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10.10.2023 | 04:45

Wasserstoff vor dem Rebound! Nel, First Hydrogen, ThyssenKrupp Nucera im Fokus

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Bildquelle: pixabay.com

Das Börsenumfeld ist derzeit nicht von Partylaune geprägt. Viele Konflikte und politische Ungewissheit beherrschen die Gemüter. Auch die Wasserstoff-Titel sind für Anleger nicht von größeren Kurskorrekturen verschont geblieben. Investoren mit einem gesunden Langfrist-Fokus sollten aber ein paar Jahre nach vorne blicken. Denn Klimawende und alternative Energien kommen am Thema Wasserstoff nur schwer vorbei. Die öffentlichen Initiativen werden also steigen, wenn nicht heute dann morgen. Schon heute gibt es aber die gesamte Branche mit hohen Kursabschlägen zu kaufen. First Hydrogen ist sehr innovativ unterwegs und für Nel sowie ThyssenKrupp gibt es gute Rebound-Chancen. Wir rechnen nach.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , THYSSENKRUPP NUCERA AG & CO KGAA | DE000NCA0001 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042

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Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA – Erster Rebound-Versuch

    Ein Trauerspiel was derzeit beim norwegischen Wasserstoff-Pionier Nel ASA zu beobachten ist. Zwar lagen die Halbjahreszahlen des Konzerns im Rahmen der Erwartungen, der Kapitalmarkt hat seine Perspektiven für kapitalintensive Branchen aber stark nach unten korrigiert. Denn seit etwa 12 Monaten hat sich das Refinanzierungsniveau verdoppelt, d. h. Firmenkredite gibt es jetzt nicht mehr zu 3 % sondern 6 bis 8 % sind die Regel geworden. Im Wasserstoff-Sektor muss noch über Jahre investiert werden, um eine ökonomische Alternative zu anderen Energieformen zu schaffen. Aktuell ist die Erzeugung von Grünem Wasserstoff nur mit ausreichend regenerativer Energie aus Wasser, Wind oder Solaranlagen plausibel. Der Produktionspreis ist jedoch im Vergleich zu Gas, Öl oder Kohle immer noch viel zu hoch.

    Wir begleiten die Nel-Aktie schon sehr lange und hatten zuletzt bei 1,25 EUR den Ausstieg empfohlen. Das damals auffällig hohe Kurs-Umsatz-Verhältnis hat sich zwar auf Basis des Jahres 2024e nun von 12 auf den Faktor 6 verringert, gleichzeitig wurde aber die erste Gewinnerwartung auf das Jahr 2026 verschoben. Das haben die Investoren sehr negativ aufgenommen und den Kurs um weitere 50 % auf 0,63 EUR nach unten geschickt. Bereits am 25. Oktober gibt es die 9-Monatszahlen, bis dahin könnte ein kleiner Hoffnungs-Rebound anstehen. Die Volatilität in der Aktie dürfte aber sehr hoch bleiben. Analytisch bleibt der Titel teuer, die Experten der Credit Suisse votieren mit „Underperform“ und einem Kursziel von umgerechnet 0,70 EUR. Spekulanten achten auf das Momentum.

    First Hydrogen – Heute LIVE auf dem International Investment Forum

    In der Branche ist das kanadische Unternehmen First Hydrogen kein Unbekannter mehr, denn seit einigen Jahren liefert das Unternehmen zahlreiche Innovationen für den H2-Mobilitätsmarkt. Neben dem Bau eines wasserstoffbetriebenen Leicht-LKWs kümmert man sich auch um die Erzeugung des begehrten Brennstoffs. First Hydrogen hat sich klar das Ziel auf die Fahnen geschrieben, den grünen Wasserstoff als Energiequelle im Transportwesen zu etablieren. Dazu benötigt es natürlich die entsprechenden Produktionskapazitäten und die richtigen Partner für eine groß-industrielle Umsetzung der Vorhaben.

    „Hydrogen-as-a-Service“ ist das Stichwort. Gemeint sind geschlossene H2-Kreisläufe, welche sowohl die Entwicklung entsprechender Fahrzeuge umfasst, als auch die komplette Soft- und Hardware für ein effizientes Betreiben dergleichen. Im Sommer dieses Jahres hat man bereits den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie für die Entwicklung einer 35-MW-Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff und den Bau einer Fahrzeugmontagefabrik in Quebec unterzeichnet.

