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22.11.2021 | 04:44

TeamViewer, SAP, Aspermont, Palantir – Lockdown in spe: Corona treibt die Online-Welt!

  • Big Data
  • Technologie
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Bildquelle: pixabay.com

Die Börsen erreichten auch in der letzten Woche wieder neue Höchststände. Der geneigte Beobachter fragt sich langsam, was hier von einer Woche auf die andere immer gefeiert wird? Die Regierungen verhängen wieder unterschiedliche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, selbst der Lockdown wird durch die Maßnahmen in Österreich wieder salonfähig. Eigentlich hatten viele gehofft, dass die Impfungen uns einen besseren Winter bescheren als im vergangenen Jahr. So scheint es aber aufgrund historischer Ansteckungszahlen in Deutschland nicht zu sein. Wer hier noch an eine florierende Wirtschaft glaubt, muss schon starke Nerven haben. Wir blicken auf ein paar Unternehmen, die trotz des Pandemiegeschehens weiter stark wachsen können.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ASPERMONT LTD | AU000000ASP3 , SAP SE O.N. | DE0007164600 , TEAMVIEWER AG INH O.N. | DE000A2YN900 , PALANTIR TECHNOLOGIES INC | US69608A1088

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Inhaltsverzeichnis:


    TeamViewer – Völlig aus dem Tritt gekommen

    Dass die strategische Aufstellung von TeamViewer bestens in die Pandemie-Landschaft passt, hat sich an der Börse scheinbar noch nicht herumgesprochen. Im Gegenteil – täglich geht es mit dem Kurs nach unten, in der letzten Woche landete der Preis sogar wieder in der Nähe des Alltime-Low bei etwa 12,50 EUR. Sogar der Kapitalmarkt-Tag am 10.11.2021 konnte im Nachhinein nicht überzeugen. Und Großanleger, wie die Capital Group, steigen auch auf diesem Niveau noch aus. Hält man sich die strategische Aufstellung vor Augen, so kann man es kaum glauben. Denn mit Videokonferenzen und IT-Fernwartungssoftware ist man für die Notwendigkeiten in einer Pandemie gut präpariert. Im Bereich Augmented Reality ist TeamViewer nach der Übernahme der Ubimax bestens aufgestellt, die Zahlen zeigen aber weiterhin Schwächen.

    Zum dritten Quartal wurde ein Umsatzzuwachs von nur 9% auf 127,7 Mio. EUR gemeldet, trotz massiver Werbemaßnahmen, z.B. auf den Trikots von Manchester United. Dass operativ nichts hängen bleibt, könnte auch an den immensen Kosten für den Sponsoringvertrag liegen, sie sollen pro Saison satte 50 Mio. EUR ausmachen. Als Konzernergebnis blieben nur noch 3,7 Mio. EUR für die Aktionäre, das war vielen Investoren ein Tick zu wenig. Positiv ist allerdings der Anstieg der zahlenden Abonnenten um 10,8% auf 628.000 zu werten. Die Aktie fiel dennoch wie ein Stein.

    Nun stehen wir mit dem beginnenden Winter vor neuen Kontaktbeschränkungen und der nächsten Home-Office-Welle. Das ist eigentlich ein Parade-Umfeld für die Software von TeamViewer. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch 2,5 Mrd. EUR wird das Technologieunternehmen für Branchengiganten wie SAP oder Microsoft mittlerweile zu einem Schnäppchen. Bei aller kurzfristiger Enttäuschung sollte man daher genau aufpassen, dass der mögliche Turnaround nicht mit Vollgas am eigenen Depot vorbeirast. Einsammeln und abwarten, bis die 15 EUR-Marke zurückerobert wird. Dann aber beherzt zugreifen, denn die 20 EUR-Linie kann in der hochliquiden Aktie in sehr kurzer Zeit erreicht werden.

    Aspermont Ltd. – Das Multitalent aus Australien

    Ganz anders läuft es bei dem Kapitalmarkt-Spezialisten Aspermont Ltd. aus Perth - ein Medien- und Fintech-Unternehmen in einem. Das Stammgeschäft von Aspermont ist schon sehr alt und umfasst die Herausgabe der beiden dienstältesten, regelmäßig erscheinenden Publikationen für den Bergbau-Sektor, das Mining Journal und das Mining Magazine. Beide Druck-Publikationen gehen in ihrer Gründung auf das letzte Jahrtausend zurück und bedienen eine sehr große Leserschaft.

