung.

    Der Aufsichtsrat will den gebeutelten Aktionären der Steinhoff International auf der nächsten Generalversammlung ein Aktien-Optionsprogramm vorschlagen. Denn insgesamt ist die Existenzbedrohung des Konzerns, die seit Bekanntwerden der Bilanzfälschungen bestand, wohl vom Tisch. Für den Aufsichtsrat tritt man nun in die normale Phase einer zwar hochverschuldeten, aber wachsenden Holding von Retailhändlern in Europa, USA, Südafrika und dem Pazifikraum. Ein Zeichen von Selbstsicherheit oder Selbstüberschätzung?

    Wie auch immer - diese Haltung des Aufsichtsrats kann als eine unmissverständliche Botschaft an die übriggebliebenen Opponenten des Vergleichspakets verstanden werden. Offensichtlich will man den laufenden Vergleichsgesprächen den letzten Ansporn zur gütlichen Lösung verleihen. Zu wünschen wäre natürlich ein Ende der Unsicherheit für alle Stakeholder – dann würde die jahrelang betriebene Spekulation auch endlich aufgehen.

    Desert Gold Ventures – Für schwache Kurse gibt es keinen Grund

    Auch mit der Aktie von Desert Gold geht es rauf und runter. Dies liegt primär nicht an der Gesellschaft, sondern eher am Goldpreis, der seit Erreichen eines neuen Jahreshochs bei 1950 USD sehr volatil seitwärts tendiert. Auch in den letzten Wochen ging es wieder abwärts, mehr als 100 USD Verlust musste die Unze vom Novemberhoch bei 1.880 USD wieder einkassieren. Ein schlechtes Umfeld für kleine Gold-Explorer, die ihre Phantasie durch den Fund von Vererzungen erzeugen und sich in diesem Umfeld auch immer wieder refinanzieren müssen.

    Desert Gold Ventures ist eine kanadische Goldexplorations- und Entwicklungsgesellschaft, die sich auf Vorkommen im afrikanischen Staat Mali konzentriert hat. Das Flaggschiffprojekt der Kanadier ist das 410 Quadratkilometer große SMSZ-Projekt (Senegal Mali Shear Zone) in der Nähe von großen Produzenten wie Barrick Gold. Nach der Bearbeitung von 20 Goldzonen auf dem Explorationsgebiet erhärtet sich die Vermutung, dass die gesamte Region aufgrund ihrer geographischen Eigenheit noch deutlich mehr Potenzial aufweist als bislang geglaubt. Das Unternehmen konnte sich gerade durch eine Kapitalerhöhung mit weiteren 3 Mio. CAD finanzieren und will die Untersuchungen des neuen Bereichs Kolomba bereits im ersten Quartal 2022 fortsetzen. Hier wurden historisch schon Goldgehalte zwischen 1,5 und 21 g/t gefunden, die letzten Explorations-Aktivitäten fanden auf der Liegenschaft im Jahr 2003 statt.

    Jared Scharf, President & CEO Desert Gold: "Unsere Erfolge bei den Bohrungen und dem Erwerb von Grundstücken im Jahr 2021 belegen eindeutig das außergewöhnliche Explorationspotenzial unseres SMSZ-Projekts. Durch die Bohrungen haben wir sowohl bestehende Goldzonen erweitert als auch neue Zonen entdeckt, wie etwa unsere jüngste Entdeckung Gourbassi West North."

    Aktuell läuft in Kanada die „Tax Loss Season“ – meint Aktien, die tendenziell über das Jahr gerechnet im Minus liegen, werden weiter abverkauft, um steuerliche Vergütungen zu erhalten. Damit könnte man spekulativ auch bei Kursen zwischen 0,10-0,13 CAD zum Zug kommen. Immerhin kommt die Aktie von einem Jahreshoch bei 0,24 CAD. Auch Majors schauen am Jahresende genau in die Orderbücher.

    China Evergrande – Kommt nun doch noch die Zahlungsunfähigkeit?

    Noch ein schneller Wechsel nach Asien zur gebeutelten Evergrande aus China. Der Immobilienriese ist derart verschuldet, dass Ratingagenturen vor einem unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall warnen. Die Gerüchte wollen seit Monaten nicht abebben, dass die erhoffte Rettung in letzter Minute noch schief geht. Das wäre für die Aktie ein Desaster, denn Bondgläubiger hätten bei Zinsausfall ein Vollstreckungsrecht auf die Vermögenswerte.

    Das trifft dann vor allem die Eigenkapitalgeber, welche über den Immobilienbestand des Unternehmens nicht besichert sind. Von Chinas Regierung ist wohl keine Hilfe zu erwarten, man hat schon verlauten lassen, dass die Devisenreserven des Landes nicht für Unternehmensrettungen zur Verfügung stehen. Nun haben sich die Probleme des mit angeblich über 300 Mrd. USD verschuldeten Unternehmens offenbar stark zugespitzt, das gilt übrigens auch für den Konkurrenten Kaisa. Beide Unternehmen sind nun von der Agentur Fitch auf die Stufe "Restricted Default (RD)" gesetzt worden.

    Jüngst hatte auch die renommierte Ratingagentur Standard & Poor’s einen Zahlungsausfall von Evergrande als "unvermeidbar" bezeichnet. Damit bestätigten die Experten Meldungen von Anfang der Woche, wonach Evergrande am 6. November fällige Zinszahlungen in Höhe von 82,5 Mio. USD an ausländische Gläubiger offenbar auch nach Auslaufen der 30-tägigen Karenzzeit nicht bedient hatte. Weder das Unternehmen noch der zuständige Treuhänder haben sich bislang dazu geäußert. Der kleinere Wettbewerber Kaisa hat wohl eine Umschuldung in letzter Minute eingeleitet.

    Die Folgen der chinesischen Immobilienkrise auf die Gesamtwirtschaft sind noch völlig noch unklar. Angesichts der Bedeutung des Immobilienmarkts und der mit ihm verbundenen Branchen für das chinesische BIP haben einige Analysten ihre Wachstumsprognosen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter nach unten geschraubt. In diesem fortgeschrittenen Zyklus ist ein Engagement in China Evergrande-Aktien nicht mehr anzuraten. Rechnen Sie angesichts der hohen Fremdverschuldung mit einem Totalverlust. In Sachen Wirecard starb die Hoffnung dann auch abrupt.


    Die Suche nach möglichen Turnaround-Punkten ist bisweilen mühsam und orientiert sich an vielen Parametern. Die Chartanalyse gibt zwar Hinweise, wesentliche Fundamentaldaten können aber nicht außer Acht gelassen werden. Steinhoff könnte es mittelfristig wohl schaffen, China Evergrande muss da schon riesige Überzeugungsarbeit leisten und seine Zinsen schnellstens zahlen. Bei Desert Gold gibt es eher interessante Einstiegschancen mit einem soliden Discount.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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