    Im September präsentiert First Hydrogen nun den nächsten Meilenstein. Denn von dem Flottenmanagement-Unternehmen Rivus hat man eine positive Einwertung der Versuche mit dem wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenfahrzeugs von First Hydrogen im Vergleich zu ähnlichen batterieelektrischen sowie Dieselfahrzeugen erhalten. Alle Fahrzeuge wurden in denselben Betriebszyklen eingesetzt und getestet. Der Bericht vermittelt einen unabhängigen ersten Eindruck und testiert wesentliche relative Vorteile in der Fahrzeug-Effizienz bei unterschiedlichen Beladungsfaktoren. Mit diesem Votum weckt First Hydrogen das Interesse von Homeshopping- und Paketzustellungsunternehmen, die wegen des Kostendrucks und öffentlicher Nachhaltigkeits-Erfordernisse nach modernen Lösungen suchen. Global Market Insights geht in einer neueren Studie davon aus, dass der Markt für Paketzustellfahrzeuge bis 2032 ein Volumen von 210 Mrd. USD erreichen wird. Hier wird First Hydrogen einen Teil des Marktes für sich beanspruchen.

    Die Aktie von First Hydrogen konnte sich der Korrektur im H2-Sektor nicht ganz entziehen, jüngst steigen die Umsätze aber wieder und der Kurs kletterte binnen weniger Tage um 17 %. Heute um 16:30 Uhr tritt Robert Campbell, CEO der Energiesparte vor die Kamera des International Investment Forum. Investoren sind gespannt auf die neuesten Entwicklungen. Hier geht´s zur Anmeldung.

    ThyssenKrupp – Die neuen Pläne für die Tochter Nucera

    Beim Duisburger Stahlriesen brodelt die Gerüchteküche. Denn angeblich möchte der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky einsteigen. Wie in Medienkreisen bekannt wurde, sind bereits intensive Gespräche geführt worden, die Hälfte der Stahlsparte stehe auf dem Plan. Der Milliardär strebt keine Kontrollmehrheit an, würde dem liquiditätsschwachen MDAX-Konzern aber in Sachen günstiger Energie unter die Arme greifen. Die Zeit drängt, denn ThyssenKrupp muss unter dem Druck steigender Refinanzierungskosten seine langjährige Restrukturierung schnellstens finalisieren.

    Was die langjährige Chefin Martina Merz nicht in trockene Tücher bringen konnte, hat der neue Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez wohl auf seiner Prioritätsliste. Der Konzern muss reorganisiert werden, damit die Zukunft der 96.000 Mitarbeiter gesichert werden kann. Mit der EU hatte man vor kurzem eine milliardenschwere Förderung für die Umstellung der Stahlproduktion auf Wasserstoff erhalten. Nun geht es darum, eine Lösung für die anderen Sparten zu finden. Auch Marine Systems steht wohl auf der Verkaufsliste. Bei der Wasserstoff-Tochter Nucera gibt es ebenso strategische Überlegungen. Unter dem Namen „Decarbon Technologies“ sollen Nucera sowie der Großwälzlagerhersteller Rothe Erde und der Anlagenbauer Uhde & Polysius zusammengeführt werden. Das wird im Bereich der Zukunfts-Technologien höchste Effizienzen schaffen und den Konzern robust aufstellen, erläuterte der amtierende CEO auf der letzten Firmenpräsentation.

    Analysten auf der Plattform Refinitiv Eikon trauen der ThyssenKrupp-Aktie mittelfristige Kurse von 9,60 EUR zu, die Empfehlungen lauten dennoch überwiegend auf „Neutral“. Für die mit 20 EUR frisch notierte Tochter Nucera werden nach wie vor 28,50 EUR als mittleres Kursziel veranschlagt, der aktuelle Preis ist allerdings auf 17,50 EUR abgerutscht. Analytisch scheint die Mutter mehr Kurspotenzial zu bieten, denn hier sehen Experten im Konsens ein 2025er KGV von nur 5,9.

    Die Aktien im Wasserstoff-Sektor gerieten in den letzten drei Monaten stark unter Druck. Nicht nur für Spekulanten könnten die ermäßigten Kurse nun attraktiv werden, denn auch Langfristanleger setzen auf den nächsten Megatrend. Quelle: Refinitiv Eikon vom 09.10.2023

    Die Wasserstoffbranche hat an der Börse Höhen und Tiefen erlebt. Im Fokus bleiben dynamische Titel wie First Hydrogen, Nel ASA und ThyssenKrupp Nucera. Wie immer macht das Timing einen großen Teil der zu erwartenden Performance aus. Eine gute Streuung schafft zudem höhere Portfolio-Sicherheit.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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