    In den letzten fünf Jahren hat sich das Geschäftsmodel spannend entwickelt. Zum einen wurde das Presse- und Mediengeschäft weitestgehend digitalisiert, zum anderen dockte man das Kapitalmarktgeschäft an und ergänzte die Vertriebsseite um eine Fintech-Strategie. Der heutige Konzern ist also ein Dienstleister für weltweit notierte Aktiengesellschaften mit dem Schwerpunkt Rohstoffe, der gleichzeitig in die Kapitalvermittlung einsteigt. Die Australier gründeten zu diesem Zweck eine Plattform zur Vermittlung von Investoren an kapitalsuchende Unternehmen. Um den nötigen Dealflow zu erzeugen, arbeitet man mit Unternehmensberatungen und Wertpapierhändlern an mehreren Standorten wie z.B. Singapur, Tokio und Sidney im engen Verbund zusammen.

    Das Unternehmen wird seit diesem Jahr auch in Deutschland gehandelt und hat Anfang November seine Zahlen zum 4. Quartal vorgelegt. Der Umsatz erhöhte sich um 24% auf 4,3 Mio. AUD, der stärkste Zuwachs gelang dabei mit +162% im Bereich Datengeschäft, aber auch das Software- und Servicegeschäft wuchs zweistellig. Der Bruttogewinn stieg indikativ von 2,0 auf 2,8 Mio. AUD und das ganze bei einer respektablen Marge von 65%. Die Veränderung des Konzerns trägt also schon gut Früchte, denn auch die Anzahl der Kunden und der korrespondierende ARPU (Umsatz pro Kunde) legen ordentlich zu.

    Nach mehreren Jahren der Investitionen kommt Aspermont nun langsam in die Erntephase. Die Cashflows steigen spürbar, da nach vielen ausgefallenen Roadshow-Veranstaltungen im Sommer auch ein gewisser Nachholeffekt bei den Auftraggebern zu spüren ist. Die Skalierung des Geschäfts kann sich nun noch beschleunigen, da jeder neuer Kunde die Ertragsbasis erhöht, aber damit nicht zwingend eine Kostensteigerung eintritt. Beim Aktienkurs bewegt sich trotz der guten Meldungen derzeit wenig, man kann den Wert in Australien zu 0,022 AUD oder in Deutschland bei etwa 0,015 EUR erwerben. Die Umsätze sind so hoch, dass jede Positionsgröße gehandelt werden kann.

    Palantir Technologies – Der Datensammler konnte nicht überzeugen

    Nicht überzeugen konnte Palantir Technologies, der Daten-Sammler aus Denver (Colorado). Bei seiner Q3-Präsentation musste man im operativen Bereich eine Marge von nur 22% eingestehen, was sequentiell sogar eine Verschlechterung zu den Vorquartalen war, welche immer über 30% lagen. Auffällig bleibt, dass der Big Data-Spezialist zwar im Umsatz mit plus 35% auf 392 Mio. USD durchaus wachsen kann, unter dem Strich aber immer noch ein operatives Minus von 102 Mio. USD stehen bleibt.

    Wie schon oft angemahnt, ist die Gewinn- und Verlustrechnung durch hohe Vergütungen für aktienbasierte Einkommen belastet. Hierbei muss das Unternehmen Aktien teuer am Markt einkaufen, um sie Mitarbeitern als Bonus-Komponente auszahlen zu können. Das Palantir Geschäftsmodell ist eigentlich sehr vielversprechend, denn man verdient an allen Zukunftstechnologien, die eine hohe Datenmenge verarbeiten, wie z.B. der autonomen Mobilität oder Raumfahrt. Weiterhin ist man mit seinen Big Data-Analysetools auch bei der Vergabe lukrativer Regierungsaufträge an Bord.

    Wenige Geschäftsmodelle sind so disruptiv wie Palantirs Plattformen. Die Marktkapitalisierung der Aktie ist durch einen 25%-Einbruch wieder auf rund 42 Mrd. USD gesunken und auch der technische Trend ist ein wenig angeschlagen. Wichtig ist es jetzt, dass die markante 20 USD-Marke in den nächsten Tagen hält und das Investoreninteresse auf dem ermäßigten Niveau wieder zurückkehrt. Denn unter 20 USD gibt es charttechnisch keine Haltelinie mehr.


    Unternehmen, die ihr Glück in der Digitalisierung suchen, sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Palantir ist ein großer Fisch in der Datenanalyse, TeamViewer ist stark in der Datenübertragung und im Joint-Working. Aspermont Ltd. ist für Investoren und Unternehmen gleichermaßen tätig. Schafft man deren Vernetzung, ist im Dienstleistungsgeschäft eine hohe Schlagzahl zu erwarten.